Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Ist Intelligenz überhaupt durch Turing-Maschinen zu erzeugen?

    20.07.2015, Jared J. Myers
    Diesem wie den meisten anderen Artikeln zum Thema "KI" liegt der Glaube zugrunde, Intelligenz könne mittels Turing-Automaten erzeugt werden. Auf diese lassen sich alle möglichen heute gängigen Verfahren abbilden, einschließlich Neuronalen Netzen und den im Text implizit beschriebenen Backpropagation-Algorithmus.

    Ein wenig erinnert mich das an die Zeiten Peter Henleins, als man glaubte, im Gehirn laufe ein unglaublich kompliziertes Uhrwerk ab, oder Gay-Lussacs, als man Intelligenz als von thermodynamischen Prozessen mittels eines unglaublich komplizierten Geflechts aus Pumpen, Heizelementen und Kondensatoren erzeugt annahm. Dann kam die Elektromagnetik dran, auch die Chemie... es war dadurch möglich, immer mehr Gehirnfunktionen zu erklären und zu simulieren, ohne jedoch die Entscheidungsprozesse und intuitiven Komponenten der Intelligenz verstanden zu haben.

    Zur Zeit ist die Informatik "dran" als Erklärungsmodell, und es sind Fortschritte zu verzeichnen, die immerhin die maschinelle Mustererkennung und die Entscheidung anhand unvollständiger Regeln ermöglichen. Angesichts des ausstehenden Klärungsbedarfs wäre es jedoch m.E. unangebracht, sich von der gängigen Informatik eine Lösung des KI-Problems zu erwarten. Ein- oder zwei neue physikalische Grundprinzipien müssen dazu sicherlich noch gefunden werden; die nächste wäre vermutlich die Implementation von Quantenarithmetik in organischer Materie (siehe u.a. Penrose https://en.wikipedia.org/wiki/Roger_Penrose#Physics_and_consciousness) - und auch das könnte sich noch als weiterer, aber nicht letzter Schritt herausstellen.

    Furcht vor überlegener Maschinen-Intelligenz muss man deshalb noch lange nicht haben - höchstens vor menschengesteuerten, hochentwickelten Kriegsmaschinen, die mit der ihnen implementierten Mustererkennung und Entscheidungsfähigkeit - gepaart mit Bewaffnung und Panzerung - jedem menschlichen Fußsoldaten weit überlegen sind und schon jetzt verhindern könnten, dass wir die Intelligenz jemals wirklich verstehen (weil sie nicht ausreichte, die Zerstörung unserer Kultur zu verhindern).
  • Gemacht wird, was Gewinn oder Erfolg verspricht

    20.07.2015, Dr. J.Götz
    Sorry, ich kann dem nichts wesentlich Neues abgewinnen. Letztlich ist es doch so, dass der Egoismus - also ein auf eigenen Vorteil im weitesten Sinn gerichtetes Handeln - die Norm und Altruismus eher selten ist. Das gilt mit Abstufungen auch für umweltnahe oder gemeinützige Verbände etc. und nicht zu vergessen für die Politik und die, die sie betreiben: W. Schmitt Glaeser, ZRP 1/2006 S. 10 ff.: Die Abhängigkeit der Politiker als Funktionsmangel der Demokratie.
  • Drittmittel meist nicht aus der Industrie

    19.07.2015, Christian Thiele
    Als "Drittmittel" werden auch die Gelder von der DFG, Bund- und Länderprojekten etc. bezeichnet. Die machen zusammen schon einen erheblichen Teil der Forschungsprojekte aus, vgl. http://www.laendercheck-wissenschaft.de/drittmittel/drittmittel_allgemein/index.html
  • Künstliche Intelligenz vs. Machine Learning

    19.07.2015, Marcus Gröber
    Mein erster Gedanke war: fordert hier jemand Bürgerrechte für Neuronale Netzwerke? Aber beim näheren Lesen scheint es um ein weitaus praktischeres Problem zu gehen...

    Auch wenn in der Forschung die Begriffe "Künstliche Intelligenz" und "Maschinelles Lernen" heute oft zusammen verwendet werden, frage ich mich doch, ob man für die öffentliche Diskussion nicht eine sorgfältigere Trennung vornehmen sollte: die meisten hier genannten Beispiele scheinen sich "nur" auf algorithmische Entscheidungen auf Basis der statistischen Analyse großer Datenmengen zu beziehen, was ja eigentlich schon beim klassischen "Schufa-Score" anfängt, und sich beim Google Page Rank nahtlos fortsetzt.

