Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Betrifft auch die Gebiete EDV / IT / Medizin - Spezialisten / Experten

    21.01.2013, Dipl.Ing.Ing. Bernd Letz
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wie auch schon in dem Kommentar des Softwareentwicklers (auch wenn dieser eher eine Art Vokabel-Training nutzt), zeigt sich dieses Verhalten des Für- und Wider-Abwägens auch bei ( EDV / IT / Medizin ) - Spezialisten / Experten. Welche bei der Aufsetzung eines neuen hoch komplexen Themas, innerhalb von 5 Minuten diese evaluieren und zu einer Mind Map (bis zu 2000 Knoten) darstellen. Indem durch die Selbstgespräche nicht nur die Thema Motivation / Ideen gelenkt, sondern auch dessen Abhängigkeiten / Fallen, durch das (Zwie)-Selbstgespräch gleich vereinfacht mitgeführt werden, um schnell hoch qualitative Ergebnisse zu erzielen.

    mfG
    Dipl.Ing.Ing. Bernd Letz
  • Euler versus Navier-Stokes Gleichungen

    21.01.2013, Helmut Z. Baumert, Ludwigslust
    Die Sackgasse, in der sich die Turbulenzforschung recht lange aufhielt, heißt Navier-Stokes-Gleichung. Sie gehört zur Klasse der singulär gestörten Gleichungen. Wenn man hier die Reibung gegen null gehen lässt, was dem Fall des idealen Fluids entspricht, so tritt bei null eine Singularität auf: Der Typ der Differenzialgleichung ändert sich und damit auch die Anforderungen an die Randbedingungen. Diese Singularität ist es, die wie eine Mauer fungiert, an der alle bisherigen Theorien scheiterten. Beginnt man eine Turbulenztheorie aber von der Eulergleichung her, so ist bekannt, dass deren Lösungen nicht eindeutig sind und man Physik hinzufügen muss. Dieser Approach hat also zunächst ein Geschmäckle. Fügt man man aber elementare ideale Wirbelgesetze in qualitativer Form hinzu, so erhält man die nötige Einzigkeit und es ergibt sich zwanglos eine ganz einfache Theorie der neutral geschichteten Turbulenz, die - neben anderem - als besonderen Gag erstmalig die karmansche Konstante als 1/SQRT (2*pi) ~0.399 liefert, wobei pi = Kreiszahl. Der geschätzte Leser kann all dies hier nachlesen: http://arxiv.org/abs/1203.5042 . In der Tat, Herr Bodenschatz hat Recht: Turbulenz wird nicht mehr lange unverständlich bleiben. Es gibt im Umkreis dennoch mehr als genug zu tun, zum Beispiel wenn Temperaturschichtung eine Rolle spielt und das Fluid schwingungsfähig wird, wenn schwere Teilchen transportiert werden und vieles mehr.
  • 18.01.2013, Harald Schnabel
    Mal eine ganz grundsätzliche Frage,

    unser Strafgesetz bzw. Gesetze allgemein, gelten doch für alle. Warum wird hier für die Kirche eine Extrawurst gemacht? Oder verstehe ich hier was falsch? Ich muss da immer an das Beispiel aus dem Buch Lexikon der Rechtsirrtümer denken: "Der Rechtsweg ist ausgeschlossen" (bei Gewinnspielen)

    Niemand kann den Rechtsweg, also staatliche Gesetze ausschließen. Auch der Papst oder "kircheninterne Gesetze/Vorschriften" nicht. Wie seht ihr das?
  • Der Murks hat Methode

    18.01.2013, Dr. Theo Wember
    Als Statistiker kann ich die Thesen des Artikels nur bestätigen.
    Im medizinischen Wissenschaftsbetrieb ist ein erheblicher Teil der publizierten Ergebnisse falsch, verzerrt oder der Signifikanzbegriff wird falsch interpretiert.
    Der Artikel belegt, dass es in der Psychologie wohl noch schlimmer ist. Es ließen sich aber leicht Standards etablieren, die so etwas verhindern. Man kann aber wohl nicht erwarten, dass Mathematik ferne Forscher, in der medizinischen Forschung typischerweise mit einem sehr gesunden Ego ausgestattet, mathematische Modelle richtig interpretieren und diskutieren.
    Ich arbeite jetzt für Ingenieure: dort ist es viel einfacher, saubere Versuchsmethodik und angemessene statistische Analysen zu vermitteln.
  • Noch etwas zu Schrödingers Katze

