Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • [ kleine überarbeitung meines vorherigen beitrags ]

    19.08.2017, Stefan
    Dieser Artikel betrachtet leider nur einen kleinen Teil des Problems.
    Wer Angst vor Hackern und unheimlichem Verhalten der Gadgets schürt,
    fordert letztlich nur mehr Sicherheit. Mehr “Sicherheit” wäre
    allerdings ein Trugschluss, denn die weit größere Gefahr für unsere
    Gesellschaft geht nicht von Hackern aus.

    Selbst wenn die Technologieanbieter es schaffen würden ihre Produkte
    vollkommen sicher abzuschotten (das ist schon prinzipiell unmöglich),
    würde das Netzwerk der “legitimen” Datensammler und -verarbeiter
    weiter bestehen. Legitim, weil die Nutzer der Gadgets dieser
    Infiltration Ihrer Privatsphäre mit den AGBs zugestimmt haben.
    Legitim in Anführungsstrichen, weil die Zustimmung des ebenfalls
    miterfassten sozialen Umfelds regelmäßig nicht besteht.

    Die Geschäftsbeziehungen unter den Sammlern, Verarbeitern und
    Verwertern der Daten sind vielfältig, und faktisch vollkommen
    unreguliert.

    So kann es durchaus sein dass die Zinsen für Ihren nächsten Kredit
    davon abhängen ob Sie die richtigen Bücher lesen, oder die falschen
    Freunde haben. Dabei muss Ihre Bank nicht einmal die korrekten
    Schlüsse aus Ihren Daten ziehen, es genügt vollkommen wenn deren
    Management davon überzeugt ist, mit dem verwendeten Scoring-Verfahren
    einen wirtschaftlichen Vorteil über ihre Konkurrenz zu erlangen,
    bzw. wenn dieses Verfahren hinreichend oft richtig liegt.

    Ein aktuelles Beispiel falsch interpretierter Daten und der negativen
    Effekte für Individuen ist sicherlich der verantwortungslose Umgang
    unserer Polizei mit Dateien über, naja, auffällig Gewordene [1], in
    denen auch Unschuldige gelandet sind. Für die Opfer sind die
    beruflichen wie persönlichen Effekte durchaus intensiv. Versagt hat
    hier direkt ein Staatsorgan, nicht irgend ein Hasardeur der
    Datenverarbeitung, der sich vielleicht noch auf seinen
    StartUp-Charakter im Silicon Valley herausreden kann.

    Auch den von privater oder industrieller Datensammelei Betroffenen
    kann man nicht vorhalten sie wären selbst schuld wenn sie bei Facebook
    alles über sich preisgeben, oder sich einen Amazon Echo in die Bude
    stellen: Selbst wenn man all dies nicht tut, überträgt z.B. WhatsApp
    auf den Telefonen meiner Freunde deren Kontakte (also auch Daten über
    mich) an Facebook. Dadurch verraten sie direkt meine sozialen
    Beziehung an einen Datensammler der diese Information auswertet.
    Niemand will seine Freunde verklagen, aber ein Urteil [2] diesen
    Jahres wirft ein Schlaglicht auf das Problem.

    Ein Effekt der Datensammelei durch Staat und Industrie wird sein, dass
    wir in eine konformistische Gesellschaft geraten: Wer einen günstigen
    Tarif bei seiner privaten Krankenversicherung will, der achtet besser
    darauf keine dicken Freunde zu haben. Fettleibigkeit soll sich ja
    entlang von Bekanntschaften ausbreiten, und selbst wenn diese These
    mittlerweile widerlegt sein sollte, wer weiss schon was das neuronale
    Netzwerk der Krankenkasse dazu denkt? Als Advocatus Diaboli kann man
    außerdem nur davor warnen Muslimische Freunde zu haben: Die Geschichte
    seit 9/11 kennt einige Personen die Repressionen ausgesetzt waren nur
    weil sie den gleichen Namen hatten wie ein Terrorist, oder auch nur
    wie ein Verdächtiger. Besser ist es wohl, wenn sich zu solchen Leuten
    keine Verbindungen in irgendwelchen Datenbanken finden.

