Der eigentliche Vorfall wäre ganz einfach aus der Welt zu schaffen gewesen. "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich warf dem FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle sexistisches Verhalten vor, darunter anzügliche Blicke und ein Kommentar über ihre Oberweite. Er hätte sagen können: Mea culpa, ich war betrunken, hab danebengegriffen, tut mir leid. Dann wäre die Diskussion schon vor Tagen erlahmt. Doch die FDP hat aus den Abgängen von Christian Wulff und Karl-Theodor zu Guttenberg wohl nichts gelernt. Brüderle glaubt, die Sache aussitzen zu können, und gab damit weiteren Herrschaften die Gelegenheit, sich als seine Brüder im Geiste zu erweisen.
Die Medienreaktionen lassen glauben, das größte Problem läge darin, dass sexistisches Verhalten schwer zu definieren ist. Das trifft aber vor allem für diejenigen zu, die sich nicht sexistisch verhalten wollen. Sie zählen in der Regel jedoch nicht zur aufdringlichen oder übergriffigen Kerngruppe. Denn ihre Mitglieder zeichnen sich dadurch aus, dass sie Chauvi-Sprüche und anzügliche Blicke oder Bemerkungen für ihr gutes Recht oder zumindest für einen Ausdruck ihrer Männlichkeit halten. Frauen, die sich dagegen wehren, unter Umständen sogar ohne zu lächeln, gelten als Mimosen, Spaßbremsen oder hysterische Zicken. Stellt eine Frau im Beruf lästige Fragen – eine der schönsten journalistischen Pflichten –, kann ein Kommentar über weibliche Attribute an die traditionellen Geschlechterrollen und Machtverhältnisse erinnern. In solchen Anzüglichkeiten kann, gewollt oder ungewollt, eine Botschaft auf der Beziehungsebene stecken, wie einst der Psychologe Friedemann Schulz von Thun entschlüsselte: Ich darf deine Attraktivität bewerten, wir sprechen hier nicht auf Augenhöhe. Selbst ein charmantes Kompliment kann deshalb vermitteln, dass das weibliche Gegenüber nicht als professionelles Gegenüber akzeptiert wird. Und allein der Glaube, witzig zu sein, macht aus einem plumpen Kommentar noch keinen netten Scherz.
Natürlich ist ein einvernehmlicher Flirt auf Augenhöhe kein Problem. Und jedem steht es frei, sich gedanklich unablässig mit den sexuellen Vorzügen einer Frau zu beschäftigen (man muss sich allerdings fragen, wie viel Kapazität dann für andere Aufgaben bleibt). Sobald Sprüche oder Avancen von einer Machtposition ausgehen, befindet sich die Frau in einer Zwickmühle. Spätestens wenn sie sich mehr professionelle Distanz erbittet, sollte Schluss sein.
Genau das tat Laura Himmelreich, und doch brauchte es offenbar eine Pressereferentin, um Brüderle zu stoppen. Wie die meisten Frauen versuchte sie zunächst, sich höflich aus der Situation herauszuwinden. Obwohl sie als Journalistin gegenüber Brüderle in einer unabhängigeren Position ist als eine Sekretärin gegenüber ihrem Chef, muss sie nun Nachteile in Kauf nehmen, weil sie den Vorfall öffentlich gemacht hat. Künftig will Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, nicht etwa auf angemessenes Verhalten in den eigenen Reihen drängen – nein: Er will den Kontakt zu Journalistinnen verringern. Nach eigenen Angaben traut er sich selbst nicht über den Weg: Ihm könne da schon mal eine lockere Bemerkung rausrutschen.
Die Empörung in Teilen der FDP verdeutlicht, wie selbstverständlich es ihnen erscheint, dass solche Vorfälle verschwiegen werden. Sexistische Kommentare sind Normalität, die Konsequenzen selbstredend, die meisten Frauen haben sich damit arrangiert. So können Brüderle und seine Sympathisanten die berechtigte Hoffnung hegen, die alten Sitten beibehalten zu können. Grund zu Sorge und Ärger geben deshalb weniger Brüderles mutmaßliche Fehltritte als vielmehr die Reaktionen seiner Sympathisanten und was sie über ihre Denkweise verraten.
Nummer eins auf der Liste unsäglicher Reaktionen ist der Versuch, der Journalistin die Schuld zuzuschieben: Was treibt sie sich auch nachts auf einer Feier der Partei herum? Mit diesem Argument stellen sich Brüderles Verteidiger in eine wenig schmeichelhafte Tradition, denn seine Logik gleicht der von so genannten Vergewaltigungsmythen: Wenn eine Frau nachts im kurzen Rock allein nach Hause läuft, trägt sie zumindest Mitschuld, wenn sie belästigt wird. Sie kann ihre Rechte demnach verwirken, wenn sie eine potenziell gefährliche Situation aufsucht. FDP-Partys zählen da wohl dazu. Dort muss eine gut aussehende Journalistin mit anzüglichen Bemerkungen rechnen – so jedenfalls das Bild, das Brüderle-Verteidiger von der Regierungspartei vermitteln.
Eine weitere Strategie – sich selbst zum Opfer stilisieren – zeigt, dass sich auch gebildete Frauen vor den Chauvi-Karren spannen lassen. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger behauptet, es gehe dem "Stern" nur um seine Auflage. Die Justizministerin beklagt sich über das Niveau des Magazins, und Parteikollege Kubicki meint, man wolle einen "Hoffnungsträger der FDP" mutwillig schädigen. Dabei räumt er selbst Presseberichten zufolge ein, der Bericht enthalte seines Wissens keine falschen Tatsachenbehauptungen. Das Niveau gab also Brüderle selbst vor und hat den Schaden eigens zu verantworten. Inwiefern das Gewinnstreben eines Magazins von Bedeutung ist, wenn die Informationen zutreffen, bleibt noch dazu ein Geheimnis.
Nicht nur mit Scheinargumenten, auch mit sexistischem Spott hoffen Brüderle-Sympathisanten in ähnlich gesinnten Männerkreisen zu punkten. Darauf lässt jedenfalls der Kommentar des Journalisten Gabor Steingart schließen. Bei dem Versuch, den Sexismus-Vorwurf ins Lächerliche zu ziehen, offenbart der "Handelsblatt"-Chefredakteur einen besonders lupenreinen Chauvinismus. Im "Handelsblatt Morning Briefing" schrieb er: "Mit zweideutigen Herrenwitzen soll FDP-Sturmspitze Rainer Brüderle eine Stern-Redakteurin behelligt haben. Auch gegenüber einer schleswig-holsteinischen Milchkuh sei der FDP-Fraktionschef mit der Bemerkung 'Körbchengröße 90 L' negativ aufgefallen, berichtet die Illustrierte. Jetzt fehlt nur noch, dass Stern-Chefredaktion und der Verband der Milchbauern einen Untersuchungsausschuss des Bundestages fordern. Vorschlag zur Güte: Vielleicht sollte man nach all den Bonsai-Affären mal wieder über Politik reden."
Keine Frauenbeauftragte hätte sich ein besseres Beispiel für Sexismus ausdenken können. Erst die Gleichsetzung von Frau und Kuh, dann den Ausschluss von Frauengedöns aus der Politik, und schließlich die sexistische Rhetorik auch noch altväterlich als "Vorschlag zur Güte" zu verkaufen – damit toppt er selbst die Reaktionen aus den Reihen der FDP.
Dass ihm dieser Kommentar nicht um die Ohren fliegt, ist alarmierend. Denn es sind Reaktionen wie diese, die Frauen lieber schweigen lassen. Es gibt zu viele Brüderles im Geiste, und sie besetzen einflussreiche Positionen. Sie gehören da nicht hin; sie haben sich selbst disqualifiziert. Einen solchen Fall wollte die Journalistin aufdecken, als sie berichtete, worüber viele andere aus Bequemlichkeit, Resignation oder Angst hinwegsehen. Wenn sich künftig ein paar Brüderles zivilisierter benehmen, dann Himmelreich sei Dank.

Die Autorin ist Redakteurin bei "Gehirn und Geist". 
