Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • 80-20- oder 20-80-Projektbeteiligung?

    24.10.2012, Daniel Schiller
    Vielen Dank, ein interessanter Artikel, der diese aktuellen Vorgänge in der Raumfahrt gut einordnet.

    Zuletzt habe ich vernommen, dass die ESA für Kooperationsprojekte jetzt die Leitlinie verfolgen soll: Entweder eine 80-20-Beteiligung oder eine 20-80-Beteiligung, aber quasi keine Kooperation mehr auf Augenhöhe (50-50). Im ersten Fall kann man die Mission, wie im Artikel genannt, reduzieren und allein durchführen. Im zweiten Fall hat man keinen zu hohen Verlust, wenn der starke Partner aussteigt und damit die Mission kippt.

    Trifft das zu? Oder ist es doch "glücklicher Zufall", wenn solche Konstellationen eingenommen werden?
  • "Tiger Woods lässt grüßen"

    23.10.2012, Dr. Jörg Kampmann
    Ganz im Ernst, dass Golfplätze viel Wasser benötigen, ist klar. Dass es in Südspanien viele Golfplätze gibt, ist auch bekannt.

    Aber das ist wohl nicht der einzige Verbraucher von Wasser. Wenn man an der Küste mit dem Auto lang fährt, sieht man dort riesige Tomatenfelder (von Holländern und Dänen) bis dicht ans Meer ... nebenbei absolut hässlich ...

    Tja, und auch dort muss wohl der spanische Staat eingreifen ...

    Auf der anderen Seite steht natürlich die Schaffung von Arbeitsplätzen, wobei ich denke, es sind Arbeitsplätze, die nicht teuer sind ...
  • Gehirn-PC

    23.10.2012, Horst Peter, Heidelberg
    Ich denke, unser Gehirn entspricht genau einem PC, wenn die Speicher voll sind, muss man gewisse Bereiche überschreiben und verliert damit durch neues Wissen alte "Intelligenz". Wir müssen also permanent unser Gehirn updaten, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.
    Das Problem zwischen IQ 130 und IQ 80 ist ausschließlich der größere Speicherplatz von 130, womit die 80ger benachteiligt sind.
    Die 80iger können dies nur ausgleichen durch ein perfektes Betriebssystem, zumindest Win xp, was durch Studium, Eltern und Umwelt erreicht werden kann. Dies bedeutet, dass wir alle die gleiche Intelligenz erreichen können, dass aber die 80iger einen wesentlich größeren Einsatz als die 130iger zu erbringen haben. Dies ist, wie ich denke, die Regel, Ausnahmen sind Jahrhunderttalente, die sich mit sieben Jahren an einer Uni einschreiben. Gehe hier allerdings davon aus, dass hier ein Gendefekt vorliegt, der sich positiv ausgewirkt hat.
  • Der Mensch ist unersättlich

    23.10.2012, Robert Orso
    "Der Grundwasserspiegel ist an dieser Stelle seit 1960 um ganze 250 Meter gesunken"

    Dass man durch Grundwasser Gewinnung Erdbeben auslösen kann, damit musste nun wirklich keiner grundsätzlich rechnen. Dass das Absenken des Grundwasserspiegels um 250(!)m eine ganze Reihe von Problemen aufwerfen wird, dazu muss man weder Geologie, noch Ökonomie, noch Soziologie studiert haben, um das zu kapieren. Hier wird offenbar deutlich mehr Wasser *verbraucht*, als in der Region anfällt. Das wird früher oder später zwangsläufig dazu führen, dass alles aufgebraucht ist und spätestens dann kommt der große Katzenjammer. Aber vielleicht findet sich bis dahin jemand, dem man es wegnehmen kann.

    In einem intakten Ökosystem leben an einem Fleck nicht mehr Organismen, als die Region dauerhaft versorgen kann. Nur der Mensch lebt von der Substanz - bis nichts mehr davon da ist.
  • Die Unvernunft ist grenzenlos - oder ?

    23.10.2012, howetzel
    Das Grundwassergewinnung zu Schäden führen kann, insbesondere wenn Unvernunft reagiert, ist an diesem Beispiel sehr gut zu sehen. Den Schluss zu ziehen, dass man nun vorsichterweise in Zukunft auf Grundwassergewinnung verzichten sollte, wäre aber nicht minder Unvernunft.
    Das Fatale an dieser Art Horrormeldung ist aber, dass gerade solche Schlussfolgerungen von Möchtegern-Weltverbesserern gezogen werden!
  • Insolvenz ist kein Verbrechen (mehr)

    22.10.2012, J. T.
    "[...] habe der Schuldner immer etwas von einem Kriminellen."