    18.01.2013, Josef Gnadl, Regensburg
    In seinem Beitrag "Schrödingers Zombie" schrieb Richard Jelinek:
    Wird man ernsthaft behaupten wollen, die Digicam hätte eine Superposition aufgenommen und diese würde erst beim Betrachten des Aufnahmematerials in einen Zustand kollabieren, der mit dem beobachteten Zustand der Katze kohärent ist? [Zitat Ende]

    Es ist wohl eher so, dass auch die Kamera Teil der Überlagerung ist, und in einem Zweig der Überlagerung eine Kamera existiert, welche eine tote Katze filmt, und in einem anderen Zweig eine Kamera existiert, welche eine lebende Katze filmt.

    Nach der Many-Worlds-One-Mind-Interpretation der Quantenmechanik ist das Bewusstsein ein außerhalb der bisherigen Physik existierender passiver Beobachter der Aktivitätsmuster des Gehirns. Wenn bei einem Messprozess das Gehirn (und die ganze Welt) sich in Zweige auseinander-entwickelt, spaltet sich das Bewusstsein nicht, sondern entscheidet sich für einen Zweig und beobachtet dann nur noch diesen Zweig. Es wird postuliert, dass die Bewusstseine aller Menschen und Tiere demselben Zweig der Welt folgen.

    Angewandt auf Schrödingers Katze könnte daraus diese Sichtweise folgen: Wenn die Katze sich in den lebenden und den toten Zweig auseinander-entwickelt, kann zweierlei passieren: Entweder das Bewusstsein der Katze folgt dem toten Zweig. Es hört auf zu existieren (oder vielleicht verliert es seine Individualität und verschmilzt mit einem Welt-Bewusstsein). Nach dem Zusammenhaltspostulat folgt das Bewusstsein des Experimentators diesem Zweig, in welchem sein Gehirn die Katze tot vorfindet. Im zweiten Fall folgt das Bewusstsein der Katze dem lebenden Zweig. Das Zusammenhaltspostulat sagt, dass das Bewusstsein des Experimentators beim Öffnen der Kiste auch in den lebenden Zweig eintritt. (Wenn die Kiste perfekt isoliert ist, sind in der Außenwelt bis zum Öffnen der Kiste beide Zweige identisch, und das Bewusstsein des Experimentators muss sich erst beim Öffnen entscheiden.)

    In jedem Fall ist das subjektive Erleben des Bewusstseins der Katze eindeutig und keine Überlagerung von Leben und Tod.

    In den nicht beobachteten Zweigen gibt es tatsächlich Zombiegehirne ohne Bewusstsein. Das braucht einen aber nicht zu stören, denn da diese Zweige ohne bewussten Beobachter sind, ist es dasselbe, als ob sie nicht existierten.

    Auf den Begriff "One Mind Interpretation" bin ich zum ersten Mal hier gestoßen:
    http://goertzel.org/dynapsyc/SquiresOneMind.htm

    Zur Seriosität dieser One-Mind-Interpretation: Sie hat es immerhin auf eine Literaturliste des CERN geschafft.
    http://cds.cern.ch/record/1368762/linkbacks

    Zu meinen eigenen Ideen, wonach das rätselhafte Ich-bin-Erlebnis von im Prinzip nachweisbaren Abweichungen von quantenmechanisch berechneten Wahrscheinlichkeiten begleitet sein könnte, siehe
    http://www.mikrocontroller.net/topic/254701
    http://www.drillingsraum.de/room-forum/showthread.php?tid=2907

    Zum Schluss: In dem Artikel wird, wenn ich mich recht erinnere, die Frage aufgeworfen, wie es um eine mögliche gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Zweige der Quanten-Multiwelt durch die Gravitation steht. Die Sache war mir ein Rätsel. In dem Artikel las ich zum ersten Mal, dass sie tatsächlich ungeklärt ist. Vielleicht ergeben sich hier noch Änderungen an den oben dargestellten Ideen.
  • ergebnisoffen

