Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • "Dabei schaffen sie eine Lobby,

    15.04.2013, howetzel
    die früher oder später darauf drängt, diese Mittel einzusetzen, da sie daran finanziell oder beruflich interessiert ist."
    Nur Bedenken zu tragen ist keine Lösung, denn auch die "ökologische" Bewegung hat ihre Lobby geschaffen.
    Nur demokratische Prozesse und Politik können für Transparenz sorgen.
    Ist es nicht eher das System der Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste, das neben der Wirtschaft auch Wissenschaft und Forschung befangen macht?
  • Wie wär´s mal mit angewandter Chemie?

    15.04.2013, Marcus Wolf
    Im Rückblick (April 2013) auf den bewusst inszenierten und medial ausgeschlachteten Hype fällt mir (Chemiker) auf, dass bis in die jüngste Gegenwart hinein die chemischen Grundlagen für die Emergenz enrgetischer und genetischer Moleküle nicht einmal ansatzweise diskutiert werden. Das war nicht immer so - immerhin hat bereits Frank. H. Westheimer, einer der Pioniere der Aufklärung biochemisch relevanter Reaktionsmechanismen, in seiner Veröffentlichung "Why Nature Chose Phosphates" (F.H. Westheimer, Science, 235 (1987), 1173-1178.) ausgiebig die Beobachtung diskutiert, dass Poly-Arsenate und Arsenat(V)-Ester, im Vergleich mit Poly-Phosphaten und Phosphat-Estern um Grössenordnungen schneller hydrolysiert werden und dementsprechend viel zu geringe Halbwertszeiten haben, um für phosphorylierungs-analoge Energieübertragungen oder DNA-analoge Moleküle verwendbar zu sein. In aquatischen Lebensräumen können also nur solche Moleküle eine biochemisch signifikante Rolle spielen, welche eine hinreichend lange Lebensdauer haben. Die Argumentation Westheimers begibt sich immerhin auf die chemische Spur, ohne aber die chemischen Grundlagen ab initio anzuwenden - was in diesem Falle aber erfolgreich anwendbar gewesen wäre.

    Wie man als chemisch informierter Fachgenosse argumentieren könnte, möchte ich hier kurz entwickeln. Am Ende wird man sehen, dass auch die Biologen hätten erkennen müssen, dass die Arsenat-Hypothese keine chemischen Grundlagen haben kann.

    Am Anfang steht die Beobachtung (oder die Kenntnisnahme der experimentellen Beobachtungen), dass die Arsen(V)-säure, H3AsO4, signifikant stärker sauer ist als die Ortho-Phosphorsäure, H3PO4 (siehe die Literaturübersicht in J. Phys. Chem. Ref. Data, Vol. 31, No. 2, 2002). Auch wenn die Qualität und Konsistenz der Literaturdaten bei weitem nicht an die Genauigkeit der pKs-Werte für die Phosphorsäure heranreichen (von den Referenten wird eine Revision der experimentellen Bestimmung ausdrücklich nahegelegt - gerührt hat sich auf diesem Gebiet aber seit 2002 anscheinend nichts), so zeichnet sich hier wieder einmal eine beobachtbare Auswirkung des Periodensystems an. Was meine ich damit?

    Nehmen wir einmal an, die experimentell bestimten pKs-Werte der Arsensäure sind richtig bestimmt und erweisen sich in einer sorgfältigen experimentellen Revision tatsächlich als negativer als die analogen pKs-Werte der Phosphorsäure. Die unmittelbare, molekülchemisch richtige Erklärung dafür wäre dann, dass die Elektronendichte an den Oxid-Liganden des Arsenat-Anions geringer ist als an den Oxid-Liganden des Phosphat-Ions, die O-H -Bindungen in der Arsensäure und den Hydrogenarsenat(V)-Anionen also schwächer sind als beim leichteren, homologen Phosphat(V)-Anion. Das Zentralatom im Arsenat(V)- muss also stärker elektronegativ sein als das Zentralatom im Phosphat(V)-Anion. Daraus folgt auch, dass die Abschirmung des Zentralatoms gegen Nucleophile wie OH- -Ionen oder Wasser im Arsenat(V)- schwächer ausfallen muss, als im Phosphat(V)-Anion. Zusätzlich kommt das grössere Molekülvolumen des [AsO4]3- ins Spiel, so dass das Zentralatom im [AsO4]3- grundsätzlich leichter nucleophil angegriffen werden sollte, als das Zentralatom im [PO4]3-.

