So weit die Vorstellung von Jason Head. Der an der Universität von Toronto-Mississauga beschäftigte Fossilforscher rekonstruiert die Jagdszene aus dem Paläozän anhand einiger nur auf den ersten Blick gewöhnlich erscheinender Rückenwirbel, die er und seine Kollegen mitten im Tagebautrubel des nordkolumbianischen Kohlereviers von Cerrejon aus der Erde geholt hatten. Wo heute Kohle gefördert wird, wuchs einst tropischer Regenwald mitsamt einer bizarren Gigantofauna – ein Paradies für Freunde paläogener Ökosysteme.
Riesenschlangen im Wald
Und das ist konservativ geschätzt, denn wären die fossilen Wirbel gar Teil schmalerer, vorderer oder hinterer Rückenpartien gewesen, so mag ihr Besitzer auch bis zu 15 Meter Länge erreicht haben. Die Schlange hatte damit zu ihrer Zeit sicherlich den Weltrekord als größtes aller Landlebewesen von den Dinosauriern geerbt, die vor 60 Millionen Jahren ja gerade erst ausgestorben waren.
Fein, es war dann also wohl nett mollig, damals. Eigentlich sogar, wissenschaftlich gesehen, zu mollig: Wie manche Ökologen und Klimaforscher bislang kaum hinterfragt angenommen hatten, verträgt ein tropischer Regenwald solche Temperaturen nicht, vor allem wenn auch der entscheidende Niederschlag ausbleibt. Gleichzeitig belegen nun aber viele Vegetationsfossilfunde aus der kolumbianischen Kohlegrube eindeutig, dass sich eine hitzeabhängige Riesenschlange wirklich zwischen Regenwaldbäumen hindurchschlängelte. Sind Tropenwaldökosysteme demnach also härter im Nehmen als gedacht? Vielleicht verkraften sogar auch ihre spärlichen modernen Reste eine Klimaerwärmung um bis zu vier Grad?
Heiße Wälder oder nicht?
Natürlich ist und bleibt das ein Schreckensszenario. Bei den Überlegungen zum per Schlangenfund korrigierten Paläoklima fasziniert die Forscher eher, dass die Resultate jene neuen Messungen stützen, die ebenfalls eine mit alten Methoden noch vor ein paar Jahren nicht nachweisbare, recht hohe Temperatur in den tropischen Breiten vor 60 Millionen Jahren gefunden hatten.
Offenbar schwankt die Temperatur über die Jahrmillionen gesehen auch in den Tropen recht stark, so die Schlussfolgerung – eine Erkenntnis, die vor ein paar Jahren nicht unbedingt im Mainstream der Klimamodellisten lag. Vielmehr standen Hinweise im Vordergrund, dass trotz recht wilder Temperaturschwankungen in höheren Breiten die Bedingungen in den Tropen stets recht gleich blieben – wegen eines in der Ursache nicht genau verstandenen Mechanismus, den man als Tropenthermostat verstehen könnte.
Würde dieser existieren, dann könnte er ja im Prinzip auch im Zeitalter der anthropogenen Klimaveränderung gegensteuern – und zumindest einen Rückzugsraum für die Tropenfauna und -flora bereithalten, in dem sich temperaturtechnisch nicht allzu viel ändert, hoffen manche. Diese Hoffnung stirbt natürlich zuletzt angesichts der Realität – Belege aber finden sich nicht für die Existenz eines Tropenklimagleichreglers. Dass Gigantenschlangen in sehr heißen Tropenwäldern Krokodile verspeisten, belegt jedenfalls eher das Gegenteil.





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