Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Vorsorge ist die Krebsstrategie der Zukunft

    26.07.2013, Peter Kosek
    Das Titelthema "Krebsmedizin" ist wissenschaftlich für den Bereich medizinischer Gegenmaßnahmen sauber beschrieben, hilft aber im heutigen medizinischen Alltag nicht weiter. Entscheidend ist nicht, "wie kann Krebs besser behandelt werden" sondern: "wie lässt er sich vermeiden". Die Parallele hierzu liefern die demenziellen Erkrankungen. Für Demenzen wie für Krebserkrankungen gilt: Es werden Milliarden von Forschungsgeldern für den Bereich der Therapie ausgegeben, ohne dass diese Erkankungen an Häufigkeit und Schrecknis für die Betroffenen zurückgingen. Dabei gibt es für Krebserkrankungen eine ganze Reihe von statistisch gesicherten Zusammenhängen: Rauchen und Bronchialkrebs, hoher Fleischkonsum und Darmkrebs sowie ein wenig effektives Immunsystem durch einseitige oder mangelhafte Ernährung sind nur drei von sicher 100 derartiger bewiesener Faktoren. Wie bitte will man Krebs im Mikrostadium entdecken, wenn nur einigen Krebszellen im Blut vielen Milliarden gesunder Zellen gegenüberstehen (S. 31)? Jedes Vierteljahr müsste man sämtliche Patienten, die dies wünschten, auf Krebszellen im Blut checken. Damit würde das gesamte Laborwesen zusammenbrechen. In jedem der vier Artikel des Titelthemas kommt der Begriff der "riesigen und komplexen Datenmenge" vor, die Wissenschaftler rund um die Krebsentstehung und -ausbreitung gesammelt haben. Gatenby trifft dabei auf den Punkt, wenn er sagt: "Würden wir die Evolution und Ökologie von Tumoren verstehen, was bislang nicht der Fall ist, dann würden wir vermutlich auch klarer erkennen, dass die Aussagefähigkeit dieser Daten begrenzt ist" (S. 24). Allein schon die Tatsache, dass einzelne Krebsformen in unterschiedliche Organe mit unterschiedlicher Spezifität und Dichte metastasieren (z. B. Bronchialkrebs in Gehirn, Leber, Niere, Knochen), zeigt doch, dass die Krebszellen desselben Ursprungstumors unterschiedliche Strategien verwenden. Also besser Krebs vermeiden und mehr Geld in die Prävention stecken, wobei die heute übliche angebliche "Krebsvorsorge" nur eine Krebsfrüherkennung darstellt. Sie ist keine Vermeidungsstrategie.
  • Publication bias

    26.07.2013, Peter Wolf
    Die Stichprobe ist mit n=17 relativ klein und es stellt sich die Frage, ob ein Journal die 1001 negative Studie zum Zusammenhang von Mondphase und Schlafqualität mit dieser Fallzahl akzeptiert hätte. Auch das retrospektive Design ist nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal.
    Eine positive Studie (also Heureka! Wir haben was gefunden, was sowieso die halbe Welt glaubt (s. Homöopathie-Studien)) wird viel eher akzeptiert und wie man sieht auch gerne zitiert. Das hebt nicht nur die Laune der Autoren sondern auch den Impact-Faktor. Ich bleibe skeptisch und vermute einen publication bias.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo Herr Stadler,

    Sie haben wohl recht: Das ärgerliche Phänomen des "publication bias" ist bei Forschung zu derart öffentlichkeitswirksamen Themenfeldern womöglich nie ganz auszuschließen. Und Skepsis ist in diesem Zusammenhang sicher nie ganz verkehrt. Allerdings gibt es nach meiner Kenntnis gar nicht so unheimlich viele (oder gar: 1001) gut gemachte (am Ende sogar prospektive?) Studien, die den Einfluss des Vollmonds auf den Schlaf mit wissenschaftlicher Gründlichkeit *ausschließen*. Vielleicht haben Sie da ein paar Beispiele? Ganz offenbar gibt es hier Forschungsbedarf, und zwar ganz abseits des esoterisch-obskuranten Felds.

    Meiner Meinung nach hat das (notgedrungen) retrospektive Studiendesign in diesem Fall übrigens sogar einen kleinen Vorteil: Die Experimentatoren wussten zum Zeitpunkt der Datenerhebung ja nicht, dass ihre Daten einmal unter dem Aspekt der Mondphasen analysiert werden würden. Somit konnten sie auch die Probanden im Schlaflabor nicht dahingehend unbewusst beeinflussen. Im Übrigen weisen aber auch die Autoren der Studie auf die geringe Stichprobe hin. Das Ergebnis steht dennoch, muss wegen dem kleinen n-Wert ja nicht unbedingt falsch sein und bleibt zumindest in unseren Augen recht spannend.

