Knockout-Organismen sind absichtlich geschaffene Mangelwesen: Ihrem und dem Chromosomensatz ihrer Nachkommen fehlt ein ganz bestimmter Erbgutabschnitt, den Forscher zuvor gezielt ausgeschaltet haben, um dann die Folgen dieses Ausfalls beobachten zu können und damit Rückschlüsse auf Bedeutung und Arbeitsweise des Gens zu ziehen. Die Erkenntnisse, die mit Maus und Co und ihren ausgeknipsten DNA-Abschnitten gewonnen wurden, füllen mittlerweile zahlreiche Bände. Sie haben die Entwicklung vieler Medikamente gegen eine große Zahl von Krankheiten denkbar gemacht.
Capecchi ging das Problem zunächst rustikal an: Er radikalisierte frühere Methoden der versuchten Chromosomenmanipulation, indem er schlicht per Glaspipette defekten Zellen, denen ein bestimmtes Enzym-Gen fehlte, DNA-Abschnitte mit der funktionieren Genvariante injizierte. Tatsächlich bauten relativ viele der so behandelten Zellen die eingeführte Variante in ihre Chromosomen ein – und übertrugen sie nach einer Teilung demnach auch an ihre Tochterzellen.
Zeitgleich mit Capecchi auf dieselbe Idee war auf der anderen Seite des Atlantiks der Brite Smithies gekommen – beide stellte Anträge auf Forschungsfinanzierung, beide wurden zunächst, Stichwort kühne Vision, von den zuständigen Behörden abgewiesen. Beide machten aber unverdrossen weiter und belegten schließlich mit einer Reihe von Versuchen, dass die homologe Rekombination auch in Zellen höherer Lebewesen tatsächlich funktioniert: Im Jahr 1986 erbrachte Capecchi mit einer Publikation in Cell den Nachweis, ein defektes Gen für Antibiotikaresistenz in Säugerzellen per homologer Rekombination durch eine andere Version ersetzen zu können [1]. Wenige Monate zuvor hatte der heute an der Universität von North Carolina beschäftigte Smithies in Nature belegen können, dass kurze ringförmige DNA-Moleküle mit passenden Sequenzen sich punktgenau in das Erbgut menschlicher Zelllinien einbauen und dort homologe Gensequenzen verdrängen [2].
Neugierig geworden, untersuchte Evans nun auch die Blastozysten und erkannte in ihnen eine Gruppe von Zellen, die ebenso totipotent wie die embryonalen Krebszellen waren, ohne aber deren entarteten Charakter zu zeigen – eben die embryonalen Stammzellen. Schon bald gelang es Evans, diese Stammzellen genetisch zu verändern, indem er mit Hilfe von Viren kurze DNA-Abschnitte in sie hineinschleuste, um so genveränderte Mäuse zu erzeugen. Diese Methode war der gerade von Capecchi und Smithies entwickelten homologen Rekombinationstechnik allerdings unterlegen.
Seitdem steigt die Zahl der so entstandenen Mausformen exponentiell an: Die Funktion von mehreren tausend der etwa 22 400 Gene von Maus oder Mensch sind bereits in einem Knockout-Modell untersucht worden, viele mehr mit der grundlegend verwandten Methode des "Knock-In", bei der nicht gezielt Gene ausgeschaltet, sondern stattdessen inaktive, bekanntermaßen krankheitsauslösende Gene eingeschaltet werden. Das gezielte "Gene-targeting" – nur möglich mit den Resultaten der frischgebackenen Nobelpreisträger – hat Physiologie und Medizin revolutionär verändert, schließt das Nobelpreiskomitee denn auch zur Begründung ihrer Wahl.









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