Quanteninformation
Die Wirklichkeit der Quanten
Einstein argumentierte zuerst mit einer Quantenversion des aus der Optik wohl bekannten Doppelspaltversuchs: Licht tritt von links durch einen einzelnen Spalt und beleuchtet einen Schirm mit zwei Spaltöffnungen, deren eine geschlossen werden kann. Sind beide Spalte offen, beobachtet man auf dem Schirm Interferenzstreifen, entsprechend der Wellennatur des Lichts. Schließt man einen Spalt, treten diese Streifen nicht auf. Nun weiß man aber, dass Licht aus Teilchen – Photonen – besteht, und Einstein stellte die Frage nach dem Weg eines einzelnen Photons. Tritt das Interferenzbild, wie von der Quantenphysik vorhergesagt, auch mit einzelnen Photonen auf, die eines nach dem anderen den Doppelspalt passieren?
Bohrs Antwort lautete: Es hat keinen Sinn, über den Weg eines Teilchens zu sprechen, ohne diesen – etwa durch Schließen des unteren Spalts – festzulegen oder tatsächlich zu bestimmen. Heute sagt man: Die Interferenzen treten dann und nur dann auf, wenn keine Information vorliegt, welchen Weg das einzelne Teilchen genommen hat.
Seit den 1970er Jahren ist es technisch möglich, die Frage, ob die Interferenzstreifen auch mit einzelnen Teilchen erscheinen, tatsächlich im Labor zu entscheiden. So wurde der Doppelspaltversuch vom Autor und seinem Team mit verschiedenen Arten von massiven Partikeln durchgeführt – etwa mit Neutronen und später auch mit C60-Molekülen, so genannten Fullerenen.
Wie groß ist die Quantenwelt?
Eine interessante Frage ist, ob dies nur für kleine Teilchen gilt. Wie groß dürfen Systeme sein, an denen sich solche Quanteninterferenzen beobachten lassen? Als Gedankenexperiment hierzu erdachte Erwin Schrödinger 1935 die berühmte nach ihm benannte Katze. In seinen eigenen Worten: "Man kann auch ganz burleske Fälle konstruieren. Eine Katze wird in eine Stahlkammer gesperrt, zusammen mit folgender Höllenmaschine (die man gegen den direkten Zugriff der Katze sichern muss): In einem geigerschen Zählrohr befindet sich eine winzige Menge radioaktiver Substanz, so wenig, dass im Laufe einer Stunde vielleicht eines von den Atomen zerfällt, ebenso wahrscheinlich aber auch keines; geschieht es, so spricht das Zählrohr an und betätigt über ein Relais ein Hämmerchen, das ein Kölbchen mit Blausäure zertrümmert. Hat man dieses ganze System eine Stunde lang sich selbst überlassen, so wird man sich sagen, dass die Katze noch lebt, wenn inzwischen kein Atom zerfallen ist. Der erste Atomzerfall würde sie vergiftet haben. Die Psi-Funktion des ganzen Systems würde das so zum Ausdruck bringen, dass in ihr die lebende und die tote Katze zu gleichen Teilen gemischt oder verschmiert sind. Das Typische an solchen Fällen ist, dass eine ursprünglich auf den Atombereich beschränkte Unbestimmtheit sich in grobsinnliche Unbestimmtheit umsetzt, die sich dann durch direkte Beobachtung entscheiden lässt."
Das Beispiel von Schrödingers Katze scheint zu bedeuten, dass es keinen Sinn hat, sich Quantenzustände von sehr großen, komplexen Systemen vorzustellen. Doch wir müssen uns in Erinnerung rufen: Quanteninterferenzen treten nur dann auf, wenn keinerlei Information darüber vorliegt, welchen Weg das Teilchen genommen hat. Es geht nicht darum, ob ein Beobachter tatsächlich diese Information besitzt, sondern ob es im Prinzip überhaupt möglich ist, den Weg zu wissen

Anton Zeilinger wurde 1945 in
Ried im Innkreis (Österreich)
geboren. Er studierte an der Universität Wien Physik und Mathematik
und promovierte 1971 mit
einer Arbeit über Neutronenphysik.