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1. Danke
28.01.2013, CapitanaIch vermute, dass Männer, die anzügliche oder chauvinistische Bemerkungen machen, ganz genau wissen, was sie da tun. Sie suchen keine freundlich-flirtende Annäherung, sondern Dominanz. Es ist so scheinheilig, wenn Männer in gewissen Kommentaren zur Sexismusdebatte meinen, sie könnten ja jetzt gar nichts mehr machen, wüssten gar nicht mehr wo die Grenzen seien und ob künftig jeder Flirt tabu ist. Traurig ist auch, dass solche Männer als Chefs und Vorgesetzte auch noch Vorbilder für junge Leute sind.
Mir gefällt Ihr Begriff "disqualifiziert" im letzten Absatz - genau das Wort, das mir in dem Zusammenhang immer durch den Kopf geht. Solche Männer disqualifizieren sich für mich sofort.
2. Scheinheiligkeit
28.01.2013, Kinseher RichardHerr Brüderle sagte zu der Journalistin, dass sie ein Dirndl gut ausfüllen würde - oder so ähnlich. Solch eine Aussage ist ein Kompliment und keine sexistische Beleidigung.
Dass diese Beschwerde erst nach einem Jahr kommt - nachdem(!) er Spitzenkandidat wurde -, zeigt wie fragwürdig sie ist. Entweder sind STERN-Journalisten geistig so langsam von Begriff, dass das ganze erst jetzt als Anzüglich empfunden wird - oder die ganze Aktion dient zur Auflagensteigerung des Stern, und die Moral der Leser soll nun finanziell instrumentalisiert werden.
Diese Diskussion um Herrn Brüderle ist sehr fragwürdig - ich bin garantiert kein Sympathisant von Herrn Brüderle.
Was mich aber wirklich wundert, ist es, wieso sich niemand über den sexistischen Begriff ´Frauenbonus´ des SPD-Spitzenkandidaten aufregte - der damit vor Kurzem die Beliebtheit der Bundeskanzlerin beschrieb: Hier wäre eine echte Empörung angesagt gewesen. Denn dieser Begriff zeigt, dass er Frauen prinzipiell für unfähig hält, dass sie sich in Führungspositionen durch gute Leistung Anerkennung erwerben können.
3. Wissenschaft, Feminismus und Professionalität
28.01.2013, W. H. Greiner28440Frau Himmelreich hat von Herrn Brüderle "Professionalität" eingefordert. Bei einem Interview tagsüber wäre das eine berechtigte Forderung; bei einem von ihr selbst (!) initiierten Gespräch um Mitternacht an einer Hotelbar, an der Herr Brüderle nach einem anstrengenden Tag beim Wein saß, ist das eindeutig zuviel verlangt: irgendwo gibt es auch für Politiker eine Grenze, an der das Professionelle aufhört und das Private beginnt. Hier hat zunächst Frau Himmelreich selbst eine Grenze nicht respektiert. Angesichts einer Annäherung um diese Zeit und in dieser Situation hatte Herr Brüderle alles Recht der Welt, die Dame eben nicht als professionelle Interviewerin ernst zu nehmen, sondern ihre Annäherung als so privat zu interpretieren, wie die ganze Situation war.
Gut: ein Mindestmaß an Höflichkeit und Respekt darf Frau wohl trotzdem erwarten. Nun hat aber Frau Himmelreich selbst das von ihr initiierte Gespräch gleich mit einer Ungehörigkeit eröffnet: Herrn Brüderle auf sein "fortgeschrittenes Alter" anzusprechen ist wiederum ein klarer Übergriff ins Private - und gerade dann besonders übel, wenn der so Angesprochene nach einem harten Tag um Mitternacht nach Genuss von Alkohol klarerweise und auch völlig legitim die Grenze seiner eigenen Leistungsfähigkeit überschritten hat.
Frau Himmelreich hat sich in einer klar privaten Situation mit bemerkenswerter Dreistigkeit und Hartnäckigkeit an einen in diesem Moment sichtlich nicht mehr professionell ansprechbaren Politiker "herangemacht" - und sich dann darüber beklagt, dass ihr Gegenüber sich ebenfalls (!) daneben benommen hat. Sich ein ganzes Jahr später öffentlich als Opfer eines "sexistischen" Skandals darzustellen, um den zwischenzeitlich avancierten Mann medial zu beschädigen, ist selbst ein Skandal. Wenigstens Spektrum der Wissenschaft sollte hier Job und Schnaps korrekt unterscheiden, anstatt sich unter einer reisserischen Überschrift einer gelenkten, politischen Schmutzkampagne anzuschließen.
4. Hier wie da...
28.01.2013, Hollaa) selber schuld weil ... etwas perfider: nicht selber Schuld, aber die Umstände, in die sie sich da begeben hat (kurzer Rock, dunkle Gasse, falscher Kerl, allein erziehend, zu "hohe" berufliche Position ...)
b) sensibel/ falsch interpretiert/ aufgefasst usw. - hier wird der implizite Vorwurf kund getan, dass Frau nicht in der Lage ist den Sachverhalt "richtig" einzuschätzen
c) man hat es doch alles so nicht gemeint und man wollte ja (ganz naiv) nur mal was Nettes tun (Komplimente, berufliche Position mit weniger Verantwortung anbieten, ...), getoppt von "aber sie wollte das ja missverstehen" oder/ und Mutmaßungen über den psychischen Zustand der Betroffenen, gern garniert mit Fürsorglichkeit.
Hört sich bitter an, ist es auch. Es wird Zeit, dass die gut ausgebildete Generation von Frauen hier gemeinsam aufsteht und Änderungen verlangt. Auch gegen den Willen von Geschlechtsgenossinnen, die das ganz ok finden.
Schauen sie jetzt mal bitte Ihre Tochter an - möchten Sie sie in der Situation von Frau Himmelreich wiederfinden? Würden Sie ihr raten wollen müssen, zu schweigen, weil sonst alles viel schlimmer wird?
5. Es ehrt Sprektrum ja
29.01.2013, Kunibert HurtigFür die Zukunft sollte überdacht werden, ob die Äußerungen eines anscheinend angetrunkenen alternden Gockels überhaupt einer Erwägung wert sind. Ich bedanke mich im Voraus.
Kunibert Hurtig
6. Schreckliche Niederlage
29.01.2013, Helmut PohlBildung und Erziehung sind fast ausschließlich in weiblicher Hand.
Auch die Fortpflanzungswahl liegt bei den Frauen, sie entscheiden über ihre Sexualpartner und welcher davon die Chance zur Fortpflanzung bekommt. Sicher, es gibt Vergewaltigungen, sie sind aufs Schärfste zu verurteilen. Die Zahl der Kinder daraus ist aber gering, die meisten Kinder, auch die männlichen, sind Wunschkinder ihrer Mütter.
Gebracht hat dies fast nichts. Die anstehende Debatte zeigt - die Frauen sind etwas mutiger geworden, sonst hat sich nichts verändert
Betrachtet man gleichzeitig den starken Anstieg männlicher Gewalt in Fußballstadien und U-Bahnhöfen muss man sich eingestehen:
Unsere Gesellschaft hat eine vernichtende kulturelle Niederlage erlitten.
Kulturelle Niederlagen kann man weder dem eigenen Unglück, noch der Bosheit des Feindes zuschreiben.
7. Und was ist mit dem täglichen Sprachsexismus?
29.01.2013, Gilbert BrandsWasser predigen und selbst Wein saufen! Wir treffen uns dann nachher beim Backenden für ein Brötchen mit Belag vom Metzgerndem und schauen dem Verhaftenden beim Abführen eines Stehlenden zu.
8. Gelungene Analyse
29.01.2013, Bernhard SchmidEine einfache, aber effektive Übung in der Gleichberechtigungsdebatte ist, sich die Szene mit vertauschten Rollen vorzustellen. Eine angetrunkene Politikerin, die sich an der Bar über den Hintern oder sonstige sexuelle Vorzüge einer Journalistin oder eines Journalisten äußert, würde kaum von ihren Partei- und GeschlechtsgenossInnen verteidigt.
Herrn Kinseher bitte ich, den Artikel noch einmal zu lesen, den er erklärt sehr gut, warum Komplimente sexistisch sein können.
Und Herrn (?) Greiner sei gesagt, dass ein Spitzenpolitiker sich, vielleicht vom Familienkreis abgesehen, immer in einer professionellen Umgebung befindet.
Aber Herr Brüderle ist eben nicht der Spitzenmann der FDP, sondern einfach mangels Alternativen noch nicht ins zweite Glied zurückgetreten.
9. SdW sollte sich schämen
29.01.2013, Diane de Reynier10. Dürfte ich mal höflich fragen, ...