    Ich denke, es würde die Debatte erleichtern, wenn man jetzt nicht mit dem überfrachteten Label "Künstliche Intelligenz" einsteigt, sondern sich mit dem viel naheliegenderen Problem von "Big Data" befasst, wie die Übertragung von Entscheidungen, die früher vom "Bauchgefühl" einzelner Sachbearbeiter abhingen, auf angeblich objektive Verfahren geregelt werden sollte.

    Muss ich z.B. für eine Entscheidung über das Kreditrisiko zunächst die "Equal Error Rate" (also den Schwellwert gleicher Wahrscheinlichkeit einer irrtümlichen Ablehnung und einer irrtümlichen Annahme des Kunden) dokumentieren, damit mein so "geeichter" Algorithmus dann rechtssicher ist? So eine Forderung wäre ja durchaus denkbar, ist aber noch weit unterhalb dessen, was sich die meisten Leute unter "Intelligenz" vorstellen würden.

    Bei Bereichen wie autonomen Fahrzeugen, oder gar teil-automatisierten Waffensystemen, werden die Grenzen sicher schwammiger, aber vielleicht fängt man am einfachsten mit greifbaren Problemen an, die schon seit einigen Jahren praktische Relevanz haben.
  • Velociraptor

    17.07.2015, Leser
    Velociraptoren waren bis gut zwei Meter lang und demnach gleich gross wie die hier beschriebene Art. Die Velociraptoren aus den Jurassic Parc Filmen sind keine akurate Wiedergabe.

    MfG,

    Leser
    Antwort der Redaktion:
    Sie haben Recht, dabei liegt mein Filmbesuch in Jurassic Park schon einige Jahre zurück. Ich habe den Velociraptor deshalb gelöscht.

    Vielen Dank
    Daniel Lingenhöhl
  • sehr einseitige Sicht auf einen facettenreichen Duftstoff

    17.07.2015, Robert Böhm
    Die Annahme, dass der Verlust der Fähigkeit zur Wahrnehmung von Androstenon einen Selektionsvorteil bietet, weil den Trägern der Eigenschaften das Fleisch mancher Eber besser schmeckt, erscheint mir etwas sehr naiv.

    Das fängt schon damit an, dass sich geschmackliche Vorbehalte bis hin zum Ekel mit zunehmendem Hunger schnell verflüchtigen. Man kann also mit einiger Plausibilität annehmen, dass Menschen auch "anrüchiges" Fleisch essen, lange bevor Nahrungsmangel als Selektionskriterium wirksam wird.
    Gerade die Wertung, die Geschmacks- und Geruchswahrnehmungen erfahren, unterliegen einer starken kulturellen Prägung: Skandinavischen "Stinkefisch", Hammelfleisch und manche asiatische Spezialitäten würden die meisten zentraleuropäischen oder amerikanischen Städter als ungenießbar ablehnen. Menschen, die mit diesen Nahrungsmitteln aufgewachsen sind, sehen das allerdings ganz anders.

    Androstenon ist nur für einen Teil des unangenehmen "Ebergeruchs" verantwortlich ist (Skatol spielt wohl auch eine Rolle - wer den Geruch kennt, wird bezweifeln, dass er bei den Betrachtungen vernachlässigbar ist). Zudem ist der Geruch je nach hormoneller Zykluslage unterschiedlich ausgeprägt. Das Ausmaß des abstoßenden Geruchs sollte also auch für empfindliche Menschen zwischen unterschiedlichen Schlachttieren über einen weiten Bereich variieren.

    Androstenon ist bei vielen Säugetieren eine wichtige Komponente männlicher Pheromone. Es wird immer wieder diskutiert, dass es auch beim Menschen eine entsprechende Wirkung entfaltet (oder entfalten kann?). Da Pheromone einen unmittelbaren Einfluss auf das (Paarungs-)Verhalten haben, wäre die Pheromonwirkung für eine genetisch Ausdeutung der Wahrnehmungsfähigkeit für Androstenon vermutlich eine plausiblere Grundlage als die breitere Nahrungsmittelpalette.
    Wenn das zutrifft, wäre das goutieren von Eberfleisch nur die Dreingabe zu einer ganz anderen Eigenschaft, die eigentlich der Selektion unterliegt.
  • Metallorganik

    17.07.2015, Dipl.-Phys. Ulrich Schulz
    Hochinteressanter Artikel und sicherlich für interessierte Laien trotz Ausführlichkeit gut verständlich!
    Als ich vor etwa 50 Jahren meine Ausbildung zum Lacklaboranten machte, waren bereits metallorganische Verbindungen im Einsatz. Man kannte zwar Summen- sowie Strukturformeln, der räumliche Aufbau blieb aber ein Geheimnis. Nix mit Simulationssoftware (Computer - was war das denn?), "Try-und-Error-Methoden" sowie eine Menge an praktischer Erfahrung (und meterlange Rechenschieber) waren die zur Verfügung stehenden "Hilfsmittel". Ich glaube, daß wir tatsächlich noch viele Überraschungen auf dem Gebiet der Metallorganik erwarten dürfen.
  • Dingos als Plage

