Unter dem Gran Sasso d'Italia gibt es viele Kabel. Sie laufen unter der klammen Höhlendecke entlang oder schlängeln sich über den grünen Hallenboden des unterirdischen Physiklabors. Sie verschwinden in Oszilloskopen, Magneten oder Stromkästen. Andere Kabel stecken in der Rückseite von Computern, Plastiklaschen bündeln sie zu Datenströmen. Die meisten Kabel der Wissenschaft sind schwarz, grau oder weiß. Sie fallen nicht weiter auf. Das berühmteste Kabel der jüngeren Wissenschaftsgeschichte ist allerdings gelb. Versteckt in einem unauffälligen Container, läuft es in einen Computertower. Das Kabel gehört zu Opera, dem "Oscillation Project with Emulsion tRacking Apparatus". Seinetwegen waren Physiker fünf Monate lang in heller Aufregung, und seinetwegen zweifelten Laien plötzlich am Genie Albert Einsteins - die Physik war plötzlich spannend wie ein Bühnenspiel. Dabei weist Opera "nur" Neutrinos nach, für viele Nichtphysiker ein eher abstrakter Gegenstand. Dass die flüchtigen ladungsfreien Elementarteilchen gewöhnliche Materie...