Schon der Titel ist rätselhaft. Ist der Mond ein lebender Organismus, und will uns das Buch von seinen Lebensvorgängen erzählen? Oder geht aus dem Studium des Mondes ein neuer Ansatz zum Verständnis irdischen Lebens hervor? Oder beides? Was haben sich die Autoren, Evolutionsbiologen an der privaten Universität Witten-Herdecke, dabei gedacht?

Seit einigen Jahrzehnten erforschen die Chronobiologen die zeitliche, zumeist periodische Ordnung physiologischer Funktionen. Das vorliegende Buch handelt von biologischen Rhythmen, die mit denen des Mondes in Zusammenhang gebracht werden können. In Betracht kommen vor allem der synodische Monat (die Zeitdauer von einem Vollmond bis zum nächsten) von ungefähr 29,5 Tagen, dessen Hälfte sowie die durch den Mond verursachten Gezeitenrhythmen von 12,4 und 24,8 Stunden.

Ein besonders schönes Beispiel für die besprochenen Phänomene sei etwas ausführlicher beschrieben: Der Grunion (Leuresthes tenuis), ein kleiner Fisch, erscheint im Frühjahr und Sommer in dichten Schwärmen an der kalifornischen Küste, laicht aber seltsamerweise nicht im Wasser ab, sondern im Ufersand, und das nur nachts zur Zeit der Springflut. Erstaunlich dabei ist die äußerst genaue zeitliche Abstimmung.

In den drei bis vier Nächten nach Neumond oder Vollmond treffen die Fische in der ersten oder zweiten Stunde nach Hochwasser an der Küste ein, lassen sich von auflaufenden Wellen ans Ufer tragen und schwimmen gegen die rücklaufende Strömung an, bis sie stranden. Bald ist der Strand eine einzige silbrig schimmernde Fläche. Die Weibchen graben sich nun in den Sand ein, umringt von Männchen, und legen ihre Eier in fünf bis acht Zentimeter Tiefe ab, während sie selbst sich wieder hervorschlängeln. Die nächste Welle trägt die Fische ins Meer zurück. So folgt Laichschwall auf Laichschwall, bis der Ansturm urplötzlich nachläßt. Dann ist bis zur nächsten Springtide zwei Wochen später kein einziger Grunion mehr zu sehen.

Während bei Flut die We