    17.07.2015, Alexander Reden
    Mit Hinblick auf die zerstörerische Nutzung des Landes und die Frage, wer zuerst da war, sind nicht die Dingos die Plage, sondern die Viehzüchter.
  • Alle bekannten Fermionen sind Weyl Fermionen

    17.07.2015, Marco Drewes
    Im Standardmodell der Teilchenphysik sind alle Fermionen masselos und koennen somit als Weyl-Fermionen aufgefasst werden. Das ist eine Folge der Eichsymmetrie.
    Die Massen, die wir im Labor messen, werden lediglich durch den Higgs-Mechanismus erzeugt. Dadurch merkt man ihnen im Alltag nicht an, dass sie Weyl Fermionen sind.

    Somit ist das Elektron eine Kombination aus zwei Weyl Fermionen (ein rechtshaendiges und ein linkshaendiges).

    Weyl Fermionen wurden also entdeckt, bevor sie theoretisch beschrieben wurden.
    Die Autoren wollten wohl gerne ins karrierefoerderiche Journal "Science" und neigen daher etwas zum overstatement...

    Das trifft auf alle Fermionen zu, die wir kennen. Neutrinos sind die einzigen Teilchen, bei denen die Sachen noch etwas komplizierter sein koennte...
  • Hermann Löns Romantik

    16.07.2015, Arnd-Matthias Langer
    Ich nenne solche Aktionen, die meinen, die Natur müsse statisch sein und sozusagen als Naturkundemuseum konserviert werden "lodengrüne Herman Löns Romantik"

    Das Leben und die Natur ist dynamisch, wie wir spätestens seit Darwin wissen sollten, statisch ist nur der Tod!

    Wenn ich 2 Millionen Katzen ausrotten will, was müsste ich dann eigentlich mit 7 Milliarden Menschen tun, die sehr viel stärker in das Ökosystem der Erde eingegriffen haben?

    Ich sage hier ganz einfach mit Vater Darwin: Die besser an ihre Umwelt angepasste Spezies setzt sich durch und wenn das in Australien die Katze ist ....

    Ich verstehe z.B. auch deutsche Jäger nicht, die Waschbären und Marderhunden regelrecht den Krieg erklärt haben.

    Oder warum sollten wir Bestände aus Springkraut oder die Herkulesstaude ausrotten? Bei letzterer erzählt man den Kindern ganz einfach: "Fasst die Pflanze nicht an!"
  • Das waren Zeiten ...

    16.07.2015, Dr. Jürgen Clade
    Das waren Zeiten, als mit etwa 20 für heutige Verhältnisse schlecht aufgelöste Bilder Schlagzeilen gemacht werden konnten, weil es eben die ersten Nahaufnahmen von einem anderen Planeten waren. Drei Anmerkungen habe ich zu diesem interessanten Artikel:

    Sehr schön fand ich das Bild von dem Wissenschaftler, der den Zahlencode-Ausdruck des ersten Marsbildes mit Buntstift ausmalt, um die Zahlen in Farbtöne zu übersetzen. Daß das damals gemacht wurde, wußte ich bereits aus einem Artikel, der seinerzeit in Scientific American erschien, aber das Foto war mir neu.

    Das erste Bild von Mariner 4, das hier dargestellt ist, zeigt vor allem deshalb kaum erkennbare Einzelheiten, weil die Marsoberfläche nahe des Horizontes unter sehr flachem Winkel aufgenommen wurde. Die späteren Bilder werden deutlich besser - legendär ist beispielsweise Bild 11, das eine stark verkraterte Hochlandregion auf der Südhalbkugel zeigt und hier leider nicht dargestellt ist.

    Zu der Aussage, daß die Bilder schwarz-weiß waren: Im Prinzip ist das richtig; man sollte aber erwähnen, daß die Bilder sich paarweise überlappten und abwechselnd durch Rot- und Grünfilter aufgenommen wurden. Die jeweiligen Überlappungsbereiche lassen sich dadurch sehr wohl als Farbbild darstellen.
    Antwort der Redaktion:

    Für Mariner-Freunde: Viele weitere Bilder der Mission sind im Netz verfügbar, zum einen bei Wikimedia, zum anderen der komplette Satz auf dieser NASA-Seite.
    Beste Grüße, jd / Red

  • Wo bleibt das Gewissen?

