Das schon 1983 in der Ölschiefergrube Messel bei Darmstadt gefundene Fossil ist nun als das derzeit wohl weltweit älteste komplett dokumentierte Fossil eines Primaten anerkannt. Forscher halten es für ein hochinteressantes Bindeglied aus jener Zeit, in der sich Primaten-Entwicklungslinien trennten, die zu Lemuren einerseits und den "echten Affen" – inklusive des Menschen – andererseits führten. Vor einer genauen Einordnung von Darwinius masillae seien aber noch viele weitere Untersuchungen nötig, geben die Wissenschaftler zu bedenken.
Diese Interpretation lehnten mehrere Wissenschaftler ab, unter anderem auch Ross: Die gesamte Publikation sei stellenweise "eine Farce" und ignoriere Erkenntnisse, die über 20 Jahre hinweg gesammelt worden seien. Dies wollte das Team um Ross nachholen und konstatiert nun, dass Darwinius zwar tatsächlich zu den Adapidae gehöre, diese Gruppe aber wegen bedeutender Ähnlichkeiten zu den ursprünglichen Feuchtnasenaffen zu zählen ist. Ross' Gruppe bestätigt damit auch jüngste Untersuchungen von Erik Seiffert von der Stony Brook University, der auch zu dem Schluss gekommen ist, dass die ursprüngliche Gruppe der Adapidae zu den Lemurenvorfahren gehört und nicht zu den Trockennasenaffen [3].
Die Vorstellung des nach der Tocher des Studienleiters Hurum "Ida" getauften Skeletts von Darwinius war parallel zur Fachpublikation als gezieltes Medienereignis vor geladenen Gästen erfolgt, was Kritik aus der Wissenschaftlergemeinde hervorgerufen hatte. (jo)




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