Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Kulturelle Evolution

    15.07.2013, Stefan Wehmeier, Bochum
    Seit etwa 160 000 Jahren verfügt der Homo sapiens über eine vergleichbare Intelligenz, aber erst seit etwa 5000 Jahren gibt es eine nennenswerte Kulturentwicklung. Warum?

    "Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kamel und zum Kinde zuletzt der Löwe."

    Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra.

    Die Arbeitsteilung erhob den Menschen über den Tierzustand und die Qualität der makroökonomischen Grundordnung bestimmt den Grad der Zivilisiertheit, die der Kulturmensch erreichen kann:

    "Die Entwicklung vom Herdenmenschen, vom Teilmenschen zum selbständigen Vollmenschen, zum Individuum und Akraten, also zum Menschen, der jede Beherrschung durch andere ablehnt, setzt mit den ersten Anfängen der Arbeitsteilung ein. Sie wäre längst vollendete Tatsache, wenn diese Entwicklung nicht durch Mängel in unserem Bodenrecht und Geldwesen unterbrochen worden wäre – Mängel, die den Kapitalismus schufen, der zu seiner eigenen Verteidigung wieder den Staat ausbaute, wie er heute ist und ein Zwitterding darstellt zwischen Kommunismus und Freiwirtschaft. In diesem Entwicklungsstadium können wir nicht stecken bleiben; die Widersprüche, die den Zwitter zeugten, würden mit der Zeit auch unseren Untergang herbeiführen, wie sie bereits den Untergang der Staaten des Altertums herbeigeführt haben."

    Silvio Gesell (Vorwort zur 4. Auflage der NWO)

    Ist die Makroökonomie noch fehlerhaft, bedarf es einer "Verwandlung des Geistes", um diese Fehler und die daraus resultierende, systemische Ungerechtigkeit und Beschränktheit aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden. So wie ein Computer ein Betriebssystem benötigt, benötigt auch der Homo sapiens ein Betriebssystem, um in einer noch fehlerhaften Makroökonomie zu funktionieren. Diese Betriebssysteme waren (und sind noch) die Religionen (Rückbindungen auf künstliche Archetypen im kollektiv Unbewussten):

    Das "Kamel": zentralistische Planwirtschaft ohne liquides Geld (Ursozialismus)

    "Auszug der Israeliten aus Ägypten"

    Der "Löwe": Zinsgeld-Ökonomie (kapitalistische Marktwirtschaft)

    "Ich finde die Zivilisation ist eine gute Idee. Nur sollte endlich mal jemand anfangen, sie auszuprobieren." (Arthur C. Clarke)

    Das "Kind": Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus)

    Die Befreiung von der Religion nennt sich "Auferstehung": http://www.juengstes-gericht.net




  • Haarspalterei

    15.07.2013, Laura Fernandez, Lehrte
    @ Florian Finke

    "Durch den Begriff "Sinn" suggeriert die Überschrift einen "Plan" und damit ein kreationistisches Weltbild"

    Nein, mit viel Fantasie könnte man das allenfalls mit "Intelligent Design" in Verbindung bringen. Kreationismus im engeren Sinn bezeichnet das berühmte pseudobiblische Bild einer 6000-jährigen Erde, getrennten Artenentstehung usw. Aber oben Zitiertes könnte man anderen Begriffen wie (genetischer) "Bauplan" auch unterstellen. Der Grund, warum solche Formulierungen auch in der Wissenschaft am laufenden Band fallen, ist ganz einfach der, dass unsere Sprache keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Wir sind als Lebewesen zielgerichtet und unsere Sprache ist es genauso. "Grund" wäre hier auch nicht "besser" gewesen.

    Ein Wort an die Spektrum-Redaktion: Spektrum ist die beste Wissenschaftszeitschrift, die ich kenne. Macht weiter so!
  • Blaue Farbe

    15.07.2013, Dr. Georg Stürmer
    Der Planet ist nicht blau, sondern reflektiert bevorzugt elektromagnetische Strahlung der Wellenlänge 290 bis 450 Nanometer. Die "Bläue" entsteht im optischen System des Menschen, ist also keine Eigenschaft des Planeten, sondern Ergebnis der Betrachtung des Planeten durch einen Menschen - sofern dessen optisches System intakt ist.
  • Nur eine Bestätigung