29.01.2013, Werner KohlHier geht es doch um wissenschaftliche Themen, oder?
Falls ich mich irre, müsste ich nämlich mein jahrzehntelanges Abonnement von Spektrum der Wissenschaft in Frage stellen.
Sicherlich sollte ein einziger Artikel nicht dazu führen, dass man ein Abonnement kündigt. Aber ich grüble schon seit einiger Zeit darüber, ob mir die derzeitige Entwicklung von Spektrum bzw. SdW gefällt. So habe ich den Eindruck gewonnen, dass insbesondere beim Thema Klimawandel die Redaktion eine eindeutige Stellung bezieht und hier offenbar nur Autoren publizieren, die eine alarmistische Haltung verteten. Ein Blick über den Tellerrand zeigt mir aber, dass die Lage nicht so kar ist, wie sie hier dargestellt wird.
Es würde mich freuen, wenn mein Eindruck falsch ist.
Und es würde mich freuen, wenn Sie hierzu Stellung nehmen.
11. Brüderles Fehltritt - eine wissenschaftliche Untersuchung?
29.01.2013, Dr. J. Bohnenberger12. Quatsch
29.01.2013, Fritz Kronberg13. Hysterie über Sex
29.01.2013, J. Burkhart14. Vollkommen daneben
29.01.2013, Stefan GollaHilfreich ist die Umkehranalogie für eine Mann: "Schöner Knackarsch" oder "grässlicher Grom". Äußerungen wie diese sind zumindest unter vorgehaltener Hand bei beiden Geschlechtern anzutreffen und auch ganz normal, solange es nicht in der Öffentlichkeit/Arbeit stattfindet. Eine Frage des Selbstbildes, der persönlichen Bindung und des Umstands. Der beste Kommentar eine Frau zu diesem Thema war: "Ich mag die Männer, so wie sie eben sind."
Fakt ist, das durch die hauptsächlich alt eingesessenen Denkstrukturen kaum eine vernunftbasierte und den Menschenrechten entsprechende Diskussion und Einigung um die Gleichberechtigung von Mann und Frau in dieser Gesellschaft geführt wird/werden kann, was zu immer neuen Spannung dieser Art führt. Weil man sich auf den Schlips getreten fühlt und kaum ein anderes Ventil findet.
Frauen werden in Bezug auf Arbeit/Gehalt und Männer werden in dem Bezug auf Familie und Kindererziehung stigmatisiert und diskriminiert. Aber auch Männer im Job und Frauen in der Familie in eine Rolle gepresst, die man eigentlich nicht immer will.
Da könnte man der FDP für deren Auffassung von diesem Rollenbild zuschreiben, sich die Grube selbst gegraben zu haben.
Dieses Diskussion und wissenschaftliche Erörterung voranzutreiben gehört eher hierher, als reduzierende persönliche Wertungen - das ist mein persönlicher Lösungsvorschlag für den Konflikt
15. Cool down!
29.01.2013, Christa GottingerMir ist solche Anmache schon mit 17 Jahren auf einer Jubiläumsfeier meines damaligen Arbeitgebers passiert. Damals war ich ein schüchternes Mäuschen, aber meine Wut gab mir den nötigen Mut, aktiv zu werden! Ich bin daraufhin zu meinem Chef gegangen und habe mich beschwert. Fazit: Der freie Mitarbeiter verlor seinen Honorarposten. Sicher, ein Risiko, man hätte mir auch nicht glauben können, aber Mut gehört eben zu den Kardinaltugenden im Leben, wie schon die griechischen Philosophen feststellten.
Ich glaube nicht, dass es der Sache dienlich ist, wenn man sie jetzt so aufbläst. Die Herren der Schöpfung müssen eben langsam begreifen, dass dieses Jahrhundert wohl dasjenige sein wird, in dem Frauen sich den Anteil nehmen, der Ihnen zusteht: Mindestens 50 Prozent, denn eigentlich sind wir in der Überzahl! Das Verhältnis Mann-Frau wird immer spannend bleiben (sonst wäre es ja langweilig). Es kommt eben immer darauf an, wie man die Dinge handhabt.
Mein Vater hat mich einen einfachen Satz gelehrt: "Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg' auch keinem andern zu." Darüber sollten einige Leute vielleicht einmal meditieren!
16. Das Problem sind nicht "die Männer" …
29.01.2013, Tanja Gabriele Baudson17. Testosterongesteuert
29.01.2013, Bernd Schrupp18. Auch in einfachen Dingen steckt Wissenschaft
29.01.2013, TedeObjektiv betrachtet ist es auch so, dass eine Frau sich eigentlich nicht immer sämtliche unerwünschte Kommentare zu ihrem Äußeren geben MUSS, bloß, weil Mann das gewohnt ist. Es stimmt außerdem, Männer versuchen oft mit solchen Verhaltensweisen, die Frau ein bisschen in imaginäre Grenzen zu verweisen oder ihre "Position zu markieren". Und nicht alle Situationen verlaufen ähnlich. Ich finde es gut, wenn hin und wieder mal darauf verwiesen wird, einfach, damit man mal wieder drüber nachdenkt, dass ein Mensch mehr ist, als nur sein Geschlecht. Dass beide Geschlechter solche Fragen manchmal ins Absurde stilisieren, ist auch klar, manchmal würde man sich mehr Objektivität wünschen. Einen Blick für die Person mit all ihren Fähigkeiten und ihrem Beruf anstatt auf die sekundäre Schiene des Äußeren und der Geschlechter zu kommen. Fakt ist aber, sobald derartige Themen wieder abkühlen, verfällt oft alles ins alte Muster und wenig hat sich geändert, falls überhaupt. Deshalb ist es für mich in Ordnung, wenn die Themen hin und wieder erneut aufkommen, immerhin bleiben sie sowieso nur ein paar Wochen in den Medien, eher sich die Aufmerksamkeit anderen Dingen widmet.
19. Brüderle im Geiste
29.01.2013, Ilse Raetsch20. etwas zwiespältig...
29.01.2013, Wolfgang Waas21. Komplimente sind kein Sexismus, und wo bleibt eigentlich die Unschuldsvermutung?
29.01.2013, Joachim DubertDer Stern gehört ins Zentrum der Kritik, ebenso wie Frau Himmelreich, die ein Gespräch nach ihrer eigenen Schilderung mit einer altersdiskriminierende Attitüde anfängt ("in ihrem Alter noch einen Vorsitz, Herr Brüderle?") und sich dann wundert, dass an einer Hotelbar nach einem Gläschen Wein mal eine private Bemerkung erfolgt, die weder die Frauenwelt herabwürdigt noch Frau Himmelreich persönlich beleidigt.
Die ganze Debatte ist somit ein Schlag ins Gesicht der wirklichen Opfer von sexueller Gewalt oder Nötigung.
Wir sind ein freies Land, Meinungsfreiheit und persönliche Entfaltung gehört zwingend dazu. Wer ein Problem damit hat, Komplimente und auch plumpe Komplimente zu ertragen, harmlose Flirtversuche skandalisiert, wer sich sich nicht wie ein Erwachsener selbst wehren kann und deshalb daraus eine Staatsaffäre macht, soll sich bitte einen Ort zum Reifen suchen und die Menschheit nicht zu Humorlosigkeit, Geschlechterkrieg und Denunziantentum drängeln.
22. Interessant!
29.01.2013, Thomas SattlerDas Frau Himmelreich selbst Grenzen überschritten und der Stern sicher seine Auflage im Blick hat, ändert an dem Verhalten von Herrn Brüderle leider gar nichts und rechtfertigt es auch nicht.
Und die Reaktionen hier bestätigen zum Teil genau den Inhalt des Artikels, es wird kleingeredet, der Frau wird selbst die Schuld gegeben. Man fragt, warum ist sie damit nicht schon vor einem Jahr an die Öffentlichkeit gegangen.
Dabei verliert man aber ganz aus dem Blick, dass es die Bürger gerade jetzt etwas angeht, was Herr Brüderle für ein Mensch ist. Und hier haben wir einen Mosaikstein seiner Persönlichkeit. Ein anderer ist sein Auftreten nach dem Reaktorunfall in Fukushima. Vor einem Jahr hätte keiner damit gerechnet, dass Brüderle noch einmal eine solche Bedeutung für die FDP bekommt und ein Artikel über ihn wäre kaum veröffentlicht worden.
