Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Kurzfristige Maßnahmen

    15.09.2014, Leyla Cimen, Bremen
    Der Artikel hat mir die Augen darüber geöffnet, wie unverantwortlich und gefährlich mit unserer Natur umgegangen wird.

    Statt den Ursachen für zunehmende Dürren und Hitzewellen auf den Grund zu gehen (Ausstoß von Treibhausgasen, Veränderungen der globalen Strömungssysteme der Luft und der Meere durch die Erderwärmung usw.), werden kurzsichtige Maßnahmen ergriffen, die sicher zu neuen und schlimmeren Problemen führen werden. Die frühere Auflösung der Wolken könnte vielleicht zur Folge haben, dass es im Amazonas-Gebiet weniger regnet. Auf jeden Fall senkt es ihr Reflexionsvermögen von Sonnenstrahlen.

    Eine ähnlich kurzsichtige Methode ist das SRM (Solar Radiation Management), mit dem künstlich Aerosole in die Stratosphäre eingebracht werden zur stärkeren Reflexion des Sonnenlichts. Das Max-Planck-Institut in Hamburg hat für solche Methoden bereits herausgefunden, dass es dadurch in Europa und Nordamerika um 15 Prozent trockener, im Amazonasgebiet sogar um 20 Prozent weniger regnen würde!
  • Forschung um jeden Preis?

    15.09.2014, Pascal Müller
    Irgendwie hinterlässt der Artikel "Primatenforschung in Europa" zusammen mit dem erst gerade aufgetauchten Material aus dem Max-Planck-Institut einen faden Geschmack. Der Artikel zielt darauf ab uns mitzuteilen, wie (übertrieben) hart die Gesetze hier in Europa sind und wie viele Forscher daher ihre Forschung, zumindest teilweise, im Ausland vollenden müssen.

    Sicherlich ist es nicht recht, wenn ein Forscher bedroht wird, doch gleicht es nicht einer Diffamierung der Tierschutzvereine, wenn man sie nur an den militanten Beispielen thematisiert? Der Artikel tendiert, wie ich finde, relativ stark in Richtung "Forschung um jeden Preis". Wenn die Forschung so betrieben wird wie im Max-Planck-Institut, muss man sich eingestehen, dass etwas schiefläuft und es etwas zu ändern gilt.

    Begrüsst hätte ich einen kritischen Artikel über Tierversuche. Einer welcher Fragen behandelt wie: Wie sieht es zur Zeit aus? Wie weit darf der Mensch gehen? Inwiefern helfen wir den Menschen wirklich, wenn dahinter ein riesiger Konzern steht? und am allerwichtigsten: Was sind die Alternativen und wieso werden sie nicht gebraucht? Ich spreche hier zum Beispiel von In-Vitro-Systeme. Natürlich ist der Eingangsfall im Artikel clever gewählt, zumal man tatsächlich keine neuronale Forschung außer an Lebewesen machen kann. Doch ermächtigt dies zu derartigen Mitteln? Wäre es nicht möglich, erst gerade gestorbene Patienten an der Maschine weiterleben zu lassen, um die Stoffe an Ihnen zu testen? Immerhin sind die Stoffe ja auch für uns.

    Ich bin nicht vom Fach, nein, möchte ich auch nicht sein. Ich würde Sie einfach gerne bitten, einen etwas differenzierteren Aritkel zu schreiben, einer, welcher die ideologische und menschliche sowie philosophische Komponente betrachtet und inwiefern man diese in der Realität umsetzten kann. Weiter sollte man auch die Thematik der Tierversuche in nicht medizinischen Kontexten erläutern.

    Zuletzt möchte ich noch wissen, ob die Vorgehensweise des Labors aus welchem das Material kam, wirklich den heutigen Standards entspricht. So oder so ist es unfassbar, dass man bei sowas den Leuten überhaupt auf die Finger schauen muss.
  • Neue Antibiotika - wie schön!

