Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Resistenzen durch AB-Einsatz in der Tierhaltung

    12.02.2013, Ina Müller
    Die Autorin bringt hier etwas durcheinander bzw. ist von dem in Deutschland üblichen medial geförderten Mainstream indoktriniert:
    1. Resistenzen werden in Groß- und Kleinbetrieben beobachtet - unabhängig von der Bewirtschaftsungsform, also also ob Bio- oder Konventionell: http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0030092
    und
    http://www.animal-health-online.de/gross/2012/02/08/antibiotikaresistenzen-behandlungsintensitat-und-betriebsgrosse-ohne-zusammenhang/20143/
    2. In Deutschland erfolgt die Verschreibung nicht im rechtsfreien Raum. Bis zu sieben Aufzeichnungen (bei Landwirt und Tierarzt) sind erforderlich, die jederzeit und 10 Jahre rückwirkend eingesehen werden können.
    3. In der Humanmedizin werden je kg Körpergewicht wesentlich mehr AB verschrieben, als in der Tiermedizin: http://www.medcom24.de/content/Die-AVA-zum-Antibiotikaeinsatz-bei-Tieren-Deutschland-%E2%80%93-was-bedeuten-die-Zahlen
    4. In der deutschen Veterinärmedizin werden keine (oder nur sehr wenig) Reserveantibiotika eingesetzt. Der überwiegende Anteil umfasst "alte" AB und deren Wirksamkeit belegt die fehlenden Resistenzen: http://www.openpr.de/drucken/662784/AVA-zur-Veroeffentlichung-des-Antibiotikaeinsatzes-in-der-Tiermedizin-durch-das-BVL.html
    5. Insbesondere in Abwässern aus Kliniken und Abwässern finden sich resistente Keime:
    http://www.animal-health-online.de/drms/rinder/keime.htm
    6. Resistenzen entstehen auch ohne Antibtiokaanwendung: http://www.animal-health-online.de/gross/2007/03/10/resistenzen-auch-ohne-antibiotikaanwendung-ant/9251/
    7. Falsche Verschreibungen in der Humanmedizin führen zu mehr Resistenzen: http://www.animal-health-online.de/gross/2013/02/07/humanmedizin-mehr-antibiotika-resistenzen-durch-falsche-verordnung/23975/
    und
    http://www.animal-health-online.de/gross/2010/09/15/humanmediziner-gefaehrden-wirksamkeit-von-antibiotika/14685/
    und
    http://www.animal-health-online.de/gross/2012/03/22/wissenschaftler-antibiotikaresistenzen-aus-kliniken-und-haushalten-auf-dem-vormarsch-krankenhausabwasser-separat-behandeln/20611/
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrte Frau Müller,

    vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Die Ergebnisse stammen, wie ausdrücklich im Artikel erwähnt, aus Großbetrieben in China - dass in Deutschland die Verschreibungspraxis, Anwendung und Kontrolle eine andere ist, stelle ich überhaupt nicht in Frage. Genauso wenig wie den Fakt, dass Resistenzgene natürlich nicht nur aus der Tierhaltung stammen. Aber sie stammen, insbesondere in Ländern, in denen die Kontrolle nicht so gut ist wie hierzulande (und das sind viele), eben zu einem großen Teil von dort - mit entsprechenden Risiken für die Gesundheitsversorgung der dortigen Bevölkerung.

    Darüber hinaus können die dort in die Umwelt gelangten Resistenzgene sehr wohl größere regionale Auswirkungen haben: Sie gelangen über den Kompost in Oberflächengewässer, Grundwasser und die Luft und werden so weiter verfrachtet. Die Forscher sehen sogar das Risiko, dass Agrarprodukte oder Menschen, die mit entsprechend resistenten Keimen infiziert sind, solche Resistenzgene global verbreiten.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Antje Findeklee

  • Fehler

    12.02.2013, Karl Bednarik

    Salzgehalt, der 18 Mal so hoch wie jener der Ozeane
    und acht Mal so hoch wie der des Toten Meers ist.

