Viel war in den letzten Jahren die Rede von der Deutungshoheit der Neurowissenschaften. Experimente von Hirnforschern werden gern als schlagende Belege dafür angeführt, dass geistige Phänomene wie Gefühle oder Wünsche bloße Produkte neuronaler Aktivität seien. Die Entdeckung damit verknüpfter biochemischer Mechanismen sowie die faszinierenden Aufnahmen aus dem Hirnscanner gaben dazu Anlass. Doch eine wachsende Zahl von Neuroskeptikern wendet sich gegen diese reduktionistische Sichtweise. Der Brite Nikolas Rose vom Londoner King's College ist einer der profiliertesten unter ihnen.
Herr Professor Rose, seit Jahren machen in der Öffentlichkeit Schlagwörter wie Neuroökonomie, Neurodidaktik oder Neuroethik die Runde. Warum ist alles, was mit "neuro" zu tun hat, offenbar so interessant für die Menschen?
Das Gehirn nahm schon immer einen besonderen Platz im Selbstverständnis des Menschen ein 
Magazin | 08.03.2012
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Die Fragen stellte Steve Ayan, Redaktionsleiter
von G&G. 

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1. Denkvorhänge wirklich nicht durch Medikation beeinflußbar?
20.03.2012, ThinkerHier möchte ich aus eigener Erfahrung widersprechen. Aus dem engen Freundeskreis stellte uns eine Person vor großes Rätselraten und Erstaunen, nachdem diese immer mehr völlig realitätsferne Wahnvorstellungen entwickelte. Wir alle wären Teil eines Komplotts und würden die Person auch mit Kameras überwachen. Die Person verkroch sich voller Panik zu Hause, und man konnte kein normales Gespräch mit ihr führen - wirklich sehr unheimlich und verstörend. Denn zuvor war diese sehr umgänglich und unauffällig!
Es stellte sich heraus, dass die Person über die Jahre regelmäßig eine gewisse Dosis Neuroleptika einnahm, welche sie eigenmächtig abzusetzen versuchte. Prompt glitt der Patient in eine immer abstrusere Psychose. Nachdem es der Familie gelungen war, die Person zur Wiederaufnahme der Medikamente zu bewegen, war sie wieder völlig "normal", und die Vorwürfe (etwa: wir hätten sie verfolgt, beobachtet und sogar Überwachungskameras in den Räumen installiert) waren ihr im Nachhinein sehr peinlich.
Ich denke nicht, dass es sich um einen Einzelfall handelt und wüsste nicht, was - wenn nicht die Medikation - diese völlig drastische Wahrnehmungsveränderung und den völligen Verlust zur Realität ausgelöst und beeinflusst haben sollte!
2. Gehirn und Unfallversicherung
21.03.2012, Dr. rer. nat. Wolfgang Lehmann