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Psychische Störungen

Informationen für Betroffene und ihre Angehörigen
Theodor Schaarschmidt
Depression
© iStockphoto / Ruben Hidalgo

Jeder dritte Deutsche erkrankt einmal im Leben an einer psychischen Störung. Die folgenden Patienteninformationen erklären, welche Symptome für welche seelische Erkrankung typisch sind, wie diese entsteht und welche Konsequenzen sie haben kann. Ärzte, Psychologen und Pädagogen können die Informationsblätter als PDF kostenlos an ihre Klienten und deren Angehörige weitergeben.

Persönlichkeitsstörungen

Misstrauisch, sprunghaft, selbstverliebt: Kleinere "Spleens" hat fast jeder. Wenn bestimmte Charaktereigenschaften jedoch so extreme Ausmaße annehmen, dass die Betroffenen in ihrem Verhalten und Erleben nicht mehr flexibel auf ihre Umwelt reagieren können, sprechen Psychologen von Persönlichkeitsstörungen. Dabei handelt es sich um schwer ausgeprägte Störungsbilder, die ihren Ursprung bereits in der Kindheit und Jugendzeit haben. Viele dieser Störungen sind mit einem starken Leidensdruck für die Betroffenen und ihre Angehörigen verbunden.

Borderline-Persönlichkeit
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  • Borderline-Persönlichkeitsstörung
    Bis zu 14 Prozent aller Patienten in psychiatrischen Einrichtungen wird eine "Borderline-Persönlichkeitsstörung" diagnostiziert. Die Betroffenen leiden unter impulsiven Gefühlsausbrüchen, instabilen zwischenmenschlichen Beziehungen und einem stark wechselhaften Selbstbild. Häufig sind auch selbstschädigende Verhaltensweisen zu beobachten – etwa Essattacken, rücksichtloses Fahren bis hin zu Suizidversuchen. Mehr zur Borderline-Persönlichkeitsstörung finden Sie hier.
  • Antisoziale Persönlichkeitsstörung
    Das Klischee des gefährlichen, charmanten und eiskalten Psychopathen ist aus Filmen und Serien hinlänglich bekannt. Als "antisoziale Persönlichkeitsstörung" findet sich dieses Störungsbild auch in den Klassifikationssystemen der Psychiater und Psychologen wieder. Die Betroffenen missachten soziale Regeln und Gesetze, lügen und betrügen ohne Schuldbewusstsein. Mehr zur antisozialen Persönlichkeitsstörung finden Sie hier

Depression, Angststörungen und Zwänge

Der österreichische Nervenarzt Sigmund Freud (1856-1939) klassifizierte Ängste, Zwänge und Depression noch als so genannte Neurosen. Die Ursachen für diese Störungen sah er in verschiedenen inneren Konflikten, die auf Erfahrungen in der frühen Kindheit zurückgehen. Heute gilt diese klassische "Neurosenlehre" als veraltet. Depression, Angst- und Zwangserkrankungen werden als eigenständige Störungsbilder verstanden, die aus dem Zusammenwirken verschiedener psychologischer, sozialer und biologischer Einflüsse entstehen. Trotzdem haben die Störungen einen hohen Überschneidungsbereich. Wer etwa unter einer Angststörung leidet, zeigt häufig auch depressive Symptome – und umgekehrt.

  • Soziale Phobie
    Die soziale Phobie ist die häufigste Form der Angststörung. Die Betroffenen haben Angst vor sozialen Situationen, in denen sie meinen, sich peinlich oder beschämend zu verhalten – sei es eine Unterhaltung mit Unbekannten, ein Bewerbungsgespräch oder ein öffentlicher Vortrag. Häufig geht die Störung mit einer starken Selbstunsicherheit einher. Mehr zur Sozialen Phobie finden Sie hier.
    Panikattacke
    © fotolia / Robert Kneschke
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  • Panikstörung
    Herzklopfen, Mundtrockenheit, Atemnot: Viele Menschen erleben irgendwann im Laufe ihres Lebens einmal eine Panikattacke. Wenn die Anfälle aber regelmäßig auftreten und sich dazu eine starke "Angst vor der Angst" entwickelt, spricht man von einer Panikstörung. Viele Betroffene bangen um ihre Gesundheit. Tatsächlich sind die Panikattacken aber körperlich unbedenklich. Mehr zur Panikstörung findne Sie hier.
  • Agoraphobie
    Wer von einer Panikstörung betroffen ist, entwickelt häufig auch Symptome einer Agoraphobie. Kernmerkmal dieser Angststörung ist eine intensive Angst vor Situationen, in denen eine Flucht nur schwer möglich oder peinlich wäre – etwa Konzert- und Theaterbesuche, Aufenthalte in großen Menschenansammlungen oder Reisen mit Bus und Bahn. In einigen besonders schweren Fällen verlassen die Betroffenen ihre Wohnung überhaupt nicht mehr. Mehr zur Agoraphobie finden Sie hier.
  • Depression
    In der Alltagssprache wird "depressiv" häufig mit einem leichten Stimmungstief gleichgesetzt. Doch wer unter einer Depression leidet, ist mehr als nur "ein bisschen traurig": Die Betroffenen spüren eine intensive Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und Antriebslosigkeit. Dinge, die ihnen früher Vergnügen bereitet haben, interessieren sie plötzlich nicht mehr. Etwa vier Millionen Deutsche sind derzeit von einer depressiven Störung betroffen. Mehr zur Depression finden Sie hier.
  • Zwangsstörung
    Zwangspatienten verspüren einen unwiderstehlichen Drang, bestimmte Dinge zu tun oder zu denken. Auf Außenstehende wirkt ihr Verhalten dann oft unverständlich und bizarr: Sie waschen sich andauernd die Hände, verfolgen komplizierte Zählrituale oder überprüfen immer wieder, ob der Herd auch wirklich ausgeschaltet ist. Obwohl sie ihre Handlungen selbst als sinnlos erleben, können sie einfach nicht mit ihnen aufhören. Mehr zur Zwangsstörung finden Sie hier.

