Lesermeinung - Spektrum.de

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  • Warum sterben andere Insektenfresser dann nicht aus?

    26.07.2017, Frank
    Wenn es einen Rückgang an Insekten gibt - warum haben wir dann aber stabile oder sogar steigende Bestände an Fledermäusen? Die fressen ebenfalls Insekten und müssten also ebenfalls weniger werden. Dazu kommt noch, dass Fledermäuse sogar massive Verluste durch Windkraftanlagen haben - je nach Expertenmeinung ist da von einigen 100.000 toten Fledermäusen oder sogar von mehr als einer Million pro Jahr die Rede. Wenn Fledermausbestände trotz dieser hohen Verluste insgesamt etwa stabil bleiben - dann muss es ja genügend Futter geben. Wie passt das mit einem Insektensterben zusammen?

    Diese Überlegung betrifft auch alle anderen Insektenfresser. Spinnen, Reptilien Amphibien und andere. Bei diesen Arten sind keine Rückgänge durch Nahrungsmangel zu beobachten, oder hat jemand das Gefühl dass es weniger Spinnen gibt? Reptilien und Amphibien sind zwar bedroht, bei ihnen sind aber üblicherweise komplette Vorkommen bedroht, wenn sich ihre Biotope verändern. Dann verschwindet meist das komplette Vorkommen. Das passiert aber fast nie, weil dort Nahrungsmangel auftritt, sondern weil Laichgewässer verschwinden, Flächen zuwachsen oder Straßen oder Gebäude gebaut werden.

    Beim Rückgang von insektenfressenden Vögeln übersehen wir vielleicht den Fakt, dass sie in Nordafrika in den riesigen Vogel-Fangnetzen sterben. Insektenfresser sind ja alle Zugvögel (im Winter gibt es keine Insekten bei uns).
    Stellungnahme:
    Bei Fledermäusen (zumindest bei den Arten in Siedlungsnähe) spielt die im Artikel erwähnte Lichtverschmutzung eine wichtige Rolle. Die vom Licht angelockten Insekten sind eine leichte Nahrungsquelle. Ein großer Teil der Fledermausverluste geht übrigens auf das Konto von ziehenden Tiere aus anderen Regionen Europas.

    Was das Insektensterben angeht, betrifft es bestimmte Gruppen überproportional: Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken... Hier schwinden Arten und Populationen, weniger stark betroffen sind dagegen Fliegen oder Blattläuse. Spinnen oder Eidechsen können also durchaus kompensieren.

    Ja, der Vogelfang in Afrika und im Mittelmeerraum ist ein Problem, allerdings weniger für Segler oder Schwalben. Diese ziehen normalerweise in Höhen, in denen sie nicht in die Netze gehen.