Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Ursachenforschung

    07.10.2015, Hans
    Das ist jetzt wahrscheinlich eine blöde Frage. Aber könnte die im Vergleich zu den Test-Medikamenten stärker erscheinende Wirkung der Placebos auch daran liegen, dass die Daten in den Studien ehrlicher werden, auch z. B. wegen der heute doch etwas besseren Reporting-Standards und Registrierungspflichten?

    Für das Ergebnis der Studie ist es ja aus Hersteller-Sicht vorteilhaft, wenn die Placebo-Pille möglichst wenig Effekt hat, der Abstand zur spezifischen Arzneistoff-Wirkung also möglichst groß. Vielleicht hat man da früher (bewusst oder unbewusst) die Daten entsprechend massiert, um den Placebo-Effekt gering zu halten. Ist jetzt aber reine Spekulation - geben die Studien dazu was her?
  • Reverse-Doppelblind

    07.10.2015, bpn ro
    Es ist schon ein Kraftakt mit den Doppelblindstudien, um nachzuweisen, dass ein echtes Medikament die erwünschte Wirkung zeigt.

    Um nachzuweisen, ob Placebos immer besser wirken, muss man konsequenterweise eine umgekehrte Doppelblindstudie durchführen.
    Bedeutet das nicht, dass als "Placebo" ein echtes Medikament herangezogen werden muss? Und zwar so, dass ältere Placebotests dieses echten Medikaments mit dem umgekehrten Placebotest verglichen werden.
    Da stelle ich mir viele Störfaktoren vor (allem voran eine Gewöhnung an das Medikament, sofern wirksamkeitsmindernd).

    Und so eine Studie wurde tatsächlich gemacht?

  • huetehund, nicht hirtenhund

    06.10.2015, steffen
    Das, was sie meinen, ist ein huetehund und kein hirtenhund, der eher als herdenschutzhund fungiert. Und das furche laufen, sprich das seitliche hin und her laufen, muss man auch den hunden erst einprogrammieren.
  • Nicht unerwähnt sollte man lassen,

    06.10.2015, Peter Weigl
    dass der zitierte dänische Forscher Anders Møller eine seiner Veröffentlichungen wegen erwiesenen Datenmanipulationen zurückziehen hatte müssen.

    Seiner Studie in der die angeblich strahlenbedingten Auswirkungen auf Schwalben behauptet wird, wird hier beispielsweise von Chesser und Baker der Boden entzogen:
    "Some reports on the biological impacts of the fallout from Chernobyl seem to lie outside the bounds of reasonable expectations.
    One study reported that barn swallows, collected from northern Ukraine, were experiencing partial albinism and increased germline mutation rates, with a concomitant loss of evolutionary fitness.
    Unfortunately, the authors did not identify exactly where the birds were collected, they did not evaluate the radiation doses to the birds and they provided little information on the level of soil contamination. In contrast, our own investigations of swallows collected in a 10-kilometer zone surrounding the reactor reveals that the internal radiation doses are negligible—less than 10 microsieverts per day. That dose rate is less than one-tenth of a typical chest x ray, or about the same for three hours of flight at 35,000 feet. It would be astonishing if that dose were responsible for the elevated mutation rates reported by the authors.

    It's also the case that local genetic variations are common in natural animal populations. It would be surprising to find populations without
    geographic variations. The authors of the barn-swallow article inferred that the variation among the birds was the result of radiation-induced mutations, but they did not provide any evidence for their assertion. They did not eliminate the possibility that the geographic variations were natural, or that the mutations might have been caused by something else. Moreover, some of the same barn-swallow variants have been found in regions not affected by Chernobyl, suggesting that they may not be uncommon."