    Spätestens hier beginnt der Chemiker, in seinen Lieblings-Lehrbüchern zu blättern. Die Standard-Didaktik geht gerne über den Umstand hinweg, dass der Trend der Elektronegativitäten in den Gruppen der p-Block-Elementen eben nicht monoton abnehmend ist, genauer: nicht bei den Elementen Ga, Ge, As und Se. Hier wird gerne von einer "Anomalie" in der Periodizität der p-Block-Elemente gesprochen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich diese Redensweise aber auch nur wieder als Erklärungs- und Theoriedefizit mancher Wissenschaftsgenossen.

    Die chemisch richtige Erklärng liegt in der 3d-Orbitalkontraktion der Elemente Sc bis Zn. Die effektive Kernladung Zeff ist wegen der bekannten Richtungs- und Winkel-abhängigen Quantisierung (Anzahl der Knotenebenen für die Quantenzahl l=3) der 3d-Orbitale stark genug, dass die 4p-Orbitale der unmittelbar folgenden Elemente, insbesondere für die Atomrümpfe Ga3+, Ge4+, As5+, Se6+ und Br7+ stark kontrahiert sind. Da die Elektronegativität seit Linus Pauling immer als die variable Eigenschaft von Atomen in chemischen Verbindungen betrachtet wird, kann die experimentelle Beobachtung der Säurestärke von Arsensäure in wässrigen Medien als eines der stärksten Argumente für die 3d-Orbitatalkontraktion betrachtet werden. Dass die Natur Phosphat und nicht Arsenat als energetisch und genetisch relevantes Molekül bevorzugt, lässt sich stimmig mit den Subtilitäten des Periodensystems in Zusammenhang bringen. Diese Hypothese lässt sich, sozusagen "Ab Initio", aus dem Fundus des Periodensystems und des Elektronegativitäts-Begriffs, entwickeln. Vorausgesetzt, man könnte über diese chemische Information verfügen und wollte sie ehrlicherweise auch zur Sprache bringen.

    Der Arsenat-Hype war keine Tragödie und kein vermeidbarer Unfall, sonder die Konsequenz einer Degeneration, zumindest im Mainstream der wissenschaftlichen Gemeinde. Das kommt dabei heraus, wenn den Erzählungen der Kommunikationstheoretiker die Deutungshoheit über naturwissenschaftliche Argumente zugestanden wird. Skandalös wird der Fall nicht durch eine schlecht ausgebildete Biologin, sondern dadurch, dass im Nachgang kaum jemand aus der wissenschaftlich informierten Gemeinde den offensichtlichen PR-Motivationen der soziologisch operierenden NASA-Administratoren in den Weg treten wollte.
  • Stand der Neurowissenschaft

    13.04.2013, Schmitt-Wiemann Paul
    Angesichts dessen, was alles schon deutlich belegt ist, ist dies ein Zusammenfassung der elementaren Konfusion zu Themen wie Ich-Repräsentation, Selbst, (Theory of mind), Ich-Umwelt-Interaktion.
    Wenn jeweils nach 10 Jahren immer wieder ein neuer Begriff zum Zentrum der Forschung erhoben wird, wird man noch ewig suchen. Man muss die vielen schon lange zugänglichen Untersuchungen viel systematischer auswerten und dabei alte Zentralbegriffe mit den neuen koordinieren. Dies bedeutet, dass man sie auf Gemeinsamkeiten in der Aussage, aber auch auf Widersprüche hin untersucht. Dabei muss man auch immer tiefer in die evolutionäre Basis gehen - und dann die Weiterentwicklungen beim Menschen dort einordnen. Die vielen Scan-Untersuchungen bringen eine riesige Masse an Material. Ohne systematische Auswertung sind sie nichts!
    Sonst ist über 20 Jahre nach dem Beginn des bicennial of brain, wie es die USA erkärt hatten, der Kenntnisstand nicht wesentlich anders als damals (Wahrscheinlich war damals schon `mind´ das Thema. Das hat man nur nicht so ganz auf den Begriff gebracht). Die Suche nach einem Agency - Zentrum bzw. vielen solcher Zentren wird nicht die Lösung sein.
  • Das war wohl...

