Warum aber sind die Augen anfangs nicht einfach weiß oder durchsichtig, solange kein oder wenig Melanin vorhanden ist? Das lässt sich anhand einfacher Lichtbrechungseffekte erklären. Die menschliche Iris, auch Regenbogenhaut genannt, besteht aus zwei verschiedenen Schichten. Einem vorderen Teil, dem Stroma, das die Pigmentzellen enthält, und einem weiter hinten gelegenen Pigmentblatt, dessen Pigmente das Einfallen des Lichts regulieren und das Streulicht filtern. Fällt weißes Licht ein, wird es gestreut und in die einzelnen Regenbogenfarben zerlegt. Weil das Auge einen höheren Anteil des kurzwelligen Lichts reflektiert, erscheint es uns blau. Nach dem gleichen Prinzip bekommt auch der Himmel seine Färbung.
Die Erklärung ist also einfach: Bei der Geburt fehlt den Babys in der Regel das Melanin, das die Augen später färben wird. Blau erscheinen die Augen auf Grund der Art, wie das Licht gebrochen und gestreut wird. Und welche Augenfarbe den Nachwuchs in ein paar Jahren zieren wird – oder ob er nicht doch zu den 10 Prozent der Menschen gehören wird, die ihr Leben lang blauäugig bleiben, müssen wir wohl oder übel dem Willen der Natur überlassen.



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