    Mit freundlichem Gruß
    Jan Osterkamp
    Redaktion Spektrum.de

  • Licht

    26.07.2013, Nikolaus Rapp
    Vielleicht, weil wir uns seit 200000 Jahren bei Vollmond anders verhalten, als bei anderen Monden. Feste Feiern, zu Göttern beten, die Liebste treffen, fischen, jagen und pflücken gehen, Holz schlagen, Angst vorm Werwolf haben, ... die Kultur ist darauf synchronisiert.
  • @Thomas

    25.07.2013, MH
    Sie sind hier auf der Seite vom "Spektrum der Wissenschaft", nicht beim "Spektrum der Philosophie".
  • Onkologische Störgrößen

    25.07.2013, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Die ganzheitlichen Bemühungen der Physiker, die "Tumortherapie zu revolutionieren", indem sie nicht wie die Molekulargenetik nur die Symptome aufgrund von Zellmutationen, sondern die Ursachen von Krebserkrankungen - z.B. über Computermodelle - bekämpfen wollen, setzen meiner Meinung nach darauf, den Einfluss der vielfältigen onkologischen Störgrößen auf den inneren Regelkreis der gesunden Körperzelle zu ergründen. Wird ihnen das gelingen?
  • Sensation

    25.07.2013, Thomas
    Das Empathie etwas relatives ist, ist ja mal eine ganz neue Erkenntnis. Hat von den ganzen Hirnforschen überhaupt mal Nietzsche gelesen bzw. etwas von "Sklaven- und Herrenmoral"?
  • Verachtung von Gentechnik?

    25.07.2013, Paul R. Woods
    Es hat nichts mit "Verachtung" zu tun, wenn herbizid-resistenter Weizen außerhalb der kontrollierten Anbauflächen nicht erwünscht ist.
    Kommerzieller Ackerbau ist meist Monokultur und in einer solchen werden die nicht geplant angebauten Pflanzen als Unkraut angesehen. Weizen im Kartoffelfeld, Mais zwischen Rüben und dann keine schnelle (sprich: wirtschaftliche) Möglichkeit den Störenfried zu entfernen? Was hat das mit Verachtung zu tun?
    Welchen Zusatzaufwand Roundup-resistente Pflanzen verursachen, weiß ich von 10,000 ha Kautschuk-Wiederaufpflanzung in West Sumatra, wo Alang-Alang (imperata cylindrica) und wilde Bananen nach mehrfachen Roundup-Einsatz von Hand bekämpft werden mussten.
  • Denisova DNA auch bei Europäern

    24.07.2013, Udo Döbbeling, Pforzheim
    Im Artikel über die Seitensprünge des Menschen referiert (SdW Juli 2013, Seitensprünge des Homo Sapiens)Michael F. Hammer zum Teil über die Forschungsergebnisse der Gruppe von Svante Pääbo, die zeigen, dass sich Homo sapiens mit Neandertalern und Denisova-Menschen vermischt hat. Diese Ereignisse sollen im vorderen Orient und Südostasien stattgefunden haben. Demnach sollten gemäß der Karte auf Seite 28 Europäer keine Denisova DNA enthalten. Das Genographic Project des National Geographic scheint jetzt jedoch ein differenzierteres Bild zu zeichnen. Ich habe an diesem Projekt teilgenommen und erhielt das Ergebnis 2,1% Neandertaler und 1,7% Denisova DNA Beimischung. Die reine Homo sapiens DNA verteilte sich auf 47% nordeuropäische Marker, 33% mediterrane Marker und 19% südwestasiatische Marker, eine Zusammensetzung, die typisch für Norddeutschland und Britannien ist. Es wurde jedoch keine nennenswerte Zahl von südostasiatischen oder ozeanischen Markern gefunden, obwohl diese ca. 44 bis 45% ausmachen sollten, wenn ich Vorfahren aus diesem Raum gehabt hätte, um so den Anteil von Denisova DNA zu erklären. Auch aus den Stammbüchern meiner Großeltern, die bis ca. 1840 zurückgehen, lässt sich keine Einheirat von Südostasiaten oder Ozeaniern feststellen. Alle meine Ururgroßeltern lebten in der Region zwischen Niedersachsen und Ostpreußen.
    Hieraus lässt sich ableiten, dass es eine Vermischung von Voreuropäern und Denisova-Menschen im Raum Zentralasien/Iran/Nordindien gegeben hat. In diesen Regionen entstanden auch vor ca. 20 – 25000 Jahren die Y-chromosomalen Haplogruppen R1a und R1b, deren Abkömmlinge wahrscheinlich nach der Würm Eiszeit in Europa einwanderten. Im gegenwärtigen Europa machen die Angehörigen dieser beiden Haplogruppen zusammen ca. 25% (Südosteuropa) bis 85% (Nordwesteuropa)aller Männer aus (Deutschland ca. 58%). Ich selber gehöre zur Haplogruppe R1b und habe die Blutgruppe B, die in Zentralasien und Nordindien am häufigsten ist.
  • subjektiv gesehen