23. Kompliment in Bayern
29.01.2013, Kinseher Richard24. Wenn schon das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse fehlt, dann bitte keine Ad-Hoc-Hypothesen
29.01.2013, Christian WilleIch will hier keine polemische Auseinandersetzung zu einem an den Haaren herbeigezogenen Boulevard-Thema sehen! Wenn man hier methodisch sauber ein Bild-Zeitungs-Thema sezieren möchte, meinetwegen, aber wenn ich hier noch einmal so eine rhetorische Wirtshausschlägerei vorfinde, werde ich mein Abo kündigen!
25. Brüderle im Geiste wie aus dem letzten Jahrhundert....
29.01.2013, G. Becker26. Merkwürdiges Verständnis von Komplimenten und die Unschuldsvermutung
29.01.2013, Ursula HollwedelVon Unschuld kann keine Rede sein, niemand hat bisher die sexistische Attitüde des Herrn Brüderle bestritten und es steht nicht Aussage gegen Aussage.
Frau Gelitz hat mit ihrem Kommentar ins Schwarze getroffen!
27. Nachvollziehbar
29.01.2013, Werner HoyerDenn es geht auch um unsere Fähigkeit mit neuen Verhältnissen umzugehen. Unsere Arbeitswelt verändert sich. Frauen werden in Zukunft in noch stärkerem Maße wie heute in sogenannten "Männerdomänen" ihren Platz finden. Und da ist gerade ein Diskurs in Fragen des Geschlechterverhältnis eine Notwendigkeit. Ich kann auch die Haltung von Frau Gelitz gut nachvollziehen und finde an dem Artikel, auch im Rahmen des Spektrum.de, nichts auszusetzen.
28. Einseitig
29.01.2013, Sabrina Unter1.) Warum redet keiner über Himmelreichs Altersdiskriminierung? Haben alte Menschen weniger Rechte als Frauen? Mit Altersdiskriminierung fing Himmelreich immerhin das Gespräch an.
2.) Kam der Spruch von Himmelreich doch nachdem geklärt wurde, Himmelreich komme aus München. Somit ist ein traditioneller Bezug zu Dirndle u.U. gegeben. Ob dem so ist, müßte geklärt werden, z.B. ob das Gespräch um das Oktoberfest herum stattfand.
3.) Warum brauchte Frau Himmelreich so lange, um den Sexismus zu erkennen? Besteht vielleicht ein quotentauglicher Zusammenhang zu seiner Spitzenkandidatur?
4.) Wie war Frau Himmelreich gekleidet? Wenn ein muskulöser Mann ein Netzshirt trägt, will er doch, daß jeder seine Muskeln bewundern kann. Trägt eine Frau eine enges, tiefausgeschnittenes Oberteil, darf sicherlich ähnliches angenommen werden. Dies heißt nicht, daß sie dadurch zum Freiwild wird, aber sie will sicherlich für das schöne Dekolte bewundert werden. Falls Himmelreich derartiges trug, reagierte Brüderle nur entsprechend ihrem Wunsch der Anerkennung. Die Frage ist, warum trägt man Klamotten, die den Körper betonen? Doch nicht, damit keiner hinsieht, oder?
Betrachtet man insbesondere Punkt 2 und 4 zusammen, ergibt sich ein gänzlich anderes Bild (das auch nicht stimmen muß).
Weiter, der Hinweis, daß dieser Artikel in Gehirn und Geist kam und deswegen hier abgedruckt werden kann, ist eine Ausrede auf die Fragen, warum er gedruckt wurde. Auch Gehirn und Geist hat sich wissenschaftliches auf die Fahnen geschrieben. Zur Wissenschaft gehört aber gründliches Analysieren beider Seiten. Und dies geschah nicht. Der Artikel hätte auch nicht in Gehirn und Geist erscheinen dürfen, da nicht Für und Wider erörtert wurden sondern rein einseitig und reflexartig Täter- und Opferrollen verteilt wurden.
Frau Gelitz disqualifiziert sich bereits durch die Erwähnung, daß die Definition von Sexismus unklar ist. Genau das ist das Problem. Wenn das klar wäre, hätte jeder einen Leitfaden wie er sich verhalten kann. Fehlt die Definition, ist es unklar. Und bereits wirklich nur nett gemeintes kann sexistisch werden.
29. Viel Lärm um nichts!?
29.01.2013, Marianne KolbergMan hätte die Bemerkung auch als Kompliment auffassen können – sage ich als Frau, die keine Probleme hat/hatte von ihren überwiegend männlichen Kollegen respektiert zu werden.
30. Agression aus Verunsicherung?
29.01.2013, U. JungWas mir auffällt in den völlig am angesprochen Sachverhalt vorbeigehenden, angreifenden Kommentaren ... die Verunsicherung, die bei den so reagierenden Personen herrschen muss.
Denn sie zeigen - bewusst oder unbewusst - EXAKT das Verhalten, welches von Frau Gelitz angesprochen wird: ignoriere den Sachverstand, greife die Person an oder generalisiere ins Abstrakt-Allgemeine bis hin zu völlig sachfremden Gegenvorwuerfen (Sprachverschandelung).
Vielleicht ist da mehr Schuldgefühl vorhanden, als uersprünglich gedacht? Wenn etwas nicht "juckt", der agiert so ja nicht. Also was könnte solche Reaktionen hervorrufen?
Ich denke, es ist der Mangel an Wissen, wie man anders und besser agieren könnte, die Unsicherheit, jetzt in Zukunft angreifbar zu sein für Dinge, die man "normal" findet und andere Verhaltensweisen nicht hat/kennt.
Insofern wäre es für die so in ihrem Verhalten und Rollenbild gestörten, zurückschiessenden Menschen egal welchen Geschlechts doch hilfreich, zu zeigen, wie man es anders und nicht sexistisch macht.
Und das ist eigentlich ganz einfach. Da gibt es (ganz ohne Ironie) zwei Regeln:
1. Niemand sollte lernen müssen, sich zu wehren gegen eine Abwendung von der Sachebene hin zu einer physischen. D.h. wenn ich mit jemandem rede, dann halte ich mich an das Sachthema und springe nicht auf Kleidung/Körperbau/Beziehungsebene um. Eine Person spricht mich über Politik an - ich reagiere NICHT, indem ich auf ihre Oberweite oder Schrittausbeulung zu sprechen komme. Wenn ich es doch tue, habe ich mich falsch verhalten und entschuldige mich und lasse es künftig.
2. Wenn ich das Bedürfnis habe, jemandem ein Kompliment zu machen, stelle ich mir die Person als erstes als das deutlicher Vertreter des anderen Geschlechts vor und frage mich, ob ich das Kompliment immer noch machen wollen würde. Und wenn nicht, frage ich mich, ob der die Wirkung des Geschlechtsunterschieds in die Situation passt (ist sie beruflich oder privat, auf welcher Ebene bin ich mit der Person).
Wenn ich das ein paar Mal so handhabe, lernt man sehr schnell, was Sexismus ist und was nicht. Dann kann ich auch Komplimente machen egal welchem Geschlecht. Dann braucht sich niemand mehr in die Defensive begeben, Ablenken vom angesprochenen Thema, Allgemeinplätze bauen oder sonst was ...
31. Es ist aber eigentlich schon klar
29.01.2013, Jens32. Nichts solidarisiert Männer besser als bärbeißige Frauen
29.01.2013, Till BenzDas ist doch wohl eine Frage des Selbstbewusstseins, wenn sich jemand durch primitive oder überhebliche Äußerungen herabgewürdigt fühlt.
Mit tun Menschen leid, die von anderen gedemütigt oder vorgeführt werden, egal ob nun sexistisch oder sonst wie. Ich würde mir wünschen, dass Menschen nicht verletzt werden, durch Worte anderer.
Aber wenn sich Frauen hinstellen und Männern erklären wollen was die sagen dürfen und was nicht, dann sehe ich dass als Fanprogramm für all jene, die schon immer wussten dass man Frauen entweder nicht für voll nehmen kann oder in ihre Schranken weisen muss.
"Das schwache Geschlecht ist so empfindsam und so schutzbedürftig, auf das muss man vorauseilend Rücksicht nehmen - sonst springen einem Frauen an die Gurgel."
Hand aufs Herz, wen soll das überzeugen.
