Die Neurowissenschaft ist ein zersplittertes Feld: Gut 10 000 Labore weltweit verfolgen jeweils ihre eigenen Ziele aus einer Palette unterschiedlichster Fragestellungen - seien es Prozesse auf Millisekundenebene oder Entwicklungsvorgänge, die Jahre in Anspruch nehmen, am Beispiel von einfachsten Organismen bis hin zu so komplexen wie dem Menschen. Die Rasanz, mit der das Feld neue Entdeckungen hervorbringt, wird jeden beeindrucken, der auch nur an einem einzigen größeren Symposium zur Hirnforschung teilnimmt: 50 000 oder mehr Forscher, die in alle Richtungen auseinanderstreben wie in einer Art großem, wissenschaftlichem Urknall. Natürlich ist es unabdingbar, dass Forscherteams unabhängig voneinander arbeiten. Dennoch hat der Individualismus die Hirnforschung davon abgehalten, ein Stadium der Reife zu erreichen. Es fehlen die gemeinsamen Standards, und umfangreiche Kooperationen zwischen einzelnen Einrichtungen sind selten. Neurophysiologen würden lieber die Zahnbürste ihres Kollegen benutzen, als seine Daten oder Software zu verwenden. Ergebnisse physiologischer Studien werden auf den eigenen Servern gehortet und kaum je online zur Verfügung gestellt;...