Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Gute Mathematik ist eher einfache Mathematik

    04.09.2015, Volker Wittmann, Philippsburg
    Der Artikel erweckt sogar bei Mathematikern (zumindest bei mir) den Eindruck, dieses Fach wäre eine Geheimwissenschaft für Überflieger und Gehirn-Akrobaten. Leider gibt es viele Kollegen, die so tun. Auf diese Weise gerät diese wunderbare Wissenschaft in Gefahr, sich immer mehr vom Rest der Welt abzukoppeln. Manche Mathematiker haben es sogar schwer, innerhalb der Zunft Gesprächspartner zu finden, die willens und imstande sind, ihnen zu folgen. Insbesondere bezweifle ich, dass recht viele Leser bei dem Loblied von Winfried Scharlau auf Alexander Grothendieck durchgestiegen sind.

    Beipflichten möchte ich indessen der eher beiläufigen Feststellung des Verfassers, wonach beim Theoretisieren über „Kategorien“ wie Grothendiecks Arbeiten „keine tiefen Probleme gelöst wurden“. Tatsächlich führt sein Spezialgebiet, die algebraische Geometrie, eher ein Schattendasein im Vergleich zu anderen Bereichen wie Topologie, Algebra oder komplexe Analysis.

    Nach meiner Überzeugung geht das Jonglieren mit möglichst umfassenden „Büscheln“ aller Art den falsche Weg. Eine wissenschaftliche Erfahrung zeigt vielmehr, dass vor allem unzureichend durchdachte „Komplexe“ vielschichtig und verwickelt anmuten. Wenn das Verständnis voranschreitet, vereinfachen sich die Dinge in der Regel und klären sich im gleichen Zug.

    Ein Beispiel für solche „Komplexe“ sind die Gruppen. Sie trugen einstmals diese nebelhafte Bezeichnung, bis man die Eigenschaften dieser „Komplexe“ auf wenige Kernaussagen, so genannte Axiome, zurückgeführt hatte. Heute gehören Gruppen zum Stoff vieler Gymnasien und der Anfangs-Semester an den Hochschulen.

    Mit anderen Worten, gute Mathematik ist eher einfache Mathematik. Komplizierte macht sich schlechter und unausgegoren. Damit wird auch die wünschenswerte Richtung erkennbar, die das Fach meines Erachtens einschlagen sollte: nach mehr Brückenschlag zu den Anwendungsgebieten streben, statt sich in immer höhere Stockwerke des Elfenbeinturms zu versteigen.
    Antwort der Redaktion:
    Der Leserbrief von Volker Wittmann enthält recht subjektive Aussagen zu Punkten, über die man verschiedene Ansichten haben kann ("Gute Mathematik ist einfache Mathematik"). Ich möchte Folgendes zu bedenken geben:

    1) Die Mathematik ist nicht in Gefahr, sich zu "isolieren". Selbst das "Wall Street Journal" war kürzlich der Meinung, dass der Beruf des Mathematikers der interessanteste überhaupt sei. In kaum einem anderen Fach sind die Berufsaussichten so gut.

    2) Entscheidende Durchbrüche in der Mathematik in den letzten Jahrzehnten waren nicht "einfach", sondern in aller Regel extrem kompliziert – von der Klassifikation der einfachen endlichen Gruppen bis zu Perelmans Beweis der Poincaré-Vermutung. Man mag das bedauern, aber es ist so.

    3) M. E. ist in der theoretischen Mathematik die algebraische Geometrie ein absolut zentrales Teilgebiet, jedenfalls zentraler und mit mehr Beziehungen zu anderen Gebieten als die von Wittmann genannten. Dass sie ein "Schattendasein" führe, ist – mit Verlaub – absurd. Das wird auch durch folgenden Punkt bestätigt, mit dem wir zu Grothendieck zurückkommen.

    4) Seit 1970 wurde die Fields-Medaille (der "Nobelpreis" der Mathematik) an 41 Mathematiker und eine Mathematikerin vergeben. Von diesen bauen mindestens acht in ihren preisgekrönten Arbeiten unmittelbar auf Grothendieck auf. Weitere wurden durch ihn wesentlich beeinflusst. Kein anderer Mathematiker seiner Generation hat einen ähnlichen Einfluss in der theoretischen Mathematik gehabt wie Grothendieck.

    Winfried Scharlau
  • Studien aus den USA? Hoher THC-Gehalt = Folge der Verbote

    04.09.2015, M. Steldinger
    Man bestraft ja auch einen Bauer nicht, wenn er große Kartoffeln haben will.

    Die Verbote mit ihrem Schwarzmarkt sind doch daran schuld, dass immer stärkere Sorten gezüchtet werden!

    Bei diesem Artikel sehe ich Studien aus den USA - die sind doch mindestens 20 Jahre vorraus was das angeht und nicht wirklich auf Deutschland übertragbar.