    Meerwasser 3,5 % ( 3,5 * 18 = 63 )

    Totes Meer 28 % ( 28 * 8 = 224 )

    Don-Juan-See 44 %

    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Bednarik,

    vielen Dank für Ihre Zuschrift. Die Wissenschaftler selbst sprechen davon, dass der Don-Juan-See 18 bzw. 8 Mal mehr Salz hätte als die Ozeane oder das Tote Meer. Aber da scheinen diese selbst auf dem Holzweg gewesen zu sein. Er ist offensichtlich "nur" 12,5 Mal salziger als der Ozean und 1,6 Mal salziger als Tote Meer. Ich habe den Text entsprechend angepasst.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl

  • Eine Lanze für Einstein

    11.02.2013, Andreas Fuß
    Mit großem Interesse habe ich den Artikel „Fruchtbare Irrtümer“ in der Januarausgabe von Spektrum der Wissenschaft gelesen und möchte ihn zum Anlass nehmen, eine Lanze für Einstein zu brechen. Denn entgegen der allgemeinen Sichtweise halte ich seine Abneigung gegenüber der „spukhaften Fernwirkung“ für korrekt. Das allgemein als Verschränkung bezeichnete Phänomen wird wohl nach wie vor nicht korrekt gedeutet.

    Der kritische Punkt ist die paarweise, also auf einem gemeinsamen Emissionsvorgang basierende Emission der beiden verschränkten Teilchen. Dadurch haben beide – abgesehen von der Richtung der Emission – den gleichen identischen Satz von Eigenschaften, beziehungsweise das eine Teilchen zwangsläufig den exakt komplementären Satz zu dem des anderen erhalten, und es ist im Grunde genommen keineswegs verwunderlich, dass dann beide auch das jeweils korrespondierende Ergebnis bei der Messung einer Eigenschaft, zum Beispiel des Spins, zeigen.

    Dieses Phänomen bedarf keiner wie auch immer gearteten instantanen Fernwirkung nach der Emission, durch die die Messung des einen die des anderen beeinflusst. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Wenn man eine Nachricht in Form zweier identischer Kopien klassisch per Post an zwei Adressaten schickt (gemeinsamer Emissionsvorgang), wird sicherlich keiner der beiden Adressaten irgendeine wie auch immer geartete instantane Fernwirkung bemühen, um zu erklären, dass beide die identische Nachricht erhalten haben. Es liegt einfach daran, dass beide Nachrichten dem gleichen Emissionsvorgang entstammen, und daher identisch, beziehunsweise gegegenenfalls zueinander korrespondieren sind!

    Daher ist es auch nicht korrekt, aus den miteinander korrespondierenden Messergebnissen der beiden Teilchen auf eine diese Messungen beeinflussende instantane Fernwirkung zu schließen, und zwar so lange nicht, solange die beiden Teilchen einem gemeinsamen Emissionsvorgang entstammen. Erst wenn es gelänge, zwei Teilchen unabhängig voneinander zu emittieren, und Messungen an diesen voneinander unabhängigen Teilchen korrespondierende Ergebnisse zeigen würden, wäre das ein Nachweis für eine instantane Fernwirkung.

