Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Hier irren die Darwinisten

    15.07.2015, Bernhauer Martin
    Im Beitrag über die Schwachstelle der Bakterienfestung heißt es im Kapitel >In das übergeordnete Wohl investieren<, dass die Selektion Schmarotzer bevorzugen sollte und sich diese so lange vermehren, bis sie alle anderen verdrängt hätten.
    Dies kann natürlich so nicht funktionieren. Damit ein Schmarotzer profitieren kann, braucht er jemanden, den er ausnutzt. Je mehr Schmarotzer es jetzt werden, umso seltener trifft er auf einen "Sozialen", sondern eher auf einen anderen Schmarotzer, und von dem hat er keinen Vorteil. Wohingegen zwei "Soziale", die aufeinander treffen, sehr wohl einen zusätzlichen Nutzen daraus ziehen. Deshalb wird sich ein Gleichgewicht herausbilden zwischen "Sozialen" und "Schmarotzern", das umso weiter auf der Seite der "Sozialen" liegt, je agressiver der Schmarotzer ist. Damit sich die Schmarotzer stärker vermehren können müssen sie sich mehr den "Sozialen" angleichen.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Bernhauer,

    man kann die Frage auch anders herum stellen, dann wird sie vielleicht klarer: Wieso setzt sich in der Bakterienevolution ein Mechanismus durch, der Investition bei höchst ungewissem Erfolg erfordert? Die "Sozialen" investieren in Herstellung und Ausschüttung von Siderophoren, ohne zunächst einen Vorteil davon zu haben - sie nehmen also gewissermaßen Schulden auf. Diese verkehren sich nur dann in einen Gewinn, wenn genügend andere "Soziale" da sind, ansonsten bleiben es Schulden. Die Schmarotzer hingegen investieren nichts, profitieren aber genauso von den (beladenen) Siderophoren wie die Sozialen. Wenn in einer Population die Schmarotzer überhandnehmen, dann müssen alle Bakterien (Schmarotzer wie "Soziale") auf den Siderophor-Vorteil verzichten. Die "Sozialen" haben aber obendrein noch Schulden gemacht. Folglich sollten die "Sozialen" stärker benachteiligt sein als die Schmarotzer und von diesen allmählich verdrängt werden - so die Überlegung.

    Mit freundlichem Gruß
    Frank Schubert
  • Nichts genaues weiß man?

    15.07.2015, Dipl.-Phys. Ulrich Schulz
    Einfach mal mit einfachen Zahlenbeispielen durchrechnen, schon hat man 'ne Erklärung. Hinweis: Mit extremen Zahlen führt's noch schneller zur Lösung ... (Realschulmathe, also nix mit "wie üblich bei diesen Modellrechnungen"). Reicht die Antwort?
  • Falsifizierung

    15.07.2015, Wolfram Obermanns
    Bezeichnender Weise sind die Gegner einer Wissenschaftsphilosophie Freunde der Abschaffung der Falsifizierung als Wesensmerkmal von Wissenschaft. Sie sind also gewissermaßen Verfechter einer scholastischen Wissenschaftlerei.

    Anläßlich des Darwinjahres wurde auf einem Symposium im Vatikan festgestellt, Kreationismus ist zu bekämpfen, er macht Religion lächerlich.
    Für den postwissenschaftlichen Szientismus gilt ähnliches. Er macht Wissenschaft unglaubwürdig und befeuert entgegen seines bekundeten Selbstverständnisses Abskurantismen wie den Kreationismus. Das Krauss'sche "Nichts" ist u. a. jedenfalls schon mal eine Steilvorlage in dieser Richtung.

    Krauss führe ich für mich inzwischen als Physikologe (analog zu Astrologe). Bei Hawking ist die Sache wahrscheinlich etwas komplizierter. Sein "Nichts" in "Grand Design" liest sich eher als (übler) Werbegag und ist philosophisch derart armselig bzw. falsch unterfüttert, daß man getrost davon ausgehen kann, Philosophie kennt er nicht und interessiert ihn nicht.
  • Das Ende des Olivenöls?