    16.01.2013, howetzel
    Genauso wünsche ich es mir. So sollte die Diskussion geführt werden!
    Die Ansätze, die Herr van Noorden hier gibt, sollten deshalb weiter untersucht werden.
    Die ideologieverbrämten Aussagen unter 2, 3 und 4 beleben nur Vorurteile und sind deshalb bei allem guten Willen deshalb destruktiv.
    Denken sie immer daran, dass Deutschlands CO2-Einsparung nur Trittbrettfahrerei und keine echte Leistung ist!(http://www.spektrum.de/alias/klimaschutz/anatomie-des-scheiterns/1180445). Denken Sie daran, dass die 25% Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen für die aufgewendete Förderung und Privilegierung dieses Stromes eigentlich ein mageres Ergebnis sind!

  • CCS ist eine miese Luftnummer

    16.01.2013, Martina Herzog-Witten
    Es ist der letzte Hilfeschrei des sinkenden Fossil-Lobby-Dampfers in voller Fahrt, das Ding soll weiterqualmen, notfalls mit EOR oder EGR. Es ist doch ganz klar, was passiert, wenn man die Lebensleistung der Pflanzen des Karbonzeitalters, die im Laufe von 70 Millionen Jahren erst mal Lebensbedingungen für Säugetiere geschaffen haben, - nämlich einen ausreichenden Sauerstoffgehalt der Luft - einfach wieder in Kohlendioxid verwandelt - zurück in die Urzeit! Ganz zu schweigen von den Umweltbelastungen drumherum: Wasserabsenkung und -verbrauch, Uranstaub, Methanfreisetzung, Tankerkatastrophen, Blow-Outs....
    Das wird mit CCS nicht besser, es kommt ein höherer Energieverbrauch hinzu, der Rest benimmt sich unter der Erde ebenso wie die psychologische Verdrängung der Tatsache, dass man Geld nicht essen kann. Seit 1990 sind weltweit 290 Millionen ha Wald abgeholzt worden, das hat nicht nur zur Freisetzung von insgesamt 83 Milliarden Tonnen CO2 geführt, sondern das ist auch jenes biologische Puffersystem, welches jährlich zwischen 30 und knapp 60 Gigatonnen CO2 aus der Luft holen könnte, statt dessen wächst dort Eiweißfutter und Palmöl, so lang der Boden noch nicht davon geschwommen ist. Aber nein, wir wollen ja angeblich alle Antibiotika-Puten und Schwein essen und Biosprit tanken, weil die Autoindustrie so lang gepennt hat (oder haben sie sich nur mit den Ölmultis abgesprochen), deshalb muss nämlich der Wald fallen. Mir ist schon ganz übel von dieser oberdummen Arroganz der Geldgeier, denkt ihr denn, das ihr unbeschwert euren Luxus genießen könnt, wenn die ganze Erde schreit? - Stimmt ja, Europa ist längst eine Festung... und Terroristen sind auch schon überall. Kein Wunder, dass es Menschen gibt, die nichts mehr zu verlieren haben und deshalb alles wagen, um dem miesen Spiel, unter welcher Verblendung auch immer, ein Ende zu setzen. Leider führt das zu immer mehr Unfreiheit.
    Es gibt nur ein Entrinnen: Energiewende selber machen, regionales Wirtschaften, Kreativität statt Ersatzbefriedigung durch Konsum.
    Fördergelder nur für Aufforstung und dezentrale Energie-Speichertechnik, dann stellt sich auch die Frage des Netzausbaus viel entspannter.
  • @Fritz Kronberg: Aber die Sache mit der Zukunft

