Die Forscher hatten sich Museumsbestände näher angeschaut und waren dabei auf fossile Fische gestoßen, die entweder noch gar nicht oder falsch beschrieben worden waren. Darunter fanden sich bislang unbekannte Arten aus der Kreidezeit wie der etwa 100 Millionen Jahre alte Rhinconichthys taylori oder Bonnerichthys gladius, der vor 89 bis 66 Millionen Jahren lebte. Einer der Bonnerichthys-Schädel maß immerhin einen ganzen Meter, so dass das Tier eine Körperlänge von vier Metern erreicht haben könnte. Da andere Überbleibsel von weniger gut erhaltenen Exemplaren der Gattung sogar noch ein Fünftel größer sind, halten die Paläontologen eine Körpergröße von mindestens fünf Metern für durchaus wahrscheinlich.
Die Überreste des Schädels und der Vorderflosse von Bonnerichthys lassen die einstige Größe des Fischs erahnen.
Die beiden Geowissenschaftler hatten aus Fossilien die Artenvielfalt der Wale in den letzten vergangenen 25 Millionen Jahren abgeschätzt und mit der Diversität von Kieselalgen verglichen. Diese auch Diatomeen genannten, mikroskopisch kleinen Algen stellen die bedeutendste Gruppe des pflanzlichen Meeresplanktons dar. Gleichzeitig werteten die Wissenschaftler die Verteilung von Sauerstoffisotopen in Sedimentbohrkernen aus. Da bei Eisbildung zunächst das Wasser mit dem leichteren 16O-Isotop gefriert, bauen an der Wasseroberfläche lebende Meeresorganismen entsprechend mehr des schwereren Isotops in ihre Körper ein. Eine 18O-Anreicherung deutet somit auf einen Temperaturrückgang hin.
Ein Buckelwal (Megaptera novaeangliae) vor der Küste Neuseelands: Deutlich sind die Barten zu erkennen, mit denen der Meeressäuger das Wasser filtriert, um winzige Planktonorganismen zu fressen.
Ähnliche Mechanismen dürften sich auch im Erdmittelalter abgespielt haben. Leedsichthys und Co verschwanden schließlich, weil ihnen die Nahrungsgrundlage ausging. Die harmlosen Giganten der heutigen Meere sind von einer anderen Säugetierart bedroht: dem Menschen.

Andreas Jahn ist promovierter Biologe und Redakteur bei GuG. 





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