Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • @Cornelius

    13.10.2017, Christian
    Sie haben recht mit Ihren Beispielen und nicht nur der Mann ist nicht neutral: keine Mensch ist neutral. Ich glaube auch nicht, dass Wolfgang L. dies abstreiten wuerde.

    Sie haben auch absolut recht, dass selbst in den "objektivsten" Faechern Bias dadurch zustande kommt, wie man die Frage stellt. Zwar ist Energieerhaltung kein soziales Konstrukt, aber die Einteilung der Physik z.B. in Mechanik, Thermodynamik und Teilchenphysik sehr wohl. Ich wuerde aber sagen, dass "sozialer" Bias (also: nach Geschlecht, Herkunft, Orientierung, Wohlstand usw) nur dort fuer die Ergebnisse eines Faches relevant ist, wo Menschen und ihre Interaktion der Gegenstand sind bzw. wo eine Uebertragung auf Menschen naheliegt (in der Biologie z.B. die Erforschung ds Sozialverhaltens von Meerschweinchen, nicht aber die Biochemie einer Hefezelle). Dort ist eine Diversitaet der Forscher erforderlich, um Absurditaeten wie die von Ihnen genannten zu vermeiden.

    Davon unabhaengig ist, dass natuerlich jedem Interessierten und Talentierten jedes Feld offenstehen sollte. Das heisst, dass es in keinem Feld Schranken nach Geschlecht, Herkunft usw geben sollte. Weil fehlende Vorbilder (anscheinend) ein Hindernis darstellen koennen, ist Diversitaet in allen Faechern sinnvoll. In vielen Faechern gibt es da reichlich Luft nach oben, vielleicht aber teilweise auch weil alte Jahrgaenge an Professoren erst "aussterben" muessen.

    Ich glaube nicht, dass das bisher Beschriebene sehr kontrovers ist.
    Der Einwand von Wolfgang L. war, dass "die" Gender studies im Moment nicht besonders divers seien. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen. Wenn es aber stimmt, dann ist das ein Problem, denn die gender studies untersuchen nicht nur Menschen und Gesellschaft, sondern haben auch den Anspruch sie zu veraendern. Daher ist dort Diversitaet unbedingt noetig, damit Bias keinen Schaden anrichtet. Ironisch (und der Grund fuer die von Ihnen genannten polemischen Ueberschriften) ist, dass ja oft gerade der Einfluss mangelnder Diversitaet erforscht werden soll -- von einer Gemeinschaft, die selbst (anscheinend) dort einen Mangel hat.

    Ihre Replik (so wie ich sie verstehe) geht fehl, denn "Weiße heterosexuelle Männer" in den Naturwissenschaften erforschen eben ganz ueberwiegend nicht sich selbst sondern Hefe, kollidierende Protonenstrahlen, Selbstorganisation von Molekuelen und aehnliches nicht-Menschliches.

    Im uebrigen stimme ich SL darin zu, dass es teilweise eher wie ein Spezialgebiet innerhalb der Soziologie wirkt als wie eine eigene Wissenschaft. Ob dieser Eindruck stimmt: keine Ahnung.
  • @5, Re: Gender Studies als Studienfach

    13.10.2017, hsk_l
    Die derzeitige Welt der Studiengänge ist komplizierter zu erfassen, als es vor der Bologna-Reform noch war. Damals studierte man "Soziologie", "Physik" oder "Philosophie". Dazu kam dann nach und nach der persönliche Schwerpunkt, jeweils aus den angebotenen Vorlesungen und Seminaren selbst zusammengebastelt. Seitdem es Master-Studiengänge gibt, sind die nach der jeweiligen Spezialisierung benannt. Da studiert man dann "Quantenmechanik", "algebraische Topologie", und auch "Gender Studies" - die Spezialisierung / Schwerpunktthematik wird namensgebend für den gesamten Studiengang. Der Vorteil ist, dass die Spezialisierung sofort erkennbar ist, der Nachteil aber, dass das eigentliche Hauptfach verschleiert wird. Vielleicht besteht also gar kein Unterschied zur Soziologie, sondern es handelt sich bei solchen Studiengängen lediglich um eine Spezialisierung innerhalb der Soziologie.
    Sehe ich durchaus als sinnvoll an, wenn man denn diese Spezialisierungen als eigene Studiengänge insgesamt als sinnvoll erachtet. Ich persönlich empfinde solche starren Studiengerüste eher als einschränkend, denn als hilfreiche Orientierung für Fachstudenten. Aber das ist ein ganz anderes Thema.
  • Der Begriff "Jagen" - nur schlecht, wenn er von der AfD kommt?