    13.07.2013, Machiste
    Mmh, solche Vorstellungen, Vermutungen und Ideen hatte ich auch schon bevor ich Jules Verne mit 9 Jahren gelesen habe. Jetzt bin ich 55. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass es noch viele Mitmenschen gibt, für die diese Tatsachen nur eine Bestätigung sind.
  • Eventueller Tippfehler entdeckt

    12.07.2013, happycamper
    Mir ist aufgefallen dass im Text zwei mal von "550-facher Masse" gesprochen wird, aber ebenso dass der Stern vermutlich bis zu "100-fache Sonnenmasse hervorbringen" könnte. Ich vermute es ist 50-fache Masse gemeint.
    lg happycamper
    Antwort der Redaktion:

    Vielen Dank für Ihren Leserbrief! Es handelt sich dabei nicht um einen Tippfehler. Derzeit umfasst die Gasansammlung etwa 550 Sonnenmassen, aus ihr werden viele massearme Sterne und eben ein sehr massereicher Stern mit rund hundert Sonnenmassen hervorgehen. Das ist zumindest die Ansicht der Autoren der Studie.

    T. Althaus / Redaktion "Sterne und Weltraum"

  • Warum wird immer nur ein System genutzt?

    10.07.2013, Bernard Neelen
    Eigentlich lässt sich auch nicht ganz nachvollziehen, warum man nicht die verschiedenen Trägersysteme gleichzeitig anbieten kann? Sozusagen für jeden Zweck den richtigen Transporter.

    So könnte die neue Ariane 6 das von der ESA entwickelte Automated Transfer Vehicle - ATV zur Versorgung der ISS mit seinen 7,6 to. Gewicht, auch nicht mehr in eine Umlaufbahn gehoben werden.
  • Die Entstehung des Asteroidengürtels

    10.07.2013, Wim
    Die These, die Felsbrocken des Asteroidengürtels wären ein Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems, die sich nicht zu einem Planeten geformt haben, ist falsch. Denn es ist mittlerweile erwiesen, dass die Asteroiden zwischen Mars und Jupiter Bruchstücke sind, die Bestandteil von etwas Größerem waren. Zudem waren diese Bruchstücke aufgeschmolzen und somit einer enormen Hitzeeinwirkung ausgesetzt.

    Auch die Schlussfolgerung daraus, größere Asteroiden wären miteinander kollidiert, wodurch sich die kleineren Bruchstücke und die enorme Hitzeeinwirkung erklären lassen, ist haltlos. Denn Kollisionen zwischen Asteroiden sind sehr selten und werden völlig überschätzt, dass sie stets einen Trümmerhaufen von noch kleineren Stücken verursachen würden. Im Normalfall werden bei den meist harmlosen Zusammenstößen der Asteroiden kaum Bruchstücke erzeugt, die nicht mal annähernd das riesige Trümmerfeld des gesamten Asteroidengürtels erklären können – geschweige denn, dass sich dadurch die Schmelzung der Asteroiden erklären ließe.

    Tatsächlich wird in der Frühzeit unseres Sonnensystems ein Komet mit einem Planeten kollidiert sein, durch dessen Zerstörung sich das gigantische Trümmerfeld entlang der ehemaligen Umlaufbahn des Planeten eher beschreiben lässt. Deshalb wären die Zwergplaneten Ceres und Pallas keine Asteroiden, sondern ehemalige Monde des Planeten 'Astro' gewesen. Bei dieser Kollision könnten sogar mehr als 50 % des Planeten in alle Richtungen weggeschleudert worden sein.

    Wenn diese These einer kosmischen Zerstörung eines Planeten irgendwie der Wahrheit entsprechen soll, müssten als Mindestbeweis auch Überreste des zerstörten Kometen im Asteroidengürtel vorhanden sein. Diese Bruchstücke, die von der Ferne wie Asteroiden aussehen, müssten aber typisches Kometen-Material aufweisen, wodurch dieser Theorie ein erstes wichtiges Indiz zukommen würde. Vgl. die These des Buchs: "KOMETEN AUF KOLLISIONSKURS Gefahr aus dem All" (auch im Web).
  • Antwort auf 10. "Statt Sitzenbleiben mehr Förderunterricht"

    09.07.2013, Inge Gronbach
    Sie sind ein Paradebeispiel dafür, wie Kindern jede Freude am Lernen vergällt werden kann. Ist es denn so ein Unding, einfach zu akzeptieren, dass nicht jedes Kind gleiche Begabungen und Interessen hat? Glauben Sie ernsthaft, mit Zwang lässt sich jedes Schulproblem lösen? Ich habe erlebt, dass selbst hoch intelligente Kinder sich verweigerten, weil ihre Eltern sie im Übermaß zum Lernen zwangen. Schade, dass ich ihre Zeugnisse nicht sehen kann - auch wenn auf dem Papier nur sehr gute Noten stehen sollten, ist ihr Herz auf traurige Weise ungebildet geblieben.
  • Neutrinos mit negativer Energie?

