Lesermeinung - Spektrum.de

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Falsche Annahmen, fehlende Vision der Zukunft

    20.03.2017, Michael Schlichenmaier
    In dem Artikel wird vielfach von falschen Werten ausgegangen. Handelsübliche E-Autos haben heute Batterien von ca. 30 kW. In Zukunft wird man - um die Reichweite zu erhöhen - das Ganze auf 60-80 kW erhöhen. Mit der Reichweite sinkt aber auch der Bedarf - wie im Artikel postuliert - jeden zweiten Tag laden zu müssen. Eine 30 kW Batterie lädt am 350 kW Lader rund 5-6 Minuten. Bei 60-80 kW sind es dann 10-15 Minuten. Jeweils vorausgesetzt, dass die Batterie auch komplett leergefahren ist. Die Idee der 350 kW Schnelllader ist doch gerade, die Ladezeit auf ein mit dem Tankvorgang beim Verbrenner vergleichbares Niveau zu bringen. Die im Artikel erwähnten heute üblichen Ladevorgänge von über einer Stunde gehen eben nicht von diesen Schnellladern aus, sondern von "normalen" Ladesäulen mit bis zu 22 kW.

    Was der Autor in seinem Beitrag zudem überhaupt nicht berücksichtigt ist, dass E-Fahrzeuge - anders als konventionelle Fahrzeuge - in 95% der Fälle zu Hause bzw. am Arbeitsplatz geladen werden können. Also dort, wo sie ohnehin die meiste Zeit stehen. Und dort müssen sie nicht mit 350 kW geladen werden. Dort genügt die Haushaltssteckdose mit 3 kW oder eine Wallbox mit 6-11 kW. Denn wenn die Fahrzeuge 8-12 Stunden lang in der Garage bzw. auf dem Firmenparkplatz stehen, müssen sie nicht in 5 Minuten wieder voll sein.

    Und als letzten Punkt sei noch darauf hingewiesen, dass die Zukunft der Mobilität nicht darin liegen wird, mit dem E-PKW von A nach B zu fahren. Durch die Digitalisierung wird die Vernetzung von verschiedenen Mobilitätsdienstleistungen dazu führen, dass man verschiedene Dienste einfach miteinander verknüpft und zugleich eine bessere Auslastung erreicht. Bereits heute geht in Großstädten die PKW-Besitzquote zurück und das Thema Sharing gewinnt an Bedeutung. Spätestens mit dem autonomen Fahren wird sich der Trend weg vom Besitzen eines PKWs hin zum Nutzen verschiedener Mobilitätsdienste vollends verselbstständigen. Wir stehen hier am Anfang einer kleinen Revolution.