    16.01.2013, Alexander Fink
    Von einer Maschine kann im Kontext der Erde nicht die Rede sein, dem stimme ich zu. Jedoch bin ich der festen Überzeugung, dass der Mensch in der Lage ist, sein geistiges Potenzial soweit forcieren zu können, um eine Art Langzeitkybernetik á la Terraforming zu meistern, um möglichst schwankungsarme klimatische Bedingungen schaffen zu können. Ebenso bin ich fest davon überzeugt, dass interdisziplinäres Forschen dabei die größte Rolle spielen wird, da nur durch Kombination spezifischer Aspekte der Natur- und Geisteswissenschaften hochkomplexe Systeme in ihren subsummativen Einzelsystemen verstanden werden können. Einzelsystem + Einzelsystem = Doppelsystem. Eine induktiv logische Kette quasi. Als überflüssig würde ich dieses Projekt auf keinen Fall bezeichnen, da unter anderem Sprachverständnis die Basis für intersoziale Kommunikation und Verständnis bildet, wo wir dabei angelangt wären, dass der Mensch ganz einfach simple Begriffe benötigt, um dem komplexen Sachverhalt eine angemessene Betrachtungsweise anhängen zu können. Und den Sinn dieser, wie Sie es betiteln, "Veranstaltung" ergründet sich darin, dass ein Verständnis für die Komplexität der Welt in ihrer Vielfalt aufgebaut werden muss, um nicht weiterhin naiv auf empirische Daten warten zu müssen, um im Nachhinein intervenieren zu können. Der Präventionsgedanke für die Zukunft lässt sich ebenfalls schön ableiten.

    "Es ist auch völlig gleichgültig, wie man die letzten 200 und die noch folgenden Jahre nennt."
    Mittelalter. Renaissance. Antike. Die Wende. Ich bin mir sicher, sie interpretieren hiermit geschichtliche Szenarien und diverse Vorstellungen. Wir sind an einem Punkt in der Gesellschaft angelangt, in dem sich die Entwicklung (vor Allem technologisch gesehen) rasant beschleunigt hat und Normen in der Gesellschaft sich im Dekaden- bis Jahrestakt die Hand reichen, was bedeutet, dass wir die Dinge bei ihrem Namen nennen müssen, damit wir sie auch verstehen können. Die Sozialstrukturen und der Wandel der gesellschaftlichen Kulturbedürfnisse ändern sich ebenfalls schneller und schneller und schneller. Damit wir nicht aus den Augen verlieren, worum es uns eigentlich geht bei gewissen Dingen, ordnen wir logischerweise gewissen Tendenzen einen zeitlichen, inhaltlichen und örtlichen Rahmen zu und wir vereinen das in einem simplen Wort. Ergo: Es ist wichtig, von einer neuen Epoche zu sprechen. Einer neuen Ära. Denn die Welt ist nicht mehr vergleichbar mit der Welt vor zehn oder zwanzig Jahren. Vor 100 Jahr könnte diese Behauptung noch stimmen. Ich denke, Sie wissen, worauf ich hinaus will.
  • Verschweigen wäre besser gewesen

    16.01.2013, Walter Weiss
    Jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, weiß doch, dass
    - die Ursache von Intelligenz ein Konglomerat aus Vererbung, Erlerntem, Fleiß, Zufall und Glück ist,
    - dass sowieso die Definition von 'Intelligenz' und die Aufstellung von IQ-Tests nichts als fehlerhaftes Menschenwerk ist,
    - dass auch recht intelligente Zeitgenossen ziemlich bornierte Extremreligiöse sein können.
    Warum dann aber mit diesem Aufwand hochrangiger Wissenschaftler Herrn Sarrazin erneut Aufmerksamkeit verschaffen - wo doch die einzig richtige Reaktion, das Verschweigen, gerade gegriffen hatte? Das ist nun wirklich kontraproduktiv.
    Und wer liest dieses neue Buch denn? Die Aufgeklärten brauchen es nicht, und die Unaufgeklärten werden es gewiss nicht kaufen.
    Antwort der Redaktion:

    Ich glaube nicht, dass ein „Gras drüber wachsen lassen“, wie von Herrn Weiss proklamiert, sich – sei es positiv oder negativ - auf ein nun mal latent vorhandenes Meinungsbild in der deutschen Gesellschaft auswirken würde. Eine gründlich recherchierte Analyse der Thematik braucht eben Zeit, dies kann man den Verfassern jedoch kaum vorhalten.