So erreicht man nur dass sich Männer solidarisieren. Und das Gemeine ist doch, dass es dann genau die Frauen trifft, die nichts dafür können, während die, die mit ihrer lauten Schreierei die Situation nur verschärft haben, oft der beste Beweis dafür sind dass sexistische Äußerungen eine Frau keineswegs notwendig klein machen.
Raus aus der Opferrolle! Das muss die Botschaft sein.
Dann muss man halt seinem Gegenüber zu verstehen geben was man mag und was nicht, sich ggf. zurückziehen oder wo nötig kraftvoll seine Position behaupten.
Über einen Schutz für Frauen in Abhängigkeit kann man diskutieren aber an einer Bar, da kann man ausweichen. Und besagte Reporterin hat ja wohl auch danach immer wieder von sich aus den Kontakt gesucht (Artikel habe ich leider gestern noch nicht im Netz gefunden).
"Jeder Jeck ist anders!" Auch das ist ein Wert.
Es kann nicht sein dass die schlimmsten Seelchen die anderen mit ihrer Wehleidigkeit tyrannisieren und ihnen das Wort verbieten. Ein freies Wort sollte man in einer freien Gesellschaft schon aushalten, sonst kommen heute die Feministinnen, morgen die Religiösen und wer weiß wer übermorgen.
33. Kommentar oder Glosse?
30.01.2013, Alan SmitheeIch vermisse bei diesem Kommentar eine Argumentationsreihe und insbesondere auch ein Pro und Kontra, denn der Leser soll sich ja eine eigene Meinung bilden können. Hinzu kommen eine Reihe von Behauptungen, die in einem Kommentar nichts zu suchen haben und Unverständliches.
"Die Medienreaktionen lassen glauben, das größte Problem läge darin, dass sexistisches Verhalten schwer zu definieren ist."
Welche Medienreaktionen? Wer scheibt hier was?
Das trifft aber vor allem für diejenigen zu, die sich nicht sexistisch verhalten wollen.
Aha, nicht-Sexisten schreiben da was, aber wo?
"Sie zählen in der Regel jedoch nicht zur aufdringlichen oder übergriffigen Kerngruppe."
Hm. Was für eine Kerngruppe? Der FDP? Der Männer? Hab ich nicht verstanden!
"... kann ein Kommentar über weibliche Attribute an die traditionellen Geschlechterrollen und Machtverhältnisse erinnern."
Aha. KANN. Es Kann aber auch nur so interpretiert werden.
"Natürlich ist ein einvernehmlicher Flirt auf Augenhöhe kein Problem."
Und wann weiß man, wann es einvernehmlich ist? Einer von Beiden muß ja anfangen mit dem Flirten. Aber ich muß ja vorher wissen, ob es einvernehmlich sein wird, denn ansonsten werde ich ja ans Kreuz genagelt.
"Und jedem steht es frei, sich gedanklich unablässig mit den sexuellen Vorzügen einer Frau zu beschäftigen (man muss sich allerdings fragen, wie viel Kapazität dann für andere Aufgaben bleibt)."
Ein überflüssiger Satz, der aber viel über den Schreiber verrät.
"Wie die meisten Frauen versuchte sie zunächst, sich höflich aus der Situation herauszuwinden."
Genau. Spiegel-Journalisten sind ja als besonders zart besaitet bekannt, und als solche steht Frau Himmelreich in so einer gefährlichen Situation sicherlich total hilflos da.
Obwohl sie als Journalistin gegenüber Brüderle in einer unabhängigeren Position ist als eine Sekretärin gegenüber ihrem Chef, muss sie nun Nachteile in Kauf nehmen, weil sie den Vorfall öffentlich gemacht hat.
Wegen der Nachteile hat sie ja auch ein Jahr lang überlegt, und sich erst jetzt zur Veröffentlichung durchgerungen und nicht etwa aus Kalkül. Natürlich ist es reiner Zufall, daß Herr Brüderle kürzlich zum Spitzenkadidaten der FDP wurde.
"Nummer eins auf der Liste unsäglicher Reaktionen ist der Versuch, der Journalistin die Schuld zuzuschieben: Was treibt sie sich auch nachts auf einer Feier der Partei herum?"
Die Aussage, die Atmosphäre nachts an der Hotelbar wäre privater als ein Interview in einem Büro, wird gleichgestellt mit dem Argument Frauen in kurzen Röcken seien selbst schuld, wenn sie vergewaltigt würden.Wenn etwas unsäglich ist, dann wohl dieser Vergleich.
"Eine weitere Strategie - sich selbst zum Opfer stilisieren - zeigt, dass sich auch gebildete Frauen vor den Chauvi-Karren spannen lassen."
Eine Strategie zeigt, dass ... Habe ich wieder nicht verstanden. Eine Strategie kann erfolgreich sein. Oder auch nicht. Aber wir wissen ja trotzdem, was uns Die Redakteurin sagen möchte.
"Sabine Leutheusser-Schnarrenberger behauptet, es gehe dem 'Stern' nur um seine Auflage."
Also Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat keine eigene Meinung, sondern das Dummchen hat sich nur durch eine kluge Strategie vor den Chauvi-Karren spannen lassen. Gehts noch? Wer ist denn hier jetzt dem eigenen Geschlecht gegenüber wirklich abwertend?
"Inwiefern das Gewinnstreben eines Magazins von Bedeutung ist, wenn die Informationen zutreffen, bleibt noch dazu ein Geheimnis."
Hm, ja also wenn das der Redaktuerin nicht klar ist, der Zusammenhang liegt doch auf der Hand, gilt: "Gehe zurück aus Los!" Ansonsten finde ich Journalismus nicht gut, der offensichtlich gute Argumente der Gegenseite (wenn es im Journalismus überhaupt eine solche geben darf) einfach ignoriert.
Es wird jetzt einfach zu lang. Wer etwas wirklich Gutes und Gesundes zum Thema lesen will, dem lege ich den Artikel von Birgit Kelle vom theeuropean nahe.
http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/5805-bruederle-debatte-und-sexismus
Vielleicht würde ich ja etwas mehr auf der Seite der Redakteurin (oder muß es heißen des Redakteurs?) stehen, wenn nicht die angeprangerte Ingnoranz bzw. beharren auf dem eigenen Standpunkt nicht aus allen Poren dieses "Kommentars" schwitzen würde.
34. Das Problem der Grenzziehung
30.01.2013, Axel"Spätestens wenn sie sich mehr professionelle Distanz erbittet, sollte Schluss sein."
Nein, da widerspreche ich entschieden. Denn nicht jede und jeder traut sich, so etwas klar zu machen, solche (erkennbaren) Grenzen zu ziehen. Die Grenze liegt weit früher, nur wo? Beim Kompliment über den wundervollen Duft?
Und dass die Werbung uns keine Hilfe ist, sieht man u. a. hier: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=HuHV4gwSXn4
35. Betroffenheit
30.01.2013, Hans Tappeiner, BildungsberaterUnd was ist unsere Antwort darauf?
Ich glaube wir haben ein grunsätzliches Bildungproblem. Die Pflege der Urinstinkte Rivalität und Wettbewerb, gegenseitige Niedermache, stehen in unserer Aus-Bildung immer noch weit vor der Übung in Menschlichkeit.
36. @Ursula Hollwedel
30.01.2013, Joachim DubertFür das Schweigen kann es zahlreiche Gründe geben, einer kann sein, dass man nicht durch zusätzliche Aufmerksamkeit das "mit Dreck werfen" auch noch belohnen will. Ignorieren ist manchmal die beste Methode, sich gegen Schmutzattacken zu wehren.
Es ist daher weiterhin ein Skandal, wie die völlig einseitige und subjektive Schilderung von Frau Himmelreich von vielen Redaktionen oder Kommentatoren unhinterfragt als objektive Wahrheit angesehen wird. Die vierte Gewalt versagt in großen Teilen.
Und Herr Kachelmann hatte offenbar leider doch Recht - Frauen haben in den Medien ein Opferabo.
Und zu Ihrer Frage, ob sich die Journalistin durch Hinweis auf ein "Maurer dekolleté" hätte "wehren" können. Sie musste sich in meinen Augen überhaupt nicht wehren, aber so ein Hinweis wäre ebenso humorvoll/harmlos gewesen wie Brüderles angebliche Bemerkungen. Alles kein Skandal und wer sich als Erwachsener an einer Hotelbar durch Flirtereien unwohl führt, wechselt den Gesprächspartner oder verlässt den Raum. Eigentlich traurig, dass man solche Selbstverständlichkeiten noch manchen Menschen unter die Nase halten muss.