    15.07.2015, Heiner
    Ich stimme den Vorredner zu, Verbrennen führt bei so kleinen Strukturen wie Bakterien oder Sporen nie zu einer vollständigen Zerstörung, den viele werden durch die heißen Gas vor der Abtötung ausgeblasen. Das hat man ja in England bei BSE gesehen.
  • Grüne Antibiotika

    15.07.2015, Oliver Bartsch
    Müssen wir uns damit abfinden, dass es bei lebensbedrohlichen Infektionen in manchen Fällen keine Hoffnung mehr auf Heilung durch Antibiotika geben wird? Hilfe bieten die "Grünen Antibiotika" (so auch der Titel des gleichnamigen Buches von Eberhard Wormer.) Was Infektionskrankheiten betrifft, müssen wir wieder stärker auf altbewährte Verfahren zurückgreifen: Isolierung von Infizierten, Hygienemaßnahmen, Umweltsanierung, Abkehr von Massentierhaltung und Pestiziden, Sanierung von Infektionsherden und die Anwendung pflanzlicher Heilmittel.
  • Viel Geschwätz

    15.07.2015, Stefan
    Ich wohne seit langem in Italien, aber von einer durch ein Bakterium ausgelösten Katastrophe bei Olivenöl habe ich bisher nichts gehört. Was mir letztes Jahr einige Bauern in der Nähe von Rom erzählt haben war, dass das letztjährige nasse Wetter einiges an schaden angerichtet hat, weil Oliven lange Trockenzeiten brauchen, um gut reifen zu können. Aber von Bakterien war nicht die Rede.
    Ich schliesse mich zudem meinen vor Kommentatoren an, daß Bäume irgendwann einfach auch mal am Ende ihres Lebens ankommen und dann leichte Beute für Schädlinge werden. Insofern ist das Abholzen nur eines: Operative Hektik.
  • purer aktionismus

    14.07.2015, b.engel
    nichts tun wäre besser gewesen als dieses panische laborieren.

    wie der vorhergehende kommentar impliziert befinden sich unter einer population die über die nötige genetische divergenz verfügt für gewöhnlich exemplare mit überdurschnittlicher resistenz gegenüber bestimmten pathogenen.

    davon ausgehend das aufgrund der vielfalt von vektoren und wirtstieren keine 40km breite schneise die weitere ausbreitung xylellas verhindern kann plus der erkenntnis das selbst laien das begreifen wird die frage nach der motivation der verantwortlichen natürlich relevant.

    zu unterstellen das hier systemimmanente idiotie verantwortlich zeichnet ist da noch die freundlichste variante
  • Unsinn

    14.07.2015, T. C. Sempronius
    Von Oelmangel erlebe ich in Rom nichts. Mein Sasso extra vergine kostet hier per Liter heute genau so viel wie vor einem Jahr, naemlich 6 Euro 20. Eine Epidemie oder nur ein Medien-Hype?
  • Nach dem Ausbruch geht die Infektionsrate wieder zurück

    14.07.2015, Yael Schlichting
    Das Bakterium ist ja nicht neu.
    Es hat schon öfters gewütet und es gibt immer noch Olivenhaine.
    Die Epidemie wird weniger robuste Bäume dahinraffen und die widerstandsfähigen bleiben über. So war das schon immer.
    Eine Kettensäge macht diesen Unterschied nicht.
    Mit alten Apfelsorten und dem Feuerbrand ist es ähnlich.
    Ich bin daher der Meinung, daß man die Olivenbauern umfassend informieren sollte und die Kettensägen nur an stark befallenen Bäumen ansetzen sollte.
  • Nichts Genaues weiß man nicht

    14.07.2015, Dieter Freundlieb
    Wie üblich bei diesen Modellrechnungen. Was wäre denn die Erklärung dafür, dass sich Gegenwind und Rückenwind nicht ausgleichen? Keine Antwort?
  • Fördert Rauchen eine Psychose oder umgekehrt?

    14.07.2015, Petra Hafele
    Die Metaanalyse ist interessant, wirft jedoch Fragen über den ursächlichen Zusammenhang zwischen Rauchen und Erkrankung auf:

    Erkranken beispielsweise die Raucher häufiger als die Nichtraucher – ist also die Erkrankungsrate bei ihnen höher?
    Was wissen die Forscher über bereits bestehende (noch nicht behandlungsbedürftige) Symptome der Raucher bevor sie mit dem Rauchen begannen?
    Welchen Einfluss hat die Medikamenteneinnahme bei beiden Gruppen?

    Auch wenn ich alles andere als ein Fan der Tabakindustrie bin – (Nur) gut die Hälfte der Erkrankten sind Raucher. Vielleicht haben sie auch alle Sommersprossen und Sommersprossen sind der wirkliche Grund dafür, ein Jahr früher zu erkranken?
  • Ebola - woher?