Er ist einer der drei Namenspatrone
der Greenberger-Horne-Zeilinger-Zustände.
Seine Gruppe
war im Jahr 2000 weltweit die
erste, die diese GHZ-Zustände mit
Photonen experimentell realisierte.
Sein Team konnte zudem erstmals
Quanteninterferenz
an großen
Molekülen nachweisen. Seit den
1990er Jahren untersuchte er
verschränkte Lichtteilchen und
nutzte sie zur Übertragung von
Quanteninformation
(so genannte
Teleportation). Zeilinger hatte
Professuren inne am Massachusetts
Institute of Technology
(Cambridge),
an der TU München, TU
Wien, Universität Innsbruck,
Universität Melbourne sowie am
Collège de France in Paris. Derzeit
ist er Wissenschaftlicher Direktor
am Institut für Quantenoptik und
Quanteninformation (IQOQI) sowie
Dekan der Fakultät für Physik der
Universität Wien.
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1. Das Realitätsproblem der Quantenmechanik
04.11.2008, Mario Wingert, Halle/ SaaleTrotz dieser harschen Kritik namhafter Theoretiker zeichnet sich bis heute keine vernünftige Interpretation der Quantentheorie ab, die eine real existierende Natur und Realität mit quantentheoretischen Strukturmodellen objektiv - also ohne Bezug auf einen "bewußten" Beobachter - zu erklären vermag. Statt dessen wird behauptet, das kein Quantenproblem existiere. Auf diese Weise verweigert sich die Physik einer physikalischen, erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Debatte - in der Annahme, daß eine solche Diskussion mit Physik nichts mehr zu tun habe. Meiner Meinung nach ist das nur Ausdruck der tiefen intellektuellen Krise der Physik, die von der quantenmechanischen Interpretation verursacht wurde und seit 80 Jahren unvermindert anhält. Sie war einfach nicht in der Lage, das Welle/ Quanten- Paradoxon vernünftig zu konfigurieren - und postulierte deshalb die Unauflösbarkeit des tiefsten Rätsels der Natur, das nicht nur die grundlegende Beschaffenheit von Licht und Materie, sondern auch das Geheimnis der menschlichen Denkwahrnehmung verbirgt... Ich möchte Einsteins Standpunkt zur "intellektuellen Krise der Physik" (Max Born) hier kurz darstellen und das Problem aus einer ganz neuen Perspektive beleuchten; nicht zuletzt in der Hoffnung, damit Einsteins Gewicht - und das intellektuelle Niveau dieser Diskussion - etwas anheben zu können:
Beim Realitätsproblem der Quantentheorie geht es nicht um die Frage, ob "teilchenartige" Quanten real existieren oder nicht, sondern um das Versagen der traditionellen Realitätsmodelle der Physik (Körper und Wellen). So zeigt das Doppelspaltexperiment eigentlich eindeutig, daß der Körperbegriff der Mechanik auf die Beschaffenheit der Natur nicht mehr zutreffen kann und das Wellenmodell bei der Erklärung des Absorptionsereignisses vollständig versagt. Nach diesem Experiment können also weder Materie noch elektromagnetische Felder aus unteilbaren Körpern bzw. räumlich konzentrierten Energieportionen bestehen (beides wird "Teilchen" genannt) - obwohl die Strahlung bzw. das Feld immer punktartig- ganzheitlich auf dem Schirm wirkt. Einstein war sich dieses Problems immer bewußt und betrachtete sein "Teilchenmodell" in der Quantenhypothese des Lichts schon vor einhundert Jahren ausdrücklich nur als provisorische Hilfsvorstellung, die es gestattete, solche Wechselwirkungen vorläufig mechanistisch zu modellieren. Implizit vertrat er mit seiner Quantenhypothese die Annahme, daß sich hinter der punktartig- ganzheitlichen Wirkung eine noch zu entdeckende Struktur des elektromagnetischen Feldes verbirgt - was Arnold Sommerfeld und viele andere Physiker damals noch problemlos erkennen konnten. Im Grunde ging es also um eine neue, verbesserte oder erweiterte maxwellsche Theorie.
