Als vor 6000 Jahren sumerische Bauern Kanäle aushuben, um das Wasser des Euphrats auf ihre Felder zu leiten, begründeten sie damit die erste Kultur der Menschheitsgeschichte, deren Erfolg auf künstlicher Bewässerung beruhte. Etwa 2000 Jahre lang ernteten sie Weizen und Gerste im Überfluss. Doch ein Großteil des Flusswassers gelangt bei solcher Bewässerung erst gar nicht zu den Pflanzen, es verdunstet. Darin gelöste Verunreinigungen bleiben auf den Feldern zurück, der Boden versalzt und wird zunehmend unfruchtbar – nach Meinung vieler Historiker war dies ein Grund für den Untergang der sumerischen Gesellschaft.

Weltweit werden heutzutage etwa 40 Prozent der pflanzlichen Nahrungsmittel auf bewässerten Böden angebaut, das entspricht 18 Prozent der gesamten Agrarfläche. Dank Bewässerung fahren Landwirte jedes Jahr zwei bis drei ertragreiche Ernten ein. Dadurch hat sich die Weltgetreideproduktion seit 1950 nahezu verdreifacht.

Inzwischen werden zwei Drittel des insgesamt verbrauchten Wassers auf Felder ausgebracht, in vielen Entwicklungsländern gar bis zu 90 Prozent. Wenn im Jahr 2025 – wie erwartet – acht Milliarden Menschen ernährt werden müssen, dürfte der Bedarf der Landwirtschaft um weitere 786 Kubikkilometer steigen – zehnmal mehr, als pro Jahr den Nil hinabfließt. Noch weiß niemand, woher diese Menge genommen werden soll, ohne gleichzeitig die Reserven zu gefährden.

Extremer Süßwassermangel gilt daher als die entscheidende Bedrohung für die Lebensmittelproduktion der Zukunft. Bereits jetzt werden Grundwasser führende Gesteinsschichten und Flüsse oft über das vernünftige Maß hinaus ausgebeutet. Acht Prozent der Nahrungspflanzen stammen aus landwirtschaftlichen Betrieben, die Reservoire schneller leeren, als sich diese wieder auffüllen. Vielen Flüssen wird so viel Wasser entzogen, d