Unter den Wissenschaftlern, die sich letzten August zur Jahrestagung der Society for Conservation Biology in der Stadt Hilo auf Hawaii versammelt hatten, war die Verzweiflung mit Händen zu greifen. "Ich bin bloß froh, dass ich bald in Pension gehe und nicht mehr sehen muss, wie alles verschwindet", klagte P. Dee Boersma, der frühere Präsident der Gesellschaft, während des Abendessens am Eröffnungstag. Andere Veteranen der Feldforschung rund um den Tisch pflichteten ihm mit düsterem Gemurmel bei.

Bei seiner Eröffnungsrede am nächsten Morgen setzte Robert M. May alles daran, eventuell verbliebenen Optimisten auch die letzten Reste von Zuversicht zu nehmen. Der Zoologe von der Universität Oxford ist Präsident der Royal Society und war bis zum Jahr 2000 oberster wissenschaftlicher Berater der britischen Regierung. Nach seinen neuesten groben Schätzungen hat die Aussterberate – die Geschwindigkeit, mit der biologische Arten von unserem Planeten verschwinden – im Laufe des 20. Jahrhunderts etwa tausendmal höhere Werte erreicht, als sie vor dem Auftreten der Menschheit hatte. Verschiedene Überlegungen, erklärte er, "legen nahe, dass sie in den nächsten hundert Jahren noch einmal um etwa den Faktor zehn steigt … Und das brächte uns direkt an den Rand der sechsten großen Extinktionswelle in der Geschichte des irdischen Lebens."

Doch sparte May auch nicht mit Kritik an der eigenen Zunft. Er warf Biologen und Umweltschützern einen "absoluten Wirbeltierchauvinismus" vor. Ihre einseitige Ausrichtung auf Säuger, Vögel und Fische untergrabe alle Bemühungen, Ausmaß und Folgen des tatsächlichen Verlusts an biologischer Vielfalt zuverlässig vorherzusagen – schließlich sei der Großteil der Biodiversität anderswo zu finden. Dies stelle auch den Sinn der Konzentration auf "Hotspots" in Frage: Schwerpunkt-Regionen, in denen a