    Chesser und Baker's Artikel im American Scientist ist jedem zu empfehlen, der Chernobyl-Studien zur Biologie betrachtet: "Growing up with Chernobyl."
    http://www.americanscientist.org/issues/pub/growing-up-with-chernobyl/99999
  • Newton und Einstein

    06.10.2015, Gunter Berauer, München
    In dem Artikel wird auf S. 46 der Eindruck erweckt, als seien die einsteinschen Gleichungen erforderlich, um zu zeigen, dass sich das Weltall ausdehnen muss. Ohne Albert Einsteins Verdienste schmälern zu wollen, möchte ich klarstellen, dass sich die so genannten Friedmanngleichungen, mit denen die Entwicklung des Weltalls beschrieben wird, schon aus der newtonschen Theorie auf sehr einfache Weise ableiten lassen. Das wird jeder Kosmologe bestätigen. Und damit folgt bereits aus Newtons klassischer Theorie, dass das Weltall kein statisches Gebilde sein kann. Erstaunlich ist allerdings, dass - wenn man einmal von der kosmologischen Konstanten absieht, die Einstein als Notlösung zur Stabilisierung des Weltalls eingeführt, dann aber reumütig wieder herausgenommen hatte - beide Theorien, Einsteins Relativitätstheorie und die klassische newtonsche Feldtheorie exakt dieselben Entwicklungsgleichungen für das Weltall liefern.
  • Den Nagel auf den Kopf getroffen

    06.10.2015, Tilo Strutz, Leipzig
    Der Karikaturist („Ich habe ihnen den freien Willen geschenkt, damit ich sie dann mit gutem Gewissen in die Hölle jagen kann.“) hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Diskussion um den freien Willen des Menschen ist längst keine philosophische, sondern eine religiöse Diskussion. Die Ehre der „Krone der Schöpfung“ muss gerettet werden. Wie trifft ein Hund die Endscheidung, ob er zubeißt oder wegläuft? Mit dem freien Willen ist es wohl ähnlich wie mit der Suche nach der Seele des Menschen.
    Solange wir uns jedoch auf das Kausalitätsprinzip einigen können – Ursache und Wirkung folgen chronologisch aufeinander – ist jede Handlung oder Entscheidung eines Lebewesens ein Ergebnis einer Informationsverarbeitung.
    Betrachten wir den Menschen als System. Das System wird über vorhandene Eingänge (zum Beispiel Sinnesorgane) mit Informationen gefüttert. Außerdem ist unter Umständen bereits Information durch die Struktur des Systems selbst vorhanden. In Abhängigkeit von der Arbeitsweise des Systems wird die Information verarbeitet. Das Ergebnis der Informationsverarbeitung hängt somit von allen Informationen ab, die bis zum aktuellen Zeitpunkt gesammelt und gespeichert wurden. Wenn Professor Nahmias nachts wach liegt und sich den Kopf darüber zerbricht, wie er seinen Artikel beginnen soll, dann macht er genau das oben beschriebene. Irgendeine verinnerlichte Information aus der Vergangenheit hat ihn schließlich dazu geführt, eine Lanze für den freien Willen zu brechen.
    Warum erscheint es uns so, dass wir die Wahl haben, dies oder jenes frei zu entscheiden?
    Selbst wenn wir nahezu identische informationsverarbeitende Systeme hätten, sagen wir die Gehirne von eineiigen Zwillingen, dann wird sich das Handeln der Zwillinge unterscheiden. Es gibt zwar nachgewiesenermaßen eine hohe Korrelation, da auch der Input im Kindesalter sehr ähnlich ist, aber das Handeln und Entscheiden ist nicht identisch oder und kann auch gegensätzlich sein. Auf Grund seiner biologischen Natur ist auch das menschliche Gehirn nicht ein starres, sondern ein sich veränderndes System.
    Gerade das sehr unterschiedliche Handeln bei ähnlichem Input und ähnlichem System (menschliches Gehirn) befeuert die Hoffnung auf einen freien Willen. Das gegensätzliche Entscheiden kann aber zum Beispiel auch mit der Chaostheorie begründet werden, welche sich mit dynamischen Systemen befasst, deren zeitliche Entwicklung unvorhersehbar erscheint, obwohl die zu Grunde liegenden Gleichungen deterministisch sind. Für identische Inputwerte ist hier das Ergebnis der Berechnung immer dasselbe.
    Sobald sich der Input aber nur um einen verschwindend geringen Betrag ändert, kann das System etwas völlig anderes ausgeben.
    Freier Wille ade!
    Das Leben kann aber trotzdem lebenswert sein. Und das Handeln unserer Mitmenschen ist doch erfahrungsgemäß mehrheitlich voraussagbar und nicht chaotisch. Zum Glück.
  • Erhaltung der Information?

