Schon unsere Vorfahren aus der Steinzeit versuchten, Bewegung in Bildern einzufangen.
Vor über 30 000 Jahren nutzten sie Lichteffekte und Eigenheiten unseres Sehsinns,
um wilde Tiere darzustellen: wie sie jagen, flüchten oder angreifen. Bei entsprechender
Beleuchtung scheinen die Abbildungen tatsächlich lebendig zu werden.
Marc Azéma hat Ur- und Frühgeschichte, Geschichte
und Archäologie sowie Kinematografie
studiert und arbeitet als Urgeschichtler und
Filmemacher. Er ist Forscher des CNR S an der
Université de Toulouse 2 le Mireil (UMR 5608,
TRACES) und Mitglied des Forscherteams der
Grotte Chauvet.
Bewegung mit Bildern nachzuempfinden oder vorzutäuschen,
ist keine Erfindung unserer Zeit. Das versuchten
schon die prähistorischen Künstler, die Höhlenmalereien
schufen – allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Nicht alle
frühen Darstellungen in Höhlen wirken so lebendig wie die
jagenden Löwen, die eine Wand der südfranzösischen
Grotte Chauvet schmücken. Sowohl die Zeichentechniken als auch die verwendeten Stilmittel und optischen Tricks variieren. Aber selbst reglos wirkende Tiere gewinnen oft unerwartete Dramatik – als Teil einer bildlichen Geschichte.
Höhlen waren für die Menschen der Urzeit keine Museen, deren
Wandbilder man vorwiegend direkt von vorn anschaute,
um sie auf sich wirken zu lassen. Vielmehr handelte es sich
um Räume, in denen man selbst zu verschiedenen Zwecken
umherging, wodurch man die Bilder aus unterschiedlichen
Blickwinkeln sah, oft auch von der Seite – und noch dazu in
schwachem, flackerndem Licht. All das zusammen brachte
Bewegung und Dynamik in die Szenen an den Wänden und
sogar
Sehr schön, dass Sie einmal wieder ein prähistorisches Thema aufgreifen. Gerne dürfen sie öfter aus dieser Sparte der Wissenschaft berichten. Der Artikel ist sehr gut und beleuchtet das Thema auf ansprechende Weise. Meine kleine Kritik bezieht sich ausschließlich auf die "Interpretation" der "Schachtszene" von Lascaux: Zur Interpretation von Herrn Azéma von der "Schachtszene" aus Lascaux möchte ich alternativ an die große Deutung von Joseph Campbell erinnern, die er in den "Masken Gottes" - Mythologie der Urvölker bringt.
Praktisch keine der Menschendarstellungen in den Bilderhöhlen Europas sind "normale" Menschen, Jäger oder ähnliches. Immer sind es wundersame Mensch-Tier-Mischungen, die man ohne große geistige Verbiegungen als "Schamanendarstellungen" bezeichnen darf. Ich erinnere etwa an den Mundbogen spielenden Tiermenschen von Trois Frères oder auch die "Wolperdingermenschen", die aus verschiedensten Tierteilen zusammengesetzt sind, zum Beispiel in Trois Frères oder auch in Lascaux. Und auch der "Mensch" aus der Schachtszene von Lascaux hat keinen menschlichen Kopf, sondern einen Vogelkopf, der zum Beispiel auf die schamanische "Reise" hindeuten mag. Auch die Interpretation des vogelköpfigen Stabes als Speerschleuder ist zu hinterfragen, denn die Menschen der damaligen Zeit waren Experten in Fragen Jagdtechnik. Ich bin kein Experte, aber selbst mir ist klar, dass DIESE Speerschleuder alles andere als funktional ist. Denn wenn man den Schnabel des Vogels als Haken für den Speer benutzen wollte, wäre doch wohl der "Bauch" dieses entenvogelähnlichen Tieres mächtig im Wege, so dass ein gerader Schuss mit dem Speer nur schwer möglich wäre. Auch deutet die Haltung des Vogelmenschen eher auf einen tranceartigen Zustand hin denn auf einen Jagdunfall. Die Wunde des Bisons mit den heraushängenden Därmen ist genau dargestellt, die Menschendarstellung aber völlig ohne jede Verletzung. Auch der erigierte Penis deutet auf eine Trance hin. Daher würde ich diese Szene (auch wegen des Orts, an dem sie plaziert wurde, eine Art Krypta, ein "Loch" in der Erde) eher unter die Schamanendarstellungen einreihen.
1. Jagdunfall oder Schamane
24.04.2013, Martin Schmauder, EsslingenPraktisch keine der Menschendarstellungen in den Bilderhöhlen Europas sind "normale" Menschen, Jäger oder ähnliches. Immer sind es wundersame Mensch-Tier-Mischungen, die man ohne große geistige Verbiegungen als "Schamanendarstellungen" bezeichnen darf. Ich erinnere etwa an den Mundbogen spielenden Tiermenschen von Trois Frères oder auch die "Wolperdingermenschen", die aus verschiedensten Tierteilen zusammengesetzt sind, zum Beispiel in Trois Frères oder auch in Lascaux. Und auch der "Mensch" aus der Schachtszene von Lascaux hat keinen menschlichen Kopf, sondern einen Vogelkopf, der zum Beispiel auf die schamanische "Reise" hindeuten mag. Auch die Interpretation des vogelköpfigen Stabes als Speerschleuder ist zu hinterfragen, denn die Menschen der damaligen Zeit waren Experten in Fragen Jagdtechnik. Ich bin kein Experte, aber selbst mir ist klar, dass DIESE Speerschleuder alles andere als funktional ist. Denn wenn man den Schnabel des Vogels als Haken für den Speer benutzen wollte, wäre doch wohl der "Bauch" dieses entenvogelähnlichen Tieres mächtig im Wege, so dass ein gerader Schuss mit dem Speer nur schwer möglich wäre. Auch deutet die Haltung des Vogelmenschen eher auf einen tranceartigen Zustand hin denn auf einen Jagdunfall. Die Wunde des Bisons mit den heraushängenden Därmen ist genau dargestellt, die Menschendarstellung aber völlig ohne jede Verletzung. Auch der erigierte Penis deutet auf eine Trance hin. Daher würde ich diese Szene (auch wegen des Orts, an dem sie plaziert wurde, eine Art Krypta, ein "Loch" in der Erde) eher unter die Schamanendarstellungen einreihen.