    12.04.2013, David Rottensteiner
    ...ein ziemlich verfehlter Schnellschuss aus der Hüfte. Immer zuerst die Fakten prüfen, bevor man polemisch wird, mein Rat.

    Danke der Redaktion.
  • Anfrage

    11.04.2013, Klaus Deistung
    Auf welchen Ursprung des Sprechens wird das bezogen? Nach dem MPI Leipzig ist seit Ende 2010 bekannt, dass der Homo sapiens 300.000 Jahre alt ist: http://www.mpg.de/286644/Neandertaler?clientIP=77.6.21.163&filter_order=TL&research_topic=BM&seite=5 . Sein Vorgänger Homo erectus ist wohl 1 Million Jahre älter(?).
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Deistung,

    es geht bei dieser Forschung im Wesentlichen darum, welche Fähigkeit unserer Urahnen die Evolution "ausgebaut" hat, um den heutigen Menschen die für das Sprechen nötigen, komplizierten Artikulationsbewegungen zu ermöglichen. Wann dieser Prozess stattfand (bzw. wann das Lippenschmatzen zum Sprechen verfeinert wurde, wenn man den Autoren folgt), ist nicht sicher geklärt. Das könnte ein Vorgang sein, der schon bei Vor-Homo-Arten begann und vielleicht irgendwann vor ein paar hunderttausend Jahren soweit fortgeschritten war, dass man von Sprechen sprechen kann.

    Mit besten Grüßen

    Jan Dönges, Redaktion

  • Ein Wunder vom CERN?

    11.04.2013, Dieter Eichrodt
    Dieter Lüst feiert den experimentellen Nachweis des Higgs-Bosons am LHC und gibt aus diesem Anlass einen Überblick über den Stand der Elementarteilchen-Physik. Die gegenwärtige "Krise der theoretischen Physik" lässt er nicht unerwähnt. Aber man muss seinen Beitrag zwischen
    den Zeilen lesen um zu erahnen wie tief diese Krise tatsächlich ist. Was soll man z.B. von einem Nachweis halten, der dem theoretisch vorhergesagten Higgs-Teilchen zwar eine Energie im zu erwartenden Bereich zumisst, aber eine Masse, die nicht weniger als 16 Größenordnungen davon
    abweicht? Dieses "Hierarchieproblen", schreibt Lüst, ließe sich "ganz zwanglos" lösen, ginge man nur von der Existenz von "SUSY"-Teilchen aus.

    Aber welche Qualität besitzt der gefeierte "Nachweis" des Higgs-Bosons, wenn er die Existenz von etwas voraussetzt, von dem niemand weiß, ob sich dessen Existenz jemals wird nachweisen lassen?

    Die moderne Physik hat den fatalen Hang entwickelt, unverstandene Entitäten und Phänomene mit noch viel weniger verstandenen Dingen zu "erklären". Beispielhaft sind die "Dunkle Energie" und die "Dunkle Materie", die fatal an den "Lichtäther" oder an den "Wärmestoff" der "Phlogiston-Theorie" erinnern. Die neuen "Dunklen Chimären" sind der Not
    geschuldet neue Beobachtungen zur Bewegung der Galaxien und zur Expansion des Universums zu erklären, die mit Einstein's Gravitationstheorie kollidieren.

    Aber dass die nicht das "letzte Wort" sein kann, wissen wir seit langem. Denn dabei handelt es sich um eine klassische Feldtheorie die schon aus diesem Grund mit den Quantenfeldtheorien der drei anderen fundamentalen Wechselwirkungen unvereinbar ist. Was offensichtlich fehlt, ist eine mit diesen kompatible Quantenfeldtheorie der Gravitation, die eine in sich konsistente Physik liefert und mit der wir die "Dunklen Chimären" wieder los werden.

    Anstatt daran zu arbeiten, sucht man mit riesigem experimentellem Aufwand nach fiktiven Teilchen und auf der theoretischen Seite hat man sich mit 10 angenommenen Raumdimensionen und sogen. "Strings" im Planck-Maßstab,
    deren Nachweisbarkeit von vornherein ausgeschlossen scheint, tief im Esoterischen verrannt. Dieter Lüst trifft also den Nagel auf den Kopf, wenn er mit seinem Schlußsatz andeutet, dass auf diesem Weg nur noch "ein Wunder vom CERN" weiter helfen kann.
  • Baumpflege?

