Das Higgs-Boson, das Physiker letztes Jahr am Großbeschleuniger LHC gefunden haben, komplettiert das Standardmodell der Teilchenphysik. Der experimentelle
Erfolg bestätigt vor allem auch die Theoretiker, die das Partikel lange vorausgesagt haben. Lässt der LHC auch Fortschritte bei der Stringtheorie erhoffen?
Dieter Lüst erforscht, wie sich Quanten- und Gravitationsphysik mittels Stringtheorie und supersymmetrischen Feldtheorien zusammenführen
lassen. Seit 2003 ist er Direktor am Münchner
Max-Planck-Institut für Physik, seit 2004 leitet er
auch das Arnold-Sommerfeld-Zentrum für theoretische Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Lüst erhielt hohe Auszeichnungen. Zuletzt erkannte ihm der Europäische Forschungsrat einen Advanced Investigator Grant zu Erforschung der "Fundamentalen Aspekte von Strings und Gravitation" zu.
Der 4. Juli 2012 war ein denkwürdiger Tag für die
Elementarteilchenphysik. Bei einem eigens anberaumten
Seminar verkündeten die Sprecher der
beiden Großexperimente ATLAS und CMS am europäischen
Teilchenforschungszentrum CERN die lang ersehnte
und von vielen Physikern erwartete Entdeckung des
Higgs-Teilchens. Zahlreiche Zuhörer hatten die ganze Nacht
vor dem großen Hörsaal verbracht, um das für die Physik so
wichtige Ereignis persönlich zu erleben. Auch der theoretische
Physiker Peter Higgs, der Namensgeber und einer der
"Erfinder" des Teilchens, war unter den Zuhörern und wurde
mit riesigem Applaus begrüßt.
Obgleich einige wichtige Eigenschaften des neuen Teilchens
noch nicht experimentell ausgemessen sind – das
wird noch Monate oder gar Jahre dauern –, sind die meisten
Teilchenphysiker doch sicher, dass es sich dabei um das von
Peter Higgs vorhergesagte Boson handelt. Es verleiht den
meisten anderen Elementarteilchen ihre Massen und ist
der letzte Baustein im Standardmodell der Teilchenphysik,
das höchst erfolgreich fast alle Elementarteilchen und ihre Wechselwirkungen
Es scheint mir, als wenn der Nachweis des Higgs-Bosons – und folglich der indirekte Nachweis des Higgs-Felds – in mehrfacher Hinsicht eine Sensation ist; und zwar eine zweischneidige: In einem Nebensatz bemerken Sie zu recht, dass sich das Higgs-Feld "durchaus mit einem allgegenwärtigen Äther vergleichen" lässt. Darf ich Ihre Anmerkung als Aufforderung zum Überdenken der gängigen Interpretation des Michelson-Morley-Experiments verstehen, nach der es keinen Äther gibt?
Wenn ich es recht sehe, zielt Ihr Artikel, mit Hilfe des grandiosen Nachweises des Higgs-Bosons durch den LHC, auf einen generellen Wert der Vorhersagen der heutigen theoretischen Physik ab. Ich möchte diesen Wert nicht grundsätzlich in Frage stellen, denn im Fall des Higgs-Bosons waren die diesbezüglichen, langjährigen Hoffnungen offensichtlich gerechtfertigt.
Im Augenblick der Entdeckung dieses bemerkenswerten Teilchens wurde nach meinem Verständnis allerdings eine andere, große Errungenschaft der theoretischen Physik in schwere Bedrängnis gebracht: Die Relativitätstheorie fußt in ihrer heutigen Form darauf, dass es keinen Äther gibt.
Die von Ihnen als Kandidat für eine mögliche, zukünftige Bestätigung theoretischer Physik ins Auge gefasste Stringtheorie beinhaltet die Relativitätstheorie und gerät dann ebenfalls in Bedrängnis. Schade, dass Sie diesen Umstand in Ihrem Artikel nicht erwähnt haben.
Für mich stellt sich nach dem Lesen eher die Frage, was mit der heutigen theoretischen Physik schief läuft. Ich wünsche mir daher eine breite und wirklich freie Diskussion darüber, wo die Tabus und Dogmen liegen, welche überwunden werden müssen, um bald zu einer widerspruchsfreien Physik zu gelangen.
Dieter Lüst feiert den experimentellen Nachweis des Higgs-Bosons am LHC und gibt aus diesem Anlass einen Überblick über den Stand der Elementarteilchen-Physik. Die gegenwärtige "Krise der theoretischen Physik" lässt er nicht unerwähnt. Aber man muss seinen Beitrag zwischen
den Zeilen lesen um zu erahnen wie tief diese Krise tatsächlich ist. Was soll man z.B. von einem Nachweis halten, der dem theoretisch vorhergesagten Higgs-Teilchen zwar eine Energie im zu erwartenden Bereich zumisst, aber eine Masse, die nicht weniger als 16 Größenordnungen davon
abweicht? Dieses "Hierarchieproblen", schreibt Lüst, ließe sich "ganz zwanglos" lösen, ginge man nur von der Existenz von "SUSY"-Teilchen aus.
Aber welche Qualität besitzt der gefeierte "Nachweis" des Higgs-Bosons, wenn er die Existenz von etwas voraussetzt, von dem niemand weiß, ob sich dessen Existenz jemals wird nachweisen lassen?