37. Brüderle im Geiste
30.01.2013, pino38. Lächerlich
30.01.2013, JoscDie Bemerkungen Brüderles waren kein "Sexismus" sondern tölpelhaftes Flirten/Anbaggern, also das übliche Spiel zwischen Mann und Frau.
Mann baggert Frau an:
- Option1 Frau mag Mann nicht => "Wie kann er sich erdreisten, ich fühle mich erniedrigt! Alle Männer wollen nur das eine!" => Mann ist sexistisch
- Option2 Frau mag Mann => "Oh, ihm gefällt mein Busen, wie schön! Toller Typ, hoffentlich nimmt er mich gleich mit nach Hause" => Mann ist charmant und aufregend
Das Thema so aufzubauschen ist einfach nur lächerlich und hilft der Auseinandersetzung mit dem TATSÄCHLICHEN Sexismus in keinster Weise.
39. sexismus
30.01.2013, Dieter Müller40. Eine muss es ja sagen...
31.01.2013, Dr. phil. Elisabeth Stachura41. Augenhöhe?
01.02.2013, Michael BaleanuIn unserer Gesellschaft scheint "immer noch normal und akzeptiert" zu sein, dass man Sexismus-Vorwürfe seitens Frauen ungeprüft übernimmt. Nur einige, wenige Fälle - Horst Arnold, Kachelmann, Andeas Türck, "Unrecht im Namen des Volkes" (Sabine Rückerts) usw. - werden öffentlich.
Daher ist die ganze Diskussion um "Sexismus" mehr als scheinheilig, wenn behauptet werden soll, dass Frauen den Männern unterlegen sein sollen.
Wie abartig unverhältnismäßig die ganze Aufregung ist, kann mann daran erkennen, dass eine Frau Nahles von Brüderle eine Entschuldigung forderte.
Von der Falschbeschuldigerin des Herrn Horst Arnold hat niemand etwas verlangt. Sie wurde nicht einmal wegen Falschbeschuldigung angeklagt.
Glauben Sie tatsächlich, dass wir so dämlich sind, die wahren Machtverhältnisse nicht zu erkennen?
42. Meinung einer 23. Jährigen...
01.02.2013, Die KlaraEigentlich schreib ich solche Kommentare nicht. Allerdings weichen einige Meinungen so stark von meiner eigenen Meinung ab, dass ich es fast nicht fassen kann und einfach mal versuche, meine Sicht auf die Dinge zu schildern.
Erst mal ein paar Worte über mich, damit sie meine Verwunderung vielleicht besser einordnen können. Ich bin weiblich, 23 Jahre alt, Studentin und bin so erzogen worden, dass die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen/ Frauen und Männern für mich selbstverständlich ist. Dafür hatten ja schon andere gekämpft, heutzutage, im 21. Jahrhundert mit Homo-Ehe, Vaterschutzurlaub sollte dass ja eigentlich nicht mehr zu Debatte stehen.
Bis vor 7 Tagen hatte ich dieses Gefühl. Klar gäbe es noch Defizite, z.B. bei den Einkommensverhältnissen, klassischen Rollenvorstellungen (einhergehend mit fehlenden Kita-Plätzen, Debatte um die "Herdprämie" etc.), aber im Großen und Ganzen ist doch alles okay, und das wird sich mit der Zeit schon legen. Gleichberechtigung ist natürlich nicht deckungsgleich mit es gibt keinen Sexismus, aber egal, dass ist ein andere Thema. Zumindest die "Feministinnen" sollten doch eigentlich ganz zufrieden sein.
In Deutschland gehört Sexismus anscheinend aber noch zum Alltag.
Viele Frauen müssen das beschriebene Verhalten Brüderles (oder verschärft das Verhalten der Piraten, Stichwort Prostituiert) in ihrem Arbeitsalltag und täglichem Leben wiedergefunden haben, so oder/und in abgewandelter Form.
Dies sollte zumindest durch die vielen Erfahrungsberichte von Frauen und Männer im Internet deutlich geworden sein, die zeigen, dass Sexismus offensichtlich im Berufsleben und auch privat real existiert und die Menschen stört.
Aka Frauen /Männer wollen sexistisch angehauchten Äußerungen 2013 nicht mehr hören. Egal von wem. Aber vor allem nicht von einem Politiker, welcher der Koalitionspartei angehört und somit für mich spricht.
Um so mehr bin ich über die Meinungen in den hier vorliegenden Kommentaren überrascht.
FÜR MICH EIN UNDING!
WIESO?
Es ist mir egal, dass das Gespräch abends stattgefunden hat und Herr Brüderle anscheinend schon was getrunken hatte. Ebenso ist es mir egal, wann die Journalistin ihren Artikel veröffentlicht.
Das Erschreckende ist die Verhaltensweise Brüderles. Man behalte bitte im Kopf, dass die Jounalistin Brüderle nicht einfach an der Bar "anmacht". Sie schreibt schon seit Längerem an einem Artikel über ihn, und die beiden kennen sich. Es handelt sich um eine Arbeitsbeziehung.
Und wenn der Dirndl-Spruch so oder so ähnlich gefallen ist ... Egal wie "charmant" er es formuliert hat: Er kommentiert ihre Brüste. Inhaltlich für mich nichts anderes, als wenn er sagen würde, entschuldigen Sie bitte die Ausdrucksweise, "man, du hast ja tolle Titten." Das geht meiner Meinung nach heutzutage einfach gar nicht mehr. Egal wie es verbal verpackt wird.
Niemand, ob Brüderle, Clooney, Kollege oder Bekannter hat das Recht die Größe meiner Brüste zu kommentieren. Nein, natürlich sehe ich das nicht als Kompliment!
Das ist einfach ein Unding. Vor allem wenn ich gerade bei der Arbeit bin, und das war die Journalistin nun mal. Brüste sind natürlich noch "eine Stufe höher", als "Sie sehen aber flott aus, tolles Kleid". Dennoch Kommentare über mein Aussehen haben "bei der Arbeit" nichts zu suchen. Andere mögliche Beispiele: "Der Rock ist heute aber kurz." "Haben Sie sich etwa für mich so schick gemacht?" etc. Komplimente schön und gut, aber dann bitte über mein Arbeit, meine Leistungen. So doof es klingen mag, aber einfach als wenn er mit einem männlichen Reporter sprechen würde. Bei dem würde die "charmanten" Aussagen nämlich nicht machen. Und genau das ist hier der Punkt!
Allerdings hat die Situation für mich natürlich auch nicht den Eindruck erweckt, die Journalistin würde "Hilfe, ich fühle mich belästigt" schreien. Sie gibt Brüderle nach seinen Sprüchen zu verstehen, dass sie gerne beim Thema (FDP, Politik, Brüderle) bleiben möchte. Damit hat sich für mich die Sache erledigt. Sie schreibt ja auch, dass sie sich nicht belästigt gefühlt hat.
Dennoch hat sie es in ihren Artikel aufgenommen, dann sein Verhalten (Kommentieren der Brüste, anderer Körperteile, "Tanzkarte") ist unprofessionell, und all das, was Frau Gelitz Artikel so pointiert in ihrem Artikel geschrieben hat.
So weit, so gut. Ich musste beim Lesen der Kommentare und auch bei der Debatte/Diskussion der letzten Tage immer wieder feststellen, dass anscheinend ein relativ großer Teil der deutschen Bevölkerung komplett anderer Meinung ist.
Ja, sich sogar fragt, ob eine Sexismus-Debatte in Deutschland überhaupt nötig sei? Alles nur Ablenkung, was soll denn das Thema überhaupt, dieser Anlass passt doch nicht ... Und nein, es geht nicht im Brüderle, die FDP, den Stern und empfindliche, schutzbedürftige Frauen, die sich nicht wehren können.
Außerdem scheint, und das finde ich eigentlich viel schlimmer, einige Menschen dies nicht weiter zu stören.
Es wird wieder das Verhalten der Frauen/Männer, die sich zu Wort gemeldet haben, angeprangert. "Die hätte sich ja wehren können!" "Was stellen die sich alle so an?" "Wofür war die Frauenbewegung denn gut; wenn die nicht den Mund auf machen, wenn ihnen was nicht passt!" etc. Ich glaube, Sie wissen, was ich meine. Anstatt ein Problembewusstsein zu schaffen und auch das Verhalten, in diesem Fall das von Brüderle und/oder das der Gesellschaft, reflektieren. Denn die erzählten Geschichten sind bei weitem nicht immer so "harmlos" wie im Fall Brüderle.