    15.07.2015, Versuchstier
    Glücklicherweise haben wir in Deutschland die Meinungsfreiheit, und so hat dieser Pro-Tierversuche-Artikel seine Berechtigung. Aber klar ist doch, ein Tier bei diesen Versuchen eingesperrt wird, verletzt wird und meistens danach getötet. Ein Lebewesen, das nur ein Leben hat, nur dieses eine Leben. So wie Sie und ich.
    Tierversuche sind - nicht juristisch, aber moralisch - ein Verbrechen. Das sagen mir nicht radikale Extremisten, sondern mein Gewissen. Falls Sie wissen, was das ist.
  • Hier irren die Darwinisten

    15.07.2015, Bernhauer Martin
    Im Beitrag über die Schwachstelle der Bakterienfestung heißt es im Kapitel >In das übergeordnete Wohl investieren<, dass die Selektion Schmarotzer bevorzugen sollte und sich diese so lange vermehren, bis sie alle anderen verdrängt hätten.
    Dies kann natürlich so nicht funktionieren. Damit ein Schmarotzer profitieren kann, braucht er jemanden, den er ausnutzt. Je mehr Schmarotzer es jetzt werden, umso seltener trifft er auf einen "Sozialen", sondern eher auf einen anderen Schmarotzer, und von dem hat er keinen Vorteil. Wohingegen zwei "Soziale", die aufeinander treffen, sehr wohl einen zusätzlichen Nutzen daraus ziehen. Deshalb wird sich ein Gleichgewicht herausbilden zwischen "Sozialen" und "Schmarotzern", das umso weiter auf der Seite der "Sozialen" liegt, je agressiver der Schmarotzer ist. Damit sich die Schmarotzer stärker vermehren können müssen sie sich mehr den "Sozialen" angleichen.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Bernhauer,

    man kann die Frage auch anders herum stellen, dann wird sie vielleicht klarer: Wieso setzt sich in der Bakterienevolution ein Mechanismus durch, der Investition bei höchst ungewissem Erfolg erfordert? Die "Sozialen" investieren in Herstellung und Ausschüttung von Siderophoren, ohne zunächst einen Vorteil davon zu haben - sie nehmen also gewissermaßen Schulden auf. Diese verkehren sich nur dann in einen Gewinn, wenn genügend andere "Soziale" da sind, ansonsten bleiben es Schulden. Die Schmarotzer hingegen investieren nichts, profitieren aber genauso von den (beladenen) Siderophoren wie die Sozialen. Wenn in einer Population die Schmarotzer überhandnehmen, dann müssen alle Bakterien (Schmarotzer wie "Soziale") auf den Siderophor-Vorteil verzichten. Die "Sozialen" haben aber obendrein noch Schulden gemacht. Folglich sollten die "Sozialen" stärker benachteiligt sein als die Schmarotzer und von diesen allmählich verdrängt werden - so die Überlegung.

    Mit freundlichem Gruß
    Frank Schubert
  • Nichts genaues weiß man?

    15.07.2015, Dipl.-Phys. Ulrich Schulz
    Einfach mal mit einfachen Zahlenbeispielen durchrechnen, schon hat man 'ne Erklärung. Hinweis: Mit extremen Zahlen führt's noch schneller zur Lösung ... (Realschulmathe, also nix mit "wie üblich bei diesen Modellrechnungen"). Reicht die Antwort?
  • Falsifizierung

    15.07.2015, Wolfram Obermanns
    Bezeichnender Weise sind die Gegner einer Wissenschaftsphilosophie Freunde der Abschaffung der Falsifizierung als Wesensmerkmal von Wissenschaft. Sie sind also gewissermaßen Verfechter einer scholastischen Wissenschaftlerei.

    Anläßlich des Darwinjahres wurde auf einem Symposium im Vatikan festgestellt, Kreationismus ist zu bekämpfen, er macht Religion lächerlich.
    Für den postwissenschaftlichen Szientismus gilt ähnliches. Er macht Wissenschaft unglaubwürdig und befeuert entgegen seines bekundeten Selbstverständnisses Abskurantismen wie den Kreationismus. Das Krauss'sche "Nichts" ist u. a. jedenfalls schon mal eine Steilvorlage in dieser Richtung.

    Krauss führe ich für mich inzwischen als Physikologe (analog zu Astrologe). Bei Hawking ist die Sache wahrscheinlich etwas komplizierter. Sein "Nichts" in "Grand Design" liest sich eher als (übler) Werbegag und ist philosophisch derart armselig bzw. falsch unterfüttert, daß man getrost davon ausgehen kann, Philosophie kennt er nicht und interessiert ihn nicht.