    24.07.2013, josef wieser
    Einleitung
    subjektiv gesehen betrachte ich fremde Kulturen stets vor meinen eigenen Erfahrungen und dem Erlernten, bewerte (unbewusst) permanent, somit auch fremde Kulturen sowie die eigene. Gewachsene Strukturen die negative Folgen haben (z.B. Tierquälerei höherer leidensfähiger Säugetiere in der industriellen Tierhaltung zur Fleischpreisreduzierung) sind zu überwinden.

    Folgerung
    Migranten, Asylsuchenden und Ähnlichen gestehe ich auch eine kritische Sichtweise zu. Die Grenze dessen was Menschen bei der Veränderung von Kulturen zugestanden werden muss ist die der Menschenrechte. Auf friedlicher (juristisch geregelter) Basis ist es in Deutschland zum Glück erlaubt, Aspekte gesellschaftlicher Strukturen infrage zu stellen, und falls es sinnvoll ist, für deren Abschaffung einzustehen. Subjektiv gesehen stehe ich (Atheist) da vielen Migranten zur Seite. Dies soll auch so im Grundgesetz bleiben.

    Wer als Nazi beschimpft wird, muss sich nur Gedanken machen, ob er die Grenze gesunden Patriotismus und Nationalstolz überschritten hat - falls das nicht der Fall ist, ist die Beschimpfung nicht relevant - und nur weil vielen Ländern (deren sonstige Strukturen gerne angegriffenwerden) mehr Nationalstolz vorhanden und politisch gewollt ist, bedeutet nicht, dass dies der bessere Weg ist.

    Zur Diskussion
    Integration auf Basis der Menschenrechte sowie größtmöglicher Freiheit (inklusive der Religionsfreiheit) ist in jedem Land anzustreben.
    Eine Vermischung der Kulturen ist nicht negativ an sich, z.B. wenn die positiven Aspekte der Kulturen sich dabei durchsetzen; veraltete negative Aspekte der Kulturen können in traditionspflegenden Vereinen erhalten werden.

    Der Blick auf die auf lange Sicht beste Alternative darf nicht durch naive Ignoranz von Hürden durch z.B. fehlende Integrationsmotivation, noch durch vorteilslose Beharrung auf Nationalkultur verstellt werden.

    Patriotismus ist nur dort gut, wo er gut ist. Er ist kein Gut an sich.
    Schädlich ist er nur dort, wo er schädlich ist - nicht generell.

    Dies gilt nicht nur subjektiv, sondern objektiv.

    Mit besten Grüßen,
  • Die Zerstörung des Superkontinents Pangäa

    24.07.2013, Wim
    Der schlimmste Meteoriteneinschlag der letzten 300 Millionen Jahre vernichtete das Zentrum des Superkontinents Gondwana, welches im Inneren der Erde versenkt worden sein soll (Bruch der Erdkruste im Indischen Ozean. Durch diesen Einschlag ist der Superkontinent Pangäa auseinandergebrochen. Indien ist auf Asien gestoßen, während Australien nach Osten und die Antarktis nach Süden gedriftet sind. Nord- und Südamerika sind nach Westen gedriftet. (Vgl. Buch "KOMETEN AUF KOLLISIONSKURS Gefahr aus dem All", auch im Web).
  • Auf dem richtigen Weg

    24.07.2013, Kathleen Palnau
    Der Einsatz der LEDs scheint ein lohnender Fortschritt in der Verbesserung der Fangmethoden und der Verringerung von Beifang zu sein. Schade, dass der Einsatz für die Fischer zu teuer ist. Gibt es eine Möglichkeit hier finanzielle Unterstützung zu leisten?
  • Bitte ausbessern!