    13.10.2017, Manfred Hirschkorn M. A.
    Ach Herr Lobe, Sie sind wahrscheinlich noch sehr jung und kennen die parlamentarische Sprache nicht. Aber warum sagen Sie dann nichts zu Frau Nahles "dann gibts in die Fresse" - ist das denn besserer Stil? Aha, es kommt von der SPD, die darf das! Und was ist mit Herrn Peter Struck, „Bild“ zit. ihn am 13.3.1998: "Wir werden die Regierung jagen!" Ach so, wieder SPD. Nun, wie wäre es mit der CSU: Die „Süddeutsche Zeitung“, am 22.12.1999:
    „Die CSU rechnet es sich als ihr Verdienst an, vor einem Jahr die CDU aus tiefer Depression nach der verlorenen Wahl geweckt und zur erfolgreichen Jagd auf die Regierung getragen zu haben.“ (Ich danke Ulli Kulke für die Zitate.)
    Die Reihe läßt sich beliebig fortsetzen, aber Herr Lobe sollte selbst seine journalistische Arbeit tun und nicht nur den großen Blättern seine Empörung abschauen...
  • Ich bin wieder zu Hause

    13.10.2017, Margit Alm
    Der Wolf muss sich also integrieren. Der Wolf sieht das bestimmt anders und sagt: Hallo, Ihr Lieben, ich bin wieder in meine Heimat zurueckgekehrt und will mein Revier wiederhaben.

    Und dazu hat er jedes Recht. Es ist sehr anmassend von dem Menschen, dem Wolf seinen Lebensraum zu nehmen oder ueberhaupt Tieren ihren Platz auf der Erde zu nehmen. Menschen muessen sich reduzieren, nicht Tiere, nicht Pflanzen.
  • @Wolfgang L.

    13.10.2017, Cornelius
    "Und dies ist nicht vergleichbar mit Studienrichtungen in denen vor allem Männer forschen, wie z.B. Mathematik. Da ändern sich die Ergebnisse nicht, nur weil jetzt die Perspektive weiblich wird. Genau so wenig in der Physik."

    Naja. Die Ergebnisse selbst vielleicht nicht, aber alles, was vor den Ergebnissen kommt, ist auch geprägt durch Sozialisation der Forscher, Struktur im Wissenschaftsbetrieb usw...
    Und in der Biologie oder Medizin sieht das aber schon wieder ganz anders aus mit den Ergebnissen.

    Was haben die Männer (!) nicht angeblich alles "bewiesen", was die Anatomie und der Sexualität von Frauen betrifft.. Der weibliche Orgasmus sei unnötig, die Klitoris sei minderwertig gegenüber dem Penis des Mannes, die berühmte Hysterie, und und und..

    Es ist ein Irrtum zu glauben, der Mann sei "neutral" und wenn die Frau forscht, dann ist sie nicht "neutral" sondern anders und voreingenommen, weil sie eine Frau ist. Männer haben auch ihren bias. Und der zeigt sich auch in den Naturwissenschaften.
    Denn schon die Auswahl der Themen und Probleme, wie diese Probleme behandelt werden und mit welchen Begriffen hantiert wird - all das ist nicht unbedingt "neutral." Daher finde ich den Vorwurf an die Gender Studies, ausgerechnet sie seien nicht "neutral" und könnten nicht "neutral" sein, etwas fadenscheinig und scheint mir nur der Diskreditierung zu dienen.
    (Eine Überschrift in einer anderen Zeitung war "Feministinnen erforschen sich selbst" oder so ähnlich. Despektierlicher geht es kaum. Niemand schreibt "Weiße heterosexuelle Männer erforschen sich selbst", auch wenn das der Fall ist.)
  • Überflüssig