    Jeder der heute WhatsApp verwendet, verrät erstens sein soziales
    Umfeld an die IT-Industrie, und erzeugt zweitens sozialen Druck auf
    all jene die da nicht mitmachen wollen. Denn wer sich WhatsApp
    verweigert, der wird automatisch aus sozialen Gruppen ausgeschlossen,
    oder zumindest an deren Rand gedrängt. Nicht einmal wegen Vorsatz
    oder Boshaftigkeit seiner Freunde, sondern alleine weil er nicht alle
    Unterhaltungen mitbekommt.

    Die Naivität der User die sich mit smarten Geräten vernetzen, wird
    damit zum Problem der ganzen Gesellschaft.

    ____________________
    [1] Entzogene G20-Akkreditierungen Verwechslungen und Jugendsünden
    http://www.tagesschau.de/ausland/g20-journalisten-101.html
    [2] Erst schriftliche Einwilligung, dann Whatsapp für Kinder
    https://www.golem.de/news/erziehung-erst-schriftliche-einwilligung-dann-whatsapp-fuer-kinder-1706-128590.html
  • Die moderne Formel ohne relativistischen Effekt

    18.08.2017, Dr. Dieter Föller, Seeheim-Jugenheim
    Die von Meerkötter angeführte Formel beschreibt nicht den akustischen Doppler-Effekt, wohl aber die Anwendung z. B. in der Radar-Geschwindigkeitsmessung. c ist hier weiter die Lichtgeschwindigkeit und die Formel gilt auch nur für den ruhenden Beobachter. Der akustische Doppler-Effekt beschreibt die Schall-Phänomene mit Bezug auf die Schallgeschwindigkeit cM in einem Medium und unterscheidet dabei, ob der Beobachter oder die Schallquelle ruht. Formel s. unter 3.
  • Killer-Krebstierchen?

    17.08.2017, Oliver Amann
    "Killer-Krebstierchen im Sand", "Blutüberströmt tauchte ein Jugendlicher im Krankenhaus des australischen Brighton auf."
    Solch reißerische Aufmacher sind ihrer Publikation nicht würdig.
    Ich bin enttäuscht selbst hier solche Formulierungen lesen zu müssen.
  • Kategorienfehler

    17.08.2017, Wolfgang Monninger, Essen
    Kann es sein, dass der Autor Michael Esfeld beim Umgang mit dem Begriff "Wahrheit" einen Kategorienfehler gemacht hat? Gehört der Begriff "Wahrheit" nicht vielmehr zum Bereich der Philosophie und der Religionen? Wahrheit "ist bei Gott und Gott ist die Wahrheit" – sie ist im Kern unveränderlich, ist aber vom Menschen nie vollständig erfassbar. Dagegen ist die Naturwissenschaft viel bescheidener, es geht ihr um Modelle, die grundsätzlich falsifizierbar sein müssen, also grundsätzlich veränderlich sind.
    Der Umbruch von Newtons Bewegungsgesetzen zu Einsteins Raumzeit zeigt diese Veränderlichkeit. War Newton ein Lügner, weil er zu seiner Zeit nicht erkannt hatte (sein Instrumentarium konnte das gar nicht leisten), dass seine Gesetze nur Spezialfälle darstellen, die bei universeller Anwendung zu falschen Ergebnissen führen? Nein, er war kein Lügner (also einer, der eine Wahrheit bewusst verdreht), vielmehr wurde sein Modell durch die völlig andere Sichtweise Einsteins ersetzt, es wurde falsifiziert, auch wenn auf Erden Newtons Gesetze hervorragend funktionieren.
    Die einzige Erkenntnistheorie, die der Autor gelten lässt, ist der wissenschaftliche Realismus, ihm traut er das Potential zu, die "Wahrheit" zu erfassen. Ein Beispiel für dieses Potential findet er ausgerechnet im Umgang mit dem Thema Klimawandel (es hätte bessere Beispiele gegeben): Er meint, dass die so genannten "Klimaskeptiker" inkonsequent argumentieren, wenn sie einerseits bei der Einschätzung der Physik von Kernkraftwerken Realisten sind, andererseits die Physik des Klimawandels als Konstruktivisten verwerfen. Sie verweigern sich also der Wahrheit. Aber so ist es nicht: Die allermeisten Klimaskeptiker argumentieren selbstverständlich als Realisten, betonen allerdings, dass es zu den Modellen der mainstream-Klimaforscher (IPCC et al.) sehr wohl bedeutende Alternativen gibt. Und hier spielt der Begriff Wahrheit seine vermutlich beabsichtigte Rolle: Wenn die Darstellungen des IPCC wahr sind, müssen die Gegner Lügner sein – eine fatale Konsequenz, welche die Schärfe des Streits erklärt. Der Verdacht kommt auf, dass es dem Autor vor allem darum ging, die Thesen der Klima-Kirche strafbewehrt zu machen, um den Häretikern, und damit den Gegnern der "Großen Transformation", ein weiteres Mal zu zeigen, wohin sie gehören. Die politische Dimension wird damit sofort offenbar.
    Wikipedia sagt: "Fundamentale Kategorienfehler entstehen, wenn ... die Wert- und Moralbegriffe in die Naturwissenschaft übertragen werden; statt nur auf das Denken und Handeln der Naturwissenschaftler". So ist es.
    Stellungnahme:
    Ein Lügner ist jemand, der bewusst und absichtlich die Unwahrheit sagt. Jemand, der sich irrt – oder dessen Theorie im Laufe der Zeit durch eine bessere abgelöst wird –, ist kein Lügner, sondern häufig jemand, der – ganz wesentlich – zum Erkenntnisfortschritt beigetragen hat (Beispiel Übergang von Newton zu Einstein). Wenn Sie sagen, dass Einstein Newton falsifiziert hat, impliziert diese Aussage, dass Newtons Theorie einen Wahrheitsanspruch hatte und dieser Wahrheitsanspruch sich letztlich als nicht haltbar erwiesen hat. Generell gesagt: Nur etwas, das einen Wahrheitsanspruch hat, lässt sich als falsch erweisen. Der Begriff der Wahrheit gehört nicht in den Bereich der Religion. Er bezieht sich auf Aussagen. Die Aussage “Schnee ist weiß” ist genau dann wahr, wenn Schnee weiß ist. – Michael Esfeld
  • Auf die Art des Beweises kommt es an