Strukturelle Veränderungen und die Schaffung eines Problembewusstseins scheinen einige Menschen schlicht für nicht nötig zu halten.
Ich hoffe sehr stark, hierbei handelt es sich um die Minderheit, und die Debatte wird weiter rege fortgeführt. Auch oder gerade wenn sich das Medieninteresse wieder gelegt haben sollte.
Zumindest weiß ich jetzt, dass ich mich ziemlich geirrt habe und in der letzten Woche zumindest für einen Teil des Sexismusproblems in Deutschland sensibilisiert wurde.
43. Super-Beitrag zum Thema
01.02.2013, Nea Matzen44. Meinung eines 58-Jährigen
02.02.2013, Michael BaleanuLassen Sie es mich bitte mit zwei Beiträge sagen, die in "The European" veröfentlicht wurden. Der erste kommt von einer Frau, mit dem Titel "Dann mach doch die Bluse zu!" und der zweite von einem Mann mit dem Titel "Rolle rückwärts!".
Der erste Beitrag wurde nun 13 000-mal bei Facebook geteilt, der zweite gerade mal 33-mal.
Der erste Beitrag verlangt von den Frauen, dass sie die Kirche im Dorf lassen, der zweite kommt mit erhobenem lehrerhaften Zeigefinger daher.
Es wird niemand verneinen, dass es Idioten gibt, die sich nicht benehmen können. Wenn Sie aber behaupten, dass Deutschland ein Sexismusproblem hat, dann scheinen Sie nicht allzu oft allzu weit gekommen zu sein.
Was Sie verlangen, ist eine sterile Gesellschaft, in der niemand mehr ein Fehler machen kann und vor allem nicht machen darf. Wenn es also stimmen sollte, dass wir aus unseren Fehlern lernen, dann werden wir, ohne die Möglichkeit zu haben, Fehler zu machen, ziemlich ungelernt bleiben, meinen Sie nicht?
In einem Punkt stimme ich mit Ihnen überein. Ich erwarte auch, dass diese Diskussion endlich die Öffentlichkeit erreicht und das ein echter Dialog zustandekommt.
Das Verhältnis zwischen der Verbreitung des Beitrags von Birgit Kelle und dem von Stefan Gärtner beweist, dass wir ein Riesendemokratiedefizit haben:
- Einige Theoretiker einer Menschenverbesserungsideologie versuchen den Geschlechterdiskurs zu vereinnahmen und zu monopolisieren in der Art einer Autokratie, ohne jegliche demokratische Legitimierung.
Uns soll die Denkweise einer Sekte aufoktroyiert werden.
Der Kabarettist Harald Eia hat es in Norwegen geschafft, den Leuten die Augen zu öffnen. Das Nordic Gender Institut wurde in der Folge geschlossen.
Ich kann nur hoffen, dass diese Diskussion endlich dazu führt, die ganzen Ungerechtigkeiten und Verlogenheiten zwischen den Geschlechtern an den Tag zu zerren.
Strukturelle Veränderungen finde ich auch mehr als notwendig:
- In ein Land, das seine Väter OFFEN DISKRIMINIERT - siehe Zaunegger-Urteil zum Sorgerecht nicht ehelicher Väter - und den Männern durch §16 Bundesgleichstellungsgesetz das aktive und passive Wahlrecht genommen wurde, sind diese bitter notwendig.
Im Übrigen bin ich Physiker und habe eine Schwester die Mathe und Astronomie vor über 40 Jahren studiert hatte. Gleichberechtigung lebte mir meine Familie vor, lange bevor die Schwarzer ausgebrochen ist.
Vermutlich werden Sie kaum in einem Dialog mit einem 58-Jährigen treten - schon allein aufgrund des Brüderle-Effektes ;-). Das ist aber unser ganz großes Problem, jeder bleibt in seinem "Gedankenpanzer" (thinktank) gefangen. Ich gehöre wohl dem Lager, der wesentlich mehrere Anhänger hat, was bestimmte Ansichten betrifft, besser bekannt unter "schweigende Mehrheit".
Diese Fraktion ist deswegen "schweigend", weil die Gegenseite ihre Argumente immer unter dem Teppich kehrt, also verschweigt.
Ich kann nur davor warnen, diese Mehrheit, bei Entscheidungen und Diskussionen, die sie betreffen, auszuschliessen.
Daher, probieren Sie es mit einem Dialog mit Männer- und Väterrechtler. Als Studentin müssten Sie ja wissen: Probieren geht über Studieren!
45. Sexismus
03.02.2013, Nonnen46. Theo
04.02.2013, Theo Irmstedtwenn Sie glaubwürdig bleiben wollen, dann schicken Sie jetzt bitte eine lange Beschwerde-E-Mail an Frau Himmelreich. Diese Journalistin hat in Stern-Ausgabe 39/2012 Ministerin Aigner als "dirndltauglich" beschrieben.
Nicht nur das, sie wählte das Wort auch gleich als Überschrift des Artikels und bildete ein entsprechendes Foto ab.
Die Heuchelei der Feministinnen ist zum Grausen! Außerdem: Lernt erstmal die Definition von Sexismus auswendig, bevor ihr die Republik mit Euren Jammertiraden und Eurer subtilen Männerfeindlichkeit überzieht.
47. Der Sexismusfall R.Brüderle
05.02.2013, Gerd HöglingerSicher hat diese Journalistin ein berufliches Eigentor geschossen, denn es wird sich künftig jede männliche Persönlichkeit aus Wirtschaft und Politik sehr genau überlegen, ob man ihr ein Interview geben sollte.
Interessant wird jetzt auch die Frage, wo künftig die Grenze vom erlaubten, sehr erwünschten zum anstößigen, sexistischen Kompliment der Männerwelt gegenüber der hochgradig emanzipierten Damenwelt zu ziehen ist. Im Zweifelsfall lieber kein Kompliment mehr !
48. @Michael Baleanu
06.02.2013, Dr. phil. Elisabeth Stachuraweder geht es in meinem Beitrag darum, eine bestimmte Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Sexualität zu diskriminieren (denn das ist der Sexismus, den ich verurteile), noch darum, den politischen Zirkus zu kommentieren. Was mir weitaus wichtiger und m.E. auch Hauptaspekt von Frau Gelitz Beitrag ist, die Strukturen zu zeigen und zu diskutieren, die durch Eklats wie diese aufgedeckt werden. Die gesellschaftlichen Machtstrukturen sind von Männern getragen. Zahlen darüber, wie viele Männer im Gegensatz zu Frauen in Führungspositionen arbeiten und über das unterschiedliche Lohnniveau zwischen den Geschlechtern, sind wohl zur Veranschaulichung nicht nötig. Andererseits gibt es natürlich im Familienrecht, wie Sie in Ihrem zweiten Beitrag erwähnten (Nr. 44), schwere Gleichberechtigungsdefizite. Mit Ihrer "wir" und "ihr" Unterscheidung manifestieren Sie diese Trennung weiter, denn eigentlich ist der zentrale Punkt hier der respektvolle zwischenmenschliche Umgang unabhängig vom Geschlecht. Wenn aber empirisch deutlich wird, dass das ein Geschlecht in einer Gesellschaft die Vormachtsstellung hat, man aber nach demokratischer Abstimmung eine gleichberechtigte Gesellschaft anstrebt, ist die Diskussion unabdingbar und wie die Fülle der Beiträge zeigt, auch gewünscht. Ihre Kritik deute ich deshalb als Lob, denn als Soziologin ist es mir ein Anliegen, dass eine breite Diskussion über diese, uns alle betreffenden Themen entsteht, denn nur dadurch hat unsere Gesellschaft die Chance, sich weiterzuentwickeln.
49. @Dr. phil. Elisabeth Stachura
15.02.2013, Michael Baleanuhabe ich vielleicht etwas falsch verstanden: Wer wird denn wegen seines Geschlechts diskriminiert?
Werden nicht die Väter nicht ehelicher Kinder aufgrund ihres männlichen Geschlechts DISKRIMINIERT?
DAS haben wir amtlich aus Strasbourg. DAS MUSS mann sich auf die Zunge zergehen lassen: Ein Land, das jährlich Milliarden EURO für Gleichstellungsbeauftragten ausgibt, muss sich aus Strasbourg belehren lassen, was DISKRIMINIERUNG heißt.