    Solange das nicht der Fall ist, besteht keinerlei Bedarf daran, eine instantane Fernwirkung zu bemühen, um korrespondierende Messergebnisse an miteinander verschränkten Teilchen zu erklären. Gemäß Ockhams Rasiermesser resultieren die korrespondierenden Messergebnisse schlicht und einfach - sowie ohne jegliche instantane Fernwirkung - auf der gemeinsamen Emission und sind daher auch vom Zeitpunkt der Emission an festgelegt.
    Antwort der Redaktion:
    So einfach ist die Sache mit der "spukhaften Fernwirkung" leider nicht. Sie argumentieren, wenn ich Sie recht verstehe, so: Wenn ich zwei identische Teilchen erzeuge und an dem einen eine Eigenschaft messe, weiß ich natürlich auch ohne Messung sofort, dass das andere Teilchen, da mit dem gemessenen identisch, dieselbe Eigenschaft haben muss ­ ganz ohne Fernwirkung. In der Quantenphysik verhalten sich jedoch Eigenschaften wie Spin und Polarisation anders als in der klassischen Physik, nämlich gequantelt. Das heißt: Messe ich den "Spin einhalb" eines Elektrons mit einem vertikal orientierten Messgerät, so erhalte ich entweder "Spin einhalb aufwärts" oder Spin einhalb abwärts". Messe ich an dem Teilchen den Spin mit einem unter zum Beispiel 60 Grad geneigten Messgerät, so erhalte ich nicht wie klassisch zu erwarten "Spin einhalb aufwärts mal cosinus 60" oder "Spin einhalb abwärts mal cosinus 60", sondern wiederum komplette Spinquanten einhalb, nur diesmal in der schrägen Richtung. Es ist die willkürliche Orientierung des Spinmessgeräts, die die Frage aufwirft: Woher "weiß" das andere Teilchen, in welcher Messrichtung ich den Spin des ersten Teilchens gemessen habe, um sich dennoch identisch zu verhalten? Erst dieses "Übermaß an Identität" der beiden Quantenobjekte sprengt den klassischen Rahmen und ließ Einstein von spukhafter Fernwirkung sprechen.
  • Dieser Artikel ist nicht veröffentlichungswürdig

    11.02.2013, Jörg Gerigk
    Die im Artikel geäußerte Kritik basiert auf einem unvollständigen Verständnis von System-Dynamics und kommt daher zu falschen Schlüssen. Ziel von "Limits to Growth" war das Herausarbeiten der grundsätzlichen Ursache-Wirkungsbeziehungen, die das globale ökologische System beschreiben. Deren Korrektheit wird vom Autor auch explizit bestätigt. Was Hayes kritisiert, ist die Genauigkeit der in das System eingehenden Parameter. Die im Artikel genannte Änderung des Zeitverzugs von 20 auf 24 Jahre bei den Auswirkungen der Gesundheitsaufwendungen bewirkt bis zum Jahr 2100 eine Abweichung um ca. 1,5 Prozent oder 53 Millionen Menschen. Die Parametrisierung des Modells ist in den letzten 40 Jahren kontinuierlich verfeinert worden – zuletzt von Jørgen Randers in 2012 –, ohne dass sich Änderungen an den zugrundeliegenden Dynamiken und damit an den gemachten Aussagen ergeben haben. Hayes ignoriert dies ebenso, wie er die über 40 Jahre erreichte Prognosegenauigkeit nicht würdigt und auch weitere unabhängige Verifikationen der Studien nicht beachtet. So z. B. die eingehende Analyse der Netherlands Environmental Assessment Agency 2009 im Auftrag der niederländischen Regierung. Wenn Hayes seinem „Glauben“ Ausdruck verleiht, dass die Katastrophe abgewendet werden kann, dann wäre es überzeugender, wenn er zeigen würde, welche dynamischen Gleichungen geändert werden müssten. Dem „Glauben“ setzt das Modell Szenarien entgegen, die zeigen, welche Maßnahmen notwendig sind. Szenarien, die im Artikel ebenfalls nicht diskutiert werden. Warum einer wenig fundierten Kritik so ausführlich Raum in „Spektrum der Wissenschaft“ gegeben wird, erschließt sich mir nicht. Die Relevanz des Themas hätte eine differenzierte Betrachtung erfordert.
    Antwort der Redaktion:

    Brian Hayes kritisiert gerade nicht die mangelnde Genauigkeit der in das System eingehenden Parameter; allenfalls wirft er den Autoren von World3 vor, sich über die (unvermeidliche) Ungenauigkeit der Parameterschätzungen keine ausreichenden (mit Hilfe der Statistik präzisierten) Gedanken gemacht zu haben. Vielmehr kritisiert er die Willkür, mit der die Autoren gewisse entscheidende Zusammenhänge in Hilfsgleichungen umgesetzt haben.

    Zu diesem Missverständnis mag beigetragen haben, dass ich, mit der Absicht der Verdeutlichung, das Beispiel mit den 24 statt 20 Jahren in Hayes' Text eingefügt habe. Damit wollte ich nicht die Frage aufwerfen, welche der beiden Zahlen der Realität näher kommt, sondern im Sinne von Hayes verdeutlichen, dass die eine Zahl so absurd ist wie die andere. Ausgaben fürs Gesundheitswesen werden eben nicht auf die Bank gelegt, so dass sie nach Ablauf einer wie auch immer festgelegten Laufzeit ihre Zinsen erbringen.