    15.09.2014, Ulrich Heemann
    Große Freude: Wir verfügen selbst über Antibiotika, die man auch pharmazeutisch nutzen kann. Wir können sie in Ersatz zu bisherigen Antibiotika, die ihre "Lebensdauer" erreicht oder überschritten haben, einsetzen. Vielleicht für 40 oder 50 Jahre, wenn's gut geht. Danach finden sich ja noch mindestens 2999 weitere Antibiotika, die man nacheinander nutzen kann. Vielleicht sind darunter auch welche, die den dauerhaft wirkungslos gewordenen Selbstschutz der Vagina (z.B.) irgendwie ausgleichen können. Der Pharmaindustrie wird diese Aussicht in jedem Fall weitere goldene Jahre garantieren. Und Arbeitsplätze - Arbeitsplätze werden auch garantiert.
    Toll!
  • Endlich!

    14.09.2014, Guido Nicolaus Poliwoda
    Hummeln gehören zum Faszinierendesten in der Insektenwelt und waren bisher so ein wenig als der "Willi" zur schlauen Biene Maja eingestuft worden. Zudem bietet das Buch nicht nur die von ihm erwarteten Informationen - Goulson versteht es, den wissenschaftlichen Blick zurückzunehmen und Hummeln als das anzusehen, was sie eben auch sind: kleine, dicke, geschäftige Flieger, die das Herz erfreuen...
  • Und die Alternativen ?

    14.09.2014, Horst
    Schon bei der Kurzrezension wirft sich doch die Frage nach den Alternativen auf. Bei der katastrophalen therapeutischen Lage in Deutschland mit Wartezeiten von bis zu einem Jahr und überfüllten Kliniken wirft sich doch schlicht die Frage auf: Soll man dann lieber gar nichts machen? Ich bin ein Gegner von Psychopharmaka, auch weil ich nicht darauf reagiere (Non-Responder) - nur die Wünsche, die die Autorin hat, wären in einer idealen Welt mit idealer Versorgung ideal. Die haben wir aber nicht. Wieder einmal Wunschdenken aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm.


  • Lactobacillus gasseri und sein Lactocilin ist in seiner Wirkungsstätte der Vagina gut aufbewahrt.

    13.09.2014, Susi Parthener
    Kurzfristige, dicke Gewinne und steigende Aktienkurse zwilichtiger Einrichtungen stehen hier wohl an erster Stelle. Nicht auszudenken was passiert wenn sich aufgrund von Missbrauch Resistenzen gegen diesem "natürichen" Schutz entwickeln.

    Die wirtschafliche Verwertung ist ein solcher Missbrauch - und diese Verwertung ist schonungslos sowie grenzenlos solange sich damit einpaar Mäuse verdienen lassen.
  • Andreas Nieder und seine grausamen Tierversuche

    12.09.2014, gegen solche Tierversuche
    Solchen Wissenschaftlern solte keine Platform für ihre Forschungen gegeben werden: Nieder und Mitarbeiter forschen über das Zählvermögen von Rhesusaffen. Über einem Bohrloch im Schädel werden den Tieren eine Kammer für Elektroden sowie ein Metallbolzen auf dem Kopf implantiert. Die Tiere müssen jeden Tag mehrere Stunden in einem Primatenstuhl sitzen und Punkte und Zahlen auf einem Bildschirm erkennen. Ihr Kopf ist dabei mit dem Bolzen unbeweglich an ein Gestell geschraubt. Gleichzeitig werden über die Elektroden Hirnströme gemessen. Lässt der Affe einen gedrückten Hebel im richtigen Moment los, erhält er über einen Schlauch im Mund etwas Saft. Außerhalb der Experimente gibt es nichts zu trinken. Für einen Tropfen Saft tun die durstigen Affen alles, was von ihnen verlangt wird. Das Leid dieser Tiere erstreckt sich oft über viele Jahre. Quelle: aerzte-gegen-tierversuche.de/de/?option=com_content&view=article&id=227:affenqual-in-tuebingen&catid=55:tierversuche-an-affen&Itemid=65
  • Sehr gefährliches Vorgehen

    12.09.2014, Jakob Demir
    Nehmen wir an, die Pharmaindustrie findet einen Weg solche Antibiotika künstlich herzustellen.

    Dann wäre das Produkt zuerst ein Meilenstein in der Medizin. Sehr verträglich, da praktisch vom menschlichen Körper bekannt.

    Wie bei jeder intensiver Verbreitung von Antibiotika wäre die Gefahr vorhanden, dass Keime Resistenzen bilden.

    Das Problem ist nun, dass nun der eigene Körper kein Mittel mehr hat, sich gegen resistente Keime zu wehren.

