Kommentar
Kopenhagen – quo vadis?
Globale Klimapolitik wird nur Erfolg haben, wenn die größten Kohlendioxidemittenten - China, USA und Indien - mitwirken. Deshalb müssen die Europäer wohl oder übel auf deren Vorstellungen eingehen.
Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao nahm zwar an der Kopenhagener Konferenz teil, machte aber keinerlei Konzessionen: China ist nicht bereit, seine wirtschaftliche Entwicklung zu Gunsten des Klimaschutzes zu bremsen. Es wird keine absoluten Begrenzungen für die Emissionen akzeptieren, sondern nur eine Reduktion im Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistung. Auch in den USA, die pro Kopf der Bevölkerung am meisten Kohlendioxid emittieren, gibt es im Senat und im Repräsentantenhaus massive Widerstände gegen staatliche Eingriffe zum Klimaschutz. Ähnliches gilt für Indien. Alle drei Länder haben das Kioto-Protokoll nicht unterschrieben und lehnen den Handel mit CO2-Emissionszertifikaten ab.
Die Größenverhältnisse werden deutlich, wenn man sieht, dass die Bemühungen der Unterzeichner des Kioto-Abkommens, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, allein durch China zunichtegemacht werden, das seine Emissionen zwischen dem Jahr 2000 und 2010 um 600 Millionen Tonnen gesteigert hat das Fünffache der Reduktion um 118 Millionen Tonnen durch die Unterzeichner des Kioto-Protokolls. Über die Entwicklung des Weltklimas entscheiden also die drei Großmächte China, USA und Indien, und die handeln nach ihren Interessen


Konrad Kleinknecht ist Professor für Physik an der Universität Mainz und beschäftigt sich mit Hochenergiephysik sowie mit der Energieversorgung und dem Klimawandel. Er gehört dem Arbeitskreis Energie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft an, deren Klimabeauftragter er zehn Jahre lang war. Sein Buch "Wer im Treibhaus sitzt - wie wir der Klima- und Energiefalle entkommen" ist 2007 erschienen.
abrufen





Go for Launch |
WILD DUECK BLOG |
Gute Geschäfte |
Anatomisches Allerlei |
Umweltforsch |
Himmelslichter |
Robotergesetze |
Natur des Glaubens |
Fischblog |
Mente et Malleo |
Labyrinth des Schreibens | 






1. Indien hat das Kioto-Protokoll nicht unterzeichnet?
11.03.2010, Ulrike Reichwald, NiederkasselChina und Indien sind im August 2002 Mitgliedsstaaten des Kioto-Protokolls geworden, zweieinhalb Jahre bevor das KP am 16.02.2005 in Kraft getreten ist.
Nachzulesen auf der offiziellen Webseite von United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC):
http://unfccc.int/files/kyoto_protocol/status_of_ratification/application/pdf/kp_ratification_20091203.pdf
2. Politische Ignoranz gegen Klimawandel
16.03.2010, Peter Silberg, DortmundDie USA haben mit der Ablehnung des Kioto-Vertrages bereits beweisen, dass sie ausschließlich ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen vertreten, China hat dies auf der Kopenhagener Konferenz ebenfalls deutlich gemacht.
Leider lässt sich der Klimawandel durch diese politische Ignoranz nicht aufhalten. Ein Umdenken tritt wohl erst ein, wenn diese Länder feststellen, dass ihr Verhalten auch die eigene Wirtschaft/Bevölkerung in Mitleidenschaft zieht.
Der Ansatz des WBGU ist wissenschaftlich fundiert und auch gerecht, da er "irgendeinem Entwicklungsland" - von denen ich nicht ausgehe, dass sie massenweise deutsche Maschinen oder Autos kaufen - die Möglichkeit eröffnet, sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Insbesondere die in Afrika gelegenen Entwicklungsländer spüren bereits jetzt die negativen Auswirkungen des Klimawandels oder werden Sie bald spüren. Daher sollten aus Gerechtigkeitsgründen die Verursacher des Problems auch als Erste die Lösung vorantreiben. Dass dies nicht so ist, liegt an den bestehenden Machtstrukturen, so dass das 2 °C-Ziel wohl wirklich nicht zu halten sein wird.
Auch wenn die Empfehlung des WBGU nicht auf Wohlwollen in China, USA und Indien stößt und wohl auch nicht Grundlage eines weltweiten Abkommens sein wird, so zeigt der auf Basis der bis dato vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse entwickelte Ansatz den richtigen Weg zur Eindämmung des Klimawandels.
Es bleibt abzuwarten, ob ein pragmatischer Ansatz, der unter Zustimmung der größten Ermittenten vielleicht irgendwann zustande kommen wird, zur Problemlösung beitragen kann. Das 2°C-Ziel ist ja nicht ein willkürlich gewähltes Ziel. Es besteht eine nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit, dass bei einer globalen Erwärmung oberhalb 2 °C bestimmt Kipppunkte erreicht werden, so dass durch Rückkopplungseffekte ein erheblich höherer Temperaturanstieg zu befürchten ist. Dann hätten wir zwar das Machbare realisiert, im Endeffekt wäre dieses für viele Menschen aber doch zu wenig.
Seit über 30 Jahren wird über den Klimawandel diskutiert. Was hat die Menschheit seitdem erreicht?
Im Angesicht dieser politischen Realität sollten wir wohl alle ein Apfelbäumchen pflanzen!
3. Schlecht informiert
19.03.2010, Marcel Hänggi, ZürichSchließlich schreibt Kleinknecht, eine globale Zuteilung von Emissionsrechten nach dem Pro-Kopf-Prinzip, wie es der WBGU vorschlägt, würde Deutschland benachteiligen, da dieses seine emissionsintensiv produzierten Güter exportiere. Auch das ist falsch: Nach der bisher umfassendsten Studie zum Thema (Hertwich/Peters 2009) importiert Deutschland mehr Grauemissionen, als es exportiert; es stünde also bei einer Pro-Kopf-Zuteilung "zu gut" da. Freilich wäre das in einem wirklich globalen und funktionierenden Emissionshandelssystem irrelevant, da die Kosten der Emissionszertifikate letztlich via die Produktepreise bei den Konsumenten ankämen - egal, in welchem Land sie produziert wurden.
Dass weder Deutschland noch die EU "im Alleingang die Welt retten" können, ist so richtig wie trivial und entbindet in keiner Weise von der Pflicht zu handeln.