    Richtig ist: Sie wirken mit einer gewissen Verzögerung. Ob man diese Verzögerung mathematisch so realitätsfern modelliert wie in World3 oder besser (wie immer das zu machen wäre): Der Unterschied mag in der allgemeinen Ungenauigkeit des Modells ebenso untergehen wie der Unterschied zwischen 20 und 24 Jahren. Im Umkehrschluss heißt das aber, dass das Modell, zumindest in diesem Punkt, zur Entscheidungsfindung ungeeignet ist. Setzt man den Parameter "Gesundheitsausgaben" im Modell um einen gewissen Betrag hoch, wird sich zwar das Simulationsergebnis ändern; aber glaubwürdig ist von diesen Änderungen allenfalls das Vorzeichen. Auf die Frage "um wie viel soll man die Gesundheitsausgaben heraufsetzen?" kann es keine belastbare Antwort geben.

    Die hohe Zahl der Parameter nimmt auch dem Argument, dass das Modell den bisherigen Verlauf des Weltschicksals einigermaßen korrekt wiedergibt, viel von seinem Gewicht. Mit ausreichend vielen Parametern kann man alles "fitten"; diese Kritik wird ja in einem ganz anderen Gebiet, nämlich der Stringtheorie und ihren unzähligen Varianten, mit großer Schärfe vorgebracht. Insbesondere wankt der Anspruch, mit den gefundenen Gleichungen etwas Wesentliches entdeckt zu haben. Es bleibt "curve fitting". Man kann eine hinreichend lange beobachtete Entwicklung erfolgreich in die Zukunft projizieren, ohne irgendwelche fundamentalen Gesetze gefunden zu haben.

    Der "Glaube", den Hayes gegen Ende seines Artikels zum Ausdruck bringt, ist insofern nicht besser und nicht schlechter als der "Glaube" der Modellautoren, der in Form von Gleichungen und Parametern in das Modell World3 eingegangen ist. Weder der wissenschaftliche Apparat der Simulation noch die Übereinstimmung mit der Realität sind geeignet, diesen Glauben zu rechtfertigen.

    Wie könnte man es besser machen? Das läuft auf die Frage hinaus, ob man politische Grundsatzentscheidungen in sinnvoller Weise mathematisch modellieren kann. Extrembeispiel: Wie soll das Modell die Möglichkeit umfassen, dass die düsteren Prognosen die Menschheit so aufschrecken, dass sie ihr Verhalten grundsätzlich ändert und damit die Prognose selbst widerlegt? Schwierige Fragen dieser Art gehen über den Rahmen des Artikels weit hinaus.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Es wird eng

    11.02.2013, Klaus Deistung
    Wir können wohl davon ausgehen, dass die Entfernung eines potenziellen Sender im Abstand von n*10 Lj existieren könnte. 2013 jährt sich zum 100. Mal die Erfindung des ersten Röhrengenerators der Welt durch A. Meißner (Meißner-Generator). Damit war es möglich, deutlich höhere Frequenzen als mit den Maschinen-Generatoren (Längst- und Langwelle) zu erzeugen – eine Revolution zur Frequenzerzeugung. Damit konnte sich das Funkwesen stark entwickeln.
    Wenn wir diese Entwicklung verfolgen, wurden die nutzbaren Frequenzbereiche immer höher, die Modulationsverfahren immer weiter entwickelt. Mit der Technik von vor 50 Jahren könnten wir viele Funkverbindungen aus der heutigen Zeit gar nicht mehr abhören.
    Und so wird es uns gehen, wenn eine höhere Intelligenz zwar Nachrichten-Verbindungen hat – aber unsere Technik für einen Empfang ungeeignet ist. Der Spielraum ist kleiner als 100 Jahre – und eine andere mögliche Zivilisation kann gut 1000 Jahre weiter sein! Hinzu kommt die Laufzeit des Signals von mindestens einigen Jahrzehnten...
    Wieviel Senderleistung wären z. B. in 20 Lj Entfernung nötig, damit wir das Signal noch eindeutig auswerten könnten?
  • Das Leibnitz-Institut GIGA, die GIZ u.a. sehen das anders