    Nun, früher mag dies durchaus der Fall gewesen sein - wer seine Schulden nicht zurückzahlen konnte, kam in den Schuldturm, wurde als Verbrecher behandelt oder (je nach Kulturkreis) als Sklave "einbehalten".
    Heute gibt es Gesellschaften mit beschränkter Haftung, der Aktionär haftet nur mit dem eingesetzten Kapital, und auch dem überschuldeten Konsumenten steht die Privatinsolvenz offen.

    Warum aber jemand Kredit für eine Immobilie aufnehmen und bei Zahlungsunfähigkeit die Immobilie dann behalten können sollte - das scheint Diebstahl zu sein.


    "Immerhin benennt Graeber dort ihre [der Finanzkrise] Ursache: die Entkopplung des Dollars vom Goldstandard."

    Es ist nicht ganz einzusehen, warum eine permanent wachsende Weltwirtschaft als Tauschmittel an ein begrenzt vorkommendes Metall gebunden sein sollte. Idealerweise sollte die Geldmenge doch analog zur Wirtschaftsleistung zu- und abnehmen.
    Die Ursache der Finanzkrise ist die Entkopplung von Risiko und Gewinn. Banken müssen pleite gehen dürfen, dann wird die Kreditvergabe auch weniger exzessiv.
  • In den meisten Fällen sind Schätzungen über die Verfügbarkeit von Kohle zu linear gedacht.

    22.10.2012, Tom Schülke
    Wesentlich relevanter als die Kohlereserven, ist die Verfügbarkeit von Öl. Öl wird seinen Peak gemittelt über verschiedene Untersuchungen gegen 2020 erreichen. Einschließlich der unkonventionellen Öle.

    Das Problem ist, dass der Abbau anderer Energierohstoffe einen starken Energieinput an Öl erfordert. Ohne Öl können wir die Maschinen, die Kohle abtragen, nicht betreiben, um es überspitzt auszudrücken. Insofern müssen bei der Betrachtung der Kohleverfügbarkeit auch die vielfältigen Rückkopplungsmechanismen berücksichtigt werden.

    So betrachtet, steht Kohle viel früher vor dem Aus, als es uns bei vereinfachter Betrachtung erscheinen mag.

    Das Schlüsselelement zum Verständnis unsere Energieversorgung ist damit das Öl.
  • Das Paradox von Schrödingers Katze

    22.10.2012, Christian Stratowa, Wien
    In ihrem sehr interessanten Artikel über Schrödingers Katze nennen die Autoren die Dekohärenztheorie und einige Erweiterungen der Quantentheorie, um das Problem des Kollapses der Wellenfunktion zu lösen. Leider erwähnen die Autoren jedoch nicht die Verallgemeinerung der Quantentheorie des Nobelpreisträgers Ilya Prigogine, die meines Wissens als einzige das Problem des Kollapses der Wellenfunktion und somit das Paradoxon von Schrödingers Katze zu lösen scheint:

    Prigogine entwickelte eine Theorie des "Quantenchaos", in der individuelle Trajektorien duch Ensembles von Trajektorien ersetzt werden, die eine Brechung der Zeitsymmetrie einschließt. Der Messapparat wird als "chaotisches" Quantensystem aufgefasst und die Messung (und somit der Beobachter) spielt keine besondere Rolle mehr.

    Mathematisch beschreibt Prigogine seine alternative Quantentheorie in einem generalisierten ("rigged") Hilbertraum, in dem die Eigenwerte der Eigenfunktionen komplex sind und daher zusätzlich irreversible Prozesse wie Zerfallsprozesse repräsentieren. Die Wahrscheinlichkeit (Dichtematrix) ist nicht mehr das Quadrat der Wellenfunktionen, und der Zusammenbruch der Wellenfunktion erscheint als "Manifest einer auf Resonanzen beruhenden Instabilität". Dieser Zusammenbruch breitet sich außerdem mit endlicher Geschwindigkeit im Raum aus ("im Einklang mit Forderungen der Relativitätstheorie, die eine unmittelbare Ausbreitung von Effekten verbietet").

    Dieser Ansatz von Prigogine wird ausfürhlich beschrieben in seinen beiden Büchern "Das Paradox der Zeit" (Piper 1993, siehe auch [1]) und "The End of Certainty" (Free Press 1997). In ersterem Buch beschreibt Prigogine außerdem eine Geburt des Universums, die ohne Singularität auskommt.

    Einerseits würde mich die Meinung der Autoren zu Prigogines Ansatz interessieren, andererseits wäre es sicher lohnenswert, diese alternative Quantentheorie Prigogines einer experimentellen Überprüfung zu unterziehen.