    12.10.2017, Thomas Gehrke
    Das wußte jeder, der ein wenig aufmerksam durch sein Leben geht, auch ohne diese Untersuchung. Und dafür werden Forschungsgelder verschwendet. Die Forscher sollten sich mal besser darum kümmern, wie sie Menschen dazu bekommen, sich umweltschonend zu verhalten. Woran aber die Werbung und die Wirtschaft ganz offenbar keinerlei Interesse haben.
  • Gender Studies als Studienfach

    12.10.2017, SL
    Etwas enttäuschend an diesem ansonsten interessanten Artikel empfinde ich, dass über Gender-Studies gesprochen wird, ohne eine Definition ebendieser auch nur anzureißen. Dadurch ist die Diskussion für Menschen wie mich, die keinen direkten Kontakt mit dem Fach haben nur schwer nachzuvollziehen.
    Insbesondere verwundert hat mich folgender Satz: "Natürlich müsse man ebenso über sexuelle Orientierung, Migration, Religion und Geschlechtsidentitäten reden, wenn man die moderne Gesellschaft in ihrer Komplexität erfassen wolle."
    Mein bisheriges Verständnis der Gender-Studies war, dass diese die unterschiedlichen Aspekte von "Gender" interdisziplinär untersuchen. Wenn es jetzt aber darum geht "die moderne Gesellschaft in ihrer Komplexität [zu] erfassen", wo besteht dann der Unterschied zur Soziologie?
    Wäre es denn nicht sinnvoller, Gender als einen durchaus untersuchenswerten Aspekt zu betrachten, der auch gerne schwerpunktmäßig erforscht werden sollte, aber keine eigenen Studiengänge "Gender Studies" erfordert?
    Dies ist eine für mich interessantere Frage als nach der Qualität der Genderforschung im Allgemeinen. Ist es nicht wünschenswerter, Studierenden erst die wissenschaftliche Methodik einer Kern-Disziplin (sei es nun Soziologie, Literaturwissenschaften, Biologie) beizubringen und ihnen danach die Möglichkeit zu geben, sich mit der Genderthematik und deren Theorien zu befassen?
  • Antwort auf die Fragestellung des Titels?

    12.10.2017, Annegreth Klein
    Wie Kommentator 1 fand ich den Artikel ausgewogen und gut geschrieben. Schade nur (und äußerst ironisch, angesichts des Themas), dass die Frage des Titels gar nicht beantwortet wurde. Was sind die Methoden dieser Forschungsrichtung, wie werden Ergebnisse evaluiert? Funktionieren die Peer-Review-Prozesse? Ist der Publication-Bias höher als in anderen Disziplinen?
  • Angstrethorik

    12.10.2017, Gast
    Menschen wie Hr. Fannkuck werden erst zufrieden sein, wenn auf dieser Erde auch der letzte Wolf, Bär, Löwe, Tiger, Hyäne, Leopard, Jaguar, Schneeleopard, ... ausgerottet worden ist.
    Wenn ich die Angstrethorik vom "unheimlichen Schreckensraum" schon höre, wird mir ganz anders und da traue ich mich gleich kaum noch auf die Straße, tausende totgefahrene Menschen da jedes Jahr, allein in Deutschland.

    Wenn wir es in Deutschland schon nicht schaffen wenigstens einer kleinen Anzahl an Wölfen einen Lebensraum bereitzustellen, wie können wir dann vom Rest der Menschheit erwarten, dass Sie gefälligst Ihre Tierwelt erhalten sollen.

