Die Geschichte der Meeresenergie beginnt mit einer Plastikente. Sie sollte auf dem Atlantik schwimmen, im Auf und Ab der Wellen wippen und die Bewegung in Strom umwandeln. Stephen Salter hatte das Konzept 1974 als Reaktion auf die Ölkrise entworfen. Entlang der Küstenlinie aufgereiht, sollten Dutzende der Geräte die Stromversorgung der Zukunft sichern. "Einige hundert Kilometer könnten den Energiebedarf Großbritanniens decken", schrieb der schottische Ingenieur seinerzeit im Wissenschaftsmagazin "Nature". Es war ein kühnes Vorhaben zu Beginn des Zeitalters der erneuerbaren Energien. Aber Salters Ente blieb eine Vision. 1983 war die Ölkrise überwunden, und das britische Abgeordnetenhaus entzog dem Projekt die Gelder.

In den folgenden Jahrzehnten verschwand die Idee, Ozeane zur Stromerzeugung zu nutzen, aus der öffentlichen Wahrnehmung. Daher stammt der Beitrag des Wassers zur Energieversorgung heute ausschließlich aus Flüssen und Stauseen. Wasserkraftwerke decken etwa 16 Prozent des weltweiten Strombedarfs, was mit Abstand der größte Beitrag regenerativer Energiequellen zur Elektrizitätserzeugung ist. Die meisten Wasserkraftwerke stehen in China, Brasilien, den USA, Kanada und Russland. Und manche Nation vertraut fast vollständig auf die Kraft des Wassers: Norwegen bezieht seinen kompletten Strom daraus, die Schweiz und Österreich immerhin mehr als die Hälfte. In Deutschland stammen gerade einmal 3,4 Prozent der Elektrizität aus Wasserkraft.

Kraftwerke gibt es in verschiedensten Größen. An Talsperren oder Staudämmen nutzen sie die potenzielle Energie von Wasser, das viele Meter fällt und dabei gewaltige Turbinen antreibt. In Flüssen arbeiten oft kleinere Laufwasserkraftwerke, die den Flusslauf stauen, um eine Fallhöhe von wenigen Metern zu erzeugen…