    Arne Baudach

  • Und nu?

    16.01.2013, Andreas
    Weltuntergang 21.12.2012 !? blöde hab ich wohl verpasst :-(
    Antwort der Redaktion:

    Macht nichts, der Weltuntergang kann jederzeit nachgeholt werden. Wenn wir in einer Simulation leben und das Zeitregister (die "Weltuhr") hat einen "overflow", dann war's das. Kann im Prinzip zu jedem Zeitpunkt passieren.

    Ich fänd's blöde, wenn es demnächst passieren würde (ich habe noch allerlei vor). Verpassen kann man es nicht, keine Sorge. Außerdem wäre es ein gnädiges Ende: kein langes Leiden, keine Außerirdischen, die uns einen nach dem anderen niederballern, keine Eiszeitdramen, überhaupt kein Katastrophenfilm. Vollkommen langweilig. Aber nicht mal darüber hat man Gelegenheit, sich hinterher zu ärgern. Eigentlich ein angenehmes Ende.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Zweikampf der Ideologien

    16.01.2013, Michael Kühnapfel
    Vorweg: Ich bin kein Freund der sarrazinschen Hypothesen und habe sein Buch nicht gelesen, weil ich seine Argumentation, soweit sie in der Presse wiedergegeben wurde, als mangelhaft empfand. Und ich habe auch den "Mythos vom Niedergang der Intelligenz" nicht gelesen, werde ich auch nicht, weil das Buch mir genauso dogmatisch und ideologisch verbrämt vorkommt, wenn man nach Ihrer Rezension gehen kann.
    Da fällt auf, dass die Autoren glauben, sie würden Sachargumente (ob richtig oder falsch, bleibt dahingestellt) widerlegen, wenn sie diese moralisieren - rassistisch und eugenisch seien die Argumente, liest man. Das mag so sein, dass man Aussagen so bewerten kann, widerlegen oder alternative Hypothesen aufbauen kann man so nicht.
    Und natürlich wird jede Feststellung eines Unterschiedes eine Ungleichheitstheorie (sic!) sein, also Ungleichheit feststellen, das liegt in der Natur der Sache. Dass Intelligenzmessungen umstritten sind, heißt aber nicht, dass es keine Unterschiede gibt zwischen den Individuen, wie und ob man diese bewertet, ist die Frage. Dass die Feststellung von Unterschieden nur getroffen wird, um gesellschaftliche Ungleichheit zu "biologisieren", ist wohl zu bezweifeln und auch kein einleuchtes Argument. Zumal der Kampfbegriff der Biologisierung ja nichts aussagt. Die Behauptung, dass es von dort nur ein kurzer Schritt zur Akzeptanz der Unveränderlichkeit der Unterschiede sei, ist, gelinde gesagt, sehr gewagt (oder, offen, völliger Blödsinn). Ohne Veränderlichkeit keine Evolution, ohne Variation keine Individualität.

    Ich möchte jetzt hier nicht weiter machen. Aber folgt man der Rezension, dann scheint dieses Buch genauso ein Blödsinn zu sein wie die Schriften von Sarrazin, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Argumentiert wird nicht, moralisiert wird. Und was nicht korrekt ist, darf auch nicht sein - ist eh alles nur Konstrukt. Das hat mit Wissenschaft so gar nichts zu tun, sondern mit Glauben. Und so prallen hier allenfalls zwei Glaubensrichtungen aufeinander. Schade eigentlich, denn eine Auseinandersetzung mit Sarrazins Thesen könnte die Wissenschaft durchaus weiterbringen. Intelligenz, Intelligenzentwicklung und -vererbung sind durchaus komplexe Themen, die heute nicht völlig verstanden sind - und schon gar nicht die Konsequenzen, die man daraus ziehen kann. Einen Glaubenskrieg im Erkenntnisvakuum als wissenschaftliche Widerlegung anzupreisen, ist allerdings selbstwiderlegend und eigentlich eine Bestätigung der sarrazinschen Behauptungen.
  • Schade, dass Amazon besser rezensiert als Spektrum

