In früheren Zeiten gehörten sie zum Alltag: mit einem feinen Tröpfchenschleier überzogene Fensterscheiben als Folge des Temperaturgefälles zwischen innen und außen. Heute sorgen Isolierglasscheiben und moderne Heizungstechnik für thermisch ausgeglichenere Verhältnisse; nur im Badezimmer ist das Phänomen noch mit schöner Regelmäßigkeit zu beobachten, wenn Wasserdampf aus der heißen Dusche den Spiegel blind werden lässt.

Gleichwohl sind beschlagene Scheiben – genauer: Kondensationsvorgänge an hydrophilen Oberflächen – weiterhin ein Objekt der Forschung und keineswegs nur der Grundlagenwissenschaft. Überraschend fanden Göttinger Forscher jüngst sogar Neues über die Größenverteilung der Tröpfchen heraus.

Widmen wir uns zunächst einer näherliegenden Frage. Warum trotzen die Tröpfchen der Schwerkraft und bleiben an der Scheibe haften? An hydrophilem, "Wasser liebendem" Glas ist zur Bildung einer Grenzschicht zwischen Wasser und Glas weniger Energie nötig als für eine Wasser-Luft-Schicht. Darüber hinaus sind natürliche Systeme gemäß dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik bestrebt, so viel Energie wie möglich an die Umgebung abzugeben. Je größer die Grenzschicht zwischen Wasser und Glas, desto besser gelingt das …