    16.08.2017, Dr. Wolfgang Klein
    "Der Forscher glaubt, beweisen zu können, dass P ungleich NP ist." Ich habe mir den Artikel mal geladen, aber da das nicht direkt mein Fachgebiet ist, liegt er erst mal auf meinem Rechner und harrt der Dinge. Deshalb kann ich auch nichts darüber sagen, wie der Beweis P != NP geführt wird. Ein reiner Existenzbeweis (d.h. es existiert eine Turing-Maschine, die zur Klasse NP gehört aber keine äquivalente Turing-Maschine in der Klasse P hat), beispielsweise durch Widerspruch oder bei Anwendung der Kontinuumshypothese oder des Auswahlaxioms, wäre möglicherweise von rein akademischen Interesse. Nur ein konstruktiver Beweis wäre praktisch verwertbar. Außerdem gäbe es selbst dann noch keinen Automatismus, mit dem man für ein weiteres konkretes NP-Problem entscheiden könnte, ob es in P ist.

    Auch im umgekehrten Fall, also P = NP, wäre nur ein konstruktiver Beweis praktisch verwertbar, um zu eine NP-Turing-Maschine in eine äquivalente P-Turing-Maschine zu transformieren. Und nur wenn der Beweis konstruktiv für ein NP-schweres Problem geführt ist, wäre man automatisch in der Lage, alle NP-Turing-Maschinen in P-Turing-Maschinen zu transformieren.
  • Fehler im Artikel zu P=?NP