    16.01.2013, Dr. Johannes Bohnenberger
    Ich empfinde es als sehr bedauerlich, dass in einer so guten, wissenschaftlich orientierten Zeitschrift eine so unreflektierte und hinterfragungsfreie Rezension abgedruckt wird. Der Rezensent möge bitte bedenken, dass das politisch und moralisch Gewollte nicht der Vater einer Rezension sein sollte. Wirklich gute Rezensionen finden sich auf den betreffenden Seiten von Amazon.
  • Ein Bild des Schreckens

    16.01.2013, Markus Reithofer
    Dieser Beitrag gibt einen guten Einblick in die Denkweise der US-Kohle-Lobby: Ein potenziell enorm umsatzträchtiger Wirtschaftszweig wird massiv von Mitbewerbern (Alternativenergien) bedroht, gegen die man auf lange Sicht rein technologisch nicht bestehen kann. Also sucht man nach Argumenten, um das Geschäft mit dem Verkauf und der Verbrennung fossilen Kohlenstoffs noch möglichst lange aufrecht zu erhalten.
    CCS wird als ein solches Argument verkauft. Aber es ist keines.
    Denn wer nach den Erfahrungen der letzten 50 Jahre immer noch glaubt, dass man gasförmige Substanzen dieser Größenordnung (wir sprechen von Milliarden Tonnen) für immer im Boden vergraben kann, hat entweder im Physikunterricht nicht aufgepasst, oder verschiebt die Verantwortung für die von uns verursacht Umweltzerstörung einfach auf folgende Generationen.

    Hier unterscheiden sich die CCS-Befürworter in einem wesentlichen Punkt von den Betreibern von Atomkraftwerken: Atommüll ist "schon" nach rund 1 Million Jahren ungefährlich, CO2 behält seine klimaschädigende Wirkung hingegen bis in alle Ewigkeit, da es chemisch unverändert bleibt. Dass es ganz grundsätzlich kein Endlager geben kann, welches so lange dicht hält, wird jeder Geologe bestätigen. Insofern ist die gesamte CCS-Diskussion nicht mehr als ein Schildbürgerstreich und jegliche Aktivitäten zur Förderung dieser "Technologie" sollten abgestellt und stattdessen in die Entwicklung von Effizienzmaßnahmen und alternative Energieformen investiert werden.
  • Gerechtigkeit tut not !!!

    16.01.2013, Manfred Eberling
    Jeder normale Mensch muss für seine ungerechten Taten geradestehen!
    Warum gibt es immer wieder solche, die das nicht müssen?
    Weil sie eine Kirche sind, oder weil sie Politiker sind, oder sonst einen Berg von Geld haben, um sich frei zu kaufen?
    Vermutlich weil zu viele "normale Menschen" diese, aus welchen Gründen auch immer, in Schutz nehmen!
    Mit einer solch ungerechten Einstellung kommt aber bestimmt niemand in den Himmel!
    Von einem Fensterplatz ganz zu schweigen!
  • CCS nicht zielführend, teuer, potentiell gefährlich und daher unsinnig

    16.01.2013, Daniel Weber
    Die CCS ist nicht die einzige und schon gar keine effiziente Möglichkeit, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen. Abgesehen von vielen Risiken, die sich bei weit verbreiteter und großtechnischer Nutzung dieser Methode ergeben, kann man damit kein Kohlendioxid aus der Umwelt entfernen, man kann lediglich auf teure Weise den Ausstoß ein klein wenig senken. Daher ist das schon von vorn herein sinnlos.
    Es gibt eine Methode, CO2 aus der Atmosphäre wieder heraus zu bekommen, mit extrem positiven Nebeneffekten. Das Stichwort ist Black Carbon bzw. Terra Preta. Mit dieser Methode entzieht man CO2 nicht nur aus dem Kreislauf, sondern erreicht gleichzeitig eine deutliche Aufwertung von Ackerböden - was bei zunehmendem Nahrungsbedarf unabdingbar sein wird. Die Bodendegradation und ihre Umkehr (die möglich ist im Gegensatz zur Verbrennung fossiler Brennstoffe) sind noch immer viel zu unbeachtet im Reigen des Umwelt- und Klimaschutzes.