    11.04.2013, Georg Lokowandt
    Weiß einer der Leser etwas über ähnliche Experimente zur Baumpflege? Bei der Pflege von Obstbäumen oder dem Erhalt von alten Eichen müssen die Experimente doch auch über Jahrzente oder Jahrhunderte laufen.

    Vielen Dank, Georg
  • Offizielle Indoktrination Anti-Gentechnik

    10.04.2013, Frank
    Passend zur Schliessung von HannoverGen wird jetzt die "Informations"-Seite http://www.schule-und-gentechnik.de/ angeboten. Auf dieser wird Informationsmaterial zur Gentechnik für Schüler und Lehrer an deutschen Schulen angeboten.
    Dieses Material ist entsprechend der Sponsoren dieser Webseite (u.a. Stiftung Gekko), die insgesamt das Ziel haben Gentechnik in Deutschland zu verbieten.
    So weit so gut, meines Wissens nach darf jeder dazu seine Meinung haben und versuchen diese durchzusetzen, wieso aber wird diese Seite offiziell als Link auf mehreren Landesbildungsservern (BW, Bayern, Berlin...) geführt und ist dies überhaupt zulässig?
    HannoverGen wurde fälschlicherweise vorgeworfen Lobbyarbeit Pro-Gentechnik zu betreiben, was ist dann im Vergleich dazu die oben angeführte Seite?
  • Oh Mann Oh Mann

    09.04.2013, Ludvik Medved
    Wer sind James Murray und David King eigentlich, und vor Allem: Was tuen die beiden eigntlich?
    Hier werden einfach Behauptungen in die Welt gesetzt, die durch gar nichts untermauert sind.
    Ganz ehrlich - wo haben Sie diese beiden ausgegraben? Naturwissenschaftler oder genauer Geologen sind sie jedenfalls nicht!
    Ich glaubte, hier auf eine seriöse Zeitung gestoßen zu sein, aber dieser Artikel ist eher auf B..D-Niveau - Sorry!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Medved,

    Gerne beantworte ich Ihre Anfrage: James Murray arbeitet an der School of Oceanography an der University of Washington in Seattle; David King ist Direktor der Smith School of Enterprise and the Environment an der University of Oxford.

    Informationen über unsere Autoren sowie die Verfasser der von uns übernommenen Artikel des Wissenschaftsmagazins Nature finden sie immer durch einen Klick auf die Autorenzeile.

    Beste Grüße aus Heidelberg
    Jan Osterkamp (Redaktion Spektrum.de)
  • Professionelle Sorgfalt versus elterlicher Liebe

    09.04.2013, Dr. med. Dorothea Böhm
    Tageseltern gehen in der Regel verantwortungsbewusst mit der Trennung kleiner Kinder von ihren Eltern um, dies zeigen auch die beiden vorhergehenden Einträge.

    Das rechtfertigt aber noch lange nicht, dass frühe Eltern-Kind-Trennungen überhaupt in so großem Umfang nötig werden, weil Eltern finanziell leer ausgehen, während sowohl Betreuungsinstitutionen als auch Tageseltern Geld für analoge Erziehungs- und Versorgungsarbeit erhalten. Schon KiTa-Erzieherinnen werden kläglich schlecht bezahlt, erziehende Eltern sind noch viel schlimmer dran, sie werden völlig um den Ertrag ihrer Arbeitsleistung betrogen und damit rundheraus beraubt.

    Und wie professionell und verantwortungsbewusst das Angebot auch sein mag, Tagesbetreuung ist Betreuung OHNE den Faktor "Liebe", den bringen nur (fast) alle Eltern in Kinderbetreuung ein, und er ist ein unersetzlicher Faktor zur seelischen Entwicklungsförderung von Kleinstkindern.
  • Der Vorteil der Tagespflegeperson

    09.04.2013, Christine Burghardt
    Für mich ist nach der Lektüre diese Artikels wieder klar: Tagespflege hat Vorteile...
    Mir geht bei höchstens fünf Kindern (oft ja auch tageweise auch nur drei oder vier) kein Kind durch, nur weil es nicht weint!
    Die Eingewöhnung ist sanft, so wie meine Vorschreiberin es schon beschrieb. Und wirklich angekommen sind die Kinder erst nach drei bis sechs Monaten.

