Vor 28 Jahren entdeckte der amerikanische Politologe James R. Flynn von der University of Otago (Neuseeland) ein Phänomen, das Soziologen noch immer Rätsel aufgibt: Seit Beginn des 20. Jahrhunderts steigt der durch Tests ermittelte Intelligenzquotient (IQ) stetig an. Flynn überprüfte die Ergebnisse aus mehr als zwei Dutzend Ländern und stellte fest, dass die IQ-Werte um durchschnittlich drei Punkte pro Jahrzehnt zunahmen. Seither haben zahlreiche Studien den globalen Aufwärtstrend bestätigt, den man heute Flynn-Effekt nennt.
Und die Werte steigen weiter. "Zu meinem Erstaunen setzt sich der Anstieg im 21. Jahrhundert fort", sagt Flynn. "Wie die neuesten Daten zeigen, klettern die Werte in Amerika weiter um 0,3 Punkte pro Jahr." Der seltsame Effekt treibt den IQ anscheinend unaufhaltsam nach oben. Joseph Rodgers, ein Psychologe an der University of Oklahoma in Norman, überprüfte beispielsweise die Testergebnisse von fast 13 000 amerikanischen Schülern

Tim Folger ist amerikanischer Wissenschaftsjournalist. Er gibt die jährliche Anthologie "The Best American Science and Nature Writing" heraus.
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1. Geistiges Prinzip
26.04.2013, Paul Kalbhen, Gummersbach2. Intelligent oder klug?
03.05.2013, Wolfgang Priebsch, Kiel3. Denken in Kategorien
21.05.2013, Gerhard Rudolf, Bad Homburg von der HöheDenken beginnt wohl mit der Fähigkeit zur Abstraktion und damit zur Begriffsbildung. Es umfasst, mit dem Erkennen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten, das Bilden von Kategorien; ihre Verknüpfung in Form sprachlichen, logischen und mathemathischen Denkens, so wie das Erfassen räumlicher, zeitlicher und logischer Folgen, Zusammenhänge, Brüche und Widersprüche; und das Suchen und Finden von Lösungen und Entwickeln von Experimenten und Theorien und damit von Wissenschaft. Nichts davon unterscheidet den Menschen nach neuerer Forschung grundsätzlich vom Tier, vielmehr dessen Quantität und sytematische Weiterentwicklung, zumal dies neue Qualitäten und in der Konsequenz neue Welten hevorbringt und emergiert.
Je komplexer das Leben ist, umso wichtiger ist es, Kategorien zu bilden, um den Überblick zu behalten, so wie es mit zunehmender Menge Dinge im Haus nötig wird, diese in Schubladen einzuordnen. Nicht zu vergessen ist, dass ein Gutteil des Krams daher kommt, dass man immer mehr Unterschiede macht und erkennt, etwa verschiedene Gläser für verschiedenste und immer mehr werdende Getränke anschafft. War früher das Auto Ausdruck des Lebensstils, sind es heute Wasser, Jogurt und Pausenriegel, deren scheinbare Vielfalt die Supermärkte füllt. Dies ist für die Masse der Bevölkerung in der Tat eine Folge der Industrialisierung. Die aber war wie auch das Ende des Industriezeitalters eine Folge wachsenden Wissens, wie die Vermehrung der Wissenschaften selbst. Das Informationszeitalter revolutioniert sie fast alle und lässt ihre Zahl wie die der Studienfächer und Berufe regelrecht explodieren. Nebenbei erklärt es die vor 20 Jahren einsetzende Abnahme der Rechenintelligenz. Der Computer und seine Anwendungen, beonders das Internet, und nicht nur Videospiele, nutzen Hierarchien und Programmen und Befehlen und bilden die zunehmende Kategorisierung darüber hinaus inhaltlich ab und extensivieren sie.
Über rein hierarchisches und logisches Denken hinaus allerdings geht das Denken in umfassenderen Zusamenhängen und Kategorien. Diese schließen oft scheinbare logische Widersprüche ein und erklären sie auf höherer Ebene. Nichtlineares, höherwertig-logisches und mehrdimensionales Denken sind gefragt, intuitives, assoziatives, analoges und bildhaftes Denken hilfreich. Unenedlich hilfreich wäre das Einschließen kommunikativer und sozialer Intelligenz in den Intelligenzbegriff, da dieser zuerst über die Bildung auf die Kultur und damit auf die Intelligenz zurückwirkt, und da diese Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben sind, was auch Ihr vorhergehender Artikel erwähnt, und nicht zuletzt in vielen Berufen zunehmend gefordert werden. Das Wachstum der Fähigkeit, Kategorien zu bilden allein, zeugt vermutlich nur von der Zunahme der schieren Menge an Wissen und Information und der im Leben zu überschauenden und zu bewältigenden Dinge und Aufgaben.
Interessant wäre zu wissen, welche zwei Dutzend Länder Flynn untersucht hat. Offenbar waren alle Industrieländer, da er die Industrialisierung als Erklärung anführt, und vermutlich westlich orientierte, da er als weitere Ursachen kleine Familien und gebildetete Mütter nennt. Dies erklärte aber noch keinen umfassenden weltweiten Trend - im Gegensatz zu oben Gesagtem. Auch erscheint fraglich, wie die Familiengröße auf die Intelligenz wirken soll. Meine Oma konnte in Verwandschaftskategorien denken wie ich in Verwaltungs- und Stilkategorien. Und bessere Kindernahrung bestimmt wie Hygiene und ärztliche Versorgung die biologische Lebensqualität, die die Grundlage für kulturelle Entwicklung ist.
Und Mitchum tut seiner Großmutter Unrecht, da erstens schon für sie Knöpfe nicht mehr nur Knöpfe waren, den echte nähte sie an seine Kleidung. Und zweitens weil auch ich, und nicht nur ich den Machern von Windows heute noch gelegentlich den Monitor an den Kopf werfen könnte dafür, dass man auf Start drücken muss, um zu beenden, auf Bearbeiten, um etwas zu suchen und vieles mehr, was weder mit Logik noch mit Intelligenz zu tun hat und im Verein mit anderem schlechte Qualität genannt wird.