    10.02.2013, Wissenschaft und Schreie
    Sehr geehrte Frau Hennemann,

    schade, dass Sie Herrn Becker nicht auf nachfolgende Studie angesprochen haben. Dort bestätigen die Autorn viele der Vorurteile gegen das Land Grabbing. Die lokale Bevölkerung hätte nur selten Vorteile:

    Anseeuw, Ward, Mathieu Boche, Thomas Breu, Markus Giger, Jann Lay, Peter Messerli & Kerstin Nolte, 2012: Transnational Land Deals for Agriculture in the Global South. Analytical Report based on the Land Matrix Database, Number 1: April 2012. The Land Matrix Partnership (Hrsg.): The International Land Coalition (ILC), The Centre for Development and Environment (CDE), Centre de coopération Internationale en Recherche Agronomique pour le Développement (CIRAD), The GIGA German Institute of Global and Area Studies (Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien) & Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
  • Ich freue mich ...

    10.02.2013, sabrina
    ... dass es Menschen gibt, die noch die Fähigkeit haben wahrzunehmen, was um sie herum passiert ...
    Vielen Dank für diesen guten Artikel.
  • Recht von Wissenschaft trennen

    10.02.2013, Georg Lokowandt
    Juristisch betrachtet hat Frau Schavan eine falsche eidesstatliche Versicherung abgegeben und ihren ersten Arbeitgeber betrogen, der diese Stelle sicherlich nicht an eine Abiturientin vergeben hätte (zumindest nicht zu einem vollen Gehalt). Diese Angelegenheiten sind nach 30 Jahren verjährt und das ist gut so.

    Wissenschaftlich betrachtet hat sie sich mit fremden Federn geschmückt. Die verbleibende, eigene Leistung war anscheinend nicht genug für einen Doktortitel. So etwas kann nicht verjähren und deshalb ist es richtig, dass Ihr der Titel entzogen wird. Nur weil 30 Jahre vergangen sind, ist ihr eigener Beitrag zu der damaligen Doktorarbeit ja nicht größer geworden. Egal aus welchem Grund eine wissenschaftliche Arbeit im Nachhinein als Fehlerhaft erkannt wird, sie muss korrigiert werden. Pech für Frau Schavan war, dass durch den Fleiß vieler, koordiniert im Internet, ihre Fehler plötzlich sichtbar wurden.

    @Fritz Kronberg: Jeder ist aufgefordert, beliebige Doktorarbeiten oder sonstige wissenschaftliche Texte nach Plagiaten zu durchsuchen. Das wurde auch bei Anhängern anderer Parteien versucht, nur nicht mit so offensichtlichem Erfolg wie bei Herrn Guttenberg, Frau Saß oder Frau Koch-Mehrin.

    @Dr. Peter Ziegler / Jakob Aigner:
    Frau Schavan scheint vorsätzlich gehandelt zu haben. Also muss man davon ausgehen, dass sie gezielt nach Prüfern und Gutachtern gesucht hat, die aufgrund von persönlichen Interessen, aus Freundschaft, aus Überlastung oder wegen des Parteibuchs nicht korrekt arbeiten.

    Für besonders schlimm halte ich, dass in vielen Kommentaren nicht die unredliche Doktorandin oder die laxen Prüfer, sondern die Entdecker des Fehlverhaltens kritisiert werden. Dieser Chorgeist vertreibt viele redliche Forscher aus dem Wissenschaftsbetrieb. Es geht nicht nur um den Ruf der Wissenschaft, sondern auch um die Wissenschaft als solche.
  • Vorzüglich

