Wacklige Sache
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Nur wenn Versagensängste und Selbstzweifel hinter dem starken Leistungswillen stecken, droht auf Dauer der psychische Zusammenbruch. Forscher sprechen dabei von "dysfunktionalem" Perfektionismus, erklärt die Psychologin Christine Altstötter-Gleich von der Universität Koblenz-Landau in der aktuellen Ausgabe von Gehirn und Geist (Heft 3/2014).

Die negative Sorte des Perfektionismus erkennen Berufstätige unter anderem daran, dass sie sich unablässig fragen, ob sie auch wirklich alles richtig machen – selbst bei unwichtigen Aufgaben. Dazu zählt auch übermäßige Sorge, dass andere ihre Leistung nicht gut genug finden könnten. Dahinter stecken oft unausgesprochene Glaubenssätze wie "Je weniger Fehler ich mache, umso mehr mögen mich die Menschen." Diese Annahmen, so Altstötter-Gleich, gelte es zu hinterfragen, da sie schnell in einen Teufelskreis aus Selbstzweifeln und schlechten Leistungen führen können.

Gehirn und Geist 3/2014
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Wichtig für Perfektionisten sei es, für ausreichend Ausgleich und Erholung im Privatleben zu sorgen, erklärt die Psychologin. Wer bereits in der »Perfektionismus-Falle« steckt, dem kann eine Psychotherapie helfen. Dort lernt man etwa eine "Übung in Mittelmäßigkeit": Dabei sollen die Betroffenen einmal bewusst weniger Anstrengung und Engagement in eine Aufgabe stecken und beobachten, ob sich ihre schlimmsten Befürchtungen anschließend bewahrheiten oder nicht.

Mit "Burnout-Syndrom" bezeichnen Psychologen eine tief greifende körperliche und emotionale Erschöpfung oder ein Ausgebranntsein in Bezug auf den Beruf. Zuerst wurde das Phänomen in Pflege- und Betreuungsberufen beobachtet, mittlerweile tritt es jedoch auch bei anderen Tätigkeiten auf. Neben der Erschöpfung leiden die Betroffenen an einer gefühlten Distanzierung von der Tätigkeit und den Kollegen sowie unter verminderter Leistungsfähigkeit. Nach einer Studie des Robert Koch-Instituts waren bereits vier Prozent der erwachsenen Deutschen schon einmal wegen eines Burnouts bei einem Arzt oder Psychotherapeuten in Behandlung; die Krankenkassen verzeichnen eine steigende Tendenz.