Anhand des fossilen Schädels rekonstruierten die Forscher den Kopf von Raptorex kriegsteini. Im Kiefer des Sauriers finden sich dieselbe Anzahl und dieselbe Struktur der Zähne wie sie auch beim Tyrannosaurus rex zu erkennen sind.
Auch das nahezu vollständige Skelett eines Dinosauriers, das der private Fossiliensammler Henry Kriegstein von einem illegalen Händler erstanden hatte, erwies sich als Winzling. Der Kauf stammte aus Lujiatun im Nordosten Chinas und wird auf etwa 125 Millionen Jahre geschätzt. Nachdem Kriegstein die Versteinerung zu den Wissenschaftlern um Paul Sereno von der University of Chicago gebracht hatte, stellte sich heraus, dass der Fund einer bislang unbekannten Art zugehört. Der nach dem Sammler benannte Raptorex kriegsteini war etwas größer als zwei Meter und wog gerade einmal 65 Kilogramm, wie die Forscher schätzen.
Raptorex gehörte zur Gruppe der Theropoden, die auf zwei Beinen liefen und sich ausschließlich von Fleisch ernährten. Doch unterschied er sich auch in einigen Merkmalen von anderen Mitgliedern der Gruppe: Zum einen nahm sein Kopf ganze 40 Prozent seiner Rumpfgröße ein. Zum anderen stellten Sereno und seine Kollegen mittels eines CT-Scanns fest, dass Raptorex wohl außerordentlich gut riechen konnte, da sein Riechkolben vergleichsweise groß ausfiel. Zudem hatte er verkürzte Arme und auffallend lange Schienbeine. Zwar unterschied sich die Neuentdeckung damit von anderen kleinen Zweibeinern, jedoch erinnerten fast alle seine Charakteristika an einen deutlich größeren Saurier: Tyrannosaurus rex.
Das Skelett des dagegen winzig erscheinenden Raptorex weist dieselbe Form und Anzahl der Zähne, gleich stark ausgeprägte Kiefermuskeln und sogar die gleichen Körperproportionen auf. Kriegstein scheint also, ohne es zu ahnen, eine Miniatur des T. rex in das Labor der Wissenschaftler getragen zu haben.
Wie Sereno und sein Team annehmen, hatten sich die Eigenschaften von Tyrannosaurus rex bereits 60 Millionen Jahre, bevor die ersten dieser Riesenechsen aus dem Ei schlüpften, im deutlich kleineren Raptorex ausgeprägt. Innerhalb dieser Zeit verhundertfachten seine Nachkommen ihr Körpervolumen, bis schließlich der am weitesten verbreitete Makroräuber des Mesozoikums das Licht der Welt erblickte, wie die Forscher spekulieren.
Das Skelett von Raptorex kriegsteini wird auf ein Alter von etwa 125 Millionen Jahre geschätzt. Dennoch ist es fast vollständig erhalten und kann so den Wissenschaftlern wertvolle Informationen über die Anatomie dieses Raubsauriers geben.
Nachdem die Wissenschaftler den Neuzugang ausgiebig untersucht haben, wird er an ein Museum in der Mongolei in der Nähe seines Fundortes übergeben.







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