Bedauerlicherweise erweckt Einstein in den von Niels Bohr und anderen überlieferten Diskussionen den Eindruck, daß es ihm um die Rettung des Körperbegriffs der Mechanik ging. Wir wissen jedoch, daß es ihm im Gegensatz zu Bohr, Born und Heisenberg nicht um eine einheitliche Mechanik, sondern eine einheitliche Feldstrukturtheorie ging, die auch die Beschaffenheit der Materie modellieren können sollte. Dazu fehlte Einsteins Meinung nach nur ein neues physikalisches Prinzip, das sich direkt aus dem Doppelspaltexperiment ergeben müßte und auch für Einzelereignisse gelten sollte. Vermutlich ging es genau darum in den Debatten mit Bohr - denn Bohrs Interpretation kann das Einzelereignis nicht nur nicht erklären, sondern mußte es aus der Physik förmlich ausklammern. Damit verfolgt Bohr einen ganz bestimmten Zweck: Bohr kann den Körperbegriff der Mechanik - und die Atom- und Elementarteilchenhypothese - für die Physik nur retten, in dem er eine physikalische Erklärung des Doppelspaltexperiments mit einzelnen Teilchen, also der zugrundeliegenden Atom- und Elementarteilchenhypothese, für prinzipiell unmöglich erklärt! Das ist der logische Drahtseilakt der Quantenmechanik, den man bei Feynman direkt nachlesen kann - sehr amüsant übrigens, was die sogenannte Logik betrifft!
Doch die experimentell gesicherten Tatsachen sehen ganz anders aus: Am Doppelspalt oder bei der partiellen Reflexion gilt eine Interferenzbedingung, die besagt, daß die Strahlung oder das Feld immer beide Öffnungen oder Wege zugleich passieren muß! Ebenso sicher ist, daß das Feld effektiv immer ganzheitlich- punktartig wirkt! Das gilt auch für einzelne Lichtquanten und Materie- Elementarstrukturen. Diese beiden Tatsachen sollten eigentlich jeder Interpretation zugrunde liegen, die einen naturwissenschaftlichen Anspruch erhebt...
Wir können also mit Sicherheit sagen, daß
1) das Feld beide Wege zugleich geht und
2) immer punktartig- ganzheitlich wirkt.
Das aber bedeutet, daß sich im Experiment etwas nicht-mechanisch, also ganzheitlich geteilt haben muß! Und das können nur Felder sein. Das Problem ist also nicht das Experiment - es sind die Theorien, Modelle und Vorstellungen, die diesem Experiment widersprechen. Und das sind vor allem die Mechanik Newtons, die maxwellsche Theorie und - vielleicht auf den ersten Blick nicht erkennbar - die spezielle Relativitätstheorie. Dabei geht es allerdings nicht um das Relativprinzip, das durch das Experiment sogar eindeutig bestätigt wird, sondern die Interpretation der Konstante c als "Bewegung im Sinne der Mechanik".
Akzeptiert man Punkt 1 ohne wenn und aber(was die quantenmechanische Interpretation beharrlich vermeidet), bedeutet das eindeutig, daß die Atom- und Elementarteilchenhypothese (Demokrits Unteilbarkeitshypothese) auf die Natur und Realität nicht zutreffen kann! Genau diese Schlußfolgerung vermeidet jedoch die quantenmechanische Interpretation, um den Körperbegriff der Mechanik und die Atom- und Elementarteilchenhypothese aus gutgemeinten, aber nicht gerade logischen Gründen für die "Wissenschaft" Physik retten zu können. Deshalb operiert sie unverdrossen weiter mit dem Körperbegriff der Mechanik, obwohl er im Experiment eindeutig versagt und nicht wirklich real existieren kann! Mit anderen Worten: Die Quantenmechanik mißachtet das Experiment - zumindest in ihrer Interpretation. Denn mathematisch modelliert die sogenannte Wellenfunktion exakt ein solches verzweigtes Feld! Das darf nur keine Realität beanspruchen, und zwar aus drei Gründen. Ob diese Gründe physikalischer Natur sind, müssen Sie selbst entscheiden:
1) um den Körperbegriff der Mechanik Newton und die Unteilbarkeitshypothese Demokrits retten zu können (also ein Paradigma)
2) weil die Wellentheorie Maxwells den "lokalen Kollaps" nicht modellieren kann (also unvollständig ist)
3) weil das ein Problem mit der Lichtgeschwindigkeit impliziert.