Statt Dialog, wurde von feministischen Lobbys nun erneut eine DISKRIMINIERENDE und ERNIEDRIGENDE Prozedur für den Vater ausgedacht: Er hat sein NATÜRLICHES Recht zu beantragen! Widerspricht die Mutter gnädigerweise nicht, dann darf er das gemeinsame Sorgerecht, sein NATÜRLICHES Recht behalten.
Erneut wird die Entfremdung des Vaters Urstände feiern! Erneut wird sich die Beratungs- und Betreuungsindustrie dumm und dämlich am Leid der Kinder bereichern.
Der Mann hat der Frau das Wahlrecht eingeräumt. Nun haben wir den Effekt, dass den Männern das aktive und passive Wahlrecht mit §16 Bundesgleichstellungsgesetz aberkannt wurde. Auch hier gab es kein Dialog, sondern lief eher nach dem Motto, "Friss Vogel, oder stirb!".
Die Empirie, die Sie bemühen wollen, lehrt uns, dass der Mann täglich viel länger arbeitet als die Frau, um eben die Familie zu ernähren. Eine demokratische Gesellschaft würde eine Gleichverteilung dieser Arbeiten anstreben. 40 Jahre Feminismus haben die Frauen nicht dazu bewogen, ihre Arbeitszeit zu verlängern. Obwohl ihnen die Haushaltsgeräte und die Fertigprodukte die Haushaltarbeit erheblich reduziert haben (die heutige Generation Frauen muss viel weniger Zeit in Haushaltarbeit stecken als die Generation ihrer Großmütter), die heutige Frauen also durchaus Zeit hätten, gehen sie trotzdem nicht signifikant länger arbeiten (insbesondere in den alten Bundesländern nicht), wie die Statistiken zur Zeitverwendung der Männer und Frauen zeigen.
Sind es DIE Männer, die die Frauen von Arbeit zurückhalten? Ist es nicht die EIGENE Entscheidung der Frau, nicht oder weniger zu arbeiten?
Die gleiche Empirie lehrt uns, dass die Frauen, die arbeiten, ein um 5% höheres, ungewichtetes Pro-Kopf-Einkommen als die Männer haben, die arbeiten, siehe "Einkommens- und Verbrauchsstichprobe", Fachserie 15, Heft 6, des Statistischen Bundesamtes, auf Seite 45 (1331 zu 1261 EURO/Monat).
Das steht im krassen Gegensatz zu der allseits verbreiteten Nebelkerze, dass Frauen - bei gleicher Arbeit, lach! - 23% weniger verdienen. Würde das stimmen, dann müssten die Zahlen in der Fachserie 15, Heft 6, dramatisch zu Ungunsten der Frau ausfallen.
Tun sie aber nicht, was beweist, dass wir systematisch belogen werden, wenn nur die 23% genannt werden!
Dabei wird immer wieder unter dem Teppich gekehrt, dass die Frauen in Mecklenburg-Vorpommern nur 3 bis 5% weniger verdienen. Nur die 23% zu erwähnen ist somit eine nicht demokratische Wahrheitsfälschung: Man verschweigt uns, dass ein GPG von 0% mit Armut in weiten Teilen der Bevölkerung einhergeht!
Sie behaupten, dass die Empirie nachweist, dass ein Geschlecht die Vormachtstellung in der Gesellschaft hat?
Machen wir da nicht einen gewaltigen Fehler?
Es gab einige Entwicklungen im Leben der Menschen, speziell deren Arbeitsbedingungen, die sich in der Stein-, Bronze- oder Eisenzeit, in der Antike, im Mittelalter und der Neuzeit einstellten, die zu einer Arbeitsteilung bei den Geschlechtern führte.
Wenn also die Verrichtung einer gefährlichen und schmutzigen Arbeit durch ein Geschlecht als "Vormachtstellung" des anderen Geschlechts gedeutet wird, dann hatten bisher nur die Frauen die "Vormachtstellung", oder lehrt uns etwa die herstory, dass wir früher nur Grubenarbeiterinnen hatten, die Mammuts nur von Frauen erlegt wurden, die Weltmeere von tapferen Matrosinnen erobert wurden, und, und, und???
Ich habe Ihnen vorhin einige Zahlen und Tatsachen genannt, die belegen, dass der Mann derjenige ist, der weniger Rechte und auch weniger finanzielle Macht hat.
Sie werden es nicht bestreiten können, dass feministische Studien belegen, dass über 70% der Ausgaben privater Haushalte von Frauen kontrolliert werden.
Auch vielen älteren Mitbürger werden die Bilder aus dem Ruhrpott aus den 50er Jahren bei Lohnzahlung noch in Erinnerung geblieben sein: Die "Patriarchen" wurden am Grubenausgang vom "schwachen" Geschlecht erwartet! Man nahm ihnen die Lohntüte weg und sie bekamen ein Taschengeld, damit sie in der Kneipe um die Ecke die Folgen ihrere Wellnessbehandlung in der Grube kurieren konnten.
"Vormachtstellung" sieht anders aus, Frau Stachura!
Allerdings - und ich hoffe, dass dies zu einer Diskussion führt - scheinen einige Ideologen einiges durcheinander zu bringen.
Hier wird der Konkurrenzkampf in der freien Wirtschaft, der durch die Arbeitsteilung hauptsächlich von Männern und nur unter Männer ausgetragen wurde, plötzlich als "Patriarchat" und "Vormachtstellung" deklariert.
Mehr noch, dieser Konkurrenzkampf wird nun auf die Familie übertragen: Die Geschlechter sollen nun auch in ihren Familien um Macht kämpfen.
Sie sind Frau und Soziologin. Der Feminismus lehrt uns, dass Frauen wesentlich mehr Empathie haben als Männer - trotz fehlender Unterschiede zwischen den Geschlechtern - und auch Verständnis für die menschliche Psyche: Wenn Menschen sowohl in der Arbeitswelt als auch zu Hause - also 24/7 - "Machtkämpfe" austragen müssen, können sie nie entspannen.
Das führt sicherlich zu einem früheren Ableben und somit zur Entlastung der Rentenkassen. Ist DAS, das Ziel dieser Ideologien? Die Kürzung der Lebenserwartung?
In einem Punkt haben wir eine Gemeinsamkeit: Es geht mir auch um eine breite Diskussion!
Eine Gesellschaft, die ein Geschlecht verteufelt, ihn zum Tätergeschlecht brandmarkt (wir haben nun zwei internationale Tage gegen Gewalt gegen Frauen aber keines für Männer), dieses Geschlecht als Oppressor darstellt, ist eine unterentwickelte Gesellschaft.
Eine Entwicklung in Richtung einer höherwertigeren Gesellschaft, kann nur durch gegenseitige Wertschätzung der Geschlechter geschehen.
Die fehlende Diskussion zeigt aber, dass diejenigen, die alle Asse in der Hand haben, diese auch nicht aus der Hand geben wollen! So werden wir weiterhin nur die heilige Dreifaltigkeit der feministischen Mantra hören:
- das böse Patriarchat verhindert Frauen an Führungspositionen
- das böse Patriarchat zahlt den Frauen 23% weniger
- die Patriarchen sind böse und schlagen die Frauen
Eine Diskussion würde sicherlich zutage fördern, dass dabei gelogen wird, weil
- 50% der Männer wollen Karriere machen, aber nur 25% der Frauen und diese sich kaum den Stress höherer Positionen aussetzen wollen
- die Transferleistungen der Männer an Frauen werden permanent unterschlagen
- alle Statistiken, die die paritätische Verteilung häuslicher Gewalt belegen, werden vom Mainstream unterschlagen
Da aber solche Diskussionen nicht "zielführend" für die feministische Vormachtstellung sind, werden wir niemals solche Diskussionen führen werden. Denn solche Meinungen werden a) nicht veröffentlicht oder b) zensiert. Womit die Frage der Vormachtstellung geklärt sein dürfte.
Angesichts der 95% alleinerziehenden Mütter, der 90% bei der Mutter verbleibenden Kinder, der massiven Entfremdung der Kinder von den geschiedenen oder getrennten Väter, haben wir eine Gesellschaft, die den Vater als Mensch zweiter Klasse betrachtet.
Wie ist aber eine Gesellschaft zu bezeichnen, die Menschen als minderwertig betrachtet? Heißt das nicht Barbarei?