Schlichting!
Phantom im Eis
Wie Gasbläschen ein Fahrrad am Grund eines Sees auf dessen zugefrorene Oberfläche projizieren
Lagern Gegenstände einige Zeit unter Wasser, siedeln sich auf ihnen Mikroorganismen und Algen an. Diese geben Gase in Form winziger Bläschen ab, die meist unbemerkt zur Oberfläche aufsteigen. Beginnt der See allerdings zuzufrieren, können sie nicht in die Atmosphäre übergehen, sondern bleiben unter der zunächst noch dünnen Eisschicht hängen.
Dort sammeln sie sich in Blasen an, die – weil die Eisschicht weiter nach unten wächst - schließlich von Eis umgeben und eingeschlossen werden. Später aufsteigende Blasen steigen nur noch bis zur jeweils neuen Eisgrenze und werden ebenso konserviert. So entsteht


H. Joachim Schlichting ist Professor
und Direktor des Instituts für
Didaktik der Physik an der Univer-
sität Münster.
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1. Phantombilder dank Sauerstoff oder Methan
23.12.2009, Dipl. Biol. Dr. Lutz Nevermann, 63814 MainaschaffZu den Gasen möchte ich noch bemerken, dass es sich im Fall der Phantombilder um Sauerstoff aus der Photosynthese von Algen handelt. Da dieser Prozess bekanntlich lichtabhängig ist, findet er im Winter nur innerhalb weniger Stunden um die Mittagszeit statt. Bei konstantem Frostwetter kann man von einem recht gleichmäßigen Dickenwachstum des Eises ausgehen.
So kommt es, dass die Phantombilder den Tag-Nacht-Rhythmus der Photosynthese dokumentieren können: Im zweiten Bild - die Phantombilder von Steinen zeigen Tag-Nacht-Rhythmus der Photosynthese - sind bis zu 6 Zyklen zu erkennen.
Bei großen Gasblasen unterm Eis handelt es sich oft um Methangas (siehe die Methan-Blasen-Kolonnen im dritten Bild), welches durch Fäulnisprozesse (anaerober Abbau von Biomasse durch Methanbildner; Archaeen) im Seeboden entsteht. Die an einer Stelle austretende Gasmenge ist
Eine wachsende Eisdecke schließt die Blasen zu Kolonnen ein, die mehrere Stockwerke haben können und oft nicht vollständig voneinander getrennt sind. Der Abstand der Stockwerke zueinander ist in diesem Fall vom Rhythmus des Gasaustritts und der Zuwachsrate des Eises abhängig.
Wenn man eine solche Kolonne von oben her öffnet, strömt das Gas unter hörbarem Zischen aus, da es von unten durch Wasser verdrängt wird. Das Gas kann entzündet werden, aber Vorsicht, es besteht Verbrennungsgefahr!
Fotos: Dr. Lutz Nevermann
2. Wie kommt das Sechseckmuster in den Schnee?
08.01.2010, Volker Häselbarthmit großer Freude lese ich in Spektrum der Wissenschaft Ihre Beiträge SCHLICHTING! Jedesmal habe ich etwas gelernt, hierfür meinen besten Dank.
Jetzt habe ich eine Frage. Aus den beigefügten Fotos können Sie erkennen, dass Schnee auf einer gepflasterten Fläche auf den Fugen langsamer abtaut als auf den dazwischen liegenden Flächen. (Die Fotos zeigen meine mit Sechsecken gepflasterte Gartenterrasse.)
Beide Fotos: Volker Häselbarth
Ja, warum denn das?
Vielleicht ist die Frage so simpel, dass sie einer Antwort nicht würdig ist.
Aber ich würde mich schon sehr freuen, von Ihnen zu hören.
Ihr Volker Häselbarth
3. Warum bleibt der Schnee liegen?
05.02.2010, Dipl. Biol. Dr. Lutz Nevermann
Foto: Lutz NevermannGut, auch die Ziegel könnten sich hinsichtlich ihrer Wärmekapazitäten und Wärmeleitfähigkeiten unterschieden. Oder sie haben zuvor unterschiedlich viel Wärme aus der Himmelsstrahlung aufgenommen? Ich vermute aber, dass der entscheidende Unterschied im Bewuchs mit Algen und Flechten zu suchen ist. Sie könnten durch extrazelluäre Polysaccharide und andere Frostschutzsubstanzen zu einer Gefrierpunkterniedrigung beitragen, die entsprechend dem Tausalz auf den Straße wirkt und den Schnee auf ihnen weggetaut hat.