Die moderne Physik hat den fatalen Hang entwickelt, unverstandene Entitäten und Phänomene mit noch viel weniger verstandenen Dingen zu "erklären". Beispielhaft sind die "Dunkle Energie" und die "Dunkle Materie", die fatal an den "Lichtäther" oder an den "Wärmestoff" der "Phlogiston-Theorie" erinnern. Die neuen "Dunklen Chimären" sind der Not
geschuldet neue Beobachtungen zur Bewegung der Galaxien und zur Expansion des Universums zu erklären, die mit Einstein's Gravitationstheorie kollidieren.
Aber dass die nicht das "letzte Wort" sein kann, wissen wir seit langem. Denn dabei handelt es sich um eine klassische Feldtheorie die schon aus diesem Grund mit den Quantenfeldtheorien der drei anderen fundamentalen Wechselwirkungen unvereinbar ist. Was offensichtlich fehlt, ist eine mit diesen kompatible Quantenfeldtheorie der Gravitation, die eine in sich konsistente Physik liefert und mit der wir die "Dunklen Chimären" wieder los werden.
Anstatt daran zu arbeiten, sucht man mit riesigem experimentellem Aufwand nach fiktiven Teilchen und auf der theoretischen Seite hat man sich mit 10 angenommenen Raumdimensionen und sogen. "Strings" im Planck-Maßstab,
deren Nachweisbarkeit von vornherein ausgeschlossen scheint, tief im Esoterischen verrannt. Dieter Lüst trifft also den Nagel auf den Kopf, wenn er mit seinem Schlußsatz andeutet, dass auf diesem Weg nur noch "ein Wunder vom CERN" weiter helfen kann.
1. Zweischneidige Sensation
06.04.2013, Wolfgang HußWenn ich es recht sehe, zielt Ihr Artikel, mit Hilfe des grandiosen Nachweises des Higgs-Bosons durch den LHC, auf einen generellen Wert der Vorhersagen der heutigen theoretischen Physik ab. Ich möchte diesen Wert nicht grundsätzlich in Frage stellen, denn im Fall des Higgs-Bosons waren die diesbezüglichen, langjährigen Hoffnungen offensichtlich gerechtfertigt.
Im Augenblick der Entdeckung dieses bemerkenswerten Teilchens wurde nach meinem Verständnis allerdings eine andere, große Errungenschaft der theoretischen Physik in schwere Bedrängnis gebracht: Die Relativitätstheorie fußt in ihrer heutigen Form darauf, dass es keinen Äther gibt.
Die von Ihnen als Kandidat für eine mögliche, zukünftige Bestätigung theoretischer Physik ins Auge gefasste Stringtheorie beinhaltet die Relativitätstheorie und gerät dann ebenfalls in Bedrängnis. Schade, dass Sie diesen Umstand in Ihrem Artikel nicht erwähnt haben.
Für mich stellt sich nach dem Lesen eher die Frage, was mit der heutigen theoretischen Physik schief läuft. Ich wünsche mir daher eine breite und wirklich freie Diskussion darüber, wo die Tabus und Dogmen liegen, welche überwunden werden müssen, um bald zu einer widerspruchsfreien Physik zu gelangen.
2. Ein Wunder vom CERN?
11.04.2013, Dieter Eichrodtden Zeilen lesen um zu erahnen wie tief diese Krise tatsächlich ist. Was soll man z.B. von einem Nachweis halten, der dem theoretisch vorhergesagten Higgs-Teilchen zwar eine Energie im zu erwartenden Bereich zumisst, aber eine Masse, die nicht weniger als 16 Größenordnungen davon
abweicht? Dieses "Hierarchieproblen", schreibt Lüst, ließe sich "ganz zwanglos" lösen, ginge man nur von der Existenz von "SUSY"-Teilchen aus.
Aber welche Qualität besitzt der gefeierte "Nachweis" des Higgs-Bosons, wenn er die Existenz von etwas voraussetzt, von dem niemand weiß, ob sich dessen Existenz jemals wird nachweisen lassen?
Die moderne Physik hat den fatalen Hang entwickelt, unverstandene Entitäten und Phänomene mit noch viel weniger verstandenen Dingen zu "erklären". Beispielhaft sind die "Dunkle Energie" und die "Dunkle Materie", die fatal an den "Lichtäther" oder an den "Wärmestoff" der "Phlogiston-Theorie" erinnern. Die neuen "Dunklen Chimären" sind der Not
geschuldet neue Beobachtungen zur Bewegung der Galaxien und zur Expansion des Universums zu erklären, die mit Einstein's Gravitationstheorie kollidieren.
Aber dass die nicht das "letzte Wort" sein kann, wissen wir seit langem. Denn dabei handelt es sich um eine klassische Feldtheorie die schon aus diesem Grund mit den Quantenfeldtheorien der drei anderen fundamentalen Wechselwirkungen unvereinbar ist. Was offensichtlich fehlt, ist eine mit diesen kompatible Quantenfeldtheorie der Gravitation, die eine in sich konsistente Physik liefert und mit der wir die "Dunklen Chimären" wieder los werden.
Anstatt daran zu arbeiten, sucht man mit riesigem experimentellem Aufwand nach fiktiven Teilchen und auf der theoretischen Seite hat man sich mit 10 angenommenen Raumdimensionen und sogen. "Strings" im Planck-Maßstab,
deren Nachweisbarkeit von vornherein ausgeschlossen scheint, tief im Esoterischen verrannt. Dieter Lüst trifft also den Nagel auf den Kopf, wenn er mit seinem Schlußsatz andeutet, dass auf diesem Weg nur noch "ein Wunder vom CERN" weiter helfen kann.