Lesermeinung - Spektrum.de

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  • Falsch gerechnet, Herr Physiker!

    19.03.2017, mv
    Ist das Absicht? So falsch kann man doch als Physiker gar nicht rechnen. Das sieht richtig gewollt aus, als ob man zeigen wollte: das mit dem Elektroauto kann gar nicht funktionieren. Wollen Sie damit Leute wie mich provozieren, um eine Diskussion zu starten? Oder werden Sie von der Ölindustrie dafür bezahlt? Das erinnert mich an alte Zeiten zur Diskussion um die Kernenergie, als viele Physiker vorgerechnet haben, dass das mit dem Solar- und Windstrom nie klappen kann und man immer Atomstrom brauchen wird. Nun mal zu den Zahlen. Oben schreiben Sie, dass das Aufladen dauert, ein Nachteil bei E-Autos. Dann schreiben Sie von 350 kW Ultra-Schnellladestationen, die ja tatsächlich gebaut werden. Da dauert das Aufladen dann aber nur noch etwa 10 Minuten vergleichbar mit einem Tankvorgang bei Benzin und Diesel. Davon wird es 2020 in Deutschland vielleicht 1000 Stück geben. Und solche Ladevorgänge werden sehr schnell sein, aber auch sehr viel kosten. Sie rechnen jetzt aber am Abend um 20 Uhr mit 100.000 solcher Ultraladesäulen, die alle gleichzeitig 350 kW in die Autos pumpen. Sorry, was für ein Unsinn. 99,9 Prozent der Ladevorgänge werden an langsamen Ladestationen stattfinden, bei der Arbeit, in der Nacht in der Garage, während dem Einkauf oder während dem Besuch in der Stadt usw. Diese 350 kW Anlagen sind für unterwegs gedacht, wenn man große Strecken zurücklegen möchte und in 10 Minuten wieder startklar sein möchte. Aber wie oft kommt das vor? Zudem werden solche 350 kW Anlagen den Strom kaum direkt aus dem Stromnetz ziehen, sondern werden Akkus als Puffer haben, die neben den Tankanlagen installiert sind. Da kann die Tankstelle dann den billigen Nachtstrom nehmen, um die Akku-Puffer wieder aufzuladen. Und so rechnen Sie dann um 20 Uhr mit 35 GW. Was für ein Irrsinn. Das ist etwa die Leistung, die in ganz Deutschland verbraucht wird. Warum rechnen Sie nicht mit dem Energiebedarf? Der soll nämlich bei Umstellung aller Autos auf Elektro nur um 20 Prozent steigen gegenüber dem jetzigen Stromverbrauch. Dann verrechnen Sie 30 kg Benzin mit 900 kg Akku. Also selbst der Tesla-Akku wiegt etwa 600 kg. Und so einen Tesla-Akku kann man 5000 mal aufladen. Die 30 kg Benzin sind nach einmaligem Verbrauch verpufft. Und diese Akkus kann man auch noch recyceln, d.h. nicht wie beim Benzin wird das Material eben nicht verbraucht. Und weiter: dann im Urlaub rechnen Sie wieder damit, dass die Elektroautos eine Stunde aufladen werden. Nein, mit den 350 kW sind es eben nur 10 Minuten. Sie verdrehen alles zum extrem schlechten hin. Und das ist Absicht. Aber was ist der Grund dafür?