    Auch und gerade der Tagespflege täte mehr Geld, mehr Aus- und Fortbildung, mehr Supervision sehr gut.

    Aber es ist wie so oft, das Geld geht jetzt in die Quantität, nicht in die Qualität. Schade, dass es nur so wenige Artikel gibt, die das so gut beschreiben, wie dieser hier...
  • Eingewöhnung bei Tagesmüttern

    09.04.2013, Eveline Plonka
    Ich als Tagesmutter habe eine Eingewöhnung von 3 Wochen. Bei mir wird kein Kind nach dem 3. Tag mal eben 3 Stunden einfach da gelassen: In der 1. Woche ist die Mama immer dabei! In der 2. Woche versuchen wir mal eine Stunde - dabei darf die Mutter sich draußen nicht weit weg bewegen, damit ich sie im Falle des Falles anrufen kann, und sie auch sofort wieder da sein kann. In der 3. Woche versuchen wir mehr. Wenn's nicht klappt, wird abgebrochen und die Mutter muss doch wieder dabei bleiben.

    Ich hatte bis jetzt noch keine Probleme mit keinem Tageskind. Es ist alles bestens in die Betreuung übergegangen, sogar mit dem Mittagsschlaf ... Man sollte nicht verallgemeinern nach irgendwelchen Studien die gemacht wurden! Ich war nicht dabei, bei mir zu Hause hat keiner die Eingewöhnung "studiert"!

    In diesem Sinne alles gute für unsere Kleinsten!
  • Fragliches Resümee

    09.04.2013, Helmuth B. (4 Kinder)
    Die Verfasserin des Artikels resümiert, dass sich nur die Ausbildung der Erzieherinnen verbessern müsste, dann wären Krippen etwas Positives für Kinder. Nach allen Verdachtsmomenten, die sie beschreibt, müsste man allerdings viel eher fordern, dass Krippen (im Gegensatz zu Kindergärten!) besser geschlossen würden. Dies wäre ohne weiteres möglich, wenn man bereit wäre, die Erziehungsleistung von Eltern zu entgelten. Und das ist ohnehin überfällig.
  • Qualität statt Quantität!

    08.04.2013, Dr. Leonard Burtscher
    Liebe Frau Ahne, vielen Dank für Ihren hervorragenden Bericht! Selbst Vater von zwei kleinen Kindern und intensiv mit der Krippendiskussion befasst, schätze ich es sehr, dass Sie hier die viel zu selten genannte QUALITÄT in den Vordergrund der Diskussion stellen.
    Ich möchte Sie auffordern, Ihren Artikel auch in einer großen Tages- oder Wochen-Zeitung einzureichen und damit einen noch größeren Leserkreis erreichen. Es ist erschreckend, wie sehr in den großen Zeitungen lediglich die Quantität der Betreuungseinrichtungen eine Rolle spielt - als ob man hier nicht sein junges Kind, sondern einen Regenmantel "abgibt"!
  • Schwangere verhungern nicht