    09.07.2013, Karl-Otto Eschrich, Potsdam
    In einem Buch zur experimentellen Physik hatte ich vor einiger Zeit einmal gelesen, dass beim Zerfall langsamer Neutronen die Energiebilanz in seltenen Fällen so aussieht, dass die Summe der Energien der Zerfallsprodukte Proton und Elektron größer ist als die des Neutrons, was eine negative Energie des Neutrinos (genauer: Anti-Elektron-Neutrinos) zur Folge hätte. Können Sie, die Autoren des Beitrages, oder andere Experimentatoren solche Messungen bestätigen?
    Antwort der Redaktion:
    Man betrachtet einen Betazerfall, und misst das Energiespektrum der Elektronen. In der Nähe des Endpunkts kann man dieses Spektrum näherungsweise schreiben als
    dN/dE ~ (E_0-E)^2 - m_nu^2/2

    Andererseits führt eine Faltung des Spektrums mit einer Gaußverteilung mit der Standardabweichung sigma zu einer Zählrate (für m_nu=0): dN/dE ~ (E_0 - E)^2 + sigma^2
    d. h. m_nu^2 = - 2 sigma^2

    Es ist daher sehr wichtig, die Prozesse innerhalb der Tritiumquelle sehr genau zu verstehen. Jeder unerkannte Effekt, der die Energieauflösung beeinflusst, führt unweigerlich zu einem negativen m_nu^2.

    Die damals unverstandenen Effekte waren z. B. - der Tritiumfilm veränderte sich im Lauf der Messung. Ein Teil des Tritiums dampfte ab, die Oberfläche wurde rau. Das führte zu unterschiedlichen Energieverlusten der Elektronen beim Austreten.
    - Obwohl der Film nur wenige Moleküllagen dick war, konnte es teilweise zu inelastischen Stößen der Elektronen innnerhalb des Films kommen, die die Elektronen abbremsen.
    - Im Lauf der Messung lud sich der Film elektrisch auf (etwa 1 Milliarde Zerfälle pro Sekunde, wobei die Elektronen den Film verlassen, und die positiv geladenen Ionen zurückbleiben). Durch die elektrische Abstoßung bekommen die Elektronen zusätzliche Energie.

    Die letzten Messungen des Mainz-Experiments 1999 und 2001, bei denen auf alle diese Effekte korrigiert wurde, führten zu einer mit Null verträglichen Neutrinomasse. Bei KATRIN versucht man mit der gasförmigen, fensterlosen Tritiumquelle, möglichst alle dieser Energieverlusteffekte für die Elektronen zu vermeiden (und die verbleibenden
    gut zu verstehen).
  • Ackerfläche für Verdieselungsfrüchte

    08.07.2013, Irmi
    In den klimatisch günstigen Regionen wird z.B. Soja kaum allein auf den Ackerflächen angebaut, sondern als willkommene Vorfrucht - wie bei uns Leguminosen oder Kleegrasgemische. Nach der Ernte von Soja wird z.B. in Paraguay meist Mais als Hauptfrucht angebaut. Der paraguayanische Bauerverband hat sich daher auch gegen die Verunglimpfung durch westlich, europäischer Wohlstands-Moralisierer verwehrt: http://blogs.ft.com/beyond-brics/2012/07/16/guest-post-no-social-problems-with-paraguayan-soy/?Authorised=false#axzz29kWzLU64
  • Öl und Hunger

    08.07.2013, Ina
    Zu dem von Herrn Weiss skizzierten Zusammenhang zwischen Ölpflanzenanbau und Hunger brauche ich Nachhilfe: wie genau soll die Umverteilung vonstatten gehen? Ein Brasilianischer Landwirt verzichtet auf die Wertschöpfung des Zuckerrohranbaus zu Ethanolzwecken oder des Sojabohnenanbau zu Sojaöl und baut dafür Weizen für den Export nach Asien, Afrika an? Das können sich die Länder, in denen Getreide dringend benötigt wird, aufgrund der Preisparität doch gar nicht leisten. Mal abgesehen davon, dass sich der Weizenanbau auf den für Zuckerrohr und Soja prädestinierten Flächen gar nicht eignet.
    Das Leben der heimischen Bevölkerung scheint man lt. FAO nur so nachhaltig verbessern zu können: http://www.fao.org/news/story/en/item/177644/icode/
    Was aber nicht zu helfen scheint, ist der Verbot von Agrarexporten (Bündnis90/Die Grünen) und der Ausbau des Bioanbau, weil er Drittländern Fläche entzieht
  • Klarstellung