    16.08.2017, Nap Retep
    Im Abschnitt "Auf die Komplexität kommt es an" hat sich eine Ungenauigkeit eingeschlichen - der folgende Satz ist falsch:
    "Sie umfasst nichtdeterministisch polynomielle Probleme, also solche, die mit deterministischen Rechnern exponentiell oder noch schneller an Komplexität zunehmen."
    Probleme in NP können mit nichtdeterministischen Turing-Maschinen in Polynomialzeit gelöst werden und darüber hinaus können die Probleme aus NP mittels deterministischer Turingmaschine auf jeden Fall in Exponentialzeit gelöst werden (natürlich auch langsamer, wenn man explizit langsamere Programme wählt) (- hierin steckt bereits die zentrale Frage P=?NP: Falls nämlich P=NP gilt, so können die Probleme in NP auch mithilfe von deterministischen Turing-Maschinen in Polynomialzeit gelöst werden. Falls P!=NP gilt ist dies im Allgemeinen nicht möglich -). Die Begründung liegt darin, dass nichtdeterministische Turing-Maschinen durch deterministische simuliert werden können, indem alle Möglichkeiten (evtl. "parallel") simuliert werden.
    Ein weiterer Kritikpunkt geht an den Abschnitt "Für Mathematiker würde ein Traum platzen" hierin steht folgender Satz:
    "Wäre P gleich NP könnte man die Lösungen zu den anderen millionenschweren Millennium-Problemen also einfach von einem Computer suchen lassen."
    Das Problem an diesem Satz liegt darin, dass hier davon ausgegangen wird, dass alle anderen Millenium-Probleme beweisbar sind - bisher ist das jedoch nicht klar (das liegt am Gödel'schen Unvollständigkeitssatz). Falls man einen Computer also suchen lassen würde, so könnten mehrere Fälle auftreten: Die Rechenzeit ist immens (das ist auch bei Polynomialzeit-Algorithmen ohne Weiteres möglich), damit könnte z.B. die Lebenszeit der Erde selbst überschritten werden. Andererseits könnte ein solcher Computer evtl. auch nicht terminieren, da eine der Aussagen möglicherweise unbeweisbar ist und der Computer ewig daran hängt...
  • 16.08.2017, Andreas Dannhauer
    Mir ist nicht so ganz klar, wie der Beitrag nachgewiesen haben will, dass das Prinzip der habitablen Zone überholt sein soll. Tschernobyl liegt mitten in der habitablen Zone der Sonne. 122°C heiße Quellen fördern immer noch flüssiges Wasser und Mikroben in der Erdkruste leben auch nicht ohne Wasser. Desweiteren darf man die habitable Zone auch nicht überinterpretieren. Sie macht keine Aussagen über Monde von Gasriesen und erst recht nicht über exotisches Leben, wie wir es nicht kennen. Nach Dingen die man nicht kennt, kann man nicht gezielt suchen und der Zustand von Monden um Gasriesen ist von so vielen Variablen abhängig, dass es dafür kein einfaches Modell geben wird. Was die Supererden angeht, kann man sicherlich eine größere habitable Zone annehmen als für die Standarderde. Ansonsten bleibt es auch in Zukunft vernünftig zuerst auf Planeten in der habitablen Zone nach Leben zu suchen als außerhalb.
  • Falsche Adresse

    16.08.2017, Theodor Ickler
    Der Duden erscheint in einem privaten Unternehmen und ist niemandem Rechenschaft schuldig. Herr Felder sollte sich an den Rat für deutsche Rechtschreibung wenden (aus dem ich unter Protest ausgetreten bin) und überhaupt die Reformer fragen, wie sie zu ihren Regeln und Einzelvorschriften gekommen sind.
  • Millennium Preis Probleme

    16.08.2017, Klaus Moll, Santiago de Chile
    Wäre es nicht auch sinnvoll, eine Dringlichkeitsskala für die Lösung dieser Millennium Preis Probleme aufzustellen?
    Stellungnahme:

    Sinnvoll – vielleicht. Unpraktikabel? Mit Sicherheit.


    Die Liste der Millennium-Probleme ist damals zusammengestellt worden nach dem Kriterium, die Lösung welches Problems die Mathematik am meisten voranbringen würde. Da die Probleme aus den verschiedensten Bereichen des Fachs stammen, sind sie nach ihrer Bedeutung de facto nicht vergleichbar. (Jeder Mathematiker hält sein eigenes Fachgebiet für das bedeutendste …)


    Wenn die Frage lautet, welche Lösung nicht die Matheamtik, sondern die Menschheit am meisten voranbringen würde, dann wäre der heißeste Kandidat gegenwärtig sicher die Frage P=NP?, für die vor wenigen Tagen eine Lösung angeboten wurde. Auf lange Sicht ist auch das nicht sicher. Mathematische Ergebnisse haben die Eigenheit, sich erst Jahrzehnte später nützlich zu machen, und dann an unerwarteter Stelle.


    Christoph Pöppe, Redaktion


  • Nein.

