Spektrum der Wissenschaft: Medikamente oder Strahlen können eine Krebserkrankung in vielen Fällen wirksam zurückdrängen. Oft schlägt sie aber später erneut zu. Woran könnte das liegen?

Andreas Trumpp: Es mehren sich die Hinweise darauf, dass so genannte Krebsstammzellen den Tumor zurückkehren lassen.

Was muss man sich darunter vorstellen?

Trumpp: Um das zu erklären, muss ich ein wenig ausholen. Wir alle haben in unserem Körper eine ganze Reihe verschiedener Stammzellen. Die adulten Stammzellen des erwachsenen Organismus sind lebenslang dafür zuständig, Gewebe und Organe zu erhalten. Sie bringen jeweils die Zellen des Gewebes oder Organs hervor, dem sie angehören. So produzieren Blutstammzellen mehr als ein Dutzend Zelltypen des Bluts, und aus epithelialen Stammzellen gehen alle Zelltypen der Haut hervor. Eine Haut- oder Blutstammzelle kann aber natürlicherweise keine Nervenzellen generieren. Denn adulte Stammzellen lassen immer nur ganz bestimmte reife Zelltypen entstehen – im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen, die alle Zelltypen des Körpers erzeugen können. Für beide Stammzellsysteme gilt jedoch, dass sie hierarchisch aufgebaut sind.

Was heißt das genau?

Trumpp: Es gibt stets eine Stammzelle an der Spitze der Rangordnung. Sie ist fähig, sich selbst zu erneuern. Wenn sie sich teilt, entstehen zwei Tochterzellen; eine davon bleibt Stammzelle, die andere entwickelt sich weiter. Vom Blut bildenden System, dem bislang am besten untersuchten Stammzellsystem, weiß man, dass sich aus nur wenigen Stammzellen diverse Vorläuferzellen entwickeln, deren Abkömmlinge wiederum zu den verschiedenen Blutzelltypen ausreifen, etwa den weißen und roten Blutkörperchen. Auf diese Weise bringen die Stammzellen Milliarden von Töchtern hervor, obwohl sie selbst nur wenige Exemplare umfassen und entsprechend schwer auffindbar sind …