Einige HIV-Infizierte erkranken nicht an Aids: Dank einer genetischen Besonderheit hält ihr Immunsystem das Virus jahrzehntelang in Schach. Diesen starken Abwehrmechanismus möchten Forscher nun bei anderen Patienten gezielt hervorrufen.
Bruce D. Walker ist Direktor des Ragon Institute
in Cambridge und Professor für Medizin an der
Harvard Medical School in Boston (Massachusetts).
Zudem ist er an der University of KwaZulu-
Natal in Durban (Südafrika) Professor. Seinem
ersten Aidspatienten begegnete er 1981 als
junger Arzt am Massachusetts General Hospital.
Anfang 1995 kam Bob Massie zu mir in die Aids-
Ambulanz am Massachusetts General Hospital in
Boston. Der Mann erzählte, seit 16 Jahren sei er
mit dem HI-Virus infiziert, aber noch niemals
habe er davon irgendwelche Symptome verspürt. Ich untersuchte
ihn gründlich: Er war in dieser Hinsicht tatsächlich
gesund. Von der Immunschwäche Aids keine Spur.
Damals waren die meisten Menschen, die das Virus so lange
trugen, aidskrank, wenn sie nicht schon an den Folgen gestorben waren. Wegen ihrer viel zu schwachen Abwehrkräfte
litten sie an diversen Infektions- und Krebserkrankungen. In
jenen Jahren erprobten Ärzte bei HIV-Infizierten