    Wenn es der Menschheit gelingt, noch ein paar Jahrzehnte so weiterzumachen, wie bisher, werden die großen Viecher ruckzuck allesamt weg sein aus der freien Wildbahn.
    Denn für große Tiere, die keine Menschen oder seine Nutztiere sind, wird kein bisschen Platz mehr sein, auf einer eng besiedelten Kulturerde.
  • Jan-Martin Wierdas Pseudoklärung des Problems

    12.10.2017, roswitha
    Der Artikel beantwortet seine eigene Fragestellung nicht einmal annähernd. An keiner Stelle wird in der Sache argumentiert, also definiert, was denn eine Wissenschaft ausmacht und inwiefern die Genderforschung diesen Anspruch erfüllt. Der Text war offenkundig von vornherein als Verteidigungsschrift angelegt. Er zitiert allein Autoritäten, um diese Position zu untermauern – ironisch genug, wenn es um eine Disziplin geht, die selbst als diskursanalytisch versteht, also Machtstrukturen unter die Lupe nehmen will.
    By the way, wer ernsthaft glaubt, dass in der DFG nur nach wissenschaftlicher Qualität entschieden wird (Hat Gott die Kriterien dafür eigentlich persönlich festgelegt? Dazu sagt der Artikel nichts.), ist vermutlich auch davon überzeugt, dass Posten in der Politik allein nach persönlicher Eignung vergeben werden. Der Weihnachtsmann lässt grüßen.
    Leider verzerrt der Beitrag von Jan-Martin Wierda die berechtigte Debatte um den politischen Machtanspruch der Genderstudies zu einem Kasperletheater, das an die Nachmittagstalkshows der Neunziger Jahre erinnert. Stets werden die polemischen Positionen der fundamentalistischen Biologisten als Folie gewählt, vor der die Gendertheoretikerinnen umso heller erstrahlen können. Dabei gibt es sehr wohl auch differenzierte und gut begründete Kritik jenseits von naturwissenschaftlicher Perspektivverengung und reaktionärer Ideologie. Vukadinović etwa argumentiert durchaus differenziert und kenntnisreich, Wierda greift sich aber lieber die paar polemischen Zitate raus. Dabei war die Replik auf die geäußerte Kritik, die Judith Butler und Sabine Hark gemeinsam für die "Zeit" schrieben, eine Demonstration der Defizite der Genderforschung: Sie strotzte vor Jargon, verweigerte ansonsten – explizit! – den Diskurs, war in einem Beleidigte-Leberwurst-Ton gehalten und von einem rechthaberischen, hochmütigen Duktus geprägt. Sachargumente fehlten weitgehend.
    Den Genderstudies die Wissenschaftlichkeit pauschal abzusprechen ist sicher zu einfach. Aber eine Grundvoraussetzung für Wissenschaft ist fairer Streit. Butler, Hark und hier auch Wierda verweigern sich der Auseinandersetzung. Kein Ruhmesblatt für eine Zeitschrift, die sich "Spektrum der Wissenschaft" nennt.
  • aufwand der rotwildjagd

    12.10.2017, truth
    Wolf ersetzt jäger. Schützt vor rotwild. Spart unmengen geld im wald. vermutlich mehr als die schafe kosten. Punkt.
    Die koexistenz zwischen Kühen und menschen ist da fraglicher, da Kühe den menschen ihre nahrungsgrundlage wegfuttern und das klima vergiften.
  • Nutztierhaltung - Bio

    12.10.2017, lanzu
    "Und gerade die ökologische Landwirtschaft wird durch den Wolf in besonderem Maße bedroht, da für sie die Weidehaltung von Nutztieren vorgeschrieben ist."
    Das ist in der Allgemeinheit falsch. Das gilt meines Wissens nach nur für den Abauverband Demeter.
  • Ralph-Ole scheint auf einem anderen Planeten zu leben

    12.10.2017, Stephan S.
    Ralph-Ole Fannkuck...wenn ich ihren Kommentar lese, weiß ich gar nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Bei der Panik, die sie hier verbreiten möchten, können sie eigentlich nur im Interessenskonflikt mit dem Wolf stehen. Ich lebe auf dem Land und ich brauche sicherlich keine Überwindung in den Wald zu gehen. Ich gehe es jetzt sogar erst recht. Für Ihre Aussagen gibt es keinerlei Grundlage und das wissen sie auch selbst.

  • Neutralität der Genderforschung

    12.10.2017, WolfgangL.
    Ich glaube nicht, dass eine Forschungsrichtung, die praktisch ausschließlich von Frauen und transgeschlechtlichen Menschen besetzt ist, eine objektive Perspektive auf ein Thema haben kann, welches beide Geschlechter in gleichem Maße betrifft.
    Wenn ich Artikel zu diesen Themen in den klassischen Medien lese sind die Perspektiven auf jeden Fall ausschließlich heterosexuell oder homosexuell weiblich (deutlich überproportional die lesbische Perspektive). Männliche Perspektiven fehlen praktisch vollständig.

