Ein junger indischer Medizinstudent tritt Anfang der 1970er Jahre den praktischen Teil seines Studiums an – und das Erste, was ihm an der Tür des Kreißsaals begegnet, ist eine Katze, die mit einem blutbeschmierten menschlichen Fetus im Maul hinausläuft und im Begriff ist, ihn aufzufressen. Auf die vorsichtige Frage nach dem Warum erhält der Jungmediziner die Antwort – kühl und in sachlichem Ton: "Weil es ein Mädchen war."
Das ist die einzige wirklich blutrünstige Geschichte in diesem Buch. Im Übrigen bemüht sich die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Mara Hvistendahl nach Kräften, das ohnehin heftig umstrittene Thema Abtreibung nicht noch zusätzlich emotional aufzuladen. Gleichwohl hat sie uns eine erschütternde Nachricht mitzuteilen: Allein in Asien fehlen 160 Millionen Frauen und Mädchen. Sie sind nie geboren worden, sondern

Christoph Pöppe ist Redakteur bei "Spektrum der Wissenschaft", zuständig vorrangig für Mathematik und Informatik sowie für die Rezensionen.
abrufen

1. Geburtenrate begrenzen – noch viele Probleme
17.02.2013, Klaus DeistungIn der vergangenen Woche sah ich einen Bericht im Fernsehen, wo entsprechend geschulte Frauen die Frauen aufsuchten, die mindestens 2 Kinder haben. Das Ziel: Erreichung einer Sterilisation der Frauen. Es hieß aber auch, dass diese Aktionen noch zu sehr lokal begrenzt sind.
Die Reporterin sprach mit Müttern, die abgetrieben hatten – auch gegen ihren Willen –, mit den Männern – wir können sie nicht ernähren –, aber auch mit den Engelmacherinnen.
Hier wurde u. a. die Methode genannt, neu geborene unerwünschten Mädchen in nasse kalte Tücher zu wickeln, das Haus zu verlassen. Wenn man dann wieder kam – waren sie meist "gestorben".
Obwohl die Geburtenrate in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken ist, ist sie mit 2,6 Kindern/Mutter noch relativ hoch – in Deutschland sind es 1,6 mit fallender Tendenz. Hinzu kommt auch dort das zunehmend steigende Durchschnittsalter. Wenn sich die Entwicklung nicht deutlich reduzieren lässt, kann Indien in gut 5 Jahren mehr Bevölkerung haben als China.
Wir waren vor 12 Jahren in China und beobachteten im Speisesaal, dass Nicht-Chinesen chinesische Mädchen auf den Schoß hatten. Auf Nachfrage erklärte dann die Reiseleiterin, dass mit Amerika ein Abkommen besteht, dass sie die Kinder – 99 Prozent Mädchen – adoptieren. Eine Pauschale von 5.000 Dollar zahlen sie. Wie sich das weiter entwickelt hat - kann ich nicht sagen.
Kontrast: In stark religiösen Gemeinschaften wird eine Geburtenkontrolle abgelehnt – es ist Gottes Wille.
2. Kinderwunsch
24.02.2013, Andreas KielmannNicht die Technik ist das Problem. Die Frage ist: Was bewegt Menschen dazu, ein Geschlecht dem anderen vorzuziehen? Es sind patriarchale gesellschaftliche Strukturen, ökonomische Zwänge, aber auch der Wunsch, Soldaten zu zeugen.
Wenn die Eltern alleine entscheiden, ohne Gruppendruck, nennt man das Freiheit, und das ist das Beste.
Mit Gottes Willen kann man jeden Unsinn erklären. Siehe Beschneidung.