    08.04.2013, Dr.med. Josef Peter Kosek, Gütersloh
    Der Artikel "Rettende Geburt" (April 2013) enthält schiefe Aussagen und das Original (Proceedings of the Natianal Academy of Sciences of the United States of America vol 109 Nr. 38) ist inhaltlich angreifbar.
    Die Hypothese von Dunsworth et al. ist benannt: "energetics of gestation and growth" also Energieumsatz (entsprechend Metabolismus) bei Schwangerschaft (auch Dauer der Schwangerschaft) und Größe (des Fötus, speziell dessen Kopfes). Also nicht, wie in SdW dargestellt, "Energie, Schwangerschaft und Wachstum". Das ist doch ein wesentlicher Unterschied.
    Dass "eine werdende Mutter ihr Baby ungefähr 18 bis 21 Monate lang in ihem Bauch tragen müsste, damit sein kognitiver Status bei der Geburt in etwa dem eines neugeborenen Schimpansen entspricht", haben die Autoren nach einer Einschätzung von A. Portmann aus dem Jahr 1969 zitiert ("to be born at neurological and cognitive developmental stage"). Zwischenzeitlich sind fast 45 Jahre hocheffektive Neuroscience ins Land gegangen und wir wissen, dass die Verschaltung von Neuronen verschiedener Gehirnabschnitte ein lebenslanger Prozess mit Bahnung und Depression von Informationen ist. Der Mensch verschaltet da ein Vielfaches mehr als Menschenaffen. Somit kann man den Vergleich zwischen Mensch und Schimpansen hinsichtlich neurologischer und kognitiver Entwicklung bei der Geburt und in Relation zur Tragezeit als unhaltbar zu den Akten legen. Es kommt nur zum Teil auf die relative Größe des Gehirns im Vergleich zum Körper zum Zeitpunkt der Geburt an, vielmehr entscheidet, was sich daraus entwickelt.
    Die zentrale Aussage des Originalartikels, wonach die Schwangerschaftsdauer nicht von der Relation von Kindsgröße zu mütterlicher Gebärmutter und dem Beckenausgang, sondern von dem Gleichgewicht des Metabolismus zwischen Kind und Mutter abhängt, ist in dieser apodiktischen Form sicher nicht richtig. Werdende Mütter zehren in den letzten Monaten der Schwangerschaft nicht aus, selbst wenn deren Stoffwechsel zu dieser Zeit katabol sein sollte. Sie nehmen durchschnittlich 12 bis 16 kg bis zum Ende der Schwangerschaft an Gewicht zu, wobei dies zur Hälfte einerseits auf den Zuwachs von Gewicht der Gebärmutter, Plazenta, Fruchtwasser, Kind, Brust- und Blutvolumen der Mutter und andererseits auf Zuwachs an Fettgewebe und eingelagertes Wasser im Organismus der Mutter zurückzuführen ist. Schwangere würden nicht verhungern, auch wenn das Kind noch einige Monate länger auszutragen wäre. Sie haben bei der Geburt nach neun Monaten erhebliche Energiereserven angespart.
    Schließlich verweisen die Autoren darauf, dass die Gehirngröße der Feten weniger als 30 Prozent jener der Erwachsenen ausmacht, wogegen etwa Schimpansen 40 Prozent an Gehirngröße im Vergleich zu erwachsenen Schimpansen auf die Welt bringen. Der Vergleich ist frei von jeglicher wissenschaftlicher Bedeutung, um nicht zu sagen absurd. Es wird richtig darauf hingewiesen, dass die Gehirngröße Neugeborener fast die Hälfte größer ist als jene von Gorillababys. Selbstverständlich, denn Menschen haben mindestens dreimal so viele Neurone wie Menschenaffen. Aber der erhebliche weitere Zuwachs an Gehirnmasse bis zum Erwachsenenalter kommt nicht durch zusätzliche Nervenzellen zu Stande, denn die bringt jedes Individuum bereits in nahezu voller Zahl bei der Geburt mit sich, sondern durch die noch zu bildenden Synapsen zwischen den Zellen sowie dem Wachsum von Hirnzellen und Gliazellen. Das ist eine lebenslange Angelegenheit.
    Würde das Gehirn der Kinder bei Geburt 40 Prozent der Größe jenes von Erwachsenen ausmachen, so wären dies knapp 600 ml Organmasse statt jetzt 450 ml oder 12 cm Kopfdurchmesser statt derzeit 9 cm. Die Autoren halten dies physiologisch für durchaus machbar. Große moderne Frauen könnten solche Kinder gebären. Und es sei die Größe des Kindes gewesen, die die Größe des Beckens der Frau bestimmt habe, nicht die Größe des Beckens begrenze die Maße der Neugeborenen. Hier ist Wissenschaft und Spekulation vermischt. Heutzutage würden weder die Gebärmutter noch die Geburtswege einen derartigen Massenzuwachs unbeschadet aushalten. Die Anatomie der Frau müsste erheblich anders aussehen.
    Dass der Geburtstermin, genetisch bedingt, tief greifende hormonelle Veränderungen bei der Frau voraussetzt und der Gebärmuttermund sich erst dadurch öffnet, ist in dem Originalartikel mit keinem Wort erwähnt. Man sollte die "EGG-Hypothese" aus Distanz betrachten.
    Was also bleibt von EGG? Es ist eine Hypothese, die noch dazu überhaupt nicht in die heutige Zeit passt, denn die Zahl der Risikoschwangerschaften würde bei diesen Riesenkindern exponentiell steigen. Eine interessante Form der Geburtenregulierung.