    Eine Studienrichtung die die Unterschiede zwischen genetischem und sozialem Geschlecht untersuchen möchte de legitimiert dies für mich zwar nicht zwar per se wissenschaftlich, aber auf jeden Fall politisch. Denn die Konsequenz einer so einseitigen Forschung können erhebliche Nachteile für das männliche Geschlecht sein.

    Und dies ist nicht vergleichbar mit Studienrichtungen in denen vor allem Männer forschen, wie z.B. Mathematik. Da ändern sich die Ergebnisse nicht, nur weil jetzt die Perspektive weiblich wird. Genau so wenig in der Physik.

    Bei der Frage, ob es ein größeres Problem ist, dass 20 mal mehr Männer in deutschen Gefängnissen sitzen, als das Frauen im Schnitt 22% weniger Lohnbezüge (unbereinigter GPG) haben als Männer, ist es durchaus relevant, ob man mit einem Mann oder mit einer Frau über das Thema spricht.

    Auch bei Fragen dazu, wie man mit dem Thema Kuckuckskinder umgeht, oder die rechtliche Etablierung des sozialen Vater (und damit Entrechtung des biologischen) hängt sehr stark von der Perspektive ab.

    Die Genderforschung wird auch deshalb angegriffen, weil ihre Vertreter mit dieser einseitigen Perspektive politisch gestalten wollen. Und dies weckt selbstverständlich Widerstand bei denen, die von dieser Forschungsrichtung nicht vertreten werden: Bei den Männern.

    Daher sehe ich für die Genderforschung eher schwarz, solange sie es nicht schafft auch für männliche Studenten deutlich attraktiver zu werden. Und dazu gehört auch deren Perspektive zu respektieren.
  • Aus der Geschichte lernen

    12.10.2017, Simon
    Wenn man mit einer bestimmten Problematik konfrontiert ist, sollte man versuchen, sich ähnliche, historische Konstellationen zu vergegenwärtigen, um daraus Handlungsoptionen für die Zukunft zu gewinnen.
    Der Wolf war über ein Jahrhundert in Deutschland ausgerottet. Wie sah die Situation vor seiner Ausrottung aus? In jedem Fall war der Wolf ein Nahrungskonkurrent des Menschen. Er riß zum einen die Wildtiere, die auch der Mensch bejagte, zum anderen eben auch Herdentiere, vor allem Schafe. Die Menschen hatten sich auf diese Gefahr eingestellt, Schäfer und Bauern waren in der Regel bewaffnet und die Hunde auf Wolfsabwehr abgerichtet. Dennoch entstanden auch damals erhebliche Verluste durch Wölfe.
    Der entscheidende Unterschied zwischen heute und damals ist wohl die deutlich gestiegene Bevölkerungsdichte. Wo es Anfang des 19. Jahrhunderts noch ausgedehnte ländliche Gebiete in Deutschland gab, erstrecken sich nun überwiegend zersiedelte Landschaften.
    Nun muß man sich fragen, wie eine Koexistenz von Raubtier und Mensch in einer deutlich ungünstigeren räumlichen Konstellation gelingen soll, wenn dies schon unter den deutlich besseren Bedingungen des 19. Jahrhunderts nicht gelang.
    Wir sollten uns daher die Erfahrungen unserer Vorfahren zu eigen machen, die aus guten Gründen entschieden, den Wolf scharf zu bejagen und die Menschen dieses Landes für über ein Jahrhundert von dieser Gefahr für die Herden befreiten. Für den Wolf ist kein Platz in einer eng besiedelten Kulturlandschaft. Ignoriert man die Lehren der Vergangenheit, wird es früher oder später zu so hohen Schäden kommen, daß die Stimmung in der Bevölkerung kippt. Dies wird spätestens der Fall sein, wenn Wölfe sich einmal ein kleines Kind schnappen und auffressen.