Lesermeinung - Spektrum.de

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  • Fehler in der Darstellung der Studie

    03.03.2012, Yvonne Grimm-Jorgensen
    Diese Zusammenfassung des Originalartikels in "Cell" hat einen sehr wichtigen Fehler: Die Resultate der Forscher zeigen, dass die Mäuse das Gedächtnis verlieren, wenn die Rezeptoren an den Astrozyten fehlen. In ihrer Zusammenfassung wurde das Experiment verwechselt, und die Zusammenfassung sagt, dass der Gedächtnisschwund existierte, wenn die Rezeptoren auf den Neuronen fehlten, was zeigen würde, dass die Neurone und nicht die Astrozyten für den Effekt von Cannabis verantwortlich sind. Diese Schlussfolgerung ist nicht, was der Originalartikel zeigt.
    Antwort der Redaktion:

    Liebe Frau Grimm-Jorgensen,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Das Ergebnis der vorgestellten Studie von Jing Han et al. in "Cell" klingt in der Tat auf den ersten Blick verwirrend. Es ist aber tatsächlich so, dass die Mäuse dann keinen Gedächtnisverlust erleiden, wenn die Cannabinoid-Rezeptoren - wie in der Nachricht beschrieben - an den Astrozyten ausfallen.

    Erhält eine normale Maus THC, dockt die Droge an die Typ-1-Cannabinoid-Rezeptoren an und beeinträchtigt das räumliche Arbeitsgedächtnis. Fehlen diese Rezeptoren nun an den Neuronen genetisch veränderter Nager, die THC erhalten, ändert sich nichts: Die Tiere leiden ebenfalls an ein beeinträchtigtes Arbeitsgedächtnis. Die Cannabinoid-Rezeptoren an diesen Zellen können also nicht entscheidend für die THC-Wirkung sein. Fehlen dagegen die Rezeptoren an den Astrozyten, dann verhalten sich die Mäuse wie Artgenossen ohne Drogenkonsum - THC verliert also seine Wirkung. Demnach sind die Rezeptoren an den Astrozyten für die Drogenwirkung verantwortlich.

    Die Autoren der Originalstudie fassen diese Beobachtung wie folgt zusammen: "Here, we demonstrate that the impairment of spatial working memory (...), induced by an acute exposure of exogenous cannabinoids, is fully abolished in conditional mutant mice lacking type-1 cannabinoid receptors (CB1R) in brain astroglial cells but is conserved in mice lacking CB1R in glutamateric or GABAeric neurons."

    Herzliche Grüße

    Daniela Zeibig
    Redaktion "Gehirn&Geist"