    16.08.2017, Konrad Lehmann
    Gemäß Betteridge's Law of Headlines (https://en.wikipedia.org/wiki/Betteridge%27s_law_of_headlines) ist die Antwort auf jede Schlagzeile, die als Ja/Nein-Frage daherkommt: Nein
  • Relativität, Doppler-Sonografie und Hammondorgel

    16.08.2017, Dieter Föller, Seeheim-Jugenheim
    Die im Artikel für die „farbbestimmende“ Wellenlänge angegebene Formel \[{\lambda \over \lambda_0}={\lambda_B \over \lambda_s} ={\sqrt{c+v} \over \sqrt{c-v}}\] mit \(c\) = Lichtgeschwindigkeit und \(v\) = Relativgeschwindigkeit zwischen Sender \(S\) und Beobachter \(B\) beschreibt den Doppler-Effekt in seinen Facetten keinesfalls allumfassend und allgemeingültig.
    Die Formel zeigt, dass es zur Dehnung einer Welle kommt, wenn sich (\(v\) positiv) der Abstand zwischen \(S\) und \(B\) vergrößert, und zur Stauchung, wenn sich (\(v\) negativ) der Abstand verkleinert.
    Die Formel gilt so aber nur für elektromagnetische und optische Wellen, die sich im Vakuum, wo es den ehemals gedachten „mitführenden Äther“ ja nicht gibt, stets richtungsunabhängig mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten.
    Dieser relativistische Doppler-Effekt, der bei der Satelliten-Kommunikation und in der Astronomie stets beachtet werden muss, enthält, wie weiter unten gezeigt wird, zwingend den Lorentz-Faktor \[\alpha = {1 \over \sqrt{1-{v^2 \over c^2}}}>1\] aus der Lorentz-Transformation (LT), dem Grundstein zu Albert Einsteins spezieller Relativitätstheorie.
    Der akustische Doppler-Effekt, mit dem Doppler die Sternenfarbe erklären wollte und den wir alle z. B. täglich als das „iiiiuuuu“ vorbeifahrender Autos erleben oder evtl. im Rahmen einer angiologischen Doppler-Sonografie beobachten können, betrifft Schallwellen in der uns umgebenden Luft bzw. Ultraschallwellen in unserem Blut. Hier überlagert sich die Fahrgeschwindigkeit \(v_S\) des Autos bzw. die Fließgeschwindigkeit \(v_M\) des Blutes der Schallgeschwindigkeit \(c_M\) im Medium. Die beiden ursprünglichen und in der Akustik für Schallwellen weiter gültigen Doppler-Formeln unterscheiden, ob \(B\) oder \(S\) ruht. Sie lassen sich für die vom Beobachter gehörte Frequenz (= Tonhöhe) zusammenfassen zu \[f_B=f_S {c_M+v_B \over c_M-v_S} \; .\] Hier ist vereinbart, da praxisnäher, dass \(v_S\) und \(v_B\) positiv sind, wenn sich \(S\) und \(B\) aufeinander zu, und negativ, wenn sie sich voneinander weg bewegen.
    Diese Formel ist auch die Basis für den relativistischen Doppler-Effekt. Setzt man z. B. für den Fall des ruhenden Beobachters \(c_M = c\), \(v_B = 0\) und \(v_S = v\), dann hat man zusätzlich die aus der LT resultierende Zeitdilatation zu berücksichtigen. Sie besagt umformuliert, dass die Uhr des ruhenden \(B\) schneller läuft als die des sich bewegenden \(S\). \(B\) misst also die Periodendauer \(T_S\) in \(f_S = 1/T_S\) mit \(\alpha\) von oben zu \(\alpha T_S\) verlängert und damit \(f_S\) auf \(f_S/\alpha\) verringert. Dann ergibt sich \(f_B\) zu \[f_B=f_S {c \over c-v} \sqrt{1-{v^2 \over c^2}} \; .\] Nach Umformung der Wurzel, Auflösung nach \(\lambda_B/\lambda_S\) und Umkehr der Vorzeichen von \(v\) folgt daraus die obige Formel für den relativistischen Doppler-Effekt. Genau das gleiche Ergebnis erhält man, wenn man vom ruhenden Sender ausgeht (\(v_B = v\) und \(v_S = 0\)), nur hat man jetzt zu beachten, dass sich infolge der ebenfalls aus der LT resultierenden Längenkontraktion \(B\) die Wellenlänge \(\lambda_S\) in \(f_S=c / \lambda_S\) auf \(\lambda_S/\alpha\) verkürzt misst, womit sich \(f_S\) für ihn auf \(\alpha f_S\) erhöht. Dieses Produkt, umgeformt wie zuvor, führt dann zum gleichen Ergebnis wie zuvor. Und auch dies ist ein Ergebnis der LT: „Alles ist relativ!“ heißt, \(B\) und \(S\) betrachten sich beide dem anderen gegenüber als ruhend.
    Bei der Sonografie sind \(S\) und \(B\) beide im Schallkopf ruhend, und \(B\) empfängt aus dem Bereich um den Schallkopf im Idealfall drei von den lokalen festen Teilchen im Körper gestreute Ultraschall-Wellen: Die von den ruhenden Körperteilchen hat die Frequenz \(f_S\), die zwei von den im Blut fließenden Teilchen haben die Frequenzen \(f_1\) und \(f_2\). Da die fließenden Teilchen die von \(S\) gesendete Welle doppler-verschoben empfangen und ihrerseits als Sender wiederum doppler-verschoben zu \(B\) zurückschicken, findet man im Idealfall \(f_1\) und \(f_2\) gegeben durch \[f_1=f_S {c_M+v_M \over c_M-v_M} > f_S, \; \; f_2=f_S {c_M-v_M \over c_M+v_M} < f_S \; .\] Im Ultraschallbild erscheinen dann die zum Schallkopf hin- bzw. von ihm wegströmenden Bereiche vom Computer farblich kodiert dargestellt, und zwar zum Schallkopf hin (\(f_1\)) rot und von ihm weg (\(f_2\)) blau.
    Den Tonübergang von hoch (\(S\) nähert sich \(B\)) nach tief (\(S\) entfernt sich von \(B\)) erlebt man bekanntlich nicht umspringend, sondern kontinuierlich abnehmend. Dieser Effekt ist mathematisch zu erfassen, wenn man für \(v\) das Skalarprodukt aus dem Geschwindigkeitsvektor \(\vec v\) und dem Einheitsvektor \(\vec e_{SB}\) einsetzt, der in die sich zeitlich verändernde Richtung der Strecke \(SB\) zeigt.
    Die große Bandbreite der z. T. sehr komplizierten Anwendungen des Doppler-Effekts hat Freistetter in seinem Artikel bereits angesprochen. Ergänzt werden soll hier der bekannte typische Sound der Hammond-Orgel: Hier kommt der Doppler-Effekt durch die Rotation des sog. Leslie-Lautsprechers als angenehm empfundener Vibrato-Effekt zu Gehör.
  • Kleine Fehler im Artikel?

