In seinem berühmt gewordenen Vortrag "Über die Grenzen des Naturerkennens ", die der Physiologe und Philosoph Emil Du Bois-Reymond 1872 vor der 45. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Leipzig hielt, erklärte er unter anderem, "dass nicht allein bei dem heutigen Stand unserer Kenntniss das Bewusstsein aus seinen materiellen Bedingungen nicht erklärbar ist, was wohl jeder zugiebt, sondern dass es auch der Natur der Dinge nach aus diesen Bedingungen nie erklärbar sein wird". Er schloss seine Rede mit dem Ausspruch "Ignorabimus" – wir werden es niemals wissen.
Von diesem ungeheuer einflussreichen Diktum lässt sich Antonio Damasio nicht anfechten. Der portugiesische, heute an der University of Southern California in Los Angeles lehrende Neurowissenschaftler unternimmt den kühnen Versuch, die Entstehung des Bewusstseins vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse der Hirnforschung zu entschlüsseln. Auch er hält den bewussten Geist für rätselhaft, aber im Gegensatz zu Du Bois-Reymond das Rätsel für lösbar


Der Rezensent hat Philosophie und Literatur
studiert; er ist Musiker und schreibt für diverse
Onlinemagazine.
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1. Rezension zu 'Selbst ist der Mensch'
04.03.2012, Gernot DittrichIn der vorliegenden Rezension ist das Buch nicht wiederzuerkennen. Damasio gehört zum Kreis der führenden Kognitionswissenschaftler, behauptet jedoch nicht, bereits fertige Lösungen für das Phänomen Bewusstsein anbieten zu können. Vielmehr versucht er einige Schritte in diese Richtung auszuloten. Dass er dabei mit den Verfechtern der philosophischen Richtungen, die den "Geist" in die Metaphysik auslagern, nicht sehr zimperlich umgeht, mag wohl mit eine Ursache für diese seltsame Rezension sein.
2. Der Rezensent will es nicht wissen
04.03.2012, Dr. Kurt Langner3. Die Philosophie ist nur noch sehr bedingt geeignet, einen Beitrag zur Wissenschaft zu liefern.
09.03.2012, Frank WohlgemuthWorum es hier in der Forschung geht, ist das Bewusstsein von der Funktion her zu begreifen und zu beschreiben. Und das bedeutet auch ein Begreifen der Vorteile des Bewusstseins gegenüber einer unbewussten Informationsverarbeitung; wenn die in der Summe nicht da wären - Köstler hin oder her -, existierten wir nicht. Bei dieser Fragestellung sind solch komische Probleme wie "Wie kann etwas Immaterielles wie Bewusstsein aus etwas Unbewusstem wie Materie entstanden sein?" Scheinprobleme, die auch nicht von den Biowissenschaften gelöst werden, sondern irgendwann zufällig von der Informatik, wenn die entdeckt, dass irgend ein hierarchisches künstliches System plötzlich eine Ebene besitzt, die wir nur noch als Bewusstsein beschreiben können.
Ich gehe davon aus, dass Löhr auch das Qualia-Problem für ein solches hält, und bin nachgerade entzückt, dass er uns das in dieser Rezension vorenthalten hat.