Mit ihrer Entdeckung treten die drei Forscher in die Fußstapfen des wohl berühmtesten Nobelpreisträgers: Albert Einstein. Dieser hatte 1915 in seiner allgemeinen Relativitätstheorie herausgefunden, dass der uns umgebende Raum nicht starr und unveränderbar ist, sondern dass jede Form von Materie ihn verbiegt.
Einstein konnte die Vorstellung eines sich verändernden Universums nicht akzeptieren und führte in die Formeln seiner Theorie kurzerhand eine Größe ein, die für ein statisches Universum mit unveränderlicher Ausdehnung sorgte. Die physikalische Ursache dieser kosmologischen Konstante blieb indes unklar. Als dann in den 1930er Jahren klar wurde, dass das Universum nicht unveränderlich ist, sondern expandiert, gab sich Einstein geschlagen und bezeichnete die Einführung der kosmologischen Konstante als größte Eselei seines Lebens. Doch jetzt ist sie wieder da – und mit ihr die alten Fragen nach ihrer Ursache.
Seit dem Urknall vor etwa 13,7 Milliarden Jahren dehnt sich das Universum aus. Der sich aufweitende "Raumtrichter" soll die beschleunigte Expansion veranschaulichen.
Perlmutters Ziel war es, möglichst viele Supernovae in unterschiedlichen Entfernungen zu messen – ein schwieriges Unterfangen, weil niemand weiß, in welcher Galaxie der nächste Stern explodiert. Möglich wurde dies, indem er mit einem Teleskop jede Nacht ein großes Himmelsfeld ablichtete, in dem sich mehrere tausend Galaxien befanden. Auf diese Weise fand er bis 1994 ganze sieben Supernovae. Obwohl sich in diesen wenigen Messdaten das unglaubliche Ergebnis eines beschleunigten Universums bereits abzeichnete, blieb er auf einer Tagung noch vorsichtig und schloss fälschlicherweise: "Wir leben in einem gebremsten Universum."
Perlmutters Verfahren funktionierte sehr gut, so dass 1994 Brian Schmidt von der Australian National University in Weston Creek (Australien) und Adam Riess von der Johns Hopkins University und vom Space Telescope Science Institute in Baltimore (USA) ein ähnliches Projekt mit dem Namen High-Redshift Supernova Search starteten. Nach weiteren vier Jahren berichteten die beiden Gruppen auf Tagungen von Ergebnissen, die sie anfangs selbst nicht glauben konnten. Doch im Frühjahr 1998 reichte die Gruppe um Riess und Schmidt eine Veröffentlichung auf der Basis von 16 Supernovae ein, Perlmutters Team folgte im September desselben Jahres mit 42 Supernovae. Beide Gruppen waren zum selben Ergebnis gekommen: Bis etwa zur Hälfte des heutigen Weltalters hat die Materie tatsächlich wie bis dahin angenommen die Ausdehnung des Raums gebremst, doch dann setzte eine Beschleunigung ein, und seitdem dehnt sich das Universum mit wachsender Geschwindigkeit aus.
Ingredienzen des Universums
Nach dem heutigen Standardmodell der Kosmologie macht die uns bekannte Materie, aus der alle Sterne, Planeten und auch wir Menschen bestehen, nur knapp 4,6 Prozent der insgesamt vorhandenen Materie aus. 23 Prozent steuert die noch unbekannte Dunkle Materie bei, den Löwenanteil von 72 Prozent stellt die Dunkle Energie. Da nach der einsteinschen Formel E=mc2 Energie eine Form von Materie ist, besitzt auch die Dunkle Energie eine Masse.
Aus physikalischer Sicht entspricht die Dunkle Energie Einsteins kosmologischer Konstante, aber sie ist größer und treibt deshalb das Universum auseinander. Manche Physiker führen sie auf eine Eigenschaft des Vakuums zurück. Dass das Vakuum mehr als nichts ist, ist eine Vorhersage der Quantentheorie. Demnach entstehen auch im leeren Raum unablässig Teilchen und verschwinden nach Bruchteilen einer Sekunde wieder. Dieser "See virtueller" Teilchen stellt eine Energie dar. Allerdings führen Abschätzungen der Vakuumenergie zu einem Wert, der um etwa 100 Zehnerpotenzen über der tatsächlichen Größe der Dunklen Energie liegt. Das dürfte wohl die größte bekannte Unstimmigkeit in der gesamten Physik sein.
Nach dem heutigen Standardmodell der Kosmologie macht die uns bekannte Materie, aus der alle Sterne, Planeten und auch wir Menschen bestehen, nur knapp 4,6 Prozent der insgesamt vorhandenen Materie aus. 23 Prozent steuert die noch unbekannte Dunkle Materie bei, den Löwenanteil von 72 Prozent stellt die Dunkle Energie. Da nach der einsteinschen Formel E=mc2 Energie eine Form von Materie ist, besitzt auch die Dunkle Energie eine Masse.
1006 n. Chr. leuchtete ein neuer Stern am Erdhimmel auf: die Überreste der Supernova SN 1006 im Sternbild Wolf. Sie war womöglich die hellste Supernova, von der die Menschen bisher Notiz nahmen. Mit Hilfe von derartigen Sterndaten berechneten die drei Laureaten des Jahres 2011 die Expansionsgeschwindigkeit des Universums.


Der Autor ist Wissenschaftsjournalist in Schwetzingen. 







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