    09.02.2013, Tede
    Wegen persönlicher Erfahrungen dachte ich mir schon lange, dass autistisch veranlagte Menschen - auch Betroffene des Asperger-Syndroms - nicht schlechter und nicht besser als "Normale" ausgestattet sind. Ich hatte nur immer den Eindruck, dass ihr ganzes Spektrum einen (kleinen) Zacken "verschoben" ist. Dinge wie "Sozialverhalten" sind nicht mehr so flächig abgedeckt und erfordern mehr Rekonstruktion statt Gefühl, wie das andere machen, dafür hat sich der Bereich "Muster/-erkennung" o. ä. verbreitert. Es ist schade, dass man versucht, anstrengendere Individuen passend zu quetschen, wo man doch einander so sehr von Nutzen sein könnte, immerhin deckt der eine gründlicher Bereiche ab, die dem anderen kaum zugänglich sind. Es ist auch nicht verwunderlich, dass manche Menschen mit anderem Spektrum anders und vllt. sogar auffallend negativ auf gewisse Dinge im Alltag reagieren. Ihre Wahrnehmung rückt manches so sehr in den Vordergrund, an dem andere achtlos vorbei gehen, dass es für sie unmöglich wird, einen normalen Ablauf zu leben, aber das will ein "Normaler" ja auch nicht verstehen. Irgendwie läuft schon was nicht richtig, wenn man Menschen pauschal in "richtig" und "falsch" teilt, wobei "richtig" alles ist, was Mehrheit hat ...
  • Einige Gedanken

    09.02.2013, Nadin Weisze
    Ich finde den Artikel echt gut. Er lockert das strenge Bild, Autismus als eine zu behandelnde Krankheit zu betrachten. Die meisten Menschen sind überzeugt von ihrem Wesen und ihrem Handeln. Autisten hingegen fällt es schwer, zu sich und ihrer eigenen Persönlichkeit zu stehen und stark zu vertreten, was sie wissen. Ich glaube, dass das auch ein Grund dafür ist, dass Autismus als Krankheit betrachtet wird. Es hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass das andere Verhalten, was von außen zu beobachten ist, "unnormal" ist. Doch ist es nicht fragwürdig, wieso sich viele Autisten ziemlich ähnlich verhalten? Ich finde es unglaublich interessant mit so einem Blick auf diese Tatsachen zu schauen. Vielleicht ziehen wir zu voreilige Rückschlüsse und nehmen einfach das an, was vor Jahren herausgefunden wurde, ohne es zu hinterfragen. Einer hat irgendwann mal eine Theorie aufgestellt, an die alle glauben, weil sie zu der Zeit gepasst hat. Aber die Zeiten ändern sich und ich finde es wichtig, auch an den Wurzeln nach möglichen Ursachen zu suchen, aus denen über die Jahre wohlmöglich nur viele Rückschlüsse gezogen wurden, über die sich heute gewundert wurde. Wenn ein falscher Ansatz vorliegt, führt das fern ab der Realität ...
  • Ist Hoffnung etwa wissenschaftlicher?

    08.02.2013, Dr. Thilo Arlt, Lengnau (Schweiz)
    Im Gegensatz zu Brian Hayes habe ich als Geologe offenbar weniger Mühe, eine zeitliche Prognose mit einem Fehler von 100 Jahren oder mehr dennoch als Wissenschaft zu verstehen. Wir reden vom Schicksal der Menschheit, nicht vom morgigen Wetter. Anders als bei einer Klimaprognose muss man sich der Einfachkeit des Modells und der hohen Fehler der Annahmen und Gleichungen bewusst sein. Dennoch, die Grundaussagen von Meadows et al. sind auch nach 40 Jahren unwidersprochen, und so erscheint es seltsam, wenn das Modell als unwissenschaftlich abgetan und gleichzeitig als Gegenargument der Glaube herangezogen wird, Zitat: „Allerdings glaube ich im Gegensatz zu den Autoren der "Grenzen", dass wir fähig sind, die Probleme zu bewältigen …“. Ist diese "Prognose" des Autors etwa durch ein besseres Modell belegt?
    Natürlich, die Konsequenzen die sich aus den „Grenzen des Wachstums“ ergeben, sind unangenehm; die denkbaren Maßnahmen, nämlich das Bevölkerungswachstum einzudämmen, erscheinen uns unethisch und sind politisch nicht durchsetzbar. Deshalb klammert sich der Autor an das Prinzip Hoffnung, was noch unwissenschaftlicher ist als das Modell von World3.
    Zu empfehlen: Der Wikipedia-Eintrag zum Thema "World3".
  • Uralte Geschichte