    06.10.2015, Gunter Berauer, München
    In dem Artikel wird wieder einmal behauptet, die Quantenmechanik verbiete den Verlust von Informationen, es gebe also einen Erhaltungssatz für die Imformation. Dafür gibt es meines Erachtens aber keine Grundlage, weder auf Ensembleebene, also im Makro- oder Mesokosmos, noch auf der Teilchenebene im Mikrokosmos. Das Thema wurde im Spektrum vor Jahren schon einmal diskutiert, und zwar hier.
    Das auf Ensembleebene üblicherweise benutzte shannonsche Informationsmaß entspricht dem Gegenteil der Entropie; Leon Briollouin spricht von Negentropie. Da Entropie ein Maß der Unordnung ist, ist Information damit ein Maß der Ordnung. Und wenn die Entropie, die Unordnung, nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik in einem abgeschlossenen System mit der Zeit insgesamt zunimmt, dann nimmt die Ordnung, das heißt die Information insgesamt ab. Oberhalb der Teilchenebene bleibt in einem abgeschlossenen System die Information also nicht erhalten, sondern sie nimmt mit der Zeit ab.
    Nun zur Teilchenebene. Im Mikrokosmos wird oft von quantenmechanischer Mikrokausalität gesprochen und damit auf der Teilchenebene eine Informationserhaltung konstatiert. Die Gesetzmäßigkeit, die dabei mit Mikrokausalität bezeichnet wird, bezieht sich aber nur auf die Weiterentwicklung von Wahrscheinlichkeiten (etwa über die Schrödinger- oder die Klein-Gorden-Gleichung), und nicht, wie in den Gleichungen der klassischen Physik, auf die Weiterentwicklung der physikalischen Größen selbst, also der Fakten, wie etwa Ort und Geschwindigkeit eines Objekts. Vorhersagbarkeit von Möglichkeiten hat aber nun gar nichts mit Vorhersagbarkeit der Fakten und damit mit wirklicher Kausalität zu tun. So ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem geplanten Wurf eines idealen Würfels eine “2“ zu erhalten, sicher als 1/6 vorhersagbar, was aber nichts darüber aussagt, welche Zahl dann wirklich fällt. Offenbar wird hier Mögliches mit Faktischem verwechselt, was übrigens die am weitesten verbreitete Fehlinterpretation der Quantenmechanik ist (siehe auch andere Leserbriefe von mir im Spektrum). Die genannte vorhersagbare Weiterentwicklung der Wahrscheinlichkeiten nach den Gleichungen der Quantenmechanik gilt auch nur, solange das Objekt isoliert bleibt, also keine Wechselwirkung stattfindet. Bei jeder Wechselwirkung beziehungsweise Messung wird beim Kollaps der Wellenfunktion gemäß der momentan unter Berücksichtigung der Art der Wechselwirkung gegebenen Wahrscheinlichkeiten per Zufall eine der Möglichkeiten zum Faktum. Es bildet sich für die Zukunft ab da eine neue Wellenfunktion, und die Information über die anderen, vor dieser Wechselwirkung für die betreffende Größe möglich gewesenen sowie die von ihr tatsächlich früher angenommenen Werte, ist für immer verloren. Solange ein Objekt unbeobachtet bleibt (das heißt nicht mit seiner Umwelt wechselwirkt) und sich in dieser Zeit die Wahrscheinlichkeiten nach den genannten Gleichungen weiterentwickeln, kann es in den Wellenfunktionen zwar auch Invarianten geben, wie etwa Erwartungswerte von Messgrößen oder Produkte von Erwartungswerten. Diese sind aber nur fiktiv und in einem unbeobachteten System per definitionem nicht nachweisbar. Ferner würden auch diese Informationen die nächste Wechselwirkung nicht überleben. Auch im Mikrokosmos bleibt somit Information nicht erhalten. Und in der Zeit, in der eine Information zwischen zwei Wechselwirkungen vielleicht überlebt, ist sie gar nicht nachweisbar.
    Die Spektrum-Redaktion hatte vor einigen Jahren mir gegenüber einmal die Meinung vertreten, dass die Informationserhaltung zwar für einzelne Teilchen, nicht aber für größere Ensembles gelte. Das ist aber auch nicht überzeugend. Denn wenn im Kleinen grundsätzlich nichts verloren geht, dann könnte auch in Summe, das heißt im Großen nichts verloren gehen.
    Mein Fazit: Einen Erhaltungssatz der Information gibt es nicht und das im Artikel angesprochene Informationsparadoxon existiert nicht.
  • Mögliche Verwechslung?