    08.07.2013, Martin Brandenburg
    Sie haben zwar in dem Artikel nicht explizit geschrieben, dass Deligne die Weil-Vermutungen für algebraische Kurven bewiesen hat. Allerdings geht es zu 90% im Artikel um algebraische Kurven (die Sie, wie gesagt, sehr schön erklärt haben). Alleine dieser Begriff fällt ganz oft (über 20 Mal), ja sogar bei Überschriften und als Schlusswort, aber Varietäten werden kein einziges Mal erwähnt. Jeder Leser, der sich nicht bereits mit dem Thema auskennt, wird also zum Schluss kommen, dass Deligne die Weil-Vermutungen für algebraische Kurven bewiesen hat. Sehr deutlich wird die inhaltliche Ungenauigkeit unten links auf Seite 16, wo Sie ganz explizit schreiben, dass sich Artin, Grothendieck und Weil darum bemüht haben, algebraische Kurven über endlichen Körpern zu untersuchen, die Weil-Vermutungen aber offen geblieben sind.

    Es spricht ja nichts dagegen, in dem Artikel nur auf Kurven einzugehen. Allerdings sollte dann meiner Meinung nach auch klar gesagt werden, dass dieser Fall schon lange bekannt war, und Deligne den Fall beliebiger glatter projektiver Varietäten (für Laien: "gewisse höher-dimensionale algebraisch-geometrische Gebilde wie zum Beispiel algebraische Flächen") gelöst hat.
  • Indirekte Landnutzungsänderung

    07.07.2013, Schulz
    Schöner Beitrag, der das Dilemma schwindender fossiler Treibstoff und der Suche nach Alternativen aufzeigt. Erstaunlich nur, dass die negative Folgen der steigenden Nachfrage nach regenerativen Energien seit 2004 von Greenpeace, WWF und BUND immer noch der Tierhaltung zugeschrieben werden; dabei ist dieser Sektor so ziemlich der einzige Profiteur des Biodieselbooms: die Rückstände der Ölgewinnung landet in Form von Extraktionsschroten als Eiweißfuttermittel im Tierdarm - zur Ressourcenschonenden Veredlung. (Quelle: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2013/131-MUE-Politische-Gespraeche-Argentinien.html).

    Vielleicht sollte man an der EU-Kritik am Biodieselboom aber auch andere Meinungen heranziehen. Z.B. die der Technischen Universität Berlin: Prof. Dr. Matthias Finkbeiner hat als erster Ökobilanzexperte die von der EU-Kommission gegen Biokraftstoffe ins Feld geführten sogenannten indirekten Landnutzungsänderungen (iLUC) wissenschaftlich untersucht - und kommt zu gänzlich anderen Schlussfolgerungen als das IFPRI.
  • Verbreitung des Ackerbaus

    06.07.2013, Paul R. Woods
    Und dann wurde das Wissen um den Anbau von Pflanzen nach Amerika und Neu Guinea kommuniziert? Doch wohl kaum.
    Bewässerungsfeldbau im Hochland von Neu Guinea ist unabhängig vom "Fruchtbaren Halbmond" entwickelt worden und die meso-amerikanische Kultivierung von Teosinte zu Mais war in der "Alten Welt" nicht bekannt.
    Ackerbau ist in vielen Regionen unabhängig von einander eingeführt worden und Reis, Kartoffel, Mais, Zuckerrohr sowie viele andere Stärkepflanzen wurden ganz wo anders als im Nahen Osten als Nahrungsquelle in den menschlichen Speiseplan eingeführt.
    Dies sollte immer gleichwertig mit den Errungenschaften des Südwestens Asiens gesehen werden.
  • Wunderbar!

    06.07.2013, Michael Blume
    Vielen Dank für den spannenden Forschungsbericht! Die Evolutionsforschungstexte von Jan Dönges sind immer wieder eine Freude! Und da es ja schon ein unglaublicher Zufall wäre, wenn sich solche wegweisenden Kultursprünge so zeitgleich vollzogen hätten, sind weitere Entdeckungen zu erhoffen.