    Laut Meldungen der Europäischen Beobachtungsstelle ist hier der THC-Wert stabil bis eher rückläufig.
    Siehe www.emcdda.org
  • Nach so lange lügen

    03.09.2015, bart wakker
    Nachdem die Behörden so lange gelogen hat und die Gefahren von Cannabis stark übertrieben hat, ist es nur logisch dass immer mehr Leute gar nichts mehr ernst nehmen. Aussagen von der Obrigkeit (ob Behörden, Politiker oder auch Forscher) werden einfach nicht mehr geglaubt nach 70 Jahre lügen.

    Zudem, negative Ergebnisse werden von Politik nicht verwendet um den Leuten zu warnen aber trotzdem selbst die Entscheidung zu lassen. Nein, sie werden gebraucht/misbraucht um Erwachsene zu bevormunden und das Verbot zu rechtfertigen.

    Wenn jeder wüsste, dass negative Auswirkungen nicht als Anlass genommen werden die Prohibition zu rechtfertigen, sondern nur als Fakt um verantwortliche Erwachsene selbst entscheiden zu lassen, bin ich überzeugt dass solche Erkenntnissse viel besser akzeptiert würden.

    Allgemein: Politiker müssen mal verstehen dass die meiste Leute nicht gegen sichselbst beschützt werden wollen, sondern Souverän sind. Informieren ja, bevormunden nein.
  • zu 3)

    03.09.2015, Schorsch
    Der Artikel ist sehr einseitig, teilweise unlogisch und unterschlägt andere, positive(re) Studien (auch Langzeitstudien!) über und Erfahrungen mit Cannabis.

    Das kann man kritisieren.

    Wie auch immer. Tatsache ist, dass das Verbot nicht funktioniert – und nie funktioniert hat. Und dass die Gründe dafür aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar sind.

    Schön, dass man darüber endlich diskutieren kann und dass sich weltweit etwas bewegt.
  • Lieber Daniel,

    03.09.2015, Schorsch
    versuchen Sie es trotzdem weiter.
    Irgendwann klappt’s... ;)


    Anmerkung:
    Es sind in dem Text eben absolute Denkfehler enthalten. Zum Beispiel die Aussage über den (angeblich steigenden; auch hier gibt es Studien, die das nicht bestätigen) THC-Wert.

    "Würde der Staat etwa per Gewicht besteuern, so könnten Kunden nach potenteren THC-Produkten greifen, um Geld zu sparen."

    Schnaps kostet ja auch mehr als Bier (wobei der Preisunterschied da viel zu gering ist!). Aber da steht der Alkoholwert eben deutlich auf der Flasche.
    Mehr THC, höhere Steuern, höherer Preis. Wo ist das Problem? Bei einem staatlich reguliertem Handel kann der THC-Wert zusätzlich begrenzt werden, wie das beim Nikotin/Teer in Zigaretten ja auch gemacht wird.

    Dem Dealer auf der Straße ist Verbraucherschutz genauso egal wie Jugendschutz. Die immer wieder vorgebrachten Nachteile bei einer Legalisierung werden so schnell zu Vorteilen.

    oder
    "Die Legalisierung der Produktion erhöht die Wahrscheinlichkeit eines massiven Preisverfalls"

    Auch eine Aussage, die ich nicht verstehe. Der (illegale) Dealer wird Cannabis garantiert nicht massiv (!) günstiger verkaufen als im legalen Handel, die Herstellung kostet schließlich auch. Und das Risiko erwischt zu werden, bleibt.

    Immer vorausgesetzt, die Steuern sind "vernünftig", werden die allermeisten dann im Fachhandel einkaufen: Bessere und gleichbleibende Qualität / keine Streckmittel / mehr Auswahl / Beratung / ein Gramm = 1 Gramm / legal. Der Schwarzmarkt wird nicht komplett verschwinden, abde deutlich schrumpfen.

    Die verbleibenden illegalen Händler können dann genauso verfolgt werden wie bei Zigaretten, bei denen es durch die massiven Steuern leider ein (kleiner) Schwarzmarkt entwickelt hat. Polizei und Justiz werden dadurch entlastet und können sich wesentlich besser um harte Drogen und Jugendschutz kümmern. Zusätzlich könnte man die eingenommenen Steuern zur Unterstützung ihrer Arbeit und für Aufklärung verwenden.


  • gefährlich, jetzt echt

    03.09.2015, Hero Lucky King Unchanged
    Nachdem legale Kräutermischungen ca. 100 mal stärker als Cannabis sind und massenhaft konsumiert werden, frage ich mich, welche Personen bei Cannabis von einem Rauschgift reden. Ist das alles nur ein intellektuelles Problem?
    Cannabinoide verhindern Krebs, Schlaganfall, Diabetes, Alzheimer und ...
    Einfach nochmals richtig recherchieren und kurzen aussagekräftigen Artikel schreiben. Viele der Kommentatoren verstehen den Inhalt einfach nicht richtig.
  • 30,4 Billionen Bäume...