    06.10.2015, S. H.
    Sollte nicht eher von Fäkalmimese die Rede sein? Nach meinem Verständnis nach treffender, als Mimikry.
    Antwort der Redaktion:

    Lieber S.H.
    danke für Ihre Zuschrift. Da es der Pflanze bei ihrer Nachahmung des Antilopendungs nicht darum geht, übersehen zu werden, sondern im Gegenteil darum, den Käfer anzulocken und in seinem Verhalten zu manipulieren, halten wir den Begriff "Mimikry" eigentlich für treffend.
    Beste Grüße, jd/ Red

  • Ungenaue Daten

    06.10.2015, Heinz Günter Kessel, Weidhausen
    Der Nullmeridian wurde seinerzeit willkürlich festgelegt und wird heute durch den Messingstreifen im Greenwich-Observatorium dargestellt. Wenn heute die Meridiandurchgänge genauer gemessen werden können, dann wurde das GPS-System mit ungenauen Daten ausgestattet und nicht der Nullmeridian ungenau festgelegt.
  • Ein Umdenken ist dringend erforderlich

    05.10.2015, Michael Schmidt
    Die Verarbeitung von Massendaten wie sie derzeit von den Megafirmen Goggle, Amazon etc. angestrebt wird muss dringend einer unabhängigen Kontrolle unterworfen werden. Von vielen Personen liegt die Privatsphäre längst wie ein offenes Buch im Internet, ohne das es den Personen bewusst oder bekannt ist.
    Welche Konsequenzen sich daraus ergeben ist derzeit nur abzuschätzen, aber die Manipulation von dem persönlichen Lebenverlauf ist nur eine Konsequenz von vielen.
    Es ist höchst naiv anzunehmen die technik ließe sich im Nachhinein noch kontrollieren - oder frei nach Lem - was keinem Naturgesetz wiederspricht ist technisch machbar und wird gemacht.
    Gerade die virtuelle Realität besitzt eine ganze Reihe mehr Freiheitsgrade als die physikalische Realität. Diese sind selbst für den aufgeklärten Bürger nicht zu durchschauen.
    Besonders gelungen finde ich das Beispiel der gewichteten Information. Realitäten - Wahrheiten - können im Internet allein durch oftmaliges wiederholen in Artikeln geschaffen werden.
    Sollten in nicht allzu ferner Zukunft "intelligente" Programme ihre Informationen für ihre Entscheidungen die sie treffen aus dem Internet beziehen so wird es Programme geben die massenweise Fakten im Interesse ihrer Interessengruppen erschaffen um diese Entscheidungen zu beeinflussen.
    Je länger man sich mit dem Thema beschäftigt, desto schlimmer scheinen die Szenarien zu werden.
    Ich betreibe ein Ingenieurbüro welches sich mit Informationserschaffung und Automatisierung beschäftigt.
    Meine Frage - welche Wahrheit hätten Sie gerne -
  • Tsunamis