    24.07.2013, Liane Mayer
    "Die Geburt erwarten die Schönbrunner Tierpfleger im Herbst 2012." Dann wäre sie ja längst vorbei! Es muss 2013 gemeint sein, oder?
    Antwort der Redaktion:

    Liebe Frau Mayer,

    damit haben Sie natürlich Recht... Ich habe den Fehler korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis!

    JD/Red.

  • Essen klappt auch nicht

    22.07.2013, Frank Hainke
    Leider geht das mit dem Essengehen auch nicht, da wir Mitteleuropäer uns zwar für andere Küchen zu begeistern vermögen, und die Migrationshintergründler auch immer ganz begeistert sind, wenn man ihre Küche lobt, sie aber auch eingeschnappt sind, wenn man auch die Küche der Thai, der Chinesen oder der Japaner lobt oder gar die deutsche Küche für essbar hält. Und einen Migrationshintergründler an der Curry-Wurst-Bude sieht man auch recht selten. Und wenn, dann ist er meistens nicht aus dem vorderen Orient. Da ist also auch noch Luft nach oben. Guten Appetit.
  • Thema verschoben

    22.07.2013, Roland Schröder
    Meine Anmerkung zur Textstelle "Mittlerweile sind die merkwürdigen Gebilde ... im Schulunterricht angekommen" stößt sich an dem damit transportierten, unzutreffenden Eindruck, es habe einige Zeit gebraucht, bis nun endlich das Thema "Chaos und Fraktale" auch im Schulunterricht behandelt wird. Natürlich gibt es Unverzagte (Wilhelm Sternemann und andere), die weiterhin dies Thema in ihren alltäglichen Unterricht einzubauen verstehen. (Alle Achtung bei dem Druck der Stoffpläne!) Dort angekommen ist es heute weniger als in den 1990er Jahren, als Professor Peitgen sogar eine Kultusministerin mit ins Boot ziehen konnte, ohne allerding dauerhaften Erfolg verbuchen zu können. Hier ist nicht "mittlerweile etwas angekommen" sondern hier hat "etwas hartnäckig überlebt" und zwar – wie richtig festgestellt – in einer Nische. Die Frage, ob für Nischenthemen überhaupt Unterrichtszeit verwendet werden sollte, ist ein anderes Thema.
  • Mars außerhalb der bewohnbaren Zone?

    22.07.2013, Gerd K. Schneider
    In seinem sehr informativen Artikel schreibt Ralf Launhardt apodiktisch zur bewohnbaren Zone um die Sonne auf Seite 54: "Diese sogenannte bewohnbare Zone ist sehr schmal; bereits unsere nächsten Nachbarn, Venus und Mars, liegen außerhalb."

    Dies trifft sicherlich auf die Venus zu, aber auch auf den Mars? Jedenfalls eher nicht, wenn der Mars Erdgröße hätte (Frage der Plattentektonik und der hinreichenden Gravitation zur Vermeidung von Wasserverlust). So jedenfalls meine bisherigen Informationen, auch laut einem Artikel in Spektrum vor einigen Jahren - sofern mich meine Erinnerung nicht trügt.
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors:

    Lieber Herr Schneider,

    Ihre Erinnerung trügt Sie tatsächlich nicht. Ich hätte korrekterweise besser schreiben sollen, dass Mars am äußeren Rand der habitablen Zone liegt, ohne mich darauf festzulegen, ob er nun knapp innerhalb oder ausserhalb liegt. Der Vergleich mit Venus und Mars war hier nur dazu gedacht, zu demonstrieren, wie schmal eigentlich diese habitable Zone ist.

    Tatsächlich ist sie aber nicht so scharf begrenzt wie es der ursprünglichen Definition zufolge (flüssiges Wasser in der "Standard-Atmosphäre" eines erdaehnlichen Planeten) erscheinen würde. Ich hatte mich bei meiner Äußerung auf diese alte Definition gestützt. Da die potentielle Bewohnbarkeit eines Planeten aber auch vom Planeten selbst abhängt (und hierbei spielt neben anderen Effekten der durch Plattentektonik und Atmosphärenstruktur unterstützte Treibhauseffekt eine wichtige Rolle), könnte ein etwas anderer Planet als Mars tatsächlich bei dem gleichen Sonnenabstand wie Mars potentiell bewohnbar sein.

    Mit besten Grüßen,
    Ralf Launhardt