    16.08.2017, Christian
    Interessant, bin gespannt ob sich der Beweis als richtig herausstellt.

    Im Artikel gibt es jedoch imho. kleinere Fehler/Ungenauigkeiten
    1. NP steht für Nichtdeterministisch Polynomiell, hiermit sind Probleme gemeint, die durch eine nichtdeterministische Auswahl in polynomieller Zeit lösbar sind, bzw " bei denen es für „Ja“-Antworten Beweise gibt, die effizient (in Polynomialzeit) verifiziert werden können" (wikipedia NP)

    "Sie umfasst nichtdeterministische, exponentiell an Komplexität zulegende Probleme." finde ich da sehr ungenau, bzw. falsch.


    2.
    "Das berühmteste Beispiel ist ein Handlungsreisender, der eine Reihe von Städten besuchen will, dabei aber eine möglichst kurze Strecke zurücklegen soll. Die Anzahl der Möglichkeiten, die ein Computer bei der Berechnung der kürzesten Strecke prüfen muss, wächst hier exponentiell mit der Zahl der zu besuchenden Städte"

    Hier wächst der Aufwand sogar fakultativ, was noch "schlimmer" ist als exponentiell.

    Grüße
    Christian
  • Florian Freistetters "Dunkle Materie" (84 %)

    16.08.2017, Paul Kalbhen
    Wie verträgt sich das mit den Angaben des SdW-Heftes 7/13 (Neues vom Urknall - Plancks Himmelskarte), die aus der exakten Vermessung der Reliktstrahlung (Hintergrundstrahlung) durch das Weltraumteleskop Planck das Verhältnis der Baryonischen Materie zur Dunklen Materie und zur Dunklen Energie zu 4,9 : 26,8 : 68,3 % fixieren?
  • Ölexperiment

    16.08.2017, Hans F.
    Wie glatt war die See als die Exxon Valdez zu "Testzwecken" 40.000 to Rohöl ins Meer kippte.
  • Bitte Frage beantworten

    16.08.2017, Ulrich Heemann
    Nun, lieber Herr Ebert, was wäre denn nun, wenn wir keine Mitläufer wären?