    08.02.2013, Walter Weiss
    Seit es geschichtliche Überlieferungen gibt, spielen die "überzähligen Jungmänner" ganz entscheidende Rollen. Zum Beispiel bestanden die immer wieder aus den "unendlichen Steppen Südrusslands" Europa, Kleinasien und Ägypten überfallenden, z. T. erobernden Hyksos, Skythen, Hunnen, wohl auch die indoeuropäischen Völker (Inder, Perser, Kurden, Griechen, Italiker, Germanen, Kelten...) im Kern aus solchen Jungmännern. Gleiches gilt für die altgriechischen Kolonisatoren, die Sizilien, Unteritalien, Nordspanien und Südfrankreich eroberten, und in neuerer Zeit für die Wikinger und Nordmannen, ja letzten Endes auch die Insassen der Forschungs-, Eroberungs- und Räuberschiffe, die von Spanien und Portugal aus Amerika entdeckten. Immer waren es solche wagemutigen Jungmänner, bei denen das Testosteron jede persönliche Vorsicht beseitigte.

    Zu erwähnen wären noch in der späten Bronzezeit die so geannten "Seevölker" und überhaupt die gar nicht nur immer gepressten, sondern zu sehr großen Teilen freiwillig und sogar sehr willig mitgezogenen Soldaten aller Heere in der geschichtlich bekannten Zeit.

    Die schönste Zusammenfassung dieses allumfassenden äußerst gefährlichen Problems (das allein in der Urzeit seinen evolutionären Sinn hatte!) hat der unübertroffene Kabarettist Georg Schramm über die wahren Gründe der arabischen Revolutionen und der damit vielfach verbundenen Selbstmordattentate von Terroristen geliefert.
  • Ein Artikel, der in die richtige Richtung weist

    08.02.2013, Hanna Urban
    Es gibt, denke ich, viel mehr Asperger-Autisten als bislang angenommen. Viele fallen jedoch nur dadurch auf, dass sie im sozialen Kontext eher zurückhaltend sind oder auch nicht, aber einfach als "unsympathisch" gesehen werden, Mobbing zum Opfer fallen und durch kleinere Einschränkungen schulisch sowie beruflich nicht zu den Erfolgen (überdurchschnittlichen!) kommen, die sie unter etwas anderen Bedingungen eigentlich erzielen könnten. Aber die wenigsten würden bei diesen Menschen an eine so gravierend beschriebene Andersartigkeit wie Autismus denken, sondern hierbei einfach auf einen bestimmten vielleicht seltsamen, etwas minderbemittelten Charakter schließen. In der heutigen Zeit sind die "äußere Verpackung" und Kommunikation immer mehr gefragt und weniger die tiefer liegenden Kompetenzen eines Menschen. Da Autisten sich in der Regel weniger gut "verpacken" können und vieles nicht geeignet kanalisieren können, werden sie weit unter ihrem Potenzial eingestuft. Viele Symptome des Autismus werden durch frühe Ausgrenzung und Mobbing außerdem verstärkt.

    Die Zahl der Diagnosen steigt sicher vor allem deshalb, weil das Augenmerk mehr auf Themen wie Autismus oder Ad(h)s gerichtet wird. Mehr Autisten als vorher gibt es nicht.

    Die Theorie, dass Autisten ursprünglich hochsensibel sind, aber durch den ständigen Overload und dadurch auftretende Tramata "dicht machen" und die anderen Autismus typischen Symtome ausbilden, wäre die schlüssigste, vor allem in Anbetracht der Art und teils zunächst paradox wirkender Symtome (z.B. Reizüberflutung und wiederum oft beschriebenen angäblichem Empathiemangel).

