Die moderne Astronomie zeichnet ein lebhaftes Bild des Universums - geboren in einem kataklysmischen Urknall und gefüllt mit exotischen Sternen von gigantischen roten Überriesen mit der Größe ganzer Planetensysteme bis zu hyperdichten Weißen Zwergen und Schwarzen Löchern, die kleiner als die Erde ausfallen. All diese Entdeckungen sind umso bemerkenswerter, als die Astronomen ihre Schlüsse noch aus den schwächsten Lichtschimmern ziehen müssen, die mitunter nur aus einer Hand voll Photonen bestehen. Einer der Schlüssel zu diesen Erfolgen ist ein Diagramm, das zwei Astronomen vor 100 Jahren eingeführt haben. Das nach Henry Norris Russell und Ejnar Hertzsprung benannte Hertzsprung-Russell-Diagramm - kurz H-R-Diagramm - ist eigentlich recht simpel. Die Astronomen tragen in ihm zwei grundlegende Eigenschaften der Sterne gegeneinander auf: ihre Leuchtkraft (also ihre wahre Helligkeit) und ihre Oberflächentemperatur (die sich aus ihrer Farbe ergibt). Das Diagramm hat damit für die Sternenastronomie eine ähnliche Bedeutung wie das Periodensystem für die Chemie: Das Periodensystem fasst chemisch ähnliche Elemente zu Gruppen zusammen, weshalb zum Beispiel die Edelgase in einer Spalte stehen - das H-R-Diagramm praktiziert dies für Sterne...