    Wir beschleunigen gerade in immer schnellerem Zyklus die Evolution.
    Leider auch der Erreger und Keime.

    Ich wäre persönlich dagegen solche Mittel außerhalb von Kliniken einzusetzen, da unsere heutiges Antibiotika-Problem vornehmlich durch Nichteinhaltung der Vorschriften entstanden ist, bzw. durch unverantwortliche Entsorgung über die Kanalisation.

    Grüße
    DJ
  • Wie das?

    12.09.2014, Balu
    Wie kann das Verhältnis von Wasserstoff zu Deuterium etwas aussagen?

    Die Erde ist ja vor 4,5 Milliarden Jahren aus dem selben Material entstanden wie 67P/Tschurjumow-Gerasimenko und all die anderen Kometen. Von daher sollte das Verhältnis von Wasserstoff zu Deuterium in der Erde ohnehin mit dem der Kometen übereinstimmen, ob es nun bei der Entstehung schon da war oder im nachhinein durch Kometen auf die Erde gebracht wurde.
  • Rechteck gar nicht langweilig

    10.09.2014, Wolfram Graser
    Im Artikel "Chaos auf dem Billardtisch" bezeichnet Christoph Pöppe das Billardspiel auf einem rechteckigen Tisch als "langweilig regulär". Aber einen sogar noch einfacheren Fall, nämlich die eindimensionale Version des Spiels, haben Albert Einstein und Max Born hingebungsvoll untersucht. Born hat seinen etwas verstörenden Befund erstmals in seiner Nobelpreis-Rede 1954 vorgetragen ("Die statistische Deutung der Quantenmechanik", in "Physik im Wandel meiner Zeit", 2. Auflage, Vieweg 1958, S. 173): "Der Determinismus der klassischen Physik erweist sich als Trugbild, erzeugt durch eine Überschätzung mathematisch-logischer Begriffsbildungen." Die Bewegung ist nämlich instabil und indeterministisch: Auch in diesem einfachen Fall ist nach einer bestimmten Zeit die Position der Kugel (bzw. des Gaspartikels) völlig unbestimmt, wegen der unvermeidlichen Ungenauigkeiten in der Kenntnis der Anfangsbedingungen. Er bemerkt dazu weiter (M. Born, Dan. Mat. Fys. Medd. 30, no. 2 (1955), p. 1-26): "Though this is perfectly trivial, I have never seen it pointed out." Gerhard Vollmer hat M. Born deswegen als Entdecker der Chaos-Theorie bezeichnet (G. Vollmer, Naturwissenschaftliche Rundschau, 9 (1988), 345; als Anmerkung im Literaturverzeichnis).
    Antwort der Redaktion:

    Der Hinweis wirft ein interessantes Licht auf die Frage nach dem Chaos. Es stellt sich nämlich heraus, dass die Grenze zwischen "regulär" und "chaotisch" längst nicht so klar definiert ist, wie es den Anschein hat.

    Erstes Beispiel: Ein Massenpunkt wird angestoßen und bewegt sich ab dort ohne Einwirkung einer Kraft durch den leeren Raum. Jeder würde die Bewegung als regulär bezeichnen, denn sie gehorcht einer linearen Gleichung: x(t) = vt+a, und die Unsicherheit in der Position x(t) steigt zwar mit der Zeit an, aber nur proportional der Zeit; der Proportionalitätsfaktor ist die Unsicherheit in der Anfangsbedingung v.

    Zweites Beispiel: Der Massenpunkt gehorcht einer linearen Differenzialgleichung der Form (d/dt)x = cx mit der Lösung x = x0 exp(ct). Das nennt auch noch niemand ein chaotisches System; denn die Unsicherheit über den Ort den Massenpunkts wächst zwar exponentiell mit der Zeit, aber die relative Unsicherheit, also Unsicherheit geteilt durch die Größe des Raums, in dem der Massenpunkt sich aufhalten könnte, bleibt konstant. Vor allem ist zwar nicht die Kurve, auf der das Teilchen sich bewegt, linear, wohl aber das "Naturgesetz", sprich die Gleichung, der es gehorcht, und ein nichtlineares Naturgesetz gilt allgemein als notwendige Bedingung für Chaos.

