Naturschutz
Gibt es ein unsichtbares Artensterben?
Ökologen warnen vor einem massenhaften Artensterben, doch selbst manche Biologen zweifeln an den Katastrophen-Szenarien, während Naturschützer das Problem durch die Fixierung auf medienwirksame Wirbeltiere eher verschleiern als lösen helfen. Tatsächlich ist es äußerst schwierig, das ganze Ausmaß des Artenschwunds zu ermitteln, den Schaden konkret zu beziffern und wirksam Abhilfe zu schaffen.
W. Wayt Gibbs
Bei seiner Eröffnungsrede am nächsten Morgen setzte Robert M. May alles daran, eventuell verbliebenen Optimisten auch die letzten Reste von Zuversicht zu nehmen. Der Zoologe von der Universität Oxford ist Präsident der Royal Society und war bis zum Jahr 2000 oberster wissenschaftlicher Berater der britischen Regierung. Nach seinen neuesten groben Schätzungen hat die Aussterberate – die Geschwindigkeit, mit der biologische Arten von unserem Planeten verschwinden – im Laufe des 20. Jahrhunderts etwa tausendmal höhere Werte erreicht, als sie vor dem Auftreten der Menschheit hatte. Verschiedene Überlegungen, erklärte er, "legen nahe, dass sie in den nächsten hundert Jahren noch einmal um etwa den Faktor zehn steigt Und das brächte uns direkt an den Rand der sechsten großen Extinktionswelle in der Geschichte des irdischen Lebens."
Doch sparte May auch nicht mit Kritik an der eigenen Zunft. Er warf Biologen und Umweltschützern einen "absoluten Wirbeltierchauvinismus" vor. Ihre einseitige Ausrichtung auf Säuger, Vögel und Fische untergrabe alle Bemühungen, Ausmaß und Folgen des tatsächlichen Verlusts an biologischer Vielfalt zuverlässig vorherzusagen – schließlich sei der Großteil der Biodiversität anderswo zu finden. Dies stelle auch den Sinn der Konzentration auf "Hotspots" in Frage: Schwerpunkt-Regionen, in denen a

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