Störungen mit Beginn im Kindes- und Jugendalter

Einige psychische Probleme nehmen ihren Ursprung bereits in den frühen Lebensjahren. Viele davon gehen mit der Zeit auch ohne Behandlung wieder zurück. Doch nicht immer "verwachsen" sie sich im Verlauf des Älterwerdens. Einige Betroffene leiden auch als Erwachsene noch an den Störungen, die ihren Anfang im Kindes- und Jugendalter nahmen.

Depression
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  • Albträume
    Hexen und Ungeheuer, Verfolgungsjagden und Stürze ins Bodenlose: Bei Jungen und Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren sind Albträume am häufigsten. Doch nicht nur Kinder werden von ihnen heimgesucht. Auch viele Erwachsene haben hin und wieder noch Albträume. Zu einem ernsten Problem werden die furchteinflößenden Träume aber eher selten. Mehr zu Albträumen finden Sie hier.
  • ADHS bei Erwachsenen
    Lange Zeit galt das Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) als Störung, die nur Kinder und Jugendliche betrifft. Nach neueren Erkenntnissen geht sie aber nicht immer mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter zurück: Jeder Dritte hat auch später noch mit Konzentrationsproblemen und innerer Unruhe zu kämpfen. Mehr zu ADHS bei Erwachsenen finden Sie hier.

Essstörungen

Die Unzufriedenheit mit der eigenen Figur ist weit verbreitet. So gaben etwa zwei Drittel aller jungen Frauen in Interviews an, chronisch Diät zu halten oder andere Maßnahmen zur Gewichtsabnahme anzuwenden. In manschen Fällen entwickelt sich die intensive Beschäftigung mit dem eigenen Körper zu einer psychischen Störung, etwa zu einer Magersucht (Anorexia nervosa) oder einer Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa).

  • Anorexia nervosa
    Aus Angst vor dem Zunehmen essen Magersüchtige nur noch ein Minimum, einige stellen die Nahrungsaufnahme sogar fast vollständig ein. Anorexia nervosa gilt als eine der tödlichsten psychischen Störungen überhaupt: Fünf bis zehn Prozent der Betroffenen überleben die gravierende Mangelernährung nicht. Mehr zur Anorexie finden Sie hier.
    Frau erbricht
    © fotolia / Lars Zahner
     Bild vergrößern Bulimie
  • Bulimia nervosa
    Bulimiker erleiden regelmäßige Essattacken, bei denen sie in kürzester Zeit große Nahrungsmengen zu sich nehmen. Aus Furcht vor dem Dickwerden greifen sie dann zu rigiden Gegenmaßnahmen: Selbst herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln oder exzessives Sporttreiben. Mehr zur Bulimie finden Sie hier.

Störungen der Impulskontrolle

Auch an sich harmlose Alltagshandlungen&nbs;– beispielsweise Shoppen gehen oder Computer spielen – können sich im Übermaß zu psychischen Problemen entwickeln. Von einer Impulskontrollstörung wird gesprochen, wenn diese so weit ausarten, dass die Betroffenen die Kontrolle über ihr eigenes Handeln verlieren. Sie können ihre Verhaltensweisen selbst dann nicht einstellen, wenn sie mit negativen Folgen für sie und ihre Angehörigen verbunden sind – etwa Geldnöte, berufliche Probleme oder Beziehungskonflikte. Impulskontrollstörungen ähneln in einigen Punkten einer Substanzabhängigkeit, weswegen sie mitunter auch als "Verhaltenssüchte" bezeichnet werden.

  • Computerspielsucht
    Bei Computerspielen wird der "hohe Suchtfaktor" oft scherzhaft als Verkaufsargument angebracht. Doch Spiele können tatsächlich abhängig machen. Die Betroffenen verbringen dann oft 30 Stunden oder mehr pro Woche mit ihrem Spiel – häufig zulasten von Job und Familienleben. Mehr zur Computerspielsucht finden Sie hier.
    Kaufsucht
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  • Kaufsucht
    Auch Shopping kann sich zu einer Abhängigkeit entwickeln. Ob Kleidung, Schmuck oder Elektrogeräte: Wer unter pathologischem Kaufverhalten leidet, erwirbt oft wahllos Dinge, für die er weder einen rechten Nutzen noch die nötigen finanziellen Mittel hat. Oft ist eine massive Privatverschuldung die Folge. Mehr zur Kaufsucht finden Sie hier.
  • Messie-Syndrom
    Für den einen ist es nur eine leere Weinflasche, für den anderen ein wertvoller Schatz, von dem er sich partout nicht trennen mag. So genannte Messies horten Gegenstände, die andere als wertlos und unnütz bezeichnen würden. Viele versinken so weit in ihrem Chaos, dass sie ihre eigene Wohnung kaum noch begehen können. Mehr zum Messie-Syndrom finden Sie hier.

Schizophrenie und Psychosen

  • Die Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, die mit einem tiefgreifenden Realitätsverlust einhergeht. Das Störungsbild ist dabei keineswegs einheitlich: Die Symptome reichen von akustischen Halluzinationen über Verfolgungswahn bis hin zu Gefühlen eines "Gedankenentzugs" durch äußere Kräfte. In Deutschland leiden aktuell rund 800 000 Menschen an einer Schizophrenie. Mehr zur Schizophrenie finden Sie hier.

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