    Jetzt packen wir beide Teilchen in einen quaderförmigen Kasten mit reflektierenden Wänden. Dann ist Beispiel 1 in einer Dimension das, worüber Born nachgedacht hat, und in zwei Dimensionen Sinais Billard. In Borns Augen ist es chaotisch (was heute ein Vertreter der Theorie der dynamischen Systeme wohl nicht mehr so sehen würde), in Sinais Theorie definitiv nicht.

    Ob Beispiel 2 im Kasten nach Sinai chaotisch wäre (also Entropie größer als null hätte), weiß ich nicht. In der Theorie der dynamischen Systeme ist es eines der klassischen Beispiele für Chaos. Das Argument mit der relativen Unsicherheit zieht nicht mehr, denn der Raum, in dem das Teilchen sich aufhalten könnte, wird ja mit der Zeit nicht größer; und vor allem ist die diskrete Version des Problems: xn+1 = 2xn mod 1 (die "Blätterteigtransformation") das klassische Beispiel für deterministisches Chaos.

    Allem Anschein nach ist "Sinai-Chaos" (Entropie größer als null) eine verschärfte Form von Chaos.

    Das "langweilige" Billard zeigt übrigens eine sehr empfindliche Abhängigkeit von den Anfangsdaten: Wenn die Anfangsrichtung des Teilchens (y-Koordinate durch x-Koordinate der Anfangsgeschwindigkeit) rational ist, trifft die Bahn irgendwann wieder ihren Anfangspunkt und wird dann periodisch; ist die Richtung irrational, so wird die Bahn ergodisch, das heißt, sie kommt jedem Punkt des Rechtecks beliebig nahe. Für Sinai ist also noch nicht einmal Ergodizität eine hinreichende Bedingung für Chaos. Soweit ich weiß, ist ein Prozess mit positiver Entropie nicht nur ergodisch, sondern sogar "mischend" (zwei beliebige Trajektorien kommen sich immer wieder beliebig nahe).

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • 10.09.2014, Kevin Kircher
    "Dabei müssten Menschen erst gar nicht mit antibiotischen Medikamenten behandelt werden, wenn es zum Beispiel mit Handhygiene und Isolationsmaßnahmen gelänge, die Ausbreitung eines Krankheitserregers zu stoppen."

    Dasist sehr naiv bis arrogant. Es stimmt, dass für normale Krankheitsverläufe gerade junger, nicht chronisch kranker Menschen Antibiotika mehr oder weniger ohne große Bedeutung, lediglich ein gigantischer Markt sind. Die Forderung von "Händewaschen hilft" bei chronisch Kranken ist ein Witz. Die meisten gefährlichen und multiresistenten Keime kommen erst über das Wasser. Und einmal nicht richtig abgetrocknet, zack. Oder Freibäder, Seen. Man müsste Wasser komplett meiden. Nein, gerade bei Mukoviszidose steckt sich JEDER irgendwann mit einem harten Keim an. Das ist durch keine Hygienemaßnahme der Welt vermeidbar. Nur konkrete Angriffe auf diese Bakterien behindert ihr zerstörerisches Werk. Bislang waren diese Angriffe sehr aggressiv, aber nicht sonderlich klug. Durch den Selektionsdrang wurden richtige Monsterbakterien herangezüchtet. Wer die noch chemisch vergiften will, vergiftet auch den Körper. Dahingend sind beide im Text beschrieben Ansätze sehr wichtig. Wenn man allerdings sieht, mit welchen Forschungs-Budgets deutsche Universitäten mittlerweile auskommen, mit welcher rechtlicher Hinterwelten sich auseinandergesetzt werden müssen, ist das sehr beschämend.
  • "Uns läuft die Zeit davon"

    10.09.2014, Werner Kohl
    Seltsam. Jetzt wird der schnellste Anstieg an Treibhausgasen seit 30 Jahren festgestellt und resümmiert, dass "uns die Zeit davonläuft". Dabei wird völlig unterschlagen, dass die "globale Temperatur" seit längerem stagniert. Letzteres ist ein allgemein bekannter Fakt und wird im Englischen meist als "Hiatus" bezeichnet.

