Lange war der Ruhrpott das industrielle Herz Deutschlands, wo die Kumpels Kohle aus den Flözen schürften wie hier in Bochum. Mittlerweile gehört nicht nur dieses historische Bild der Zeche Vollmond der Vergangenheit an, sondern auch weit gehend der Kohlebergbau im Revier zwischen Duisburg und Dortmund.
Geschrumpfte Reserven
Laut ihrer Studie, welche die Forscher auch dem Deutschen Bundestag vorgelegt haben, seien die bekannten und in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen abbaubaren Kohlevorkommen also deutlich kleiner als bislang angenommen. Eine Fehleinschätzung, die auf früheren, völlig überhöhten Schätzungen beruhe, so Zittel: "Durch die Öffnung nach Asien und Russland beispielsweise wurden bessere Daten verfügbar: Indien etwa hat seine Reserven um die Hälfte reduziert. Aber auch in Deutschland oder Polen wurden die Vorräte drastisch zusammengestrichen – hier zu Lande im Jahr 2002 um ganze 99 Prozent, was mit dem Kohleausstiegsbeschluss begründet wurde. Deshalb seien in die Statistik nur die Mengen übernommen worden, die bis zum Stichtag durch die Förderung erreichbar sind."
Deutsche Steinkohle ist vor allem so teuer, weil sie tief aus Bergwerken geholt werden muss. Dagegen ist die Braunkohle hier zu Lande sehr billig zu fördern, weil sie im Tagebau mit riesigen Baggern wie hier in Garzweiler in Nordrhein-Westfalen gewonnen wird. Der Landschaftsverbrauch ist dabei aber auch erst einmal sehr groß.
Eine Ansicht, der sich auch der Energieforscher Mikael Höök von der Universität in Uppsala anschließt: "Viele wichtige Kohleförderregionen befinden sich bereits in einer Phase des Produktionsrückgangs, weil die Vorkommen erschöpft sind. Oder sie stehen zunehmend Beschränkungen und anderen negativen Faktoren gegenüber, die die Erschließung neuer Lagerstätten erschweren." Dazu gehören Umweltgesetze, die beispielsweise landschaftsraubende Tagebaue untersagen, oder mangelnder Zugang zu Märkten wie im Fall einer großen Lagerstätte in Sibirien. "Von dort lässt sich die Kohle nur per Eisenbahn nach Europa transportieren, was verglichen mit Schiffen sehr kostspielig ist", bestätigt Ralf Littke von der RWTH Aachen.
Chancen für die deutsche Kohle?
Insgesamt sieht der Aachener Geologe die Situation bei der Kohle jedoch in einem deutlich rosigeren Licht und widerspricht den Pessimisten: "Es gibt keine Probleme mit den Vorkommen. Wir verfügen weltweit über sehr große Vorräte, deren statistische Reichweite in einer Größenordnung von mehreren hundert Jahren liegt. Wir sind aus meiner Sicht deshalb weit von einem Peak der Kohleproduktion entfernt." Sandro Schmidt von der BGR ergänzt dies: "Bezogen auf den Energiegehalt sind die bekannten Mengen weit größer als das gemeinsame Potenzial konventioneller Erdöl- und Erdgasressourcen. Eine in wenigen Jahren bevorstehende Krise durch eine geologisch bedingte physische Verknappung der Kohlevorräte können wir ausschließen. Gemessen am derzeitigen Verbrauch reichen allein die heute bekannten wirtschaftlich gewinnbaren Kohlevorräte weit über 100 Jahre."
Braun- und Steinkohle liefern ein knappes Drittel des weltweiten Energiebedarfs. Trotz aller Investitionen in erneuerbare Energien spielt Kohle auch in Deutschland noch eine wichtige Rolle – hier im Bild das Kraftwerk Weißweiler.
Mit dem Ende der Flaute und dem dann vor allem in China und Indien wieder stark ansteigenden Bedarf dürften fallende Preise jedoch bald der Vergangenheit angehören, und die Kohle dürfte teurer werden. Ob deutsche Steinkohle trotzdem jemals ohne Subventionen für die Stromproduktion konkurrenzfähig wird, muss sich erst noch zeigen. "Der Preis müsste sich nochmals verdoppeln, damit sich der Abbau im Ruhrgebiet wieder lohnt", schätzt Littke. Andernfalls ist 2018 hier zu Lande trotz der noch vorhandenen beträchtlichen Reserven Schluss.
Quo vadis, Kohle? Auch wenn die Vorräte noch lange reichen sollten, bleibt fraglich, wie lange sie noch Hauptenergielieferant bleibt – oder ob alternative Formen der Stromerzeugung sie nicht schon mittelfristig zurückdrängen.
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zur "Zukunft der Rohstoffe". Weitere Beiträge werden sich u.a. mit Uran, seltenen Metallen und dem Potenzial von Recycling befassen.
Außerdem können Sonne und Wind nicht zu allen Zeiten Strom erzeugen – für Flauten oder bedeckten Himmel muss man also konventionelle oder nukleare Kraftwerke vorhalten. Und das noch auf lange Sicht." 







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1. Eine unzulässige Verallgemeinerung
01.06.2010, Dipl.-Geol. Götz BartkowiakEine Verknappung der abbauwürdigen Vorkommen in einigen Kohle exportierenden Ländern, wie Indonesien oder Südafrika, ist durchaus zu registrieren, und diese Entwicklung wird in der Zukunft deutliche Auswirkungen auf den Preis in den Import-Ländern haben. Allerdings beträgt der Anteil der international gehandelten Kohle nur etwa 10 Prozent der globalen Fördermenge, und diese wird nahezu ausschliesslich in Ländern produziert, die kostengünstig abbaubare Vorkommen in Küstennähe haben.
In den großen Flächenländern mit großen kontinentalen Sedimentbecken, wie den USA, China, Indien und Russland, sind die Vorkommen überwiegend zu fern der Küsten, um kostengünstig exportiert zu werden. Dafür reichen die abbauwürdigen Vorkommen in diesen Ländern aber noch für mehr als 100 Jahre unter heutigen und zu erwarteten zukünftigen wirtschaftlichen Bedingungen.
2. In den meisten Fällen sind Schätzungen über die Verfügbarkeit von Kohle zu linear gedacht.
22.10.2012, Tom SchülkeDas Problem ist, dass der Abbau anderer Energierohstoffe einen starken Energieinput an Öl erfordert. Ohne Öl können wir die Maschinen, die Kohle abtragen, nicht betreiben, um es überspitzt auszudrücken. Insofern müssen bei der Betrachtung der Kohleverfügbarkeit auch die vielfältigen Rückkopplungsmechanismen berücksichtigt werden.
So betrachtet, steht Kohle viel früher vor dem Aus, als es uns bei vereinfachter Betrachtung erscheinen mag.
Das Schlüsselelement zum Verständnis unsere Energieversorgung ist damit das Öl.