    14.07.2015, Paul R. Woods
    "Bush-meat" ist die Antwort. Affen, fliegende Hunde, große Leguane und Eidechsen gehören in Liberia zur normalen Ernährung. Von Monrovia aus ist der nächste größere Ort ins Landesinnere Gbarnga und dort wurde 2006 bush-meat schubkarrenweise angeboten. Ich glaube kaum, dass sich der Speiseplan in Zeiten von Ebola wesentlich verändert hat.
    Ergänzend: ich war von Juni 2005 bis Dezember 2006 in Gbarnga für die EU tätig.
  • Anderer Farbraum bei "Farbsehschwäche"

    14.07.2015, M.Kl.
    Bin selbst von einer "Farbsehschwäche" "betroffen". Was meiner Erfahrung nach oftmals den "Normalsehenden" nicht auf Anhieb bewusst zu sein scheint: Wenn ich z.B. zwischen Rot und Grün nicht unterscheiden kann (was in meinem Fall gegeben ist), dann EXISTIEREN für mich Rot und Grün als getrennte Farben eigentlich nicht. Ich wäre ohne Hinweise durch andere Menschen niemals in meinem Leben darauf gekommen, zu behaupten, dass es diese zwei Farben gibt, schlicht, WEIL es sie für mich nicht gibt. Sie bilden für mich zusammen mit z.B. Braun sozusagen eine Einheitsfarbe, genau, wie ich viele grün- grau- und Blau- und Violetttöne für mich zusammen eine Einheit bilden. Deshalb kann ich natürlich nicht sagen, ob rot oder grün meine Lieblingsfarbe ist. Ich kann nur sagen, ob mir diese "Hybridfarbe" "Grot" oder "Rotgrün" oder wie auch immer ich sie nennen will gefällt oder nicht. Und bestimmte Grüntöne kann ich schonmal leicht mit Gelb verwechseln. Also ist "mein" Gelb eigentlich auch ein anderes als das der "Normalsehenden".
    Ich "arbeite" also in einem ganz anderen Farbraum (genauso wie es z.B für einen Schwarz-Weiß-Fernseher Farben mehr oder weniger einfach nicht "gibt" oder wie sich bei Computermonitopren z.B. zwischen AdobeRGB und sRGB unterschieden wird.) , müsste eigentlich eigene Farbnamen erfinden, aber das würde mir im Zusammenleben mit anderen Menschen, außer mit solchen, deren Farbsehvermögen in ungefähr dem meinen entsppäche, vermutlich wenig nützen.

    Auch "Normalsehende" haben ja im Grunde diverse Farbsehschwächen, welcher Mensch kann z.B. schon Ultraviolett optisch wahrnehmen? - Am Ende ist ja auch jeders Lebewesen ein Unikat.
  • Danke für den Link

    13.07.2015, Olaf Schlüter
    Der von Herrn Völlinger verlinkte Artikel ist lesenswert, obschon die dort gegebene Darstellung einer Inflation zeitlich VOR dem "hot Big Bang" (was immer das dann sein mag) mir neu ist, ich kenne die Theorie nur als eine Inflation zeitlich (ganz ganz) kurz nach dem Urknall durch einen Phasenübergang des Inflatonfeldes in einem sich rasch abkühlenden All. Spektrum der Wissenschaft selbst hatte vor einiger Zeit auch einen Beitrag mit dem Titel "Multiversen in Beweisnot".
    Ich finde, Multiversen, wie sie die Theorie der kosmischen Inflation möglich erscheinen lässt, sind ein schönes Beispiel, anhand dessen sich die Frage stellt, was ist Realität und was ist abstraktes, nicht reales Element einer Theorie. Wir können uns empirisch von der Existenz dieser Multiversen nicht überzeugen, können sie aber auch nicht ausschließen - müssen wir sie trotzdem als real existierend annehmen, weil sie eine logische Konsequenz der Inflationstheorie sind? Oder müssen wir sie als Artefakt behandeln, weil sie überhaupt nicht zu der Realität gehören, die wir mittels Physik untersuchen können? Für die Physik ist das eine Frage nach ihrem Selbstverständnis.

  • Kein Kunstwort

    13.07.2015, Udo Becker, Marburg
    Folgende Bemerkung hat mich irritiert: »Die Wissenschaftshistoriker William R. Newman von der Indiana University in Bloomington und Lawrence M. Principe von der Johns Hopkins University in Baltimore haben für den damaligen Zustand des Fachs das hübsche Kunstwort Chymie vorgeschlagen.« Der weltweit erste universitäre Lehrstuhl für Chemie wurde 1609 in Marburg/Lahn eingerichtet. Lehrstuhlinhaber war Johannes Hartmann, sein Laboratorium chymicum publicum war in einem säkularisierten Franziskanerkloster untergebracht. Ich selbst besitze ein Buch mit dem Titel »Lehrbuch des chymischen Teils der Physik« von I. K. P. Grimm, Professor der Physik in Breslau, 1798. Wenn man nach dem Begriff in Suchmaschinen sucht, wird man bald sehen, dass das Wort Chymie keineswegs wie in dem Artikel genannt, ein Kunstwort ist.