    03.09.2015, Paul R. Woods
    ...ist sicher eine ganze Menge, aber von was?
    "Wikipedia: Die Botanik definiert Bäume als ausdauernde, verholzende Samenpflanzen, die eine dominierende Sprossachse aufweisen, die durch sekundäres Dickenwachstum an Umfang zunimmt."
    Demnach keine Baumfarne, keine Palmen, keine Euphorbiaceae, keine Kakteen, und auch das undurchdringliche Grünzeug in den Mittelmeerländern nicht und auch nicht die Bananenstauden in den Plantagen und Gärten der Tropen.
    Wurde das alles mitgezählt oder nicht? Und wie steht es mit den Mangroven, die ganz sicher keine "dominierende Sprossachse" aufweisen? Kann es sein, dass ein wichtiger Anteil der Landpflanzen, die ebenfalls landschaftsprägend, wenn nicht sogar vielfach flächenhaft dominant sind, unbeachtet geblieben ist? Dann wäre eine Kautschukplantage mitgezählt worden, die sie umgebenden Ölpalmen jedoch nicht?
  • Von Artikeln dieser Art

    03.09.2015, Dorf Tunken
    Von Artikeln dieser Art und vor allem dieses Themenkomplexes wünscht man sich doch mehr auf Spektrum. Solche Themen sollten künftig vermehrt aufgegriffen werden. Das hohe Interesse zeigt sich allein darin, dass hierzu reichlich Kommentare abgegeben werden.

    MfG Dorf Tunken
  • Leider

    03.09.2015, Schorsch
    Leider ein Artikel, bei dem das Fazit schon vor dem Schreiben feststand.

    Muss man das kommentarlos so übernehmen? Das könnt ihr besser, Spektrum. Wie wäre es mit einem eigenen, etwas ausgewogeneren?

    Antwort der Redaktion:
    Lieber Schorsch,

    wir können es so ausgewogen schreiben, wie wir wollen - irgendeine(r) fühlt sich immer auf den Schlips getreten ;-)

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel
  • Kommentar 1 und 2

    03.09.2015, Abstinenzler
    spiegeln ja genau das wider, was im Text (der offensichtlich nicht so ganz verstanden wurde, soviel zum Thema kognitive Fähigkeiten) angemahnt wurde: "Alte Kiffer" kann man nicht heranziehen, da sich das Produkt fundamental veränderte. "Mythen" wurden hier von zwei Seiten angesprochen, m.E. also durchaus recht ausgewogen.
    Aber so scheint es nun zu sein: Selbst Artikel, die keine Verdammung der Droge vornehmen, werden von "Legalize it!"-Anhängern angegriffen - q.e.d.!
  • Ik lack mick nicht schäpps

    03.09.2015, B. Geldner
    Na, Drovtzycchan, so skurril-witzig ist die Sache auch wieder nicht...
  • Mythen, Ammenmärchen und längst widerlegte Behauptungen...

    02.09.2015, Mr. Big Bud
    finde sich leider auch in diesem Bericht.
    Wissenschaftlich nicht gut bzw. an falscher Stelle recherchiert und mit einseitiger Intention verfasst!
  • Bitte Nicht

    02.09.2015, Jack Herer
    Der Text enthält, trotz guter Ansätze soviele Inhaltliche Fehler, dass man nicht weiss wo anfangen....Aber immerhin tut sich in den USA was. Schade wartet Europa seit über 100 Jahren immer erst ab was der grosse Bruder tut. PS: Langzeitfolgen laut Forschung noch unklar? Dann fragt doch mal einen alten Kiffer...nee, darauf ist die "Forschng" noch nich gekommn...
  • Regelmäßiges Fünfeck aus Knoten

    02.09.2015, Volker Sayn
    Man sieht, dass das Redaktionsmitglied kein praktizierender Falter ist (kann man ja auch nicht erwarten). Es wird nicht nur mit Quadraten gefaltet, sondern auch mit anderen Formaten und Bändern. Die regelmäßigen Fuenfecke aus Knoten spielen eine ganz bedeutende Rolle z. B. in der Knotologie von Heinz Strobl (Strobel?). Beliebt ist außerdem der "Lucky Star", bei dem ein einziger Papierstreifen erst zum Fünfeck gefaltet und dann immer wieder "durchgezogen" wird, wodurch er an Volumen zunimmt. Zum Schluss werden die Seiten "eingedrückt".
  • Wie geht es denn besser?

    02.09.2015, Henrik Ullrich
    Die immer wieder zu lesende Behauptung, das Auge sei eine Fehlkonstruktion, ist empirisch nicht zu halten und sollte 150 Jahre nachdem Helmholtz diese Disussion begonnen hat, als gescheitertes Argument, Evolution plausibel zu machen, aufgegeben werden. Wir wissen so viel mehr als Helmholtz damals!
    Wenn es uns gelänge, ein Auge zu konstruieren, das vergleichbare anatomische, physiologische und biochemische Qualitäten hätte und auch seine eigene embryonale Bildungsgeschichte realisieren könnte und dabei die Bildungsprozesse der Gesichts- und Gehirnbildung mindestens so meistert wie unser Auge (bzw. das Auge irgend eines anderen Tieres), dann hätten wir eine solide Basis, über das Thema Fehlkonstruktion zu sprechen. Soweit ich weiß, sind wir von einer besseren Konstruktion des Auges noch sehr, sehr weit entfernt - und das ist sicher noch untertrieben.