    Eine kürzlich publizierte Arbeit (Steve McIntyre, dx.doi.org/10.4236/ojs.2014.47050) hat diesen "Hiatus" genauer analysiert und kommt zu folgendem Ergebnis:
    - Die HadCRUT4-Reihe der Oberflächentemperaturen zeigt eine Stagnation über die letzten 19 Jahre
    - Die UAH-Reihe der Satellitenaufzeichnungen der unterem Troposphäre belegt eine Stagnation über die letzten 16 Jahre
    - Die RSS-Reihe der Satellitenaufzeichnungen der unterem Troposphäre belegt eine Stagnation über die letzten 26 Jahre

    Keines der gängigen Klimamodelle, die Eingang in den neusten Klimareport AR5 des IPCC gefunden haben, kann diesen Stillstand reproduzieren. Diese sind damit falsifiziert und folglich völlig ungeeignet, Prognosen anzustellen.

    Führende Klimaforscher wie Kevin Trenberth erkennen inzwischen natürliche Einflüsse als Ursache für den augenblicklichen und möglicherweise weiter andauernden Stillstand an. Explizit genannt sind multidekadische Zyklen (z.B. PDO oder AMO), die derzeit ihre negative Phase durchlaufen bzw. in diese eintreten. Da diese den anthropogenen Einfluss auf die Temperaturentwicklung derzeit komplett kompensieren, lässt sich unmittelbar schlussfolgern, dass deren positive Phase Ende des letzten Jahrhunderts mindestens zur Hälfte zum damaligen Temperaturanstieg beitrug. Daraus folgt wiederum, dass die vom IPCC angenommene Sensitivität des CO2 deutlich zu hoch angesetzt ist.

    Ich würde mir sehr wünschen, dass SdW diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in seine Artikel einfließen lässt und auch kritische Stimmen (wie dieses Posting) zulässt.
  • Pfirsichzucht?

    09.09.2014, Ulrich Heemann
    Der Artikel zur menschlich beeinflussten Entwicklung der Pfirsiche benutzt mehrfach den Bergriff der Zucht. Das ist jedoch sehr fraglich, denn darunter verseht man die bewusst gelenkte Modifikation von Eigenschaften. Dies wiederum setzt ein Wissen um die Vererbbarkeit von Eigenschaften - in diesem Fall von Pflanzen - voraus. Selbst wenn die Erfahrung mit Tieren (und Menschen) eine solche Machbarkeit sichtbar machen sollte, kann dies zumindest bei Pflanzen nicht einfach unterstellt werden. Wohl aber ist es natürlich, dass man die schönsten und größten Pfirsiche pflückt bzw. auch mitnimmt und dabei unwillkürlich eine Auswahl (Auslese) trifft. So können sich an festen Standorten langsam immer mehr dieser Kerne sammeln und dabei zwangsläufig, aber ungeplant eine Evolution einleiten. Im Gegensatz zu Tieren fördert hier der Verzehr der besten Individuen deren Entwicklung. Das lässt sich sogar auch auf deren Ergiebigkeit (Zahl der Früchte am Baum) übertragen.
  • So schlecht ist der p-Wert nicht

    09.09.2014, Dr. Martin Treiber
    Es ist schön, dass Regina Nuzzo auf die Gefahren einer Missinterpretation des so genannten p-Wertes bei statistischen Befunden hinweist, umso mehr, da Studenten und Wissenschaftler in solchen Situationen häufig eine statistische Software anwerfen und den ausgeworfenen p-Wert (zusammen mit ähnlich fragwürdigen Kennzahlen) unreflektiert übernehmen.

    Jedoch schießt die Autorin dabei über das Ziel hinaus, indem sie die ebenso fragwürdige Arbeit von Sellke et al. als Basis ihres Artikels nimmt. Da in dem Kasten "Magerer Erkenntnisgewinn" viele Annahmen unerwähnt bleiben, habe ich die zugrundeliegenden Publikation (Thomas Sellke, M. J. Bayarri, James O. Berger: Calibration of p Values for Testing Precise Null Hypotheses, The American Statistician, 55:1, 62-71, 2001) genauer angeschaut. Die Annahmen in der mittleren Situation "Münzwurf" sind dabei wie folgt:

    1. In 50 Prozent der Fragestellungen ist der wahre Wert genau X=0 (die Nullhypothese H0 trifft zu), während er in den anderen Fällen immer denselben positiven Wert hat.

