Gewöhnlich bedrohen Grippeepidemien vor allem schwache, ältere und kränkliche Menschen. Doch an der "Spanischen Grippe" starben 1918 und 1919 zur Hälfte zuvor kerngesunde Leute im Alter zwischen zwanzig und vierzig Jahren. Diese schwerste Influenza-Pandemie des 20. Jahrhunderts forderte weit über 20 Millionen Tote, mehr als die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Weltweit erkrankten damals schätzungsweise 500 Millionen Menschen.

Nach Ansicht vieler Epidemiologen kann sich Ähnliches jederzeit wieder ereignen. Erst 1997 rechneten sie mit dem Schlimmsten, als in Hongkong sechs Menschen an einem Vogelgrippe-Virus starben. Doch noch hatte sich das Virus glücklicherweise nicht so weit verändert, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragbar war: Die insgesamt 18 infizierten Personen hatten sich auf den dort üblichen Geflügelmärkten direkt an Hühnern angesteckt. Influenzaviren entwickeln oft sehr schnell neue Eigenschaften. Um dem vorzubeugen, musste unverzüglich sämtliches in Hongkong zum Verkauf angebotene Federvieh – über eine Million Vögel – getötet werden. Einer neuen Grippe-Pandemie hätte, so berechneten damals Experten, weltweit ein Drittel der menschlichen Bevölkerung zum Opfer fallen können.

Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem Hongkonger Influenzavirus tatsächlich um einen neuen Stamm. Solche verheerenden Grippe-Erreger, gegen die Menschen bisher keine Immunität besitzen, treten in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. Meist geschah dies alle paar Jahrzehnte, manchmal aber auch in kürzeren Intervallen. Pandemien – seuchenartig auftretende, weltweite Epidemien – verzeichneten Epidemiologen vor dem Ersten Weltkrieg zuletzt in den Jahren 1890 und 1900. Die schwere Grippewelle von 1957/58, die eine Million Tote forderte, wurde als "Asiatische Grippe" bezeichnet. Bei der "Hongkong-Grippe", der Pandemie von 1968/69, starben in Deutschland zwischen 20000 und 30000, weltweit über 800000 Menschen. Viele Opfer forderten auch die Inf