    [1] http://www.schlaefendorf.de/literatur/prigogine/index.html
  • Genereller Schuldenerlass führt nur zu einem endgültigen Zusammenbruch des Kreditwesens

    22.10.2012, Uli
    Die Forderung, generell alle bestehenden Schulden zu erlassen (was mit ziemlich weit hergeholten Grundsätzen erklärt wird), wird nur dazu führen, dass nie wieder Kredite vergeben werden. Der einfache Grund dafür ist: Warum sollte man jemandem einen Kredit geben, wenn dieser höchstwahrscheinlich nicht zurückgezahlt wird?

    In allen Werken der Bankenkritiker wird gerne über unverantwortliche Kreditvergaben schwadroniert, dabei bleibt aber unberücksichtigt, dass ein Land wie z. B. Griechenland etwa dann schon vor Jahren überhaupt keinen Kredit mehr bekommen hätte und schon vor Jahren Pleite gemacht hätte oder all die Programme, deren Streichung heute zu so heftigen Protesten führt, gar nie hätten aufgelegt werden können. Auch die Programme zur Ankurbelung der Wirtschaft dieser Staaten, die heute so gerne gefordert werden, würden dann nicht aufgelegt werden können. Der einfache Grund dafür ist, dass niemand das Geld dafür geben würde.

    Außerdem würde es dazu führen, dass praktisch niemand mehr in der Lage wäre, sich eine Immobilie zu kaufen. Ebenso würden damit alle Finanzierungen für Urlaubsreisen oder Konsumgüter, die heute so beliebt sind, nicht mehr möglich sein.

    Als jemand, der es bevorzugt, alles, was er kauft, sofort zu bezahlen, fände ich das nicht einmal schlecht. Aber ich vermute, dass die Mehrheit derer, die heute vor die Banken ziehen, um einen völligen Schuldenerlass zu fordern, genau dann nicht mehr in der Lage wären, ihr gewohntes Leben weiterzuführen.

    Das Ganze scheint mir eher eine spätmarxistische Träumerei zu sein.

    Die Menschen sollten sich vielleicht mal überlegen, warum die DDR bei dem von Franz Josef Strauß eingefädelten Milliardenkredit unmittelbar vor der Zahlungsunfähigkeit stand. Außerdem würde ich vorschlagen, dass die Menchen sich überlegen sollten, was passieren würde, wenn z. B. die Bundesrepublik keinen Kredit mehr aufnehmen könnte, weil grundsätzlich niemand mehr Geld verleiht.
  • Warum für etwas bezahlen, das aus dem Nichts geschaffen wurde?

    22.10.2012, Quell
    Wer sich ein wenig mit der Geld- und Kreditschöpfung der Geschäftsbanken beschäftigt, der weiß, dass Banken Kredit aus dem Nichts schaffen. Für eine Bank sind Kredite nichts weiter als eine Bilanzverlängerung. Genau genommen wird nicht die gesamte Kreditsumme geschaffen, ca. 1% (in Europa) des Kapitals muss die Bank schon haben.
    Mit diesem Geld, von dem also 99 % aus dem Nichts geschaffen wird, bekommen die Banken nun das Recht, reale Güter zu pfänden und zu verwerten. Schulden sind also nichts weiter als eine gigantische Umverteilung von fleißig nach reich.
    Das hat im Mittelalter mit der Bodenreform schon sehr gut funktioniert. Die Bauern erhielten Land, das sie bearbeiteten, als Eigentum. Wenn jetzt die Widrigkeiten des Lebens auftreten, dann mussten sie dieses Land gegen Kredit bei den Reichen verpfänden. Konnten sie die Kredite nicht mehr bedienen, so verfiel das Land an die Reichen. Für diese war das ein wunderbarer Kreislauf, vor allem deswegen, weil die armen Bauern nachher in einer schlimmeren Situation waren als vorher als Leibeigene. Die Reichen konnten sich so nämlich ihrer Verantwortung entledigen. Wer seine Schulden nicht bezahlen konnte, war dafür eben selbst verantwortlich. Kredite sind für die Reichen etwas herrliches, Wucher in Reinform.
  • Gelungende Darstellung der Problematik von Ökosystemforschung