    Autismus sollte allerdings nur dann als Krankheit angesehen werden, wenn er dem Betroffenen schadet, ansonsten ist hier von einer Andersartigkeit zusprechen, die teilweise überdurchschnittliche Fähigkeiten, aber auch Einschränkungen im Vergleich zu Nichtautisten mit sich bringt ...
  • Viel kürzer

    08.02.2013, Walter Weiss
    wäre besser - und so kann mich diese Rezension weder zum Erwerb dieses Buchs bewegen, noch seines Vorgängers, denn die zugrunde liegende Frage läßt sich recht präzise und abschließend beantworten, dazu braucht man weder ein ganzes Forscherleben, noch die Darstellung vieler einzelnen - sicher je für sich spannender - erforschter Projekte.

    Man braucht allerdings vorab mangels genügend effektiver Hirnforschungsergebnisse eine schlüssige Arbeitshypothese darüber, was 'Denken' im Gehirn ist. Ich habe eine solche glaubhafte Arbeitshypothese in Abstimmung mit den Ergebnissen der Evolutionsfprschung entwickelt ('Exzerpt', ISBN 978-3-8442-2681-2, eBook bei Epubli und Amazon), worauf ich zur Abkürzung verweise. Kurze Definition: im Gehirn ist genetisch ein abstrahiertes Bild einer für die Frühzeit des Menschen typischen Umwelt mit entsprechenden typischen abstrahierten Ereignissen (etwa im Sinn der 'klassischen Physik') gespeichert, demgemäß ausdrücklich auf die Reichweite der menschlichen körperlichen Sinne begrenzt, und das Denken besteht im jeweiligen Vergleich der gegenwärtigen Wahrnehmung durch die Sinne (oder eines Vorganges aus der Erinnerung) mit diesem genetisch angelegten Raster. Stammt die gegenwärtige Wahrnehmung auch aus dem Bereich der Wahrnehmung der körperlichen Sinne,kann Wahrnehmung und genetisches Raster in Übereinstimmung gebracht werden - stammt der zu untersuchende Vorgang aus einem Bereich außerhalb der Reichweite der Sinne, ist eine solche Übereinstimmung nicht möglich, und die differierende Nichtschnittfläche muß geklärt werden, was dann regelmäßig durch mathematische Formeln geschieht (das ist der Vorgang der moderne physikalischen und überhaupt naturwissenschaftlichen Forschung). D.h. solche Vorgänge außerhalb der Reichweite unserer körperlichen Sinne können niemals VERSTANDEN, sondern stets nur BERECHNET werden. Damit lösen sich auch die - viele Bücherregale füllenden - Versuche in Nichts auf, solche außerhalb liegende Vorgänge verständlich zu machen, sie entziehen sich einfach unserem Verständnis, eben weil das im Gehirn genetisch festgelegte Raster nicht paßt.
  • Faszinierend

    08.02.2013, Walter Weiss
    sind diese Hinweise auf die Einzelheiten der Autismus-Forschung, vor allem auch den Gesichtspunkt, den Autismus der Betroffenen zumindest AUCH unter dem Aspekt nicht einer Behinderung, sondern einer (besonderen) Begabung zu sehen.

    Wie wäre folgende Überlegung? Möglicherweise sind die Gehirne aller Menschen, was die Wahrnehmung über die Sinne angeht, grundsätzlich identisch, auch mit den Gehirnen der "Autisten" - nur fehlt den Gehirnen der Autisten die für die Beherrschung eines "normalen" Lebens notwendige Eigenschaft, diese Wahrnehmungen ständig zu filtern, also die z.Zt. völlig unnützen gleich zu vernichten, andere je nach Grad der Wichtigkeit mehr oder weniger zwar zu erhalten, aber zu unterdrücken, eventuell in das Kurzzeitgedächtnis zu verschieben usw. (vgl. Qualia-Forschung).

    Wichtig wäre dann nicht nur eine "Tablette", die es den Autisten ermöglicht, ein einigermaßen normales Leben zu führen; wichtig und verlockend wäre auch eine ganz andere "Tablette", die es "normalen" Menschen ermöglicht, wenigstens eine Zeit lang das Leben eines Autisten zu führen - etwa in Perioden vor Examina, bei denen es auf die Beherrschung umfangreichen Lernstoffs ankommt ...
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