Pharmaforschung
Der Mensch im Zentrum
Neue Medikamente gegen Asthma und Allergien enttäuschen allzu oft. Forschung und Behandlungsschemata müssten sich stärker an den unterschiedlichen genetischen Profilen von Patienten ausrichten.
Doch leider ist das nicht der Fall – die Fokussierung auf IgE erzielte nicht den erhofften Durchbruch. Dabei bräuchten wir gerade angesichts der weltweit dramatisch steigenden Erkrankungen in diesem Bereich dringend bessere Medikamente. Ein Grund für die unbefriedigende Situation ist, dass Arzneimittelforscher, die für diese Leiden neue Wirksubstanzen entwickeln und erproben, sich bisher weit gehend auf Tiermodelle stützen. Im Übrigen hat die Pharmaindustrie bei der Suche nach besseren Allergiewirkstoffen bislang hauptsächlich Asthma im Blick. Das Gros aller neuen Asthmamittel, die gegen allergiebedingte Entzündungen der Lungen helfen sollen, wird an Mäusen getestet, in geringerem Maß auch an Affen. Bei diesen Tiermodellen für akutes oder chronisches Asthma tritt in den Lungen zwar eine starke Immunantwort durch die so genannten T-Helferzellen Typ 2 (Th2) auf.
Nur – ihnen fehlen die vielen anderen inzwischen erkannten Hintergründe für Asthma beim Menschen, darunter genetische Veranlagung, Virusinfekte, Luftschadstoffe oder auch Medikamente wie Azetylsalicylsäure (der Wirkstoff von Aspirin) und Paracetamol.

Stephen Holgate ist an der University of Southampton
klinischer Professor des britischen
Medical Research Council. Am Klinikum der
Universität ist er auch ehrenamtlicher Konsiliararzt
im NHS Trust, und er hat den Vorsitz der
britischen Respiratory Research Collaborative
inne.
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