    2. Die Messung weist einen normalverteilten Messfehler bekannter und von X unabhängiger Varianz auf.

    3. Der p-Wert wird für eine Punkt-Nullhypothese (z. B. X=0) berechnet. In diesen so genannten symmetrischen Tests bekommen auch hinreichend negative Messungen ("das Medikament wirkt weniger als ein Placebo") einen kleinen p-Wert.

    Punkt 3 ist zwar dem Sachverhalt meist nicht angemessen, aber ebenso wie Punkt 2 eher unproblematisch. Annahme 1 hingegen ist meist unrealistisch und führt zu falschen Schlussfolgerungen, wie folgendes Beispiel zeigt: In 50 % der getesteten Medikamente sei der wahre Wert X=0 entsprechend der Nullhypothese (Medikament ist wirkungslos) und in den anderen 50 % X=5 (Medikament wirkt). Ferner sei die Standardabweichung des normalverteilten Messfehlers gleich 1 und die Messung ergebe x=2, was einem p-Wert von etwa 5 % entspricht. Das Messergebnis ist also zwei Standardabweichungen vom wahren Wert der wirkungslosen Medikamente, aber drei Standardabweichungen von dem der wirkenden Medikamente entfernt, und daher ist es wahrscheinlicher, dass diese Messung von einem wirkungslosen Medikament herrührt: Eine einfache Rechnung zeigt, dass diese Messung mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 95 % von einem wirkungslosen Medikament herrührt, nicht etwa zu 5 %, wie es der p-Wert nahelegt.

    Führt der p-Wert also wirklich zu solch massiven Fehlinterpretationen? Nicht wirklich: Zunächst einmal ist im Falle eines wirkungslosen Medikaments ein solch hoher oder höherer x-Wert sehr unwahrscheinlich (nämlich 2,5 %), und man muss schon sehr viel Pech haben, solch einer Fehlinterpretation aufzusitzen. Wichtiger jedoch ist die Verfälschung durch die unrealistischen Annahmen. Realistischer ist es sicherlich, nicht nur den Messfehler Y als normalverteilt anzusehen, sondern auch die wahren Werte X. Ferner sollte man unsymmetrisch auf die Nullhypothese H0: X ≤ 0 testen.

    Die hier abzurufende Grafik zeigt für symmetrisch um null verteilte wahre Werte (also P(H0)=1/2) die dann resultierende Wahrscheinlichkeit P(H0|p) dafür, dass die Nullhypothese "X ≤ 0" bei gegebenem p-Wert wahr ist, und zwar in Abhängigkeit vom Verhältnis der Standardabweichung σy des Messfehlers zur Standardabweichung σx der wahren Werte. Daraus erhält man folgende Anleitung zur Interpretation des p-Werts:

    * Ist die Standardabweichung des Messfehlers deutlich geringer als die vermutete Schwankungsbreite der wahren Werte, sagt der p-Wert des unsymmetrischen Tests in Wesentlichen die Wahrheit, zumindest, wenn die Nullhypothese in etwa 50 % der Fälle zutrifft.

    * Ist die Standardabweichung des Messfehlers hingegen deutlich höher als die Schwankungsbreite der wahren Werte, ergibt die Messung kaum Informationsgewinn, und die a-priori-Wahrscheinlichkeit (hier 50 %) bleibt nahezu unverändert.

    * Bei etwa gleichen Standardabweichungen trifft die Nullhypothese etwa doppelt so häufig zu, wie es der p-Wert impliziert.

    Diese Aussagen sind robust bezüglich der Verteilung der wahren Werte und der Messfehler: Sie gelten beispielweise auch für gleichverteilte wahre Werte oder eine unbekannte und aus der Messung zu schätzende Standardabweichung der Schätzfehler. Wichtig ist nur, dass die wahren Werte nicht auf einen Punkt konzentriert sind wie im oben angesprochenen Artikel.

  • Auslöschung des Natürlichen - und eines Kulturguts

    08.09.2014, Christopher
    Das zunehmende Ausmaß der Beleuchtung ist sicherlich eng an ein Naturverständnis geknüpft, das Natur zunächst und vor allem als Gefährdung auffasst - eine erstaunlich mittelalterliche Denkweise. Die Verbannung der Dunkelheit verbannt das Unbeherrschbare, mithin das Natürliche. Es hat eine gewisse Konsequenz, dass im selben Zuge das älteste Kulturgut - der Sternhimmel - ausgelöscht wird.
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