    05.10.2015, Hanspeter Wyler
    Für mich als interessierter Laie ist die Felsküste der Algarve seit Jahren eine Wundertüte : Gesteinsschichten wie aus dem Bilderbuch; unten, auf Strandhöhe 60 - 80 cm mächtiger, fast weisser Kalk, in beinahe regelmässigen Abständen durch feine, senkrechte Risse in grosse Blöcke unterteilt, wie eine Zyklopenmauer.
    Dann weitere Schichten aus hellem Kalkstein, manchmal nur wenige cm dick, unterschiedlich gebrochen, dazwischen feine, dunkle Schichten, einmal auffällig ca. 2 - 3 cm dick (Vulkanasche? woher?), darüber eher chaotisch gebrochenes Gestein, mit Einschlüssen von rel. grossen Brocken, rötlich und gelb.
    Ueber dem Ganzen eine z.T. 6 - 8 m (!) dicke Schicht aus rotbrauner, sandiger Erde (Schwemmland aus den Bergen im Hinterland?).
    Die ganze Konstellation : zwischen 30 - 80 m hoch ! Und was liegen um unser Hotel herum (auf ca. 40 m über dem Meeresspiegel) auf auf dem roten Schwemmland : Muschelkalk - Brocken mit wunderbaren Einschlüssen, der grösste den ich bisher fand ist ca. 1m3 gross, d.h. ca 1.5 - 2 t schwer.
    Ausserdem Brocken aus erstarrter Lava (??) mit den typischen Fliessspuren.
    Am Strand unten fallen diese Brocken natürlich nicht besonders auf, denn die Zusammenhänge Meer, Muscheln, allenfalls Korallen, sind ja offensichtlich.
    Ich vermute jedoch, dass die Blöcke ebenfalls zuerst oben auf den Klippen lagen und erst durch die Erosion der Klippen (der Fortschritt ist unübersehbar!) wieder
    auf den Strand zurückgefallen sind.
    Ein Indiz, dass sie nicht durch ein Anheben des Meeresbodens auf die Klippen gelangt sind, ist ja, dass sie auf der Schwemmland-Schicht liegen.

    Fazit : Naturgewalten sind einfach faszinierend!

  • Mammutzähne

    05.10.2015, Ulrich Heemann
    Mammutzähne waren auch in prähistorischen Zeiten schon sehr begehrt, da man mit ihnen feste Hütten (Zelte) bauen konnte, wie sie in Sibirien ja auch nachgewiesen werden konnten. Es erscheint mir doch eher unwahrscheinlich, dass "moderne Menschen" die Zähne so sorgsam ausgegraben haben sollten, dass keine mehr vor Ort gefunden wurden, während die anderen Knochen (noch unberührt?) liegen geblieben sind.
    Eine prähistorische Nutzung der Knochen (von erjagten oder verendeten Tieren) sollte aber auch zu einem weitgehenden Fehlen der Schulterblätter und Beckenknochen führen, da auch diese sehr gut genutzt werden konnten.
  • In wiefern besser als Verbrennen?

    02.10.2015, Klaus
    Was nicht so ganz heraus kommt ist der Vorteil dieser Prozedur. Grundsätzlich kann ich die Kunststoffe ja auch recyceln oder verbrennen. Entweder habe ich dann wieder einen Rohstoff oder wenigstens die Energie. Da bin ich etwas skeptisch, warum die Würmer da einen Gewinn darstellen sollen.
  • Eine unendlich lange Liste