Selbst Einstein konnte nicht erkennen, daß der lokale Kollaps der Wellenfunktion mit seiner Definition der Absorptionsbedingung des Lichts, also der Gleichzeitigkeit in der speziellen Relativitätstheorie, absolut identisch ist (und nun eine physikalisch real existierende Feld- und Struktursymmetriebedingung darstellt), aber mit der Interpretation der Konstante c als "Geschwindigkeit des Lichts"weder im Sinne der Mechanik noch im Sinne der Dynamik des elektromagnetischen Feldes (Maxwells Ausbreitungsweise der Wellen oder Felder) absolut nicht verträglich ist!
Und damit kommen wir zum eigentlichen Punkt der Quantentheorie: Gesucht ist ein neues physikalisches Modell der Beschaffenheit der Elementartrukturen der Realität und Natur - und das kann nach dem Scheitern des Körperbegriffs der Mechanik und der Wellentheorie nur eine verzweigte Struktur des Feldes sein. Diese Struktur zeigt sich nun ganz offen im Experiment - und in den mathematischen Modellen der Quantentheorie. Beide offenbaren, daß sich das Feld bei der Passage des Doppelspalts ganzheitlich geteilt haben muß! Das ist die von Einstein gesuchte Struktur des elektromagnetischen Feldes - eine Verzweigungsstruktur, die durch einen nicht-mechanischen, also ganzheitlichen Teilungsprozeß entsteht. Und der muß, wie das Doppelspaltexperiment mit Materie zeigt, auch auf Materiefeldstrukturen zutreffen!
Das eigentliche Problem der Quantentheorie war also nur die Frage, wie sich etwas teilen kann und dennoch ein Ganzes bleibt! Um diese Frage beantworten zu können, muß man mal eine biologische Zellteilung gesehen haben... Erst dann versteht man die Botschaft der Quantenphysik. Dieser Teilungs- und Verzweigungsprozeß findet sich auch in Maxwells Gleichungen wieder, wenn man sich nach der physikalischen Bedeutung des Verschiebungsterms fragt (die Maxwell nie klären konnte, obwohl er dahinter eine Art Dipolbildung vermutete), und die imaginären Lösungen mit einbezieht, die bisher immer verworfen wurden. Was dabei abgebildet wird, ist jedoch keine Zeitumkehr und keine Welt mit negativen Längen, Zeiten und Energien, sondern ein Teilungsprozeß des Feldes, das zeitlos und spiegelsymmetrisch (bis zu nächsten effektiven Wechselwirkung) existiert. Und damit wird auch klar, wie der Kollaps der Wellenfunktion physikalisch zu verstehen ist: Nicht als Zeitumkehr (der mechanischen Bewegung), sondern als ein gespiegelter, umgekehrter Verzweigungsprozeß - als ein Strukturverschmelzungsprozeß. Die Elementarstrukturen von Licht und Materie sind also in Wirklichkeit Verzweigungsprozesse bzw. verzweigte, zusammenhängende Feldzustände, die entstehen und vergehen. Und genau davon sprechen auch Avogadros Originalhypothese (1811) und die Bose/ Einstein- Kondensation (1924)...
Vielleicht sind die Leser und die Redaktion in diesem Zusammenhang an einer etwas ausführlicheren, reich illustrierten Darstellung des Quantenrätsels und an einer Buchbesprechung interessiert. Eine umfassende Darstellung findet sich in meinem Buch "Quantum Top Secret - Die Lösung des Quantenrätsels. Metamorphose eines Weltbildes".