    22.10.2012, Dr. Christian Monnerjahn, Magdeburg
    Der Artikel stellt sehr anschaulich typische Probleme und Herangehensweisen in der Ökosystemforschung vor: Wie kann man ein komplexes Netzwerk untersuchen, bei dem es sowohl aus praktischen wie auch aus ethischen Gründen nur begrenzt möglich ist, die Rolle einzelner Komponenten durch Herauslösung bzw. Zusetzung (Beispiel im Artikel: Einführung von Echsen auf andere Inseln in ihrem Siedlungsgebiet) zu bestimmen?
    Das Beispiel des Gorongosa-Nationalparkts und die "Illusion der unberührten Natur" zeigen, dass Konzepte zur "Wiederherstellung" schnell an eine Grenze stoßen können - zum einen schon, weil es keine allgemein gültigen Regeln für die Definition des wieder herzustellenden Status gibt, zum anderen dass auch "technische Probleme" (im Artikel: Inzucht in kleinen Populationen) nicht zu unterschätzende Herausforderungen sind.
    Besonders wichtig finde ich (als Biologie), dass der Artikel zeigt, dass es neben den Extremen der Physik in Teilchenforschung oder Kosmologie, die beide auf die eine "Formal für alles" ausgerichtet sind und in ihren theoretischen Teildisziplinen immer in der Gefahr sind, in metaphysik umzuschlagen, auch dem menschlichen Erfahrungsbereich deutlich näher liegende Bereiche hochkomplexer und anspruchsvoller Wissenschaft gibt, die ebenso Fragen nach den grundsätzlichen Konzepten und Möglichkeiten wissenschaftlichen Arbeitens aufwerfen. Aus diesem Blickwinkel ist der Artikel eine schöne Ergänzung zu "Schrödingers Katze auf dem Prüfstand".
  • Malaria + Immunität

    22.10.2012, Paul R. Woods
    "Als er einmal zwei Jahre im Hochland von Madagaskar verbrachte, hatte es dort kurz zuvor den ersten heftigen Malariaausbruch nach zwei Generationen der Ruhe gegeben. 10000 Menschen starben, da inzwischen kaum noch einer von ihnen immun gegen die Seuche war."

    Immunität gegen Malaria? Die gibt es so direkt überhaupt nicht. Eine verringerte Anfälligkeit wird durch Sichelzellen, d. h. abnorme rote Blutkörperchen, begründet.

    Da die durch Sichelzellen verursachten körperlichen Folgen (Anämie u. a.) die Betroffenen früher sterben lassen, sind die Überlebenden anfälliger für Malaria. Hat der Autor das gemeint?
    Antwort der Redaktion:

    In der Tat gibt es bei Malaria keine direkte Immunität. Allerdings werden in Malariagebieten relative Resistenzen beobachtet, die vielleicht durch wiederholte Infektionen mit dem Malariaerreger entstanden sind.

    Reinhard Breuer

  • Stalin kann es nicht gewesen sein

    21.10.2012, Stefan Neumeier
    In diesem schönen Artikel ist mir eine kleine Unstimmigkeit aufgefallen: Stalin soll 1954 Kolmogorow eine Reise ins Ausland erlaubt haben. Stalin ist jedoch schon 1953 gestorben.
    Antwort der Redaktion:

    Welch ein peinlicher Fehler! Anstelle von "Stalin" hätte es heißen müssen: "das Politbüro des ZK der Kommunistischen Partei", das auch unter Stalins Nachfolgern Malenkow und Chruschtschow ein sehr restriktives Verhalten gegenüber einer freien Wissenschaft an den Tag legte.

    Marc Dressler

  • Vernünftige Gründe?

    20.10.2012, Sebastian Beck
    "Es besteht kein vernünftiger Grund, Pelztiere zur Pelzgewinnung zu halten und zu töten"
    Besteht denn ein vernünftiger Grund, Tiere zur Lebensmittelgewinnung zu züchten?

    Aus meiner Sicht nicht.
  • Warum so zurückhaltend?

    20.10.2012, Jörg Kampmann, Physiker
    Es muss schon mächtig stürmisch bei der Acatech zugegangen sein, dass sich gleich 4 renommierte Klimawissenschaftler zurückgezogen haben. Was ich nicht so ganz verstehe, ist, dass in der Homepage von acatech der Satz steht:"acatech – DEUTSCHE AKADEMIE DER TECHNIKWISSENSCHAFTEN vertritt die Interessen der deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland in selbstbestimmter, unabhängiger und gemeinwohlorientierter Weise. Als Arbeitsakademie berät acatech Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen auf dem besten Stand des Wissens. Darüber hinaus hat es sich acatech zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.
    acatech tritt ein für nachhaltiges Wachstum durch Innovation."
    Hervorgehoben werden muss: "... auf dem besten Stand des Wissens ..." ... dieser Teilsatz hätte von den 4 Wissenschaftlern eigentlich viel mehr in den Vordergrund der "Auseinandersetzung" gestellt werden müssen.

    Vielleicht haben sie es ja so gemacht, aber dann hätte der Rücktritt nicht nötig sein müssen ...
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