    02.10.2015, Dr. Dieter Meinert
    Die erste Frage dieses ansonsten wichtigen Artikels weist sofort auf die Technikgläubigkeit der Autoren. Schließlich gibt es im Leben praktisch unendlich viele Dinge, welche jeder Mensch machen kann, die einer Maschine nicht, voraussichtlich nie (bei Maschinen im heutigen Sinne) möglich sind. Ich denke dabei an Kunst, Philosophie, Musik, Wissenschaft. Maschinen sind dabei immer nur Hilfsmittel. Was automatisiert werden kann, muß dazu hinreichend verstanden sein. Somit sind _fast alle_ Dinge nicht automatisierbar (im mathematischen Sinne: alle bis auf endlich viele), und es bleibt den Menschen immer eine unendliche Spielwiese, um sich auszuprobieren (und neue Dinge zu automatisieren). Und wer hat je eine Liste mit unendlich vielen Stichpunkten aufgestellt?
    Der Artikel bedient also im wesentlichen die Technikgläubigkeit der meisten Menschen, um darauf hinzuweisen, daß man sich eben auf diese Technikgläubigkeit nicht einlassen darf, daß der Mensch sich nicht der Technik unterordnen darf und muß. Und abhängige, unselbständige Maschinen dürfen Menschen gegenüber keine autonomen Entscheidungen treffen können — dies gilt insbesondere auch für sogenannte „Killerroboter“, wie sie von manchen militärischen Stellen entwickelt werden.
    Diese Selbständigkeit des Menschen gegenüber der unselbständigen Maschine wird immer bestehen bleiben, solange es keine _echte_ „künstliche Intelligenz“ gibt — ab welchem Zeitpunkt dann die „Maschine“ keine Maschine mehr ist, sondern ebenfalls in diesem Sinne ein Mensch mit eigenen ethischen und moralischen Standpunkten. Diese müssen zu jenem Zeitpunkt aber von den biologischen Menschen mitgeprägt sein.

    Viel wichtiger in diesem Zusammenhang ist, wie im Artikel zum Teil beschrieben, daß die Menschen im hochtechnisierten Zeitalter einen neuen, menschenwürdigen Umgang miteinander lernen, unabhängig von Herkunft, Weltanschauung, und Wirtschaftskraft. Nicht die Maschinen verwenden die gesammelten Daten, sondern Menschen, welche diese Maschinen benutzen. Hier ist der Ansatzpunkt zu suchen, allen Menschen ein Leben gemäß der goldenen Regel „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu“ weiterhin zu ermöglichen, und nicht Andere in ein technologisches Korsett zu zwängen, welches man selber nicht anziehen möchte.

    Dieses zu ermöglichen, ist vor allem eine Bildungsaufgabe, sodaß jeder Mensch auch in die Lage versetzt wird, sich diesen Zwängen anderer zu entziehen. Leider ist gerade der Bildungssektor in Deutschland ein beliebter Spielball der Politik, mit alle paar Jahre wechselnden und widersprüchlichen Aktionen zu Lasten der Auszubildenden.
  • Nicht die Benutzer, die Maschinen müssen transparent werden.

    02.10.2015, Bernhard Keim
    Wir haben es heute mit Maschinen zu tun, die laufend Informationen über Menschen erzeugen, in der Absicht diese - im neutralen Sinne - zu manipulieren. Das ist nicht neu. Jede Marktforschung versucht durch Umfrage in Erfahrung zu bringen, was Gruppen von Menschen wollen. Hier interessiert die Meinung und Haltung des Einzelnen nur dann, wenn sie sich mit den Einstellungen anderer aggregieren lässt.

    Jede Form der Umfrage setzt immer auf die aktive Beteiligung des Einzelnen. Dies passiert bei jeder Bundestagswahl. Doch nicht ohne Grund sind diese Wahlen geheim, denn die Entscheidung soll nicht rückzuverfolgen sei. Wäre sie es, würde uns dies unseres Entscheidungsspielraums und Unabhängigkeit berauben.

    Das Besondere an der Informationsgesellschaft ist, dass diese Umfragen praktisch laufend stattfinden, ohne dass wir uns dieses Umstandes noch gewahr werden. Das Unheimliche beginnt dort, wo unsere Entscheidungen laufend geloggt werden. Der Kreditkartenbeleg, der Mauttracker, die Verbindungsdaten geben dem, der darauf Zugriff hat, Auskunft, wo wir uns aufgehalten und mit wem wir gesprochen haben. Den unkontrollierten Zugang auf diese Daten zu verhindern, muss eines der Hauptaugenmerke in der Entwicklung von Informationssystemen sein. Freiheit und vollkommene Transparenz, schließen einander aus.