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Nanomedizin: Impfen mit Nasenspray statt Spritze

Spritze liegt auf Impfpass

Vor allem für Spritzenphobiker wäre das Impfen deutlich angenehmer, wenn die gefürchtete Nadel durch ein simples Nasenspray ersetzt werden könnte. Doch unsere Schleimhaut (Mukosa) hält konventionelle Impfstoffe ab, so dass man auf diesem Weg bisher nur eine lokale Immunität erzeugen kann. Nanokapseln jedoch durchdringen die Sperre, wie nun Adrienne Li und ihre Kollegen vom Massachusetts Institute of Technology an Labormäusen demonstriert haben. Dadurch erzeugen sie ohne Injektion Schutz im ganzen Körper.

Die Forscher verpackten Impfstoffe gegen Infektionen, die in Schleimhäuten entstehen, in mehrschichtige Lipidnanokapseln. Diese sind sehr dicht und stabil strukturiert, so dass sie die Mukosa durchdringen und in die Lymphknoten gelangen, wo sie die zelluläre Immunantwort stimulieren. Die Nanoantigene verabreichten sie Mäusen über die Lungenschleimhaut. Sie stellten fest, dass dadurch die Anzahl derjenigen Zellen anstieg, die im Fall einer Infektion eine schnelle Immunantwort einleiten. Der Anstieg dieser so genannten T-Gedächtniszellen war 13-mal höher als bei löslichen Vakzinen, die in den Blutkreislauf injiziert werden – was die derzeit gängige Impfmethode darstellt.

Obwohl nur die Lungenschleimhaut der Mäuse Antigene aufgenommen hatte, stieg die Konzentration der T-Gedächtniszellen auch in anderen Schleimhäuten im Körper an – beispielsweise im Verdauungs- und Vaginaltrakt. Dies zeigt: Die Immunität bschränkt sich nicht auf den Ort der Applikation, sondern die Antigene werden auch an entferntere Stellen im Körper transportiert, wo sie bei lokalen mukosalen Infektionen für eine effektive Immunantwort sorgen. Daher könnte in ferner Zukunft gegen Influenza oder Humane Papillomviren womöglich ohne Spritzen über die Schleimhaut geimpft werden, so die Forscher.

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