Die wahren Dimensionen dieser Monstermaschine erschließen sich erst, wenn man direkt davor steht, wenn man den Kopf in den Nacken legt, wenn man zwischen den mannshohen Spulen, den armdicken Kabeln und den Schrauben von der Größe eines Schnellkochtopfs spazieren geht. Noch ist das nur in einem fensterlosen Raum auf dem Gelände des südfranzösischen Kernforschungszentrums Cadarache möglich. Dort, hinter Stacheldraht und Elektrozäunen, haben Ingenieure ein virtuelles Modell des künftigen Fusionsreaktors ITER erschaffen. Ausgestattet mit einer 3-D-Brille und verfolgt von Kameras, kann jeder in das ambitionierte Forschungsprojekt eintauchen, herumblicken und einen Eindruck von dessen Komplexität erhaschen. Und ITER (lateinisch für "der Weg") ist komplex: Das Projekt steht wie kein anderes für große Hoffnungen und enttäuschte Versprechen, für Völkerverständigung und ungelöste technische Probleme. Bereits 1986 hatten sich der damalige US-Präsident Ronald Reagan und sein...