<i>Anopheles</i>-Mücke beim Stechen
Bildzoom Anopheles-Mücke beim Stechen
Als Johann Gottfried Tulla 1817 begann den Rhein zu begradigen, tat er das zum Hochwasserschutz und nicht, um die Malaria in Deutschland auszurotten. Trotzdem: Durch die Regulierung des Gewässers trockneten die Rheinarme aus und Überschwemmungen wurden immer seltener. Am Ende hatte damit der hiesige Überträger des Parasiten – die Stechmücke Anopheles maculipennis – seine Burtplätze verloren. Sein Zwischenwirt, der Mensch, veränderte zudem seine Gewohnheiten: Die früheren Überschwemmungsgebiete wurden nun für Landwirtschaft genutzt und man siedelte sich in flussentlegeneren Regionen an. Das machte den Weg des Moskito zu seinem Wirt beschwerlicher; gleichzeitig aber hatte der Parasit noch ein schwerer wiegendes Problem: Bei den niedrigen Temperaturen in Deutschland ist sein Lebenszyklus so langsam, dass eine Mücke etwa fünf Blutmahlzeiten braucht, bis der Einzeller infektiös ist. Das Insekt musste also mindestens fünf mal von seinen Brutgewässern zum Blutwirt fliegen – der nun im Durchschnitt knapp einen Kilometer entfernt vom Fluss zu finden war –, um den Parasit beim Stechen zu übertragen.

Schlechte Karten also für die Malaria. Zum endgültige Aus für den Parasiten wurde aber, dass sein Überträger sich nicht mehr die Mühe machen musste, bis zum Menschen zu fliegen. Stattdessen konnte er nun den in direkter Nähe seiner Brutplätze weidenden Rindern vorlieb nehmen. Damit waren dem Malaria Erreger der Zwischenwirt und so auch die Überlebensgrundlage geraubt.

Zumindest unsere ortsansässige Anopheles-Art wird uns heute demnach wohl keine Infektion mehr bescheren, denn sie hat sich so sehr an die Rinder gewöhnt, dass sie das Vieh heute einem Menschen sogar vorzieht. Und noch etwas hat sich geändert: Der Parasit kann in den Mücken des Rheintals kaum noch überleben – zu grundlegend haben sie sich mittlerweile verändert.

Allerdings gab es in Deutschland ohnehin nie die Malaria, vor der man sich heute fürchtet, sondern nur die mildere Malaria tertiana: Sowohl der Plasmodium-Spezies der gefährlichen Malaria tropica als auch dessen Überträger Anopheles gambiense ist es in Deutschland zu kalt.

Bleibt noch zu klären, ob die Anopheles-gambiense-Mücke vielleicht im Zuge der Klimaerwärmung bald wieder nach Deutschland einwandern könnten. Und immerhin bringen zirka tausend Fernreisenden, die jährlich mit einer Malaria nach Deutschland zurückkommen, auch genügend Parasiten mit zu uns. Auch das bliebe das völlig ungefährlich, solange beide nicht in Kontakt treten, meint etwa der Tübinger Entomologe Jörg Grunewald. Und dies sei extrem unwahrscheinlich: schließlich ist Malaria in Deutschland meldepflichtig und Infizierte werden isoliert – kaum jemals dürfte sich in dieser Situation ein Moskito anstecken, um die Krankheit dann zu übertragen. Mit nur wenig Glück bleibt der im Jahr